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  • 29.04.2015           3      Teilen:   |

Gedenken an den "Ausschluss eines Schwulen"

Frankfurt am Main bekommt Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz

Artikelbild
Der Frankfurter Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz wird am 17. Mai in der Innenstadt eingeweiht

Vor 150 Jahren verbannte das Freie Deutsche Hochstift den "ersten Schwulen der Weltgeschichte" aus seinen Reihen. Eine Ausstellung und eine Straße sollen an den Vorkämpfer der Schwulenbewegung erinnern.

In Frankfurt am Main steht der Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie in diesem Jahr ganz im Zeichen des ersten bekannten Vorkämpfers für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen in Deutschland: Auf Initiative des Ortsbeirats 1 wird am 17. Mai der Platz an der Weißadlergasse in Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz umbenannt.

In mehreren Städten erinnern bereits Straßen und Plätze an den 1825 geborenen Juristen, Journalisten, Verleger und Pionier der Sexualwissenschaft, darunter in Berlin, Bremen, Hannover und München. Zuletzt wurde im vergangenen Jahr in seiner Geburtsstadt Aurich ein Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz eingeweiht (queer.de berichtete).

Wegen der sich verstärkenden Repressionen nach der Gründung des Deutschen Reiches verließ Ulrichs 1880 seine Heimat in Richtung Italien. Dort starb er 1895 im Alter von 69 Jahren.

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Homophobie und Outing vor 150 Jahren

Karl Heinrich Ulrichs forderte bereits 1867 auf dem Deutschen Juristentag die Abschaffung antihomosexueller Gesetze, was damals noch tumultartige Szenen auslöste
Karl Heinrich Ulrichs forderte bereits 1867 auf dem Deutschen Juristentag die Abschaffung antihomosexueller Gesetze, was damals noch tumultartige Szenen auslöste

Der neue Platz in Frankfurt am Main befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Freien Deutschen Hochstift und damit derjenigen Institution, die vor 150 Jahren einen Wendepunkt im Leben von Karl Heinrich Ulrichs herbeiführte, indem sie ihn wegen seiner offensiv vertretenen Homosexualität aus ihren Reihen ausschloss.

Parallel zur Einweihung des neuen Platzes erinnert das Freie Deutsche Hochstift in einer Ausstellung vom 8. bis 25. Mai im Frankfurter Goethe-Haus an diesen Vorgang, der im Aktenbestand des Hauses ausführlich dokumentiert ist. Ulrichs Mut wird ebenso deutlich wie sein politisches Programm, das viel von dem vorausnimmt, was über 100 Jahre später von der Schwulenbewegung durchgesetzt wurde. Volkmar Sigusch nennt Ulrichs im Titel seiner Monographie aus dem Jahr 2000 den "ersten Schwulen der Weltgeschichte".

Karl Heinrich Ulrichs trat Anfang 1860 dem Freien Deutschen Hochstift bei, das kurz zuvor gegründet worden war. Der Verein war damals ein Sammelbecken für die vielfältigen Interessen selbstbewusster, liberal gesinnter Bürger. Ulrichs fand hier ein ideales Betätigungsfeld, wie seine Eingaben zu den verschiedensten Themen zeigen. Viele dieser Eingaben münden in dem Bestreben, ein konsistentes großdeutsches Reich zu denken, in dem auch Minderheiten ihren Ort haben. Von Anfang an machte er keinen Hehl aus seiner sexuellen Orientierung, die er im Februar 1861 in den Angaben zu seiner Person ausführlich darlegte und dort zunächst in der Theorietradition des 18. Jahrhunderts als Ausprägungsform eines "animalischen Magnetismus" zu deuten versuchte.

Am 5. April 1864 schloss das Hochstift Ulrichs (ohne vorherige Anhörung) als Mitglied aus, mit der Begründung, dass polizeiliche Ermittlungen gegen ihn im Gange seien. Ulrichs reagierte erst am 28. März 1865, also ein Jahr später. Er hatte zunächst die ersten fünf Bände seiner "Forschungen über das Räthsel der mannmännlichen Geschlechtsliebe" fertigstellen wollen, um das Hochstift zu einer Auseinandersetzung mit seinen sexualwissenschaftlichen und rechtstheoretischen Einlassungen zu zwingen.

Als Reaktion auf diese Einsendung schloss ihn das Hochstift am 18. April 1865 ein zweites Mal aus, diesmal mit der erstaunlichen Begründung: "Da Herr Ulrichs in seinen Schriften behauptet, daß es außer den bisher allein anerkannt gewesenen beiden Geschlechtern auch noch eine besondere, denselben nicht angehörige Art von menschlichen Wesen gebe, welche er Urninge nennt und da derselbe erklärt, selber zu diesen zu gehören, so sei wohl zu beachten, daß die Satzungen des F.D.H. von einer Zulässigkeit der Mitgliedschaft dieser Wesen keine Erwähnung thun und die Verwaltung den Herrn Ulrichs somit nicht als zur Mitgliedschaft berechtigt ansehen könne."

Ulrichs reagierte am 3. Mai 1865 mit einer "Gegenvorstellung", in der er unter anderem androhte, die Homosexualität eines weiteren Hochstifts-Mitglieds öffentlich zu machen. (cw/pm)

Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Ausstellung im Goethe-Haus
» Das Buch "Karl Heinrich Ulrichs - Der erste Schwule der Weltgeschichte" bei Amazon
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Tags: karl heinrich ulrichs, frankfurt, freies deutsches hochstift
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Reaktionen zu "Frankfurt am Main bekommt Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz"


 3 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
29.04.2015
08:28:34


(+6, 6 Votes)

Von ehemaligem User VeganBear


Zum 189. Geburtstag dieses bemerkens- und bewundernswerten Mannes hat der zaunfink letzten Sommer eine Hommage geschrieben:

Link:
derzaunfink.wordpress.com/2014/08/28/zum-189-gebur
tstag-von-karl-heinrich-ulrichs/


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#2
29.04.2015
09:35:32


(+6, 6 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008


als ex frankfurter dank am die stadt meiner jugend..
du hast es mir und meinesgleichen nie leicht gemacht, aber da war auch ein geist von aufbruch, der alle paar dekaden die muffige innenstadt durchwehte...
Paulskirche- Fritz Bauer- hausbesetzungen - schwuler widerstand.
Ulrichs nun seit an seit in einem atemzug mit goethe.. hat lange gedauert.

Ja , Karl-Heinrich-Ulrichs hätte viel früher ins gedenken und unsere koöpfe einzug halten sollen.
In Berlin, dank g.Hoffman und der berliner aidshilfe nun mittem im kiez.

Noch heute ärgert es mich , dass statt dem im grunde konservativen hirschfeld nicht Ulrichs namensträger der schwulen stiftung geworden ist.."Eddy-Ulrichs-stiftung".
Weniger anbiederung an macht und staat.

Vieleicht deshalb ihm diese ehre verwehrt wurde, weil seine vita doch zu sehr den staat und die damals beteiligten politiker dran erinnerten, wie wichtig die unabhängigkeit schwuler emanzipation von den politischen einflussnahmen war..heute wie damals!


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#3
29.04.2015
21:14:31


(+6, 6 Votes)

Von SofiaBerlin
Aus Berlin
Mitglied seit 01.01.2013


Stolz auf Frankfurt als hessin und natürlich stolz auf Karl-Heinrich-Ulrichs!
Lang leben die Urninge ;)


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