Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 14.05.2015           6      Teilen:   |

"3517 Anno Domini"

Ein Lustdiener mit Fernsteuerung

Artikelbild
Ausschnitt aus dem Cover: Der zarte Prinz Ragnar will seinen männlichen Sexsklaven auch ohne technische Hilfe ins Bett bekommen (Bild: Incubus Verlag)

Raik Thorstads neuer Roman "3517 Anno Domini – Wir waren Götter" spielt in 1.500 Jahren – Homosexualität ist normal, Demokratie allerdings out.

Von Frank Hebenstreit

Raik Thorstad hat sich im Laufe der Jahre einen Namen gemacht. Eine wahre Fanbase wartet immer gespannt, was der Phantasie des Bigender-Autoren denn nun wohl wieder entsprungen ist.

Aus dieser Tastatur rieseln keine Geschichten einfach so leicht vor sich hin. Nur wenn eine Geschichte spannend, ein Charakter eckig und die Geschehnisse unvorhersehbar sind, dann und nur dann wird Raik sie erzählen. Zumindest scheint es so, denn all das trifft auch auf sein neues Buch "3517 Anno Domini – Wir waren Götter" wieder zu.

Fortsetzung nach Anzeige


Eine Utopie mit uralter Herrscherform

"3517 Anno Domini" ist im Dortmunder Incubus Verlag erschienen
"3517 Anno Domini" ist im Dortmunder Incubus Verlag erschienen

Wir schreiben das Jahr 3517. Die nuklearen Katastrophen haben die Erde, wie wir sie kennen, verändert. Ganze Länder und Kontinente sind unter Wassermassen verschwunden. Festland ist selten geworden in diesen Tagen. Aber nicht nur das Antlitz der Welt haben die Menschen mit ihren Kriegen und der unbeherrschbaren Technik verändert. Durch die massive Begrenzung von Lebensraum, Ressourcen und allem, was zu einem menschenwürdigen Leben dazu gehört, ist eine uralte Regierungsform wieder aufgelebt: die tatsächliche Monarchie.

Im Laufe der Jahre haben sich wieder kleine Adelshäuser formiert, die nun als Herrscher die Geschicke der Welt lenken. Ähnlich wie im Mittelalter herrschen sie immer nur über kleine Flecken oder Festungen. Aber ihre Technik ist moderner denn je. Und genau da liegt eines der Probleme dieser Gesellschaft. Die modernste Technik ist teuer, braucht großen Aufwand. Den echten Nutzen davon haben nur die Herrscher und deren enge Vertraute und Mitarbeiter.

Ob das Herrscherhaus der Merowinger, dem wir im Roman begegnen, wirklich seine Wurzeln in dem geschichtsträchtigen Stammbaum hat, ist völlig egal. Es lebt seinen Machtanspruch absolut aus und hat sich eine Festung aus Stahl und Technik mitten im Ozean erbaut. Hunderte von Meilen im Umkreis gibt es kein Land.

So leben die meisten Menschen in den unteren Bereichen der Feste. Dreckig, kräftezehrend, gefährlich und erniedrigend sind ihre Arbeiten, viele kommen ums Leben. Je höher man in der Festung kommt, desto luxuriöser wird sie. Ganz oben residiert die Herrscherfamilie. Regiert vom Tyrannen Takir erreichen die Herrscher aufgrund bester Medikamente hunderte von Lebensjahren. Sein Sohn Ragnar ist das absolute Bild eines verzogenen und verwöhnten Prinzen. Zierlich, sportlich und immer auf der Suche nach dem Kick.

Youtube | Offizieller Trailer zum Buch

Ein erotisches Geschenk mit Folgen

Versteht sich als Bi-Gender: Autor Raik Thorstad, Jahrgang 1980, lebt in Dortmund
Versteht sich als Bi-Gender: Autor Raik Thorstad, Jahrgang 1980, lebt in Dortmund (Bild: Incubus Verlag)

Ganz anders Aiden. Arbeiter auf den Schiffen der Feste, ein prächtiger Kerl. Muskulös, straff, ein Bild von einem Mann. Weil Aidens Vater die horrenden Ansprüche Takirs nicht erfüllen kann, fordert dieser Aiden als Tribut und verschenkt ihn als Lustdiener an seinen Sohn. Gerade noch in stinkender Schiffskluft, findet sich Aiden schnell auf der Krankenstation wieder. Er wird gecheckt und ihm wird ein Chip eingepflanzt, der seine Gesundheit erhält und sein Leben verlängert.

Aber dieser Chip hat eine Besonderheit. Zu ihm gehört auch eine Fernbedienung – und die hat Ragnar. Auf Knopfdruck schaltet der Chip die sexuelle Erregung an und aus, und Aiden bleibt keine Wahl: Wenn er soll, will er einfach nur noch Ragnar zu Diensten sein.

Aber Ragnar und Takir haben die Rechnung ohne den starken Willen Aidens gemacht. Der schafft es immer wieder, sich selbst treu zu bleiben und sich den Befehlen zu widersetzen. Das reizt Ragnar, der nun alles daran setzt, den Diener unabhängig von allen Standesunterschieden für sich zu gewinnen. Takir gefällt dieses Verhalten jedoch gar nicht. Für einen Thronfolger gehört sich nun mal kein Buhlen um den Prachthintern eines Dieners, der nicht weiß, wo sein Platz ist.

Schnell finden sich Ragnar und Aiden in Geschehnissen wieder, die sie beide das Leben kosten könnte. Unter der von Meer, Wind und Salz angefressenen Stahlhaut der Festung brodelt es. Eine Geheimorganisation formiert sich zum Widerstand und zum Schlag gegen die Herrscher. Kurzum: In einer überraschen Wendung finden sich Ragnar und Aiden plötzlich gleichgestellt wieder. Eine Herausforderung, aber auch eine Chance…

Worte, die eine Choreografie für die Geschichte schaffen

Mit geschärfter Tastatur und geschliffener Sprache führt Raik Thorstad den Leser in diese utopisch schreckliche Welt. Schnell wachsen einem Aiden und Ragnar in ihren gegensätzlichen Eigenschaften ans Herz. Das welpenhafte Buhlen des Herrschersohnes um die Aufmerksamkeit des gestandenen Mannes lässt den Leser manchmal liebevoll nachdenklich, manchmal genervt innehalten.

Die Zweifel des gefestigten Mannes, ob ihn nun die eigenen Sehnsüchte oder doch der schnelle Knopfdruck in das Bett des Prinzen treiben, bieten dazu nur eine unangenehme, aber nachvollziehbare Ablenkung. Von der ersten Begegnung seiner Protagonisten an scheint es, als ob diese einer unsichtbaren Choreografie folgen. So schlittern beide von einer Katastrophe in die nächste, nur um sich wieder aufzurappeln und um ihre nächste Chance zu kämpfen.

Thorstads Stärke, einer vielschichtigen Beziehung auch viel Raum zu widmen, tritt auch in "3517 Anno Domini" zu Tage. Dabei bedient er sich natürlich einiger Klischees, die jedoch an unbekannter oder unerwarteter Stelle auftreten, so dass auch hier keine Langeweile aufkommt.

Ein weiteres Buch mit Suchtfaktor, das man erst ausgelesen wirklich beruhigt aus den Händen legt. Mehr davon!

  Infos zum Buch
Raik Thorstad: 3517 Anno Domini – Wir waren Götter. Fantasy-Roman. Taschenbuch. 584 Seiten, Incubus Verlag. Dortmund. 2014. 14,95 €. ISBN 978-3-9455690-0-9
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 6 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 51             13     
Service: | pdf | mailen
Tags: raik thorstad, fantasy, 3517 anno domini, incubus verlag
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Ein Lustdiener mit Fernsteuerung"


 6 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
14.05.2015
15:42:25


(-4, 6 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014


Hört sich nach einem großartigen Roman an. Andererseits zeigt er aber auch die geringe Relevanz von Homopolitik im Kontext allgemeinpolitischer Fragestellungen


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
14.05.2015
19:04:15
Via Handy


(+4, 4 Votes)

Von Foxie
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Interessanter Artikel. Ich kann es kaum erwarten, den Roman zu lesen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
14.05.2015
19:21:01


(+4, 4 Votes)

Von Diversity


Raik ist einer meiner Lieblingsautoren! Er schreibt total fesselnd und auch seine anderen Bücher und Kurzgeschichten sind klasse!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
15.05.2015
00:30:44
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von Otaku


Es würde mich wirklich nicht wundern, wenn Raik den Anime/Manga "Ai no Kusabi" gesehen hat, klingt die Zusammenfassung doch stark angereichert mit Elementen des Manga, sowohl bezüglich der gesellschaftlichen Lage der Zukunft als auch bezüglich der Beziehung zwischen den beiden männlichen Protagonisten. Wem das Buch gefällt, sollte auch mal in diese Serie reinschauen!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
15.05.2015
12:32:38


(+2, 4 Votes)

Von talk talk
Antwort zu Kommentar #1 von Dont_talk_about


Wieso? Es geht doch um eine Monarchie. Wie Hohenzollern, Habsburger, von und zu Liechtenstein oder den Schweizer Geldadel.

Müssen Sie da nicht an die Homo-Ehe denken?
An das Böse, das sie verhindert?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
16.05.2015
14:21:42


(-1, 1 Vote)

Von film film
Antwort zu Kommentar #5 von talk talk


Wir sehen etwa grotesk veränderte Körper, die mit Tatoos übersät sind, wir sehen fette nackte Weiber, die wie Milchkühe gemolken werden, wir sehen einen Liliputaner als so weisen wie boshaften Statthalter und Hofzwerg des Herrschers, kindliche Knaben als Wächter und glatzköpfige Albinos als Krieger. Das Volk haust verlottert im Schmutz, giert nach Wasser und Entertainment....

Link zu www.heise.de


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 


 BUCH - UNTERHALTUNG

Top-Links (Werbung)

 BUCH



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Mexiko: Papst unterstützt Homo-Gegner Paragraf 175: Schwule Senioren kritisieren Union Magdeburg: Demo für LGBTI-Aktionsplan am Freitag LGBTI-Akzeptanz: Höcke kündigt Kampf gegen "perversen Zeitgeist" an
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt