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  • 29.03.2015           43      Teilen:   |

Sachbuch

Ein katholischer Theologe erklärt die homosexuelle Liebe

Artikelbild
Wunibald Müller, Jahrgang 1950, leitet das Recollectio-Haus der Abtei Münsterschwarzach - und ist damit in besonderer Weise auch Seelsorger für Seelsorger (Bild: BR)

Ein gutes wie günstiges Geschenk für homophobe Christen: Wunibald Müllers Schrift "Größer als alles ist die Liebe" gibt es jetzt als Taschenbuch.

Von Andreas Zinßer

In seinem schmalen Büchlein "Größer als alles ist die Liebe" fasst Wunibald Müller – Autor, katholischer Theologe, Psychologe und Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach – das Thema Homosexualität aus Sicht der Psychologie und der Sozialwissenschaften, aber vor allem aus jener der Bibel und der kirchlichen Lehren prägnant zusammen.

Zunächst erklärt der 64-Jährige mit einfachen Worten die veränderten Annahmen zu "Ursprung" und Definition der Homosexualität. Er bemängelt schon zu Beginn, dass von Liebe in diesem Zusammenhang sehr lange nicht die Rede war. Nicht in der Psychologie, nicht in der Psychiatrie, nicht in den Sozialwissenschaften und schon gar nicht in theologischen Zusammenhängen.

Vielmehr hat sich sämtliche Forschung und Interpretation der Wirklichkeit allein auf den genitalen Aspekt bezogen. Von diesem her gedacht, versuchte man die "Krankheit" Homosexualität mittels Therapien zu behandeln, etwa indem man schwulen Männern Frauen zuführte, um sie zu heterosexuellem Verhalten zu animieren.

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Heterosexuelle und homosexuelle Liebe sind gleichwertig

"Größer als alles ist die Liebe" erschien erstmals 2009 als Hardcover-Ausgabe. Jetzt wurde der seit langem vergriffene Band als Taschenbuch neu aufgelegt
"Größer als alles ist die Liebe" erschien erstmals 2009 als Hardcover-Ausgabe. Jetzt wurde der seit langem vergriffene Band als Taschenbuch neu aufgelegt

Eine solche "Umerziehung" von "Kern-Homosexuellen" funktioniert natürlich nicht, kritisiert Wunibald Müller in seinem Band. Überhaupt ist für den Autor die Sexualität von Lesben und Schwulen gleichwertig mit der von Heterosexuellen. Schnell kommt er zum (für uns natürlich selbstverständlichen) Schluss, dass somit auch die Liebe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern möglich sein muss.

Müller verwendet in seiner Herleitung eine viel weiter gefasste Definition von Sexualität als sie der Leser von einem Theologen gewöhnt sein dürfte. Sexualität ist für den Autor eine der mächtigsten Kräfte im Menschen, die geprägt sei von der Körpererfahrung und -definition, von der eigenen Identität und unserem Umgang mit ihr. Sexualität diene nicht nur der Fortpflanzung, sondern habe auch Entspannungs- und Lustfunktion, sei kommunikativ und spiegele die Urbedürfnisse des Menschseins wider – Geborgenheit, Annahme, Nähe und Intimität.

Wunibald Müller plädiert für eine Annahme der eigenen Sexualität in ihrer gesamten Buntheit, da wir uns behinderten, wenn wir diese nicht zuließen. Ein Schmunzeln lockt seine Erkenntnis hervor, auch die sexuelle Begegnung könne zu einer intimen werden. Man müsse dafür neben dem Leib auch die Seele und die Psyche teilhaben lassen. Und nur, wer eine solche Intimität erlebe, wer seine Sexualität annehme und lebe, könne wahrhaft kreativ sein und sich schöpferisch an seinem Leben hervortun.

Die Bibel bietet keine Grundlage für Homophobie

Mit Menschen, die ihre Ablehnung von Homosexualität, mit der Bibel begründen, geht der Theologe hart ins Gericht. Nach kurzer Vorstellung bekannter Bibelstellen stellt Müller fest: "Eine theologische Erörterung über Homosexualität gibt es in der Bibel nicht." Vielmehr sei der Bibel eine irreversible homosexuelle Veranlagung, wie Psychologie und Sozialwissenschaften sie heute verstehen, gänzlich unbekannt. Folglich eigne sie sich auch nicht zur Grundlage für Homophobie oder Ablehnung homosexueller Liebe. Auf der anderen Seite zitiert Müller mit Samuel 1,26 und Rut 1,17 einige biblische Beispiele, die man homosexuell deuten kann.

Seine eigene Kirche, die römisch-katholische, kommt in dem Buch übrigens ebenso schlecht weg wie die protestantisch-evangelikale. Müller wirft beiden eine Fixierung auf den genitalen Teil der Sexualität vor und plädiert umfassend für einen offenen, toleranten und akzeptierenden Umgang mit Lesben und Schwulen, ihren Gefühlen und Wünschen. Große Abschnitte lassen sich als theologisches Plädoyer für kirchliche Trauungen vom homosexuellen Paaren interpretieren.

Der Autor fordert schließlich die Konsequenzen seiner Folgerungen ein – gerade das macht das Büchlein so authentisch. Das Kapitel über die seelsorgerisch-spirituellen Perspektiven ist das Spannendste. "Größer als alles ist die Liebe" ist damit ein hervorragendes Geschenk für Christen, für die Liebe noch immer nicht Liebe ist.

  Infos zum Buch
Wunibald Müller: Größer als alles aber ist die Liebe. Für einen ganzheitlichen Blick auf Homosexualität. Topos Taschenbuch 896. 107 Seiten. Kartoniert. Topos plus Verlagsgemeinschaft / Matthias-Grünewald-Verlag. Ostfildern 2014. 8,95 €. ISBN 978-3-8367-0896-8
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Tags: wunibald müller, bibel, kirche, glaube
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Reaktionen zu "Ein katholischer Theologe erklärt die homosexuelle Liebe"


 43 User-Kommentare
« zurück  12345  vor »

Die ersten:   
#1
29.03.2015
16:50:07


(+1, 9 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"dass somit auch die Liebe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern möglich sein muss."

Was heißt hier "möglich sein muß", die muß nicht sein, das ist so und basta.

Warum muß der Mensch immer was in Schubladen stecken?
Kann man nicht der Dingen ihren Lauf lassen?
Die Welt währe doch so schön, ohne diese "Dingenichtversteher", "Dingefalschversteher" die ich in eine hetzerschublade stecke.


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#2
29.03.2015
16:55:54


(+5, 5 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"....Urbedürfnisse des Menschseins wider...."

Die Tiere nicht zu vergessen, das beste Beispiel sind die Bonobo.
Ausserdem sind die Bonobos ein gutes Beispiel, das es auch anderes als Gewalt gibt, nähmlich die Körperliche Nähe.


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#3
29.03.2015
16:58:44


(+6, 6 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Das Buch muß man als wichtiges Lehrstück für die theologischen Fakultäten der ganzen Welt empfehlen oder besser noch erzwingen.


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#4
29.03.2015
17:28:45


(+4, 6 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #3 von hugo1970


Und in meinem Traumbüchel verschwindet die da in einem orthodoxen Kloster hinter dem Ural:

Youtube-Video:


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#5
29.03.2015
19:41:36


(+5, 5 Votes)

Von PFriedrich
Aus Trier (Rheinland-Pfalz)
Mitglied seit 19.02.2015


Sicherlich ein schöner und dankenswerter theologischer Ansatz bei Wunibald Müller.
Grundsätzlich steht für mich die Aussage des von Ratzinger geschassten Religionsphilosophen Eugen Drewermann, daß Religionen und Kirchen sich überhaupt nicht einzumischen haben, ob ein Mensch homo-, bi- oder sonstwie sexuell wird.


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#6
29.03.2015
22:28:41


(+6, 6 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014


Also ich kann die Katholen an sich ja nicht(mehr) gut leiden, aber dieser hier zeigt recht gute Hoffnungen an, einen bemerkenswert fortschrittlichen Ansatz hervorzuheben. Das muss man trotz aller Widrigkeit, die Katholische zur Weltwirklichkeit sonst so zeigen, anerkennen. Der Autor begibt sich mit einer glaubenskritischen Ansage natürlich in die Pranke der Löwen in deren Höhlen!Ein Plädoyer für die Liebe...

Löblicher Mut!


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#7
30.03.2015
00:17:49


(+7, 11 Votes)

Von ursus


weshalb genau war es noch mal so furchtbar wichtig für unsere heutige ethik, was ein wüstenvolk der bronzezeit dachte? oder ein legendärer wanderprediger der antike?

für eine "ganzheitliche sicht" der homosexualität oder für deren selbstverständliche akzeptanz braucht kein mensch auf der welt, auch kein heterosexueller, eine pseudowissenschaftliche "theologische" herleitung. neugier und ein bisschen empathie reichen völlig aus.

man kann natürlich auch die photosynthese mit alchemie "erklären". dazu muss man einfach nur alle lehrsätze der alchemie über bord werfen und durch die erkenntnisse moderner biochemie ersetzen.

oder man nimmt eben gleich die biochemie.

parallel kann man sicher auch aus den teils menschenverachtenden schriften des alten und neuen testamentes irgendwie eine menschenfreundliche botschaft herausdestillieren, die mit der ethik der neuzeit übereinstimmt. man muss nur eben ca. ein drittel rausfiltern oder zurechtbiegen und den rest durch die ethik der neuzeit ergänzen und diese kunstgriffe dann "theologie" nennen. das hat dann zwar mit der religion der bronzezeit bzw. antike nichts mehr zu tun, aber darauf kommt es ja, wenn ich das richtig verstehe, offenbar gar nicht an.

oder man hält sich einfach von vornherein an eine humanistische weltsicht, deren menschenfreundlichkeit man nicht erst durch streichungen und semiologische taschenspielertricks herbeidichten muss.

was ich für die würdigere und philosophisch redlichere lösung halte, muss ich nicht erklären.


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#8
30.03.2015
03:18:37


(-14, 20 Votes)

Von Markus44


Na das ist ein Buch, das unbedingt Atheisten-Dad, strombolinie, ursus, usw. hier im Forum zu Weihnachten unter den Weihnachtsbaum als Buchgeschenk gelegt werden sollte.


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#9
30.03.2015
09:49:28


(+6, 8 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Wunibald Müller hat mit diesem Buch auf jeden Fall voll ins Schwarze getroffen! Vor allem sollte man's auch in anderen Sprachen übersetzen und jedem stockkonservativen christlichen Fundamentalisten unter die Nase halten! Besonders den C-Parteien in unserem Land und homophoben Schranzen wie die Kuby, von Storch und Konsorten ist die Lektüre um die Ohren zu schlagen!


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#10
30.03.2015
10:16:14


(+11, 13 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008
Antwort zu Kommentar #8 von Markus44


Schon lobenswert das sich ein religiöser aufrafft über den tellerrand seiner glaubensniederungen hinausblicken zu wollen..
Der mann sagt mir allerdings nichts neues, dass ich nicht schon aus eigener anschauung und erfahrung gewusst hätte..
Es ist ein erstklässler-lehrbuch für religioten und glaubensabhängige...
nicht mein thema , nicht mein leidenspaket, dass ich mit mir herum schleppen muss...

Vieleicht entdeckst du ja für dich einige wahrheiten in der schrift, so z.b., dass man auch ohne "gott" die vorgeschlagenen wege gehen kann.
Aber unsicher/labile kantonisten wie du, brauchen halt die führende hand ihrer hirten ...


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