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  • 06.05.2015           127      Teilen:   |

Absage in Köln

"Pädo-Hysterie" um Felix Rexhausen

Artikelbild
Das Buch "Berührungen" aus dem Jahr 1969 wurde von David Berger als Verherrlichung des Kindesmissbrauchs beschrieben. Der schwul-lesbische Journalistenverband widerspricht.

In Köln wird die Einweihung der Felix-Rexhausen-Platzes abgesagt, weil dem schwulen Journalisten Sympathien für Kindesmissbrauch nachgesagt werden – der schwul-lesbische Journalistenverband hält das für eine Verleumdung.

Von Dennis Klein

Die Stadt Köln hat die geplante Enthüllung eines Straßenschildes am neuen Felix-Rexhausen-Platz nördlich des Hauptbahnhofes vorläufig abgesagt, nachdem Vorwürfe gegen den Namensgeber über angeblich pädophile Textstellen aufgetaucht sind.

Die feierliche Einweihung sollte eigentlich am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie, stattfinden und den 1992 verstorbenen Journalisten ehren, der sich als Streiter für Homo-Rechte und Mitbegründer von Amnesty International in Deutschland einen Namen gemacht hatte.

Die Reißleine zog Bezirksbürgermeister Andreas Hupke von den Grünen, dessen eigene Partei in den letzten Jahren durch den Pädophilieskandal der Achtzigerjahre heftig in die Kritik geraten war (queer.de berichtete).

Anlass für die plötzliche Absage war ein Artikel des schwulen Theologen und Bloggers David Berger in der "Huffington Post", in dem er Rexhausen vorwarf, ein "Sympathisant der Pädosexualität" gewesen zu sein und diese in seinen Büchern "verherrlicht" zu haben. Konkret bezieht sich Berger nur auf den 1969 herausgegeben Roman "Berührungen". Darin würden "wilde Sexspiele" zwischen 14- und Elfjährigen beschrieben, so Berger. Außerdem rechtfertige Rexhausen "Sex von Erwachsenen mit 15-Jährigen".

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BLSJ: Rexhausen lehnte Pädophilie ab

Felix Rexhausen (1932-1992)
Felix Rexhausen (1932-1992)

Der Bund lesbischer und schwuler JournalistInnen (BLSJ) kritisierte die Absage aufgrund "eines schlecht recherchierten Artikels". Der Verband, der seit 1998 einen nach Rexhausen benannten schwul-lesbischen Journalistenpreis vergibt, hält die Vorwürfe für haltlos: "Pädophilie kommt [im kritisierten Buch "Berührungen"] überhaupt nur in einem Absatz zur Sprache, in dem Rexhausens Hauptfigur Sex mit Kindern explizit ablehnt." In zwei der 41 Kapitel sei Sex mit Jugendlichen ein Thema.

Der BLSJ weist darauf hin, dass zum Zeitpunkt des Erscheinens das Schutzalter für heterosexuelle und lesbische Beziehungen bei 14 Jahren lag – dieselbe Geschichte mit nicht-schwulen Protagonisten wäre also kein Problem gewesen. "Die Beschreibung sexueller Kontakte eines jungen Manns mit männlichen Jugendlichen ist daher als Protest des Autors gegen ein diskriminierendes Sexualstrafrecht zu werten", erklärte der BLSJ. "Denn 'Berührungen' hat über die Schilderung sexueller Anekdoten hinaus einen klaren politischen Anspruch: So thematisiert Rexhausen etwa die Homosexuellenverfolgung der Nationalsozialisten und deren mangelnde Aufarbeitung in der Bundesrepublik."

Die Debatte um das Buch ist schon älter, sie hatte den BLSJ im letzten Jahr fast im Streit zerbrechen lassen. Einige Mitglieder, vor allem lesbische, verließen den Verein, weil die Mehrheit am früheren "Spiegel"- und WDR-Reporter als Namensgeber des Journalistenpreises festhielt. Sie berief sich dabei auf ein Essay (PDF) des Journalisten und Männerschwarm-Mitverlegers Detlef Grumbach, der die Vorwürfe gegen den Text zurückwies. Das Buch war zeitweilig auch über die Bibliothek rosa Winkel des Verlags erhältlich.

Geht es Berger wirklich um Pädophilie?

Der BLSJ meint, von Berger würden Zitate aus dem Buch "in denunziatorischer Absicht aus dem Kontext gerissen", und lässt auch ansonsten erkennen, an der Absicht von Berger zu zweifeln. Auch bittet er, das Buch vor einer Besprechung "zu lesen" – es ist unklar, ob Berger dies überhaupt getan hat. Die wenigen von ihm erwähnten Buchstellen standen so bereits in einer Kolumne von Elmar Kraushaar aus dem vergangenen Jahr. Darin zieht der "taz"-Autor und BLSJ-Mitbegründer aber ganz andere Schlüsse als Berger. Er schrieb damals: "Hier würden 'pädophile Phantasien' bedient, ist Geschwätz, geschuldet der grassierenden Pädo-Hysterie in den Medien."

Berger hatte wenige Wochen zuvor bereits einen Text veröffentlicht, in dem er einige Szene-Journalisten und -einrichtungen in eine Pädo-Nähe brachte und unter der Überschrift "Homosexuelle und Pädophilie" angebliche "skandalöse Grenzüberschreitungen" in der heutigen Szene ausmachte. Kritiker warfen ihm vor, für eine Rufmordkampagne einzelne Zitate aus dem Zusammenhang gerissen zu haben. So hatte Berger auch Vorwürfe der FAZ gegen das Waldschlösschen aus dem letzten Jahr wiederholt, die die Institution bereits damals als "Verleumdung" zurückgewiesen hatte (queer.de berichtete).

Der durch das Buch "Der Heilige Schein" bekannt gewordene katholische Theologe war von 2013 bis Anfang diesen Jahres Chefredakteur des schwulen Magazins "Männer", geriet aber wegen rechtspopulistischer und islamophober Ausrichtung in die Kritik. So warf die Deutsche Aids-Hilfe dem Journalisten im letzten Jahr vor, die Szene zu spalten, und stoppte ihre Anzeigenschaltung bei "Männer" (queer.de berichtete). Auch queer.de kritisierte in einem Kommentar das "System Berger" (queer.de berichtete). Wenig später wurde Berger als Chefredakteur entlassen, weil er in der "Huffington Post" einen Text des Lehrers Daniel Krause veröffentlichte, der nur einen Tag zuvor den Holocaust verharmlost hatte (queer.de berichtete). Der BLSJ hatte die Entlassung damals als "überfällig" bezeichnet.

In den letzten Monaten hatte Berger ein eigenes Blog gestartet und Texte auf weiteren Portalen veröffentlicht, in denen er scharfe Kritik an ehemaligen Verbündeten übte. Die Artikel zur angeblichen Pädophilie-Unterstützung durch Teile der schwulen Szene wurden dabei auch von homophoben Seiten mit Genuss aufgegriffen.

Bergers Pauschalkritiken wurden etwa vom christlich-fundamentalistischen Blog Charismatismus oder der rechten Seite "Journalistenwatch" verbreitet. Auch das AfD/von-Storch-Portal "Freie Welt" oder die Webseite der "Deutschen Vereinigung für eine Christliche Kultur", die die homophoben "Demos für alle" mitorganisiert, nutzten die Vorwürfe. Berger hat alle diese Berichte bei sich auf Facebook verlinkt.

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Tags: felix rexhausen, david berger
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Reaktionen zu ""Pädo-Hysterie" um Felix Rexhausen"


 127 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
06.05.2015
13:31:54


(+19, 29 Votes)

Von Oh je


David Berger wird anscheinend immer mehr zu einem Ernst Röhm des 21. Jahrhunderts. Sympathisant der AfD, der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, von Holocaustverharmlosern und leidet eindeutig aufgrund seiner verfassten Artikel an internalisierter Homophobie. Ätzend sich mit solch einer antisozialen Persönlichkeit erneut in diesem Land auseinandersetzen zu müssen.


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#2
06.05.2015
13:39:45


(-18, 26 Votes)

Von bananasMuc


Komisch. Was fehlt im Text, ist die Aussage Volker Becks, der den ganzen Vorgang begrüßt. Zitat: Die Diskussion zeigt, dass die Schwulenbewegung ihre Geschichte aufarbeiten muss.
Spannend aber auf jeden Fall, wann Niedermeier aka Reiserobby, das erste mal postet und einen Kübel Gift auskippt.
Die Preisträger des Rexhausen-Preises sollten auf jeden Fall überdenken, diese zweifelhafte Auszeichnung zurückzugeben.


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#3
06.05.2015
13:42:58


(-10, 24 Votes)

Von Jörg


Herr Klein, was wollen Sie uns mit Ihrem Artikel sagen? Ich lese raus, das auch Sie das genannte Buch nicht gelesen haben? Eine von Berger und BLSJ unabhängige Bewertung wäre m.E. wertvoll gewesen.


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#4
06.05.2015
13:46:05


(+17, 25 Votes)

Von ursus


der blsj hatte bergers rauswurf bei "männer" anerkennend kommentiert und bergers "Abdriften [...] in rechtspopulistische Argumentationsmuster" kritisiert.

Link zu www.blsj.de

ich glaube, man darf darüber spekulieren, ob berger hier einfach nur ein mittel gesucht und gefunden hat, um sich an einem verein zu rächen, den er in seiner wachsenden feindesliste verbucht hat. es würde zumindest in das psychogramm hineinpassen, das man sich anhand von bergers bisherigem verhalten machen konnte. nichts ist so gefährlich wie ein aufgeblasenes ego, in das jemand eine nadel piekt.

die kosten von bergers trollereien für unsere politische ansinnen sind leider nicht gering.


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#5
06.05.2015
13:54:58


(+16, 20 Votes)

Von Charlotte


Wer sich selbst ein Bild machen will, kann das Buch in jeder Buchhandlung bestellen. Anders als im Text erwähnt ist es nach wie vor regulär lieferbar:
Link zu www.maennerschwarm.de

(Notfalls auch bei Amazon zu bekommen:
Link zu www.amazon.de


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#6
06.05.2015
14:41:41


(+20, 26 Votes)

Von pink table


Mit der Community und ihrem organisierten Teil veranstaltet Berger nun dass, was er mit der katholischen Kirche macht, seit er dort geschasst wurde. So schnell ändert ein Mensch seine Persönlichkeitsstruktur eben nicht.

Als narzisstische Persönlichkeit ist er zutiefst gekränkt über die Ablehnung, die er erfahren hat. Aidshilfe, BLSJ und andere Organisationen tragen aus seiner Sicht dafür die Verantwortung. Durch ihr Tun ist er nun nicht mehr der schwule Messias. Ganz im Gegenteil, für ihn und sein komisches Portal interessiert sich keine Sau mehr. So übt er nun Rache und wird das auch in Zukunft tun. Lassen wir ihn doch! Wen interessiert es?

In Köln wird bestimmt bald die Thomas-Mann-Straße von der Landkarte verschwinden. Der schrieb bekanntlich den "Tod in Venedig": Ein lüsterner alter Sack begehrt einen hübschen Jüngling. Sowas ist Weltliteratur? Pädo-Schreck, lass nach!

Was Herrn Beger betrifft: Wer den als Mitschwester hat, braucht keine Feinde.


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#7
06.05.2015
16:16:45


(+11, 19 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Auch die Absage ist keine Nachricht, weil es keine Absage gibt: "Um die Würde des Schriftstellers nicht posthum mit einer grundlos evozierten Skandalisierung zu beschädigen, wird die für diesen Monat geplante Einweihung lediglich auf den Sommer verlegt. Bedeutet: Bergers Pädo-Keule erweist sich als Bumerang."

Frage: Wie bigott ist der Doktor?
Link:
reiserobby.de/der-felix-rexhausen-platz-in-koeln-w
ie-bigott-ist-dr-david-berger/


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#8
06.05.2015
17:12:35


(+15, 19 Votes)

Von sponti


mir scheint Berger versucht seine Kränkungen in der Szene genauso zu verarbeiten wie er es mit der katholischen Kirche gemacht hat.

Vielleicht sollte er sich in dem einen wie in dem anderen Fall fragen, wo seine eigenen Anteile liegen. Eigentlich ist er ein armer Wicht!


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#9
06.05.2015
18:01:28


(-12, 20 Votes)

Von burgerberg
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 12.11.2014


"Pädo-Hysterie" als Überschrift ist eine Provokation für die Menschen, die Leid erfahren mussten. Dazu gehören auch die, die im Umfeld der damaligen Zeit - im Wahn einiger Pädophilen Linken und Grünen, Teil einer angeblichen sexuellen Revolution, gewesen sind.

Bündnis 90 / die Grünen haben dafür bitter Lehrgeld bezahlt. Die Partei hat die gegen sie erhobenen Vorwürfe lobenswerterweise von dem unabhängigen Prof. Franz Walter überprüfen lassen. Die Ergebnisse wurden offen kommuniziert und man ging mit einigen damaligen Forderungen klar auf Distanz.

Vielleicht sollte dies gleichfalls im Falle Rexhausen passieren und die Deutungshoheit nicht irgendwelchen Typen wie Niedermeier und Co. überlassen werden, die hier eine persönliche Fehde austragen.


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#10
06.05.2015
18:10:39


(-6, 10 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Gab es schon ein Statement von Volker Beck zum Vorfall?


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