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  • 09.05.2015           36      Teilen:   |

Sexfilme

Der deutsche Queer-Porno kämpft ums Überleben

Artikelbild
Die Experten-Runde im Schwulen Museum* (v.l.n.r.): Jörg Andreas (Mitbegründer Cazzo Film), Goodyn Green (Fotografin und Künstlerin), KAy Garnellen (Performance-Künstler und Queer-Aktivist), Christian Slaughter (Wurstfilm), Manuela Kay ("Airport", Herausgeberin von "Siegessäule" und "L-Mag") (Bild: Schwules Museum*)

Zum Ausklang der Ausstellung "Porn That Way" wurde im Schwulen Museum* über den beklagenswerten Zustand einer einst blühenden Branche diskutiert.

Von Sabrina Gettinger

Obwohl sich in den Medien hartnäckig das Gerücht vom großen Geld im Pornobusiness hält, sieht die Realität anders aus, zumindest in Deutschland. Erschwerte Absatzmöglichkeiten, mangelndes Interesse an Nischenpornos im Lesben-, Schwulen- und Trans*-Bereich und Eigenproduktionen auf Youporn & Co. machen eine kommerzielle Pornoindustrie beinahe unmöglich.

Auch die Darstellerinnen und Darsteller "wachsen nicht auf Bäumen", weiß Fotografin und Künstlerin Goodyn Green, die ihre lesbischen Pornodarstellerinnen mittlerweile aus dem Freundeskreis rekrutieren muss, am vergangenen Montag im Schwulen Museum* Berlin zu berichten. "Wenn man jedoch immer wieder die gleichen Gesichter sieht, finde ich das ermüdend", kommentiert Manuela Kay, Regisseurin des lesbischen Klassikers "Airport" und Kuratorin beim Pornfilmfestival Berlin. Sie kennt die Erfahrung allerdings auch, dass man im Lesben-Porno auf Freundinnen zurückgreifen muss, weil es keine Darstellerinnen gibt.

Die Expertenrunde zum Abschluss der Ausstellung "Porn That Way", zusätzlich bestehend aus Christian Slaughter von Wurstfilm, Jörg Andreas von Cazzo sowie Performance-Künstler und Queer-Aktivist KAy Garnellen, scheint sich in einem Punkt einig zu sein: Das große Geld lässt sich mit deutschem Porno nicht (mehr) machen. "Wir hatten Visionen, die wir umsetzen wollten. Keiner von uns hat angefangen, Pornos zu drehen, um reich zu werden", so Manuela Kay.

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Schwuler Porno-Boom nach dem Fall der Mauer

Ficken auf der S-Bahnbrücke: Szene aus der Cazzo-Produktion "Berlin Bonking Bastards" - Quelle: Cazzo
Ficken auf der S-Bahnbrücke: Szene aus der Cazzo-Produktion "Berlin Bonking Bastards" (Bild: Cazzo)

Diese Visionen realisierte man vor allem nach 1989, als Berlin zu einem kleinen Epizentrum des Schwulen-Pornos avancierte. Cazzo-Mitbegründer Jörg Andreas macht das "Nachwendegefühl" für diese neue Berliner Pornoszene verantwortlich. Inspiriert von der Club-und Technoszene, trieb viele die Neugier auf sexuelle Selbstentfaltung in das Berliner Pornobusiness.

In weitaus kleinerem Ausmaß wurden zu dieser Zeit auch zunehmend Lesben- und Trans*Pornos produziert. Allerdings ohne die Unterstützung von Labels oder großen Produktionsfirmen. Hier ging es nicht um Geld, sondern um die Erfahrung und den sexuell-künstlerischen Ausdruck.

Für Manuela Kay war in den 1980er Jahren jedoch nicht Berlin, sondern San Francisco das Mekka der Queer-Bewegung. Beinahe bestürzt war sie daher, als ihr Film "Airport" wiedererwartend großen Anklang in den USA fand, weil er so "sexy deutsch" aussah. Kay, die eigentlich versuchte, amerikanischen Vorbildern nachzueifern, anstatt etwas "eigenes Berlinerisches" zu kreieren, wird nun gerade wegen diesem, ihr beinahe verpönten, "Berlin Look" im Ausland gefeiert. "In den USA war Deutsch ein Fetisch", so Kay. Das bestätigt auch Jörg Andreas mit Bezug auf die Cazzo-Filme.

Im Ausland kam der deutsche Porno damals also gut an, schwule Pornofirmen wie Cazzo oder Wurstfilm konnten sich bis 2006 mit DVD-Verkäufen erfolgreich über Wasser halten. Danach ging es mit der Industrie schleichend bergab, "wenn man überhaupt von einer Industrie sprechen kann", so Slaughter.

Im Gegensatz zu der amerikanischen Szene hat sich Porno in Deutschland nie zu einer besonders großen und gewinnbringenden Industrie entwickeln können, da gesetzliche Vorschriften den Vertrieb und die Werbemöglichkeiten einschränkten. Vor allem das Jugendschutzgesetz macht es in Deutschland unmöglich, Pornos zu bewerben. In Punkto Marketing haben die Amis uns einiges voraus und der deutsche Porno scheint mittlerweile am Ende. Sowohl Wurstfilm als auch Cazzo haben die Produktion eingestellt.

Der "Exotenfaktor" des Lesben- und Trans*-Pornos

Manuela Kays Film "Airport" galt 1994 als "Deutschlands erster Lesbenporno"
Manuela Kays Film "Airport" galt 1994 als "Deutschlands erster Lesbenporno"

Der viel kleinere Lesben- und Trans*Bereich ist noch viel weniger ein Geschäft, sondern eher eine Chance, "unterschiedliche Körper und Sexualitäten zu zeigen", so KAy Garnellen. Hier finden sich demnach viele Künstler, die Pornofilme ausschließlich für Festivals produzieren. Manuela Kay erklärt, dass der "Exotenfaktor", den Lesben- und Trans*-Pornos für sich einnehmen, der Grund ist, warum vor allem diese auf Festivals gezeigt werden, wohingegen Schwulen-Pornos oft schon als "zu normal" gelten.

Schwulen-Pornos – besonders die der Kategorie "Romantic Porn" à la CockyBoys – finden zurzeit allerdings reißenden Absatz bei heterosexuellen Frauen, die sogar bereit sind, Geld auszugeben, auch für die teuren DVDs. In Zeiten von freizugänglichen Online-Pornos ist das eher ungewöhnlich.

Der künstlerische Anspruch von Manuela Kay ist es jedoch nicht, "heterosexuelle Hausfrauen glücklich zu machen". Auch wenn sie selbst sagt, dass Lesben ebenfalls gern Schwulen-Porno schauen: "Das ist wie Tierfilme, man staunt, was die da so treiben. Und amüsiert sich".

Sind die bevorzugten Porno-Konsumierenden der Zukunft also eher Festivalgänger, die besonderen Wert auf künstlerische Ästhetik legen, und sexuelle Lust "wie in den Siebzigern" in sozialer Runde erleben wollen? Auf alle Fälle ist die kommerzielle Pornoindustrie in Berlin am Ende, meinten die Fachleute im Gespräch mit Kurator Dr. Kevin Clarke.

Doch Chancen entstehen durch neue Trends, Laienproduktionen oder Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem Berliner Pornfilmfestival, das alljährlich im Oktober stattfindet. "Mit dem Pornfestival verkörpern wir das, was sich die meisten Leute heutzutage unter Berlin vorstellen. Wir sind quasi der Inbegriff von 'Arm aber sexy'."

Neue Möglichkeiten ergeben sich auch aus einer feministischen und Frauenperspektive. "Frauen vor der Kamera wechseln nun hinter die Kamera und übernehmen die Kontrolle. Das Einzige was bergab geht, sind die Kohle-Sachen", sagt Kay. Porno wird jetzt also wieder als Hobby, Mission und Kunst begriffen und kehrt zurück in seinen sozialen Kontext.

Und im schwulen Bereich haben in Berlin die großen US-Firmen das Ruder übernommen, die hier filmen, weil Locations und Hotels so schön billig sind und deutsche Männer angeblich so versaut.

  Infos zur Ausstellung
Porn That Way. Nur noch bis 17. Mai 2015 im Schwulen Museum*, Lützowstraße 73, Berlin-Tiergarten. Öffnungszeiten: So, Mo, Mi, Do, Fr 14-18 Uhr, Sa 14-19 Uhr, Di geschlossen. Eintritt erst ab 18 Jahren.
Links zum Thema:
» Homepage des Schwulen Museums*
» Homepage des Pornfilmfestivals Berlin
Mehr zum Thema:
» Eine queere Orgie für den Kopf (01.01.2015)
Wochen-Umfrage: Gibst Du (noch) für Pornos Geld aus? (Ergebnis)

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Tags: porn that way, porno, cazzo, wurstfilm, manuela kay, cockyboys
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Reaktionen zu "Der deutsche Queer-Porno kämpft ums Überleben"


 36 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
09.05.2015
10:28:48


(-4, 8 Votes)

Von Klaro


Beinahe bestürzt war sie daher, als ihr Film "Airport" wiedererwartend großen Anklang in den USA fand, weil er so "sexy deutsch" aussah. Kay, die eigentlich versuchte, amerikanischen Vorbildern nachzueifern, anstatt etwas "eigenes Berlinerisches" zu kreieren, wird nun gerade wegen diesem, ihr beinahe verpönten, "Berlin Look" im Ausland gefeiert. "In den USA war Deutsch ein Fetisch", so Kay"

Getreu dem Sprichwort "Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite des Zaunes" versuchen viele Deutsche, sich amerikanischer als die Amerikaner zu geben. Und für die schwulen Amerikaner war und ist alles Deutsche interessant.
Die Deutsche sollten zu ihrem Deutschsein stehen, auch in Pornofilmen.


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#2
09.05.2015
10:35:23


(+6, 10 Votes)

Von Venice89
Aus Braunschweig (Niedersachsen)
Mitglied seit 09.04.2015


Also ich habe noch nie nen Deutschsprachigen Porno gesehen...
Man sieht ja auch auf den Streamingseiten oft nur Snippets von Cockyboys und Bel-Ami.

Ich denke dass die deutschen Produzenten einfach einen Trend verpasst haben. Die Digitalisierung ist bei kaum einer Branche so wichtig wie im Porno, ohne Video On Demand Angebot kann das nix werden.


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#3
09.05.2015
12:05:42
Via Handy


(+3, 13 Votes)

Von Machsmit


Porno meets Kunst von mir aus. Aber ausgerechnet Cazzo als Bareback-Porno-Unternehmen in die Diskussion zu holen, finde ich extrem lächerlich.


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#4
09.05.2015
13:19:11


(+6, 10 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008


wozu teuer produziertes kaufen, wenn der selfi die selbe wirkung und verbreitung bietet..

Pornos mit inhalt, mit erzählstruktur wie sie z.b. cadinot in seinen besten tagen herausbrachte, sind in einer auf twitterform reduzierten bildsprache schwer machbar.
Bestenfalls reduziert er sich wieder auf das berühmte rein-raus und mund zu anus beatmung.
Was vorher geil weil eigene wünsche im film wiederzuerkennen, man sogar den traumficker sich vorstellen konnte, wird nun mit der cam banalisiert revolutioniert.
Und cam zu cam erübrigt die von aussen inzenierte alltäglichkeit..
wir drehen uns unseren porno selbst und teils ist dies für uns auch geiler.
Wir sind selbst porno geworden.. ohne casting, ohne tralla.


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#5
09.05.2015
13:57:49


(+4, 8 Votes)

Von andreMuc
Antwort zu Kommentar #2 von Venice89


Doch gibts, bei Cazzo zum Beispiel. Das klingt echt bescheuert. Ich glaube, der natürliche Feind der Porno-Labels, ist die Webcam und die vielen tausend Filme, die es im Internet gibt, als Stream und nicht als Download. Amateurfilmchen finde ich viel witziger als die "gestellten" Profi-Filme. Es ist, für mich auch abtörnend, wenn tschechische Boys o-o-o, statt ahhh, ahhh stöhnen. 20 Minuten Stream-Filmchen reichen mir also vollkommen. Das mit den heterosexuellen Frauen ist witzig. Sicher frustrierte Herdprämien-Empfänger.


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#6
09.05.2015
14:16:33
Via Handy


(-7, 9 Votes)

Von Sukram71
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 17.12.2010


Der deutsche Gay-Porno steckt in der Krise. Welch Dramatik!


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#7
09.05.2015
14:26:00
Via Handy


(-7, 9 Votes)

Von Sukram71
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 17.12.2010
Antwort zu Kommentar #6 von Sukram71


Das ist wohl die größte Krise des schwulen deutschen Films seit Sebastian Bleisch. :)


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#8
09.05.2015
17:48:23


(+2, 10 Votes)

Von Willie


"Der künstlerische Anspruch von Manuela Kay ist es jedoch nicht, "heterosexuelle Hausfrauen glücklich zu machen". Auch wenn sie selbst sagt, dass Lesben ebenfalls gern Schwulen-Porno schauen: "Das ist wie Tierfilme, man staunt, was die da so treiben. Und amüsiert sich"."

Manuela Kay mal wieder auf dem intellektuellen Höhepunkt...
Nachdem sie Chefredakteurin der L-Mag wurde, hat sie erstmal ein paar transphobe Kolumnen rausgehauen.
Nervig ist sie immer noch.


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#9
09.05.2015
18:09:03


(-7, 9 Votes)

Von wanderer LE
Antwort zu Kommentar #7 von Sukram71


Genau - durch das Hochsetzen der Altersgrenze von 14 auf 18 Jahre für Pornodarsteller, ja mehr noch, die dürfen nicht mal über 18 sein aber wie unter 18 aussehen, will kaum einer mehr Pornos ausleihen oder kaufen. (Zumal es billiger ist, über Internet-Agenturen per Monats-Abo sich ein paar Videos zu laden.) Hinterher jammern nützt gar nicht, rechtzeitig geballter Widerstand hätte was genützt und zwar gegen die aus USA aufgedrückte prüde Sexualmoral, rechtzeitig vor der gezielten Instrumentalisierung des belgischen Dutroux-Hetero-Skandals, rechtzeitig vor dem Einknasten des Produzenten der beliebtesten deutschen schwulen Pornovideos im Mecklenburg.


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#10
09.05.2015
22:10:48
Via Handy


(-2, 8 Votes)

Von Sukram71
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 17.12.2010
Antwort zu Kommentar #9 von wanderer LE


Also mir gefiele das ja auch sehr gut, aber das Verbot an unter 18-jährige kein Geld für Sex zahlen zu dürfen, auch für Pornos, ist ganz bestimmt vernünftig. ;)

Selbst wenn so ein 18-jähriges Kind zu nem Porno Studio kommt, müsste man dem als verantwortlicher Mensch ja eigentlich sagen:
"Geh nach Hause und mach ne Ausbildung und Studium, statt für ein paar hundert Euro deinen Körper weltweit zu vermarkten!"

Naja, wenn die nebenbei Pornos drehen, will ich auch nicht meckern. Das ist einfach zu süß anzusehen. :)
Besser ist in der schwulen Sauna aber im Original. :D


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