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  • 29.04.2015           51      Teilen:   |

Cologne Pride

Volvo nicht bei "Aufruf für Vielfalt" dabei

Artikelbild
Volvo Deutschland will sich aus der Debatte um die Gleichbehandlung von LGBT am Arbeisplatz heraushalten (Bild: Flickr / frankieleon / cc by 2.0)

Die Kölner CSD-Organisatoren zeigen sich darüber verärgert, dass Volvo es mit deftigen Worten ablehnt, einen Aufruf gegen Diskriminierung zu unterschreiben. Der Autobauer entschuldigte sich zwar für die Wortwahl, will aber grundsätzlich derartige Initiativen nicht unterstützen.

Von Dennis Klein

Die in Köln ansässige Firma Volvo Car Germany möchte nicht den "Aufruf für Vielfalt" des Cologne Pride unterzeichnen, der vor allem lesbischen und schwulen Schülern und Auszubildenden den Rücken stärken soll. Das führte am Dienstag zu scharfer Kritik der CSD-Organisatoren. Gegenüber queer.de beteuerte ein Sprecher des Konzerns jedoch, dass man sich generell "hinsichtlich politischer und gesellschaftlicher Initiativen" neutral verhalte und die Ablehnung nichts mit dem Thema LGBT-Rechte zu tun habe.

Was war geschehen? Die CSD-Organisatoren vom Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST) hatten Volvo wie andere Firme aus der Region angeschrieben und gebeten, den Aufruf zu unterzeichnen. Damit sollte ein Zeichen für junge homosexuelle Auszubildende gesetzt werden, die in vielen Betrieben nach wie vor gemobbt werden. Das Antwortschreiben des Konzerns schockierte die Cologne-Pride-Führung: "Besonders hat uns die Begründung geärgert", erklärte KLuST-Pressesprecher Nils Schmidt.

In dem Schreiben hieß es, dass ein Projekt zur Marke Volvo passen müsse, "was bei Ihrem Event leider nicht der Fall ist". Diese Formulierung hält die KLuST-Führung für ein Armutszeugnis: "Liebe Volvo-Geschäftsführung: Ich stelle mir vor, eine Auszubildende oder ein Azubi überlegt, sich auch am Volvo-Arbeitsplatz zu outen. Offensichtlich unmöglich! Denn Homos passen ja nicht zu euch", meinte etwa KLuST-Vorstand Jörg Kalitowitsch auf seiner Facebook-Seite.

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Volvo entschuldigt sich für Wortwahl

Volvo-Pressesprecher Olaf Meidt versicherte am Mittwoch gegenüber queer.de, dass diese Begründung der Absage ein "individueller Fehler" war. Man habe zunächst angenommen, dass der CSD – wie Hunderte andere Interessengruppen, die sich an Volvo wenden – materielle Unterstützung erhalten wolle. Daher habe ein Mitarbeiter eine "Standardabsage zum Thema Event-Unterstützung" zurückgeschickt, die den kritisierten Satz enthielt. Meidt entschuldigte sich dafür, dass die Antwort "in der Hektik der Tagesarbeit hinsichtlich Wortwahl und Inhalt missverständlich ausgefallen ist".

Meidt sagte weiter, dass Volvo aus grundsätzlichen Erwägungen den Aufruf nicht unterzeichnen wolle. Es sei die "grundsätzliche Position unseres Hauses, dass wir uns hinsichtlich politischer und gesellschaftlicher Initiativen o.ä., die außerhalb unserer direkten Geschäftstätigkeiten liegen, neutral verhalten", so Meidt. Er verwies darauf, dass sich Volvo Car Germany nur in der Initiative "Ein Herz für Kinder" engagiere.

Homosexuelle Mitarbeiter würden bei Volvo jedoch vollständig gleichbehandelt. Das sei auch im weltweit gültigen Verhaltenskodex des schwedischen Mutterkonzerns (PDF) festgelegt. Hier ist "sexuelle Orientierung" ausdrücklich beim Thema Antidiskriminierung erwähnt. "Danach richten auch wir uns vorbehaltlos!", so Meidt.

Deutsche Bahn und NetCologne haben unterschrieben

Führende Mitarbeiter anderer Unternehmen, etwa der DB Regio oder von NetCologne, dem regionalen Marktführer im Telekommunkationsbereich, haben den Aufruf für Vielfalt unterzeichnet, ebenso wie NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans und Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters.

In dem Aufruf werden auch Firmen direkt wegen Diskriminierung kritisiert: "In vielen Unternehmen führt das Coming-out von LSBTI oft zu Mobbing unter Kolleg/innen oder gar zur Kündigung durch den Arbeitgeber, wobei dann vor Gericht gern 'andere Gründe' herangezogen werden. Gerade Auszubildende scheuen sich deshalb, ihre sexuelle Identität preiszugeben."

In anderen Ländern hat Volvo mit dem offenen Eintreten für LGBT-Rechte weniger Probleme: So warb Volvo Cars of North America bereits 2003 in einer Marketingkampagne direkt mit lesbischen und schwulen Paaren und spendete sogar einen Teil der Einnahmen an die Human Rights Campaign, die größte amerikanische LGBT-Organisation.

Der Cologne Pride findet vom 20. Juni bis zum 5. Juli statt. Wie in den letzten Jahren ist einer der Volvo-Konkurrenten, der ebenfalls in Köln ansässige amerikanische Autobauer Ford, einer der Hauptsponsoren.

 Update  30.4., 20:10h: Volvo unterzeichnet nachträglich

Der Pressechef von Volvo in Deutschland, Olaf H. Meidt, hat dem Vorstand des Kölner Lesben- und Schwulentag e.V. am Donnerstag mitgeteilt, "dass ich als Mitglied der Geschäftsleitung von Volvo Car Germany stellvertretend für das Unternehmen den' Aufruf für Vielfalt in Schule und Ausbildung – gegen Diskriminierung von jungen LSBTI' unterzeichne". Der "konstruktive Meinungsaustausch sowie die internen Diskussionen und Abstimmungen mit unserem Mutterhaus in Schweden" hätten das Unternehmen zu der Überzeugung gebracht, "dass diese Initiative exakt dem Verhaltenskodex entspricht, den wir in unserem eigenen Unternehmen konsequent leben, weshalb wir die an uns heran getragenen Initiative mit meiner stellvertretenden Unterschrift vorbehaltlos unterstützen."

Der Cologne Pride ließ mitteilen, man sei froh, "dass Volvo sich nach anfänglichem Zögern entschlossen hat, den Aufruf nun doch vorbehaltlos mitzutragen", und danke "für diese tatkräftige Unterstützung junger LSBTI in Schule und Ausbildung".

Mehr zum Thema:
» Kölner CSD-Motto 2015: Vielfalt lehren, lernen, leben (29.04.15)
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Tags: volvo, köln, csd, cologne pride, aufruf für vielfalt
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Reaktionen zu "Volvo nicht bei "Aufruf für Vielfalt" dabei"


 51 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
29.04.2015
13:39:45
Via Handy


(+17, 17 Votes)

Von Felix


Bei Menschenrechtsfragen kann es kein "neutral" geben!

Wenn sich jemand weigert, Diskriminierung abzulehnen, müssen wir davon ausgehen, dass er Diskriminierung toleriert oder gar befürwortet...


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#2
29.04.2015
13:45:05


(-7, 11 Votes)

Von Yuri
Antwort zu Kommentar #1 von Felix


Aber Volvo lehnt doch Diskriminierung nach Eigenaussage (und Firmenstatut) entschieden ab. Das Unternehmen will nur nicht diesen Aufruf unterzeichnen, das ist alles. Das ist vielleicht für das öffentliche Bild nicht unbedingt vorteilhaft, aber sicher kein bewusstes Placet gegenüber Modalitäten von Diskriminierung.


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#3
29.04.2015
13:49:42


(+15, 15 Votes)

Von thorium222
Aus Mr (Hessen)
Mitglied seit 10.02.2011
Antwort zu Kommentar #1 von Felix


Absolut richtig.

"Menschenrechte passen nicht zur Marke Volvo. Wir wollen uns da neutral verhalten."

Aha. Gut zu wissen.


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#4
29.04.2015
13:54:26
Via Handy


(+13, 13 Votes)

Von Alex


Wie kann man bei Diskriminierung und Mobbing "neutral" sein? (Neutral ist ein anderes Wort für "Das ist uns egal".)

Wenn bei Volvo ein Mitarbeiter oder Kunde wegen seiner Hautfarbe, seiner sexuellen Orientierung oder weshalb auch immer diskriminiert oder gemobbt wird, sieht Volvo weg, weil sie "neutral" sind, es ihnen also egal ist.

Gut zu wissen....

Glücklicherweise gibt es ja zahlreiche andere Autohersteller wo man sein Geld lassen kann und denen Diskriminierung und Mobbing nicht egal sind!!


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#5
29.04.2015
13:58:20


(+8, 14 Votes)

Von Markus44


Gut zu wissen,da ich ein neues Auto kaufen will, scheidet ein Volvo aus.


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#6
29.04.2015
14:03:57


(+11, 11 Votes)

Von Sebi
Antwort zu Kommentar #1 von Felix


Wenn Konzerne etwas von angeblicher Neutralität faseln (was in Wirklichkeit gar nicht neutral sein kann, sondern den Fanatikern nützt) wollen sie auf allen Hochzeiten tanzen und es sich mit niemandem verscherzen.

Aber mit sowas verärgert man letztlich alle und hat dann am Ende gar keine Kunden mehr. Hoffentlich wird Volvo diese Lektion auch lernen.


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#7
29.04.2015
14:12:39
Via Handy


(+13, 13 Votes)

Von Felix
Antwort zu Kommentar #2 von Yuri


Falls Volvo tatsächlich Diskriminierung ablehnen sollte, ist es nur noch absurder, die Unterzeichnung eines Aufrufs zu verweigern, der nichts anderes fordert.

Das zeigt, dass die (wenn überhaupt) nur gegen Diskriminierung sind, solange das schön geheim gehalten wird und nicht an die große Glocke gehängt wird.

Bloß nicht öffentlich Position beziehen, um es sich auch nicht mit Faschisten und Extremisten zu verscherzen.

Aber wer nicht öffentlich dazu steht, zeigt damit nur, dass es ihm nicht ernst ist und man nicht wirklich gegen Diskriminierung ist. Denn gegen Diskriminierung zu sein heißt vor allem, auch öffentlich dazu zu stehen.


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#8
29.04.2015
14:21:31


(+12, 12 Votes)

Von Mickey


Es ist nicht immer ratsam, sich neutral zu verhalten, sondern manchmal muss man einfach Stellung beziehen. Gerade bei diskriminierenden Angelegenheiten kann man von einer großen Firma ein wenig Engagement erwarten. Aber es gibt ja noch genügend andere Automarken, die die Interessen von LGBT-Leuten ernster nehmen und die ich dann viel lieber unterstütze als Volvo.


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#9
29.04.2015
14:27:37


(+12, 14 Votes)

Von Marek


Der neue Werbeslogan von Volvo:

Volvo - Menschenrechte sind uns egal.

Scheißegal, wenn Menschen in den Tod gemobbt werden - Hauptsache die Kasse stimmt.


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#10
29.04.2015
15:10:11


(+10, 10 Votes)

Von ehemaligem User Tomorrow


Die Sache hat irgendwie einen seltsamen Beigeschmack. Zweifelsfrei ein "politisches Statement". Wäre Volvo zu 100% noch schwedisch, gäbe es eine zweifelsfreie Positionierung. Da aber Volvo zu 50% Ford gehört, möchte sich die sich die Ami-Ford-Zentrale nicht die "Finger verbrennen" und laviert herum. Da bleibt nur eines: KEIN VOLVO kaufen.


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