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Musikalische Vorbilder

"Apocalypse Pop": Die doppelte Karin


Die schwedisch-norwegische Sängerin Karin Park trat 2013 für Norwegen beim Eurovision Song Contest an (Bild: State Of The Eye Recordings)

  • 28. März 2015, Noch kein Kommentar

Bei ihrem neuen Album "Apocalypse Pop" hat sich Karin Park allzu offensichtlich von ihren Idolen inspirieren lassen.

Von Michael Thiele

Nichts gegen musikalische Vorbilder. Jeder dürfte welche haben. Große Bands, große Sängerinnen und Sänger, große Stimmen. Ob tot oder lebendig, ob Mann oder Frau – wer warum zum Vorbild wird, das unterliegt oft verschlungenen, unbewussten Gründen. Musik ist dann ein Geheimnis. Das Vorbild auch dadurch oft eine regelrechte Ikone. Und sich von Ikonen inspirieren zu lassen, ist absolut legitim – solange etwas Neues, Eigenständiges daraus entsteht.

Vorbilder, Ikonen, Geheimnisse, Inspiration. In genau diesem Kraftfeld bewegt sich Karin Park mit ihrem neuen, fünften Album "Apocalypse Pop". Wobei man klarstellen muss: Karin ist sich ihrer Ikonen sehr bewusst, mögliche Geheimnisse sind gelüftet, auch weil sie Berufsmusikerin ist, und wer sie inspiriert, darüber gibt sie in Interviews gerne Auskunft, obwohl sie das gar nicht müsste, denn ihre Lieder sprechen für sich. Die Dinge liegen also offen.

Björk, The Knife und Karin Dreijer Andersson lassen grüßen


"Apocalypse Pop" ist das fünfte Album von Karin Park

Das Parksche Inspirationskarussell beginnt sich bereits mit dem Opener "Look What You've Done" lustig zu drehen. Woher kommt einem dieser Industrial-Pop nur so bekannt vor? Vielleicht von den frühen Depeche Mode? Klingt da nicht "Behind The Wheel" an? Oder doch "Personal Jesus"? Wie auch immer, Karin Parks Version wirkt etwas anbiedernd, prollig.

Woher die verspielte Elektronik in Verbindung mit dem exaltierten Gesang in "Opium" rührt, wird dagegen sofort klar: von Björk. Und vom tanzbaren Elektropop von "Stick To The Lie" zu Robyns Hymnen "Dancing On My Own" und "With Every Heartbeat" ist es auch nicht weit.

Den wohl größten Einfluss auf die Musik der 36-jährigen Wahl-Norwegerin haben wohl The Knife bzw. Fever Ray, das Nebenprojekt von deren Sängerin Karin Dreijer Andersson. Deren düster-sphärischer Elektro-Sound durchzieht "Apocalypse Pop" mal mehr, mal weniger.

Vor allem aber die frappierende stimmliche Ähnlichkeit der beiden Frauen, die auch noch den gleichen Vornamen tragen, wirft mehr als einmal die Frage auf, ob hier nicht gerade The Knife zu hören sind. Etwa in "Whipped Cream, Silver and Pearls". Oder in "Hard Liquor Man" mit seinen schamanischen Trommelschlägen und dem beschwörenden Gesang von Karin – welche auch immer es sein mag.

Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: "Apocalypse Pop" ist ein gutes, starkes, eingängiges Album, das sich erfreulicherweise mit zunehmender Spieldauer freier macht, das mutiger wird in Bezug auf Songwriting und Instrumentierung. Die Kombination aus düsteren, teils autobiografischen Texten und elektronisch-martialischen Sounds in Verbindung mit der hünenhaft-androgynen Gestalt Karin Parks ist, wie man so schön sagt, up to date.

Und doch: "Apocalypse Pop" haftet aufgrund der vielen offensichtlichen Referenzen etwas Zweitklassiges und Epigonales an. Es wirkt bis zu einem gewissen Grad aufgesetzt, seelenlos, unglaubwürdig.

Youtube | Musikvideo zur Vorab-Single "Look What You've Done"
Youtube | Karin Park live im norwegischen Fernsehen mit dem Song "Human Beings"