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  • 07.04.2015           13      Teilen:   |

Debatte

Gleichstellung in den USA: Es geht um die Torte

Artikelbild
Es ist zum Politikum geworden, ob zwei Männchen eine Konditorei zwei Männchen auf eine Hochzeitstorte stellen muss

In den amerikanischen Nachrichten streiten Kommentatoren darüber, ob christliche Konditoren auch Schwulen und Lesben Gebäck verkaufen müssen.

Von Dennis Klein

Während die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben in Deutschland stockt, machen die Amerikaner große Schritte: Im Sommer wird der Supreme Court voraussichtlich über die Ehe-Öffnung entscheiden (queer.de berichtete) – und wahrscheinlich im ganzen Land das Verbot von gleichgeschlechtlichen Ehen kippen, wie er bereits 1967 das Verbot gemischtrassischer Hetero-Ehen unter Berufung auf die US-Verfassung abgeschafft hatte.

Der Fokus hat sich in den letzten Wochen vom Ehe-Recht auf Antidiskriminierung verlegt: Mit Arkansas und Indiana wollten zwei Bundesstaaten unter dem Jubel von republikanischen Präsidentschaftskandidaten wie Jeb Bush oder Rand Paul Gesetze zur Religionsfreiheit erlassen, deren Hauptziel es laut den Autoren war, bibeltreue Christen vor Homosexuellen zu schützen. Religiöse Menschen sollten nicht gezwungen werden, Dinge wie die Homo-Ehe zu unterstützen. Dieses Vorhaben ist nach einem Aufschrei von Bürgerrechtlern und der Industrie vorerst gescheitert (queer.de berichtete).

In dieser Auseinandersetzung wurden vor allem Bäcker als Erzeuger von Hochzeitstorten zu einem Symbol des "Kulturkampfes". In den Nachrichtensendern wurden sie ausführlicher behandelt als weltpolitische Fragen von Krieg und Frieden. Konditoren wie Aaron und Melissa Klein sind in den Augen vieler religiös-konservativer Amerikaner zu Freiheitskämpfern aufgestiegen, weil sie sich geweigert hatten, einem gleichgeschlechtlichen Paar eine Hochzeitstorte zu verkaufen, und später wegen Diskriminierung bestraft wurden (queer.de berichtete).

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Auch Blumen und Pizzen sind Teil des "Kulturkampfes"

Zuletzt hatten von Christen geführte Geschäfte mehrfach Schlagzeilen gemacht, darunter die Floristin Barronelle Stutzman, die ein schwules Paar nicht bedienen wollte und deshalb von einem Gericht wegen Diskriminierung verurteilt wurde (queer.de berichtete). Sie muss 1.000 Dollar Strafe und einen Dollar Gerichtskosten zahlen – und lamentiert seither in christlich-fundamentalistischen Medien darüber, wie Homosexuelle das Christsein in Amerika unmöglich machen würden. Inzwischen profitiert sie von ihrem Promi-Status: Laut Medienberichten sind in den letzten Tagen mehr als 800.000 Dollar Spenden von Homo-Hassern für die Frau angelaufen, die das Geld dafür verwenden will, durch alle Instanzen für ihr Recht auf Diskriminierung zu kämpfen.

In einem anderen Fall stellte vergangene Woche eine von "wiedergeborenen Christen" betriebene Pizzeria in Indiana klar, sie werde keine "Hochzeitspizzen" für Schwule und Lesben herstellen. In sozialen Netzwerken führte diese Geschichte zu vielen Emotionen und schließlich dazu, dass die Besitzer den Pizzaladen dicht machten.

Inzwischen rächen sich die Homo-Gegner – und das am liebsten über Torten: So fühlte sich am Wochenende Ex-Pfarrer Joshua Feuerstein öffentlich diskriminiert, weil die Konditorei "Cut the Cake" aus Florida seine Bestellung nicht annehmen wollte – er hatte telefonisch eine Hochzeitstorte mit der Aufschrift "Wir unterstützen keine Homo-Ehe" geordert. Der Gottesmann nahm die abgelehnte Bestellung auf Tonband auf und stellte sie anschließend online, woraufhin es schlechte Online-Kritiken und sogar Mord-Drohungen gegen die Konditoren hagelte. Aber auch hier nahmen viele Bürger Anteil: Unterstützer des Ladens haben über das Wochenende 11.000 Dollar an Spenden gesammelt, um Einnahmeverluste auszugleichen.

In einem ähnlichen Fall hat am Freitag in Colorado ein Antidiskriminierungstribunal zugunsten einer Konditorei entschieden, die sich geweigert hatte, eine Torte gegen die Homo-Ehe zu backen. Hier hatte ein Kunde ein Backwerk verlangt, auf dem zwei Männer abgebildet sein sollen, die mit einem roten X durchgestrichen sind. Daneben sollten Bibelverse stehen, die Homosexualität als Sünde bezeichneten.

Das Tribunal befand, dass ein Konditor nicht verpflichtet ist, Botschaften auf seine Backwerke zu drucken, die sich "abfällig" gegenüber anderen Menschen äußerten. Der Kläger hat allerdings bereits Einspruch eingelegt – empört darüber, dass ein Bibelzitat als "abfällig" gewertet werden kann. Er argumentierte, dass dies der erste Schritt sei, "die Bibel aus dem öffentlichen Raum zu verbannen" und warnte allen Ernstes vor dem Ende der Christenheit in Amerika.

Youtube | Bericht über die „Azucar Bakery“, weil sich die Besitzerin weigerte, einen homofeindliche Torte zu verkaufen

Fox-News: Homos verfolgen Christen

In der öffentlichen Debatte verschärft sich in vielen Medien der Ton der Homo-Gegner, oft werden Homosexuelle abwechselnd als eigentliche Diskriminierer oder als Nazis beschimpft. Ein Fox-News-Kommentar von Todd Starnes beklagt, dass die "LGBT-Community" Christen in der Nahrungsindustrie zum "Staatsfeind Nummer eins" erklärt hätte und dass es sich bei ihren Mitgliedern um "moderne Faschisten" handele.

Was oft vergessen wird: Das eigentliche Problem für viele Schwule und Lesben ist der rechtliche Flickenteppich, der ihren Schutz erheblich einschränkt: Im Bundesrecht gibt es keinen Diskriminierungsschutz aufgrund des Merkmals sexuelle Orientierung, wie es ihn etwa aufgrund von Merkmalen wie Rasse, Religion oder Geschlecht gibt. Für sexuelle Orientierung bieten nur die Hälfte der Bundesstaaten einen Diskriminierungsschutz an.

Dass manche Fundi-Bäckereien Schwulen und Lesben keine Brötchen verkaufen wollen, ist dabei eher ein überschaubares Problem, viel einschneidender ist aber fehlende Schutz am Arbeitsplatz. In vielen Südstaaten ohne Diskriminierungsschutz bedeutet das, dass ein Chef homosexuelle Mitarbeiter fristlos feuern darf – wenn er hingegen Kanadier hasst, ist ihm ein solcher Schritt verboten, weil die nationale Herkunft ein schützenswertes Merkmal ist.

Im Fall der Torte bedeutet das: Wenn einem Mann-Frau-Paar aus Rassismus eine Hochzeitstorte verweigert wird, ist das verboten. Wenn einem Homo-Paar aufgrund der sexuellen Orientierung dasselbe widerfährt, ist es in großen Teilen des Landes erlaubt.

Youtube | Der konservative Fox News Channel präsentiert Antidiskriminierungsrichtlinien für Schwule und Lesben als „den Tod der freien Marktwirtschaft“
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Tags: homo-ehe, antidiskriminierung, usa, hochzeitstorte
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Reaktionen zu "Gleichstellung in den USA: Es geht um die Torte"


 13 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
07.04.2015
13:27:11
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(+9, 13 Votes)

Von Alex


Wenn religiös fanatisierte Geschäftsleute es sich leisten können, Kunden abzulehnen, sollte besser niemand mehr dort kaufen.


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#2
07.04.2015
13:58:41
Via Handy


(+17, 19 Votes)

Von Felix


"Fox-News: Homos verfolgen Christen"

Dass diese Leute immer Aggressor und Reaktion darauf vertauschen wollen...

Zuerst sind es diese Fundamentalisten, die uns diskriminieren wollen. Wir reagieren nur darauf, indem wir Gleichbehandlung fordern. Nicht mehr und nicht weniger.

Der Gleichheitsgrundsatz ist ein demokratisches Grundprinzip; dessen Achtung sollte in einem demokratischen Rechtsstaat eigentlich selbstverständlich sein...


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#3
07.04.2015
15:20:45


(+11, 11 Votes)

Von panzernashorn
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Auch wenn ich mich sinngemäß wiederhole:

Meiner Meinung nach gehören diese Fanatiker ausnahmslos in die Psychiatrie zur dringenden Behandlung ihrer schweren Persönlichkeitsstörung - genannt Religiotie.


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#4
07.04.2015
15:26:48


(+4, 8 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"In den amerikanischen Nachrichten streiten Kommentatoren darüber, ob christliche Konditoren auch Schwulen und Lesben Gebäck verkaufen müssen."

Natürlich müssen sie, sonst hagelts Klagen!


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#5
07.04.2015
15:35:33


(+7, 11 Votes)

Von FuZZZyness
Antwort zu Kommentar #4 von Patroklos


Gibt's da noch Hagel? (Außer dem Chuck.)

Link zu www.tagesschau.de


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#6
07.04.2015
16:34:41


(+9, 9 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"Dieses Vorhaben ist nach einem Aufschrei von Bürgerrechtlern und der Industrie vorerst gescheitert (queer.de berichtete)."

Ein gutes Zeichen was zeigt, das wir, das Volk, schon Macht haben, nur das Volk muß wollen und nicht Angst haben um die eigenen Taschen.


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#7
07.04.2015
16:40:27


(+10, 10 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"Der Gottesmann nahm die abgelehnte Bestellung auf Tonband auf und stellte sie anschließend online, woraufhin es schlechte Online-Kritiken und sogar Mord-Drohungen gegen die Konditoren hagelte"

Ein besseres Beispiel als das?, was zeigt, wer die gefährliche Gruppierung ist, nähmlich die ewigvorgestrige religiös konservativen nazis, einfach gesagt die nazis


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#8
07.04.2015
14:43:51


(+10, 10 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"Er argumentierte, dass dies der erste Schritt sei, "die Bibel aus dem öffentlichen Raum zu verbannen" und warnte allen Ernstes vor dem Ende der Christenheit in Amerika."

Das sind die us republikaner, was die Macht nur unter sich aufteilen wollen. Für die gibt es nur eine Wahrheit, nähmlich derer Wahrheit.


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#9
07.04.2015
16:46:02


(+9, 9 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015
Antwort zu Kommentar #1 von Alex


Diskriminierung ist Diskriminierung!!!


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#10
07.04.2015
16:47:15


(+5, 7 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015
Antwort zu Kommentar #2 von Felix


"dessen Achtung sollte in einem demokratischen Rechtsstaat eigentlich selbstverständlich sein..."

Ein Land was konservativ regiert wird, kann nicht demokratisch sein.


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