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Podiumsdiskussion "Selbst.Bewusst.Lesbisch"

Lesbisch ist zeitgemäß


Hochkarätig besetztes Podium vor der Kulisse der Kinderoper Köln im Alten Pfandhaus. (v.l.n.r.): Dr. Birgit Bosold, Eva Kreienkamp, Dr. Inge von Bönninghausen, Moderatorin Sina Vogt, Imke Duplitzer, Louisa Voßen und Ulrike Lunacek (Bild: Susanne Lück)

Über 180 Besucherinnen und Besucher diskutierten am Donnerstag in Köln auf Einladung der Wirtschaftsweiber NRW und der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld über lesbische Sichtbarkeit.

Von Susanne Lück

Lesbische Sichtbarkeit war bei der prominent besetzten Podiumsdiskussion "Selbst.Bewusst.Lesbisch" der Wirtschaftsweiber NRW am Donnerstagabend das Thema. Und für die 180 Besucherinnen und Besucher in Köln war lesbische Präsenz nicht nur deutlich zu sehen, sondern auch zu hören und zu spüren. Sechs prominente Vorbildfrauen stellten sich der lebhaften Debatte in bester Gesprächslaune.

Sind Lesben sichtbar? Nicht genug, darüber war sich das gesamte Podium, das sich auf Initiative der Wirtschaftsweiber NRW und der Magnus-Hirschfeld-Stiftung im Alten Pfandhaus in der Kölner Süßstadt eingefunden hatte, rasch einig. Im Alltag, in den Medien, in der Gesellschaft ist noch reichlich Luft nach oben für eine positive Wahrnehmung lesbisch lebender Frauen.

Nachdem der "Tagesspiegel" in den vergangenen Tagen schon "Wo sind die Lesben?" getitelt hatte, ließ sich aber doch feststellen: Im bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Saal waren sie. Sehr viele vor allem frauenliebende Frauen, die sich großteils auch gern Lesben nennen. Sie und einige Männer diskutierten eifrig mit den sechs geladenen hochkarätigen Erfolgsfrauen aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Sport.

Geballte Prominenz auf dem Podium

Solch geballt prominente Lesbenpower wie die der Frauen auf dem Podium erleben wir nicht alle Tage: Dr. Birgit Bosold vom Vorstand des Schwulen Museums* Berlin, die Geschäftsführerin der Mainzer Verkehrsgesellschaft Eva Kreienkamp, die Fernsehjournalistin Dr. Inge von Bönninghausen, die Vize-Weltmeisterin im Degenfechterin Imke Duplitzer, Louisa Voßen vom schwul-lesbischen Jugendzentrum PULS in Düsseldorf und die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Ulrike Lunacek. Alle respektierte Profis auf ihrem Gebiet, alle seit langer Zeit offen out im Beruf.

In gelöster Gesprächsatmosphäre ging es zunächst um die noch immer die Gemüter erregende Frage der Begrifflichkeit. Ist der Begriff Lesbe noch passend? Doch, es ließ sich – für manche vielleicht überraschend – auch 2015 noch ein klares Mehrheits-Ja ausmachen: Wir brauchen das L in LSBTI*. Die "Buchstabensuppe", für viele ohnehin eine der Not geschuldete Zwischenlösung, fanden die wenigsten hilfreich.

"Je mehr Buchstaben, desto schwerer ist es, ein gemeinsames Ziel zu finden", brachte es eine Stimme aus dem Publikum auf den Punkt. Zumal das Sternchen zwar formal dafür sorge, niemanden aus der Community auszuschließen, dafür aber von den wenigsten verstanden oder auch nur im Gedächtnis behalten werde. "Wie aber sollen wir für Sichtbarkeit sorgen", formulierte es Inge von Bönninghausen am Beispiel des alternativen Begriffs "queer", "wenn wir nicht einmal wissen, was wir darstellen wollen?" – "In queer ist die Sichtbarkeit von Frauen nicht gegeben", meinte auch Ulrike Lunacek.

Die meisten möchten ihre explizit lesbische Identität nicht missen



Anders der Begriff des Lesbischseins. Nicht nur die älteren Jahrgänge, deren Selbstverständnis von der feministischen Frauenbewegung der 1970er- und 80er-Jahre geprägt ist, möchten ihre explizit lesbische Identität nicht missen. Nein, auch ganz junge Frauen, die Unter-20-Jährigen, die Studentinnen sind stolz auf das oft geschmähte "Label" der Lesbe, wie sich in Reaktionen aus dem Publikum zeigte. Louisa Voßen, die das Generationcafé im PULS leitet, bestätigte: "Das Selbstbild der meisten jungen Frauen bei uns ist lesbisch."

Dass in der Wirtschaft und Politik nach wie vor nur einzelne Frauen zu ihrer lesbischen Identität stehen, berichteten Eva Kreienkamp ("obwohl es faktisch keine Hindernisse für sie gibt") und Ulrike Lunacek, die erste offen lesbische Frau im Europaparlament. Netzwerke helfen, die nötige Unterstützung aufzubauen, das haben beide erfahren – mit den lesbischen Führungskräften der Wirtschaftsweiber e.V. oder der LGBTI-Intergroup des EU-Parlaments. Auch Online-Foren leisten da gute Dienste, erinnerte Sabine Arnolds vom Online-Magazin phenomenelle: "Unterstützt digitale Lesbennetzwerke, lest Blogs von Lesben und kontert auf feindselige Kommentare!"

Den eigenen Platz reklamieren

Was ist noch zu tun, damit mehr lesbische Frauen positiv wahrgenommen werden? Birgit Bosold setzt auf mehr Präsenz der Frauen in schwullesbischen Zusammenhängen: "Wir müssen unseren Platz in gemischten Organisationen reklamieren." Olympionikin Imke Duplitzer forderte die Lesben auf, sich ein Beispiel am guten Lebensgefühl zu nehmen, zu dem Männer ihr Schwulsein gemacht haben. "Wir müssen auch in der Öffentlichkeit zu uns stehen und sagen: Ja, das ist so und ist gut so."

Ein kritischer Ansatz fehlte aber im Hinblick auf schwul-lesbische Bündnisse nicht. Schwule sollten sich wieder auf gemeinsame Ziele in einer nach wie vor patriarchalisch ausgerichteten Welt besinnen. "Solange ein Schwuler sich nur mit Heteromännern gleichmachen will, kann er nicht mein Bündnispartner sein", kam es entschieden aus dem Publikum.

Inge von Bönninghausen mahnte an, dass es eine Art Backlash der Medien gibt, zu dem eine erneut ungute Tendenz gehöre, Lesbischsein fiktional als tragisches Schicksal oder gar krankhaft negativ darzustellen. Direkte Beschwerden beim Sender seien hilfreich.

Eva Kreienkamp resümierte: "Es ist an jeder einzelnen Person, ihre Identität zu finden und damit nach außen zu gehen." Nur lesbische Frauen hätten "als Einzige ein klares Bewusstsein, wie es ist, sich als autonome Frauen zu bewegen." Das sehe sie als "Vorteil, der an die Welt gebracht werden muss."

Letztlich sind es genau solche Veranstaltungen wie "Selbst.Bewusst.Lesbisch", die lesbische Sichtbarkeit ausmachen. Moderatorin Sina Vogt, die gewohnt souverän durch den Abend führte, kündigte an, dass bereits Folgeveranstaltungen geplant sind.

Youtube | Aufzeichnung der gesamten Veranstaltung


#1 126hgfccfcAnonym
  • 08.05.2015, 18:10h
  • Was für ein blöder Titel.

    Eine sexuelle Identität ist nicht zeitgemäß, weil sie nicht von der Zeit abhängt.

    Schließlich ist es keine Modeerscheinung.

    Ich könnt mich darüber aufregen wie in einem queeren Medium ein Artikel mit solch einer Überschrift veröffentlicht werden kann.
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#2 TheDad
  • 08.05.2015, 19:47h
  • Antwort auf #1 von 126hgfccfc
  • Lesbisch sein ist ebenso wie Schwul sein mehr als nur eine Sexuelle Identität, die sich nach wie vor in der Sexualität erschöpft..

    Und so bleibt das "sein" viel mehr als die bloße Reduzierung auf die Sexualität..

    Damit ist der Artikel so folgerichtig wie Zielführend, denn es geht vor allem darum die Kräfte dieses "sein´s" zu bündeln, und in der Emanzipationsarbeit koordiniert einzusetzen..
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#3 SamuelAnonym
#4 stromboliProfil
  • 09.05.2015, 13:42hberlin
  • "Ein kritischer Ansatz fehlte aber im Hinblick auf schwul-lesbische Bündnisse nicht. Schwule sollten sich wieder auf gemeinsame Ziele in einer nach wie vor patriarchalisch ausgerichteten Welt besinnen.
    "Solange ein Schwuler sich nur mit Heteromännern gleichmachen will, kann er nicht mein Bündnispartner sein", kam es entschieden aus dem Publikum."
    Nun, ohne zweifel ein richtiges denken.. wie nun umgehen mit den lesben die den selben heteronormativen weg eingeschlagen haben..sich der hetenfrau gleichstellen, siehe familiengründungsgedöns...

    Ich bin mittlerweile für eine aussetzung dieser "gemeinsamen ziele " so sie nicht die ernsthafte überwindung des patriarchates und des ihn stützenden wirtschaftssystems zum ziel haben, sondern nur eine angleichung des matriarchates an bestehendes zum ziel hat.
    Ein bischen mehr revolution brauchts schon, um das patriachat zu stürzen und das matriachat zu verhindern!
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#5 TheDad
  • 09.05.2015, 18:18h
  • Antwort auf #3 von Samuel
  • Wenn Du das nicht selbst weißt, bist Du wahrscheinlich selbst nicht Schwul..

    Soll ich Dir nun hier an dieser Stelle Insider-Info´s geben ?

    Es ist nicht alles Sex im Leben..

    Meine Beziehungen zu Heten-Freunden laufen völlig anders ab, als sie zwischen 2 Heten-Männern ablaufen, denn ich könnte z.B. nie mit einem Mann befreundet sein, der sich im Wissen darum, das ich Schwul bin, in der Umkleide "geniert"..

    Außerdem spielt das Bewußtsein Teil einer diskriminierten Minderheit zu sein eine große Rolle, die sich in politischer Arbeit "entlädt", und im gesellschaftlichem Engagement für diverse Projekte..
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#6 ursus
  • 09.05.2015, 19:37h
  • Antwort auf #3 von Samuel
  • politisches bewusstsein aufgrund von diskriminierungserfahrungen. solidarität. empathie.

    das ist alles nicht spezifisch schwul/lesbisch, aber ein wichtiger teil davon, jedenfalls für mich.
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#7 Homonklin44Profil
  • 11.05.2015, 11:56hTauroa Point
  • Für mich ist es überraschend,zu erfahren,dass lesbische Lebensentfaltung wohl negativer dargestellt wird,als Schwule. Ich dachte immer,Lesben wären viel eher akzeptiert,und viel früher toleriert worden,als schwule Männer.

    Gleichsam habe ich mich immer gewundert,warum Lesben so wenig Präsenz zeigen,sich kaum in gemischten Foren einbringen,und eher geheim oder versteckt zu leben scheinen. Danach kam ich auf die Idee,dass sie für Männer sicher keinerlei Bedarf verspüren,und selbstversändlich männerfreie Kommunikationsnetze nutzen werden...

    Mit dem Unterstellen von Angleichungswünshen habe ich ein Problem,aber ich glaube,dass die Lesben sich mehr zutrauen sollten,mehr Präsenz zeigen sollten. Im Geheimversteck lebt es sich zwar gemütlich,aber man (frau auch) geht leicht unter,wird übersehen.

    Mädels!Haut mal ordentlich uf den Putz!
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