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Comeback mit inszenierter Schüchternheit: Die irische Sängerin Róisín Murphy, Jahrgang 1973, wurde als Sängerin des Duos Moloko bekannt (Bild: Play It Again Sam!)

Nach acht Jahren feiert die Stimme von Moloko mit ihrem dritten Solo-Album "Hairless Toys" ein beeindruckendes Comeback.

Von Michael Thiele

Eine Cover-EP mit italienischen Popschlagern, ein paar Singles zum Download, hin und wieder ein Konzert, zwischendurch ein paar zweideutige Kommentare, gerichtet an Lady Gaga, deren flamboyanter Stil vielleicht nur von ihr geklaut ist – viel mehr hat man von Róisín Murphy in den letzten Jahren nicht gehört.

Womöglich war die gebürtige Irin, die 1995 zusammen mit Mark Brydon das Elektronik-Duo Moloko gründete, auch mit ihren zwei Kindern sehr beschäftigt, die sie nach Erscheinen ihres letzten Albums bekommen hat. Das war 2007, die Platte hieß "Overpowered", enthielt grandiose Disco-Hits wie "You Know Me Better", "Cry Baby" und natürlich die titelgebende Single "Overpowered" – und brachte doch nicht den ganz großen Durchbruch.

Und das obwohl "Overpowered" die geradlinigste und zugänglichste Platte ist, die Róisín je aufgenommen hat, und Madonna mit ihrer Disco-Platte "Confessions On A Dancefloor" zur gleichen Zeit extrem erfolgreich war. Alles in allem also berechtigte Gründe, warum erst jetzt, nach acht Jahren – in der Zeitrechnung der Popwelt eine Ewigkeit – das dritte Solo-Album von Róisín Murphy erscheint.

Beeinflusst von der Drag-Doku "Paris Is Burning"


"Hairless Toys", erschienen auf Play It Again Sam!, präsemtiert eine breite Palette verschiedenster Genre

Auf dem Cover von "Hairless Toys" wirkt die 41-Jährige sehr skeptisch, schüchtern, unsicher. Beinahe so, als würde sie sich hinter der Schrift verstecken. Dieses surreale Moment nimmt der Opener "Gone Fishing" sofort auf. Gläserne Klänge, tropfende Tonleitern, ein zerbrechlich-zärtlicher Gesang, sich rückwärts windende Synthie-Sounds. Wie die Sängerin in mehreren Interviews erklärte, ist "Gone Fishing" von "Paris Is Burning", der Doku über die Drag-Szene im New York der späten Achtziger, inspiriert.

Tatsächlich zählt "Gone Fishing" zu den Höhepunkten auf "Hairless Toys", das aus nur acht Songs besteht. Die haben es gleichwohl in sich: elektronisch-jazzige Kompositionen, die den Disco-Sound von "Overpowered" auf eine neue Ebene transportieren, dazu gedämpfte, subtile House-Klänge. Alles ist hier in Bewegung, die Songs wirken flüssig.

Ebenso die assoziativen, rätselhaft dunklen Texte, die verstörende Titel haben, etwa "Exile", "Uninvited Guest", "Evil Eyes" oder "Exploitation". Was für ein experimentelles Gefüge "Hairless Toys" ist, zeigt sich nicht zuletzt beim Blick auf die Länge der Lieder – das kürzeste dauert gut vier Minuten, das längste fast zehn, von denen wiederum allein vier Minuten das Outro bilden.

Ebenfalls stark ist "Exile", das als Country-Ballade mit prominenter E-Gitarre nur auf den ersten Blick musikalisch heraussticht. Der Song handelt von einem Liebes-Aus – Róisín vergleicht die Trennung mit einem Exil, in dem sie sich befindet, fernab der Liebe, die sie einst mit dem Anderen verband.

"Glass House" erweitert das elektronische Gerüst von "Hairless Toys" noch einmal um beklemmende Vintage-Trance-Sounds, bevor "Unputdownable" – eine kluge, verschachtelte Ballade über ein fesselndes Buch, wobei es weniger ums Lesen geht als um die Liebe, Wahrheit und Schuld zwischen den Zeilen – den Schlusspunkt setzt.

Und zwar unter ein Album, das sich aufgrund seines Experiment-, seines Metacharakters in Bezug auf das Gesamtwerk von Róisín Murphy einer klassischen Bewertung entzieht.

Youtube | Offizielles Video zur Single "Exploitation"