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  • 12.04.2015           70      Teilen:   |

"Haftanlage 4614"

Einmal im Jahr treffen sich Schwule zum Knast-Spielen

Artikelbild
Foltern als Dienstleistung: Jan Soldat besuchte mit seiner Kamera ein selbstgebautes Gefängnis, in dem schwule Männer auf freiwilliger Basis inhaftiert werden können (Bild: Jan Soldat)

In seiner Doku "Haftanlage 4614" begleitet Jan Soldat eine Gruppe von BDSM-Fans beim Waterboarding, Foltern und Fesseln in einem selbstgebauten Phantasie-Gefängnis..

Von Elke Koepping

Der in Berlin lebende Dokumentarfilmer Jan Soldat ist mittlerweile eine feste Konstante geworden, was Filme über interessante Fetische oder eine ungeschönte Auseinandersetzung mit ungewöhnlichen Sexpraktiken angeht. "Haftanlage 4614" ist sein aktuellstes Werk, das er jüngst auf der Berlinale vorgestellt hat und für das nun am Montag zur großen Filmpremiere in die Berliner Volksbühne geladen wird.

Der Film behandelt – man ahnt es schon – Jungs, die auf Knastspiele stehen. Auf das Thema kam Jan Soldat bei den Dreharbeiten zu seinem Vorgängerfilm "Der Unfertige" (queer.de berichtete). Protagonist Klaus gab ihm während der Dreharbeiten den Hinweis.

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Ein leerstehendes Gebäude zum Knast umgebaut

Der Knast steht irgendwo in Deutschland, genauer verortet ihn der Film nicht. Arwed, einer der Protagonisten, hat sich in Eigenregie ein leerstehendes Gebäude so ausgebaut, dass es genau seinen Vorstellungen entspricht. Sprich: möglichst effizient Knastspiele erlaubt. Der Bau orientiert sich nicht an den Gegebenheiten realer deutscher Gefängnisse, sondern ist eine Mischung aus amerikanischem Filmknast (orangene Anzüge, Gitterstäbe an den Zellen) und BDSM-Lager.

Für Arwed ist der Knast ein Ort, in dem Menschen an oder über ihre Grenzen gehen können, Grenzen von Macht und Unterwerfung, geistige wie körperliche Grenzen. Aber auch ein Ort des Erprobens, der sie gestärkt in den Alltag zurück entlässt. Ein Paradoxon, das BDSM-Praktiker sehr zu schätzen wissen.

Jan Soldat begleitete eine Woche lang mit der Kamera eine Veranstaltung – Workshop wäre womöglich nicht ganz der passende Ausdruck -, die Arwed dort einmal im Jahr anbietet. Die Teilnehmer sind schwule Männer, die sich entweder als Wärter (also als Doms) oder als Gefangene (Subs) anmelden können. Ausführliche Fragebogen gehen der Teilnahme voraus, in der genaue Vorlieben, No-Go's und Safewords beschrieben werden.

Die "Haftanlage 4614" ist nichts für Weicheier



"Was wir hier nicht wollen, sind irgendwelche Sexspielchen. Dafür können die nach Berlin gehen", sagt Arwed irgendwann im Film. Das ist lustig gemeint, trifft das Setting aber auf den Punkt: das mit dem Knast ist nichts für Weicheier. Zu diskutieren wäre an der Stelle wohl das Bild, das Arwed von der Berliner Szene hat.

Es ist auch eine Aussage, die gewissermaßen die Verfügbarkeit von Lust betrifft: im Knast geht es nicht um Ästhetik, um schöne Körper, um oberflächliche Verlockungen, um schnellen Sex im Darkroom. Es geht darum, sich diese Lust zu erarbeiten. Um schwitzende, angestrengte Körper. Darum, wer etwas aushält und aushalten will, Bierbauch, kleine Körpergröße oder dicke Brillengläser hin oder her.

Vimeo | Trailer zu "Haftanlage 4614"

BDSMer wissen: die spielen nur

Die Eingangssequenz im Film ist gleich ein ziemlicher Schocker. Zu sehen ist eine Waterboarding-Szene, die sich, unkommentiert in einer langen Einstellung gedreht, wie ein Bild aus Guantanamo anfühlt. Ein Mann mit einem Kissenbezug über dem Kopf wird von einem anderen Mann mit einem Wasserschlauch in der Hand angeschrien. Immer wieder lässt er Wasser in den Bezug laufen, während sich der andere auf dem kahlen Fliesenboden krümmt und nach Luft schnappt.

BDSMer wissen: die spielen nur. Alle übrigen Zusehenden fragen sich, wie sich jemand sowas eigentlich freiwillig antun kann. Im Verlauf des Films wird klar, dass der Dom hier sehr genau darauf achtet, dass sein Sub noch genug Luft bekommt, um an der Behandlung nicht zugrunde zu gehen. Und dass die Jungs, die hier die Subs geben, genauso große Freude am Widerstand und der daraus resultierenden Bestrafung haben wie die Doms.

Einer der Teilnehmer beschreibt im Verlauf des Films seine Motivation, sich für dieses Event anzumelden: "Einfach mal den Alltag loslassen". Er ist Chemielaborant, 43 Jahre alt. Eine Woche Knastroutine heißt eben auch, völlig rauszufallen aus der realen Welt. Mit Aufgaben konfrontiert werden, die sich im Berufsalltag so nicht stellen. Und dass man im Prinzip die ganze Zeit Beachtung erhält. Auch wenn sich diese Beachtung als Strafe präsentiert.

Die Befriedigung, etwas "geschafft" zu haben



Letztlich kickt der Schmerz beim Spanking genauso wie das Gefühl, über Stunden eine Situation ausgehalten zu haben, die im Alltag nur unangenehm ist, und dafür auch ein Gefühl der Befriedigung zu verspüren, etwas "geschafft" zu haben, eine Hürde im Kopf überwunden zu haben.

In einer Szene wird dem Gefangenen verboten, sich bequem hinzusetzen. An einem Bildschirm, der Bilder aus der Zelle überträgt, lauern Arwed und sein Liebhaber und Co-Wärter Dennis. "Los, setz Dich endlich aufs Bett, dass ich dich bestrafen kann", sagt Arwed zum Bildschirm. Er ist gespannt – wann geht das Spiel weiter, wann werden die Regeln übertreten, folgt die Bestrafung und das Aufstellen einer neuen Regel.

In den Pausen und nach Feierabend gönnen sich Arwed und Dennis auch einmal ein paar persönliche Momente, liebevolle Berührungen, privaten Austausch. Und schließen sich zum Schlafengehen in einen selbstkonstruierten Käfig ein und fesseln sich mit Handschellen selbst an die Gitterstäbe.

Klar, Arwed hat den Knast ja nicht nur gebaut, um anderen Leuten eine Freude zu machen. Er steht selbst drauf. Bevor das Licht ausgeht, hat er auch noch einen Rat für Selbstbondage-Anfänger: "Immer den Schlüssel für die Handschellen griffbereit halten."

Gute Nacht, John-Boy. Gute Nacht, Arwed und Dennis!

Youtube | Interview mit Jan Soldat im Rahmen der 29. Teddy Awards 2015
  Infos zur Filmpremiere
Filme von Jan Soldat: "Haftanlage 4614" (D 2015, 60 min.) und "Der Besuch" (D 2015, 4:30 min). Montag, 13. April 2015, 20 Uhr. Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin. Im Anschluss Gespräch zwischen Jan Soldat und Jochen Werner, Filmkritiker und Co-Kurator des Pornfilmfestivals. Eintritt: 8 Euro (ermäßigt 6 Euro)
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Filmpremiere und Online-Tickets
» Die Veranstaltung auf Facebook
Mehr zum Thema:
» Jan Soldats Film "Der Unfertige": Alltag eines schwulen Sklaven (23.03.2014)
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Tags: haftanlage 4614, jan soldat, dokumentation, knast, gefängnis, bdsm
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Reaktionen zu "Einmal im Jahr treffen sich Schwule zum Knast-Spielen"


 70 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
12.04.2015
08:27:15
Via Handy


(-13, 19 Votes)

Von JonasCGN


Ganz ehrlich: Einfach nur krank.


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#2
12.04.2015
08:29:43


(-13, 17 Votes)

Von lucdf
Aus köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 04.09.2011


Krank? Bestimmt! Morbidität war nie meine LEIDENschaft aber es scheint zu gefallen. Verhöhnung der Opfer? Es könnte sein. Auf jeden Fall ist das Ganze problematisch. Diese Menschen versuchen vielleicht ihre Ängste so zu überwinden. Ob das gelingt oder ob ihre kranken Phantasien, die Überhand nehmen?


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#3
12.04.2015
09:38:09
Via Handy


(+13, 17 Votes)

Von So What


Ungewöhnlich vielleicht, aber nicht krank.

Lasst die Leute machen, wenn es sie glücklich macht. Wer sich darüber aufregt zeigt die gleichen Verhaltensmuster wie die ganzen Homophoben. Nur die Grenze, ab der man sich aufregt, ist eine andere...


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#4
12.04.2015
09:42:04
Via Handy


(+15, 19 Votes)

Von Flauschi


Pathologisierung von Fetischen ist aeh-aeh... manche mögen halt nur blümchensex und andere findens megageil ne woche in nem bdsmgefängnis zu sein. es ist ja auch alles einvernehmlich und es gibt Safewords. Vor 50 Jahren fand man auch Männer die sich in den Arsch ficken krank. Also seid mal nicht so verklemmt, zwingt euch ja niemand mitzumachen!


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#5
12.04.2015
09:48:41


(-10, 16 Votes)

Von JonasCGN
Antwort zu Kommentar #3 von So What


Stimmt nicht, das Verhaltensmuster von Homophobie ist Hass. Meine Meinung ist ein Gedankenmuster, das die Komplexität dieses "Spiels" versucht zu überblicken. Wir sind ja hier nicht im Bereich des Rollenspiels, wo man sich fesseln und verhören lässt oder andere Spielarten treibt. Sondern hier wurde ja ein Phantasialand für's Waterboarding geschaffen. Und sorry, dass ist für mich weder mit Fetisch noch mit anderen Sexspielarten (wie auch im Artikel hervorgehoben wurde) zu begreifen, sondern nur noch mit dem, wat mer em Rhingland saare: Ratsch em Kappes.


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#6
12.04.2015
09:54:00


(-6, 16 Votes)

Von robby55


...TYPISCH, da hört eure geheuchelte toleranz also auf, aber ihr findet es vollkommen normal wenn 16 jährige "beziehungen" mit 50 jährigen eingehn...


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#7
12.04.2015
09:55:33


(+3, 9 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012


Wenn's schee macht!

Youtube-Video:


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#8
12.04.2015
10:01:06
Via Handy


(+10, 16 Votes)

Von So What
Antwort zu Kommentar #5 von JonasCGN


Ich hab nix gegen Knastspieler, aber...

Kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Jemanden für verrückt zu erklären, war schon immer ein beliebtes Mittel, andere zu diskreditieren. Auch Homophobie äußert sich nicht immer in offenen Hass.


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#9
12.04.2015
11:42:26


(+14, 14 Votes)

Von jochen
Aus münchen (Bayern)
Mitglied seit 03.05.2008


Solange sich Erwachsene freiwillig dazu entschliessen, und ohne sich danach in ärztliche Behandlung begeben müssen, sollte man nicht gleich mit der "Krankheits-Keule" moralisierend zuhaun.

Ich muss auch nicht jede Neigung verstehen, wissen, oder auch geil finden,nur weil es ein Anderer tut.

++++++

Andersrum gefragt:
Wie "krank" ist es beispielweise, wenn sich Menschen freiwillig selbst in Todesangst versetzen und von hohen Brücken oder Kränen nur an einem Gummiseil befestigt in die Tiefe stürzen, obwohl es immer wieder mal zu z. T. schwerwiegenden Verletzunge bzw. tödlichen Abstürzen führt. ?
(Und damit das Ganze sich nicht so bedrohlich und "krank" anhört nennt man das hip und crazy " Bungee- Jumping" )

Die Homosexuellen-Szene hat sich vorallem in der Vergangenheit dadurch positiv ausgezeichnet , dass sie die Vielfalt der menschliche Natur bzw. deren sexuelle Spielarten (natürlich gibt es auch hier eindeutige Grenzen) , meist vorurteilsfrei annimmt , ohne gleich zu moralisieren oder zu ver-psychologisieren. Wie es oftmals in der Hetero-Welt war.


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#10
12.04.2015
12:27:01


(-10, 14 Votes)

Von GeorgG


Man kann nur hoffen, dass in diesem alten Gebäude, das zu einem "Gefängnis" umgebaut wurde, nicht plötzlich Feuer ausbricht....


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