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  • 08.04.2015           59      Teilen:   |

Neue NDR-Reportage

Das Schweigen der EKD zu Homo-"Heilern"

Artikelbild
Für die erste Reportage hatte sich Christian Deker selbst wegen seiner Homosexualität in "Behandlung" begeben

In seiner Fortsetzung zur TV-Doku "Die Schwulenheiler" zeigt "Panorama"-Reporter Christian Deker, wie Homo-"Heiler" in der Evangelischen Kirche geduldet werden.

Von Norbert Blech

Im Mai letzten Jahres zeigte der NDR in einer eindrucksvollen Dokumentation, wie christliche Ärzte in Deutschland Homosexualität "heilen" wollen und dies auch noch über die Krankenkasse abrechnen (queer.de berichtete).

Der schwule "Panorama"-Reporter Christian Deker hatte sich dazu selbst in "Behandlung" begeben, unter anderem bei dem Hamburger Arzt und Freikirchler Arne Elsen. Dieser trieb dem Reporter vermeintlich den "Geist der Homosexualität" mit Gebet, Handauflegung und Öl aus. Ein Jahr später zeigt sich nun in einer Nachfolgereportage Dekers, die am Montag vom NDR ausgestrahlt wurde: Die große Empörung über die Sendung hat an der sinnlosen und gefährlichen Praxis der "Therapie" von Homosexualität nichts geändert.

So praktiziert Elsen weiter; die Ärztekammer Hamburg hat Ermittlungen gegen den Arzt eingestellt, weil der Film als Beweis nicht ausreiche. Auch seitens der Krankenkassen, über die "Behandlungen" abgerechnet wurden, gibt es kein Vorgehen gegen den Arzt.

Lediglich Elsen selbst hatte einen Erfolg erzielen können: Das Oberlandesgericht Hamburg hatte es dem NDR im letzten Jahr verboten, die heimlich gefilmte "Heilung" des Reporters weiter zu verwenden oder zu verbreiten (queer.de berichtete). Der Sender setzte in Folge auf nachgestellte Szenen – und präsentiert in der neuen Reportage einen gläubigen Mann, der ebenfalls von einer "Behandlung" durch Elsen erzählt, einer "Dämonenaustreibung". Dessen Freikirche hatte ihm dazu geraten.

Fortsetzung nach Anzeige


Besuch bei Vonholdt & Co.

In Folge zeigt die neue Reportage einzelne Gemeinden und Gruppen innerhalb der Evangelischen Kirche, die Homosexualität als Sünde ansehen und schwule Mitglieder ausgrenzen. So erhielt ein Gläubiger anonym Materialien der homofeindlichen "Offensive Junger Christen" (OJC) und des angeschlossenen "Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft".

Die Offensive ist wegen ihrer Arbeit zur Homo-"Heilung" umstritten, ihre Anbindung an die evangelische Kirche (und den Staat) ein seit Jahren schwelender Skandal. Es ist wohl dem Format der Presenter-Reportage geschuldet, dass man im NDR-Film leider wenig Fakten über die Arbeit der OJC erfährt, dafür nur sieht, wie Mitarbeiter – darunter immerhin Christl Vonholdt – auf dem morgendlichen Kirchgang Antworten verweigern.

Immerhin stellt der Film die Frage nach der Verantwortung der Evangelischen Kirche und zieht Michael Diener von der Evangelikalen-Dachorganisation "Evangelische Allianz" und vom Gnadauer Gemeinschaftsverband vor die Kamera, der in der Sendung erneut für Homo-"Heilung" wirbt. Und nicht nur da: In diesen Tagen veranstaltet die Allianz etwa eine Familienfreizeit, in der Homo-"Heiler"-Organisationen wie "Wüstenstrom" und Weißes Kreuz eingebunden sind (queer.de berichtete).

Diener wurde vor wenigen Wochen erstmals ins Kirchenparlament der Evangelischen Kirche berufen, wie übrigens auch Steffen Kern vom "pietistischen Evangelischen Gemeinschaftsverband 'die Apis'", der ebenfalls für Homo-"Heilung" wirbt.

Youtube | Die Panorama-Reportage "Die Schwulenheiler 2"

Geduldete Praxis

"Warum lässt die Evangelische Kirche Diskriminierung in ihren eigenen Reihen zu?", fragt Deker. Kirchen-Vizepräsident Dr. Friedrich Hauschildt sieht keinen Sinn darin, "bestimmte Gruppen – Homosexuelle oder die, die Homosexuelle verurteilen – zu verurteilen". Der neue EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm weicht der Frage aus und will später keine weiteren beantworten. In dieser Szene zeigt sich deutlich, dass der Kirche die Praxis der Homo-"Heilung" bekannt ist und sie diese bewusst duldet.

Letztlich zeigt der Film also, dass die Selbstverwaltung von Kirche und Medizin das Problem der Homo-"Heilung" nicht angeht. Was eigentlich schon Thema der zweiten Reportage hätte sein müssen, sollte nun die dritte werden: Dass folglich die Politik einschreiten müsste. Das wird von der Union aber nicht nur abgelehnt, sondern sie hofiert Gruppen wie die Evangelische Allianz regelrecht. Ohne Druck von Medien wird sich das nicht ändern.

Youtube | Die Panorama-Reportage "Die Schwulenheiler", erster Teil aus dem letzten Mai
Links zum Thema:
» Webseite der Sendung mit weiteren Informationen
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Tags: homoheiler, evangelische kirche, evangelische allianz, ndr, panorama, christian deker
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Reaktionen zu "Das Schweigen der EKD zu Homo-"Heilern""


 59 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
08.04.2015
14:02:19
Via Handy


(+14, 20 Votes)

Von Alex


Die Evangelen sind letztlich genauso verdorben wie die Katholen. Sie verstecken das nur besser.


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#2
08.04.2015
14:09:20


(+16, 16 Votes)

Von ehemaligem User VeganBear


Lieber Christian Deker,

vielen Dank für Deine gute Reportage.
Sie enthält allerdings eine heute sehr populäre Falschaussage -
Du sprichst von einem Mann, der einen Mann "geheiratet" hat.
In der Tat ist es jedoch so, daß es auch heute noch für gleichgeschlechtliche Partner_innen NICHT möglich ist, zu "heiraten", also eine Ehe einzugehen. Uns bleibt nach wie vor nur die 2. Wahl - nämlich die Eingetragene Lebenspartnerschaft, die der Ehe eben NICHT gleichgestellt ist.
Wenn gleichgeschlechtliche Menschen sagen, sie seien "verheiratet", so entspricht das also eher einem Wunschdenken bzw. dem Wunsch, nicht als Mensch zweiter Klasse wahrgenommen zu werden, indem man als gleich bezeichnet, was eben NICHT gleich ist.
Solange es also keine tatsächliche 100%ige Gleichstellung bzw. Öffnung der Ehe für ALLE gibt (wie es gerade in immer mehr Ländern geschieht, nur in Deutschland nicht, wegen "Muttis" "Bauchgefühl"), können wir eben auch NICHT "verheiratet" sein.
Da hilft auch keine Aussage, die so klingt, als wäre alles gut.
Ist es nämlich eindeutig nicht.


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#3
08.04.2015
14:35:21


(+12, 16 Votes)
 
#4
08.04.2015
14:41:38


(+18, 18 Votes)

Von Venice-89


Bestätigt mich mal wieder darin das der Kirchenaustritt richtig war.

Und zeigt erneut, das den Kirchen sämtliche Staatliche Förderung entzogen gehört wenn sie das nicht stoppt.


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#5
08.04.2015
14:47:07


(-15, 23 Votes)

Von Markus44
Antwort zu Kommentar #1 von Alex


@Alex
"Die Evangelen sind letztlich genauso verdorben wie die Katholen. Sie verstecken das nur besser."

Schlichtweg eine Lüge kann ich da nur als schwules Mitglied einer Landeskirche der EKD antworten.

Der im Format genannte Arzt ist Mitglied einer FREIKIRCHE und gehört keiner Landeskirche an. Wenn er Abrechnungen zur Homo-Heilung mit dem Staat macht, hat dies NICHTS mit den Landeskirchen der EKD zu schaffen.

Die EKD hat bereits 2001 in dem Grundsatzdokument "Verlässlichkeit und Verantwortung stärken" sich eindeutig hinter dem Lebenspartnerschaftsinstitut für gleichgeschlechtliche Paare" positioniert und damit dann spätestens seine Haltung geändert, die noch teilweise 1996 "Mit Spannungen leben" zum Ausdruck kam.

Mittlerweile haben in den letzten 14 Jahren seit Verabschiedung des Lebenspartnerschaftsinstitutes 13 von 20 Landeskirchen der EKD öffentliche Segnungsgottesdienste ermöglicht und zwei weitere Landeskirchen beraten dies derzeit. Mit der Landeskirchen von Hessen und Nassau gibt es bereits eine Landeskirche, die sehr nahe an einer kirchlichen Trauung dran ist.

-------------

Das es leider das Reichelsheimer Institut gibt, ist seit Jahren sehr bedauerlich. Aber wer dieses Institut mit der EKD oder den Landeskirchenleitungen der EKD gleichsetzt, der lügt schlichtweg und verzerrt die offizielle Haltung der EKD und der Landeskirchenleitungen.

Gleichwohl ist es richtig, wenn gerade bestimmte evangelikale Freikirchen weiterhin unter genauer Beobachtung stehen, denn dort in einigen Freikirchen ist Homophobie in der Tat weit verbreitet (Zeugen Jehova, Baptisten, ...). Es gibt aber auch Freikirchen, wo das Gegenteil der Fall ist (Unity Church, Metropolitan Community Church, ...).


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#6
08.04.2015
14:51:06


(-18, 22 Votes)

Von Markus44
Antwort zu Kommentar #2 von VeganBear


@VeganBear
"Du sprichst von einem Mann, der einen Mann "geheiratet" hat.
In der Tat ist es jedoch so, daß es auch heute noch für gleichgeschlechtliche Partner_innen NICHT möglich ist, zu "heiraten", also eine Ehe einzugehen. Uns bleibt nach wie vor nur die 2. Wahl - nämlich die Eingetragene Lebenspartnerschaft, die der Ehe eben NICHT gleichgestellt ist."

---> Sehr bewusst aber verschweig VerganBear das die Rechte und Pflichten beim Lebenspartnerschaftsinstitut fast mittlerweile 1:1 gelten. Derzeit wird nunmehr ein Rechtsbereinigungsgesetz zum Lebenspartnerschaftsrecht von CDU/CSU und SPD erarbeitet, das die letzten "fehlenden" Paragrafen dann anpassen wird.

*
Link zu www.bmjv.de (PDF)

Und dieser Gesetzentwurf wird dann frewilllig ohne ein Urteil des BVerfG von CDU/CSU mitgetragen und daran erkennt man dann, das auch CDU/CSU mittlerweile das Lebenspartnerschaftsinstitut mittragen und akzeptiert haben.


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#7
08.04.2015
14:53:59


(-17, 23 Votes)

Von Markus44
Antwort zu Kommentar #4 von Venice-89


@Venice89
"Bestätigt mich mal wieder darin das der Kirchenaustritt richtig war. "

Och wenn du evangelikale Freikirchen mit den lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen verwechselst, und Dich hier nicht auskennst, dann bist Du halt selbst Schuld.

Die EKD-Leitung hat bereits 2001 im Grundsatzdokument "Verlässlichkeit und Verantwortung stärken" das Lebenspartnerschaftsinstitut begrüßt und unterstützt und in 13 von 20 Landeskirchen der EKD ("zwei weitere werden folgen") wurden durch die Kirchenparlamente öffentliche Segnungsgottesdienste ermöglicht.


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#8
08.04.2015
14:54:10
Via Handy


(+14, 16 Votes)

Von Felix


Es wird höchste Zeit, dass diese gefährliche Gehirnwäsche, die schwerste psychische Folgen bis hin zum Tod haben kann, endlich verboten wird. Wie in immer mehr anderen Staaten auch.

Aber bisher lehnen CDU, CSU, und SPD das ja kategorisch ab.


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#9
08.04.2015
15:07:35


(+15, 15 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #1 von Alex


Wer die Verhältnisse in diesem Land kennt, weiß wie mutig die NDR-Reportage ist.

Die klare Forderung ist, dass sich eine vom Staat massiv subventionierte Kirche auch an die Grundordnung des Staates halten muss.

"Leben eingetragene Lebenspartner mit dem leiblichen oder angenommenen Kind eines Lebenspartners in sozial-familiärer Gemeinschaft, bilden sie mit diesem eine durch Art. 6 Abs. 1 GG geschützte Familie im Sinne des Grundgesetzes." (BVerfg)


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#10
08.04.2015
15:47:07
Via Handy


(+13, 15 Votes)

Von Alex
Antwort zu Kommentar #5 von Markus44


Sag mal Timm-Johannes,
unter wievielen Nicks willst Du Dein Religionszeug noch verbreiten...


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