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  • 19.05.2015           28      Teilen:   |

Fragwürdige Entschuldigung

Homophobe Kolumne: Redaktion verlangt Toleranz für Intoleranz

Artikelbild
Dieser Rat hatte zu einem Shitstorm in sozialen Netzwerken geführt - die Reaktion der Redaktion könnte den nächsten bedeuten

Die Zeitungsgruppe Westfalen-Blatt rechtfertigt sich, man sei bei dem Rat, Kinder von einer Homo-Hochzeit fernzuhalten, nur dem "legitimen" Anliegen der Eltern nachgekommen.

Von Norbert Blech

Nach heftiger Kritik über eine homophobe Kolumne hat die Unternehmensgruppe Westfalen-Blatt am Dienstag eine Erklärung veröffentlicht, die wohl ebenfalls noch auf Kritik stoßen wird.

Am Sonntag hatte die zu dem Bielefelder Unternehmen gehörende Zeitung "OWL am Sonntag" eine Ratgeberkolumne abgedruckt, in der ein Familienvater fragt, ob er seine Kinder mit auf die "Hochzeit" seines schwulen Bruders nehmen soll.

Die unter dem Titel "Unsere Töchter schützen" von Zeitungs-Ratgeberin Barbara Eggert veröffentlichte Antwort (in manchen Ausgaben in einer kürzeren Version unter dem Titel "Töchter schützen" erschienen) hatte es in sich: "Es muss nicht sein, sechs- und achtjährige Kinder einzuladen." Die Töchter würden "durcheinandergebracht". Der Mann solle seinem Bruder sagen, dass er nicht möchte, "dass die Kinder verwirrt werden. Ihre Töchter werden sich noch früh genug mit dem Thema Sexualität befassen".

Queer.de hatte am Montag als erstes Medium über den unsäglichen Rat berichtet, nach einiger Empörung in sozialen Medien stürzten sich am Dienstag weitere Medien auf die Zeitung.

Fortsetzung nach Anzeige


Eine Entschuldigung, aber...

Am Dienstag Nachmittag hat nun die Zeitungsgruppe reagiert. "Sollte die Einschätzung der Diplom-Psychologin Barbara Eggert Ihre Gefühle verletzt haben, so bedauern wir das außerordentlich", schreibt Redaktionsleiter Ulrich Windolph in einer Stellungnahme. "Wir bitten dafür ausdrücklich um Entschuldigung und versichern, dass uns nichts ferner lag als das."

Man habe "Verständnis dafür", dass "der Verdacht der Homophobie entstehen konnte". Das sei "unzweifelhaft eine gravierende journalistische Fehlleistung, die die Redaktion in vollem Umfang zu verantworten hat".

"Besorgte" Eltern ernst genommen

Zugleich wies Windolph allerdings den Vorwurf der Homophobie zurück. "Wenn die Rede davon ist, dass die Kinder 'verwirrt werden' könnten, dann fehlt zwingend die Erklärung, woraus dies resultieren könnte – nämlich nicht aus dem Besuch einer Hochzeit zweier Männer an sich, sondern dadurch, dass den beiden Töchtern des Ratsuchenden bisher jegliche Aufklärung über Homosexualität fehlt."

Der Redaktionsleiter spielt dabei auf den Brief des Vaters an, der erwähnt hatte, dass die Töchter keine Ahnung über Homosexualität hätten und die Eltern eine Ehe als Verbindung von Mann und Frau ansehen würden. "Diese Entscheidung der Eltern ist sicher für sich genommen diskussionswürdig", schreibt Windolph. "Wir halten sie mit Blick auf das Alter der Töchter – die Mädchen sind acht und sechs Jahre alt – allerdings durchaus für legitim."

Die Stellungnahme lässt auch Barbara Eggert zu Wort kommen, die meint, es gehe bei ihrem Ratschlag "nicht um meine Weltanschauung oder einen gesellschaftlichen Konflikt, sondern um ein ganz privates, nicht repräsentatives Problem eines verunsicherten Vaters." Man müsse Menschen ernst nehmen und respektieren. "Gerade die, die anders denken als man selbst, alles andere würde mir intolerant erscheinen."

Die Redaktion schließt mit dem Hinweis, im vorliegenden Fall gehe es um "konkrete Lebenssituation und nicht um eine generelle Handlungsempfehlung. Diese steht uns weder zu noch würden wir sie uns anmaßen."

Damit redet die Zeitung freilich Homophobie schön und tut weiter so, als handele es sich bei der Hochzeit zweier Männer um etwas Sexuelles, das Kinder verwirren könnte. Der Gedanke, Kinder vor dem Gedanken der Liebe zweier Männer zueinander schützen zu müssen, zieht sich jedenfalls weiter durch die "Entschuldigung", etwa wenn der Redaktionsleiter das Alter der Mädchen erwähnt.

Es ist nicht davon auszugehen, dass damit die Debatte beendet ist – auch weil inzwischen die erste Beschwerde beim Presserat eingegangen ist.

Links zum Thema:
» PDF der Ausgabe vom 17. Mai (Kolumne auf Seite 5)
» Stellungnahme der Redaktion
Mehr zum Thema:
» OWL am Sonntag: Schwule sind eine Gefahr für Kinder (18.05.2015)
» Hintergrund: Der Presserat zum Thema Homosexualität (25.10.2012)
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Tags: journalismus, homophobie, owl am sonntag
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Reaktionen zu "Homophobe Kolumne: Redaktion verlangt Toleranz für Intoleranz"


 28 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
19.05.2015
18:04:37


(+10, 12 Votes)

Von 34uhbgvw3


Das Westfalen-Blatt erlebt gerade einen Shitstorm auf facebook. Völlig zurecht.

Dass das Westfalen-Blatt die homophobe Kolumne gedruckt hat, ist ja schon schlimm genug, aber dass das Westfalen-Blatt jetzt im Wesentlichen die die Mitarbeiterin und deren "Meinung" auch noch verteidigt ist so widerlich.


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#2
19.05.2015
18:09:20


(+3, 5 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Ptressefreiheit hin und her, wenn eine Redaktion eben diese Pressefreiheit schamlos ausnutzt gehört sie geschloßen, die verantwortlichen je 50.000 Strafe und in 5 Jahren dürfen sie nicht mehr journalistisch arbeiten.


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#3
19.05.2015
18:59:22


(0, 6 Votes)

Von Markus44


Widerlich kann auch ich dazu nur sagen. Das Westfalen-Blatt sollte eine offizielle Entschuldigung drucken und die entsprechende Mitarbeiterin rausschmeißen.


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#4
19.05.2015
19:34:10


(+12, 12 Votes)

Von Rosa Soli


Was ich sehr eigenartig finde: Man findet nirgendwo im Netz eine Spur von Dipl. Psychologin Barbara Eggert. Nicht ein einziger Treffer bei Google. Sehr außergewöhnlich.

Ich würde vermuten, dass es die Dame gar nicht gibt - so wie es den Dr. Sommer bei der BRAVO auch nie gegeben hat.

Eine einzige Leserverarsche, aber eine schöne Kolumne für den "Anzeigenfriedhof am Sonntag".


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#5
19.05.2015
20:58:40


(+7, 7 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015
Antwort zu Kommentar #4 von Rosa Soli


Eben, das hab ich auch rausgefunden, das ich nichts rausgefunden habe über die Dame.
Das sind halt die hetzer, die halten sich im verborgenen und lassen die doofen marschieren, das ist genauso bei den Nazis wie auch bei den muslimischen fundamentalisten.


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#6
19.05.2015
21:10:08


(+2, 8 Votes)

Von Oliver43


Ich habe soeben aus Protest mein Abo des Westfalen-Blatts gekündigt. Hoffe, dass es mir viele nachmachen.


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#7
19.05.2015
21:12:31


(+9, 11 Votes)

Von Wolfgang
Aus Bielefeld (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 13.01.2011


Es steht zu vermuten, da sich keine Daten zu dieser Psychologin finden, daß sie erstunken und erlogen ist wie die "Fälle" der Kolumne.
Es gibt Spezialisten, die solche Ratgeber-Kolumnen schrieben: und sie schreiben Frage plus Antwort. Dergleichen findet sich in der gesamten Yellow-Press: Lebensbeichten, Tatsachenberichte aus dem Leben von Müttern, Krankheitsgeschichten etc. - es gibt sogar Presseagenturen, die einen ganzen Stall von solchen Lohnschreibern beschäftigen.
Auch liegt der Gedanke nicht fern, daß hier irgendein Volontär mit solchen Kolumnen eine Beschäftigungstherapie erfährt - daß die Elaborate bim Westfalenblatt so ausfallen, verwundert nicht, denn es gab bereits mehrfach presserechtliche Rügen für einen extrem rechtslastigen Kurs.


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#8
19.05.2015
21:21:53


(+11, 11 Votes)

Von markuskrefeld
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ich habe meinerseits ebenfalls Beschwerde beim Presserat gegen das Westfalenblatt eingelegt.
Die Entschuldigung ist so leer wie ein Luftleerer Raum und damit nicht ehrlich.
Man sollte die Anzeigenkunden des Westfalenblattes öffentlich zur Stellungnahme auffordern ob sie sich von nder Homophoben Äußerung im OWL am Sonntag distanzieren oder ob sie dahinterstehen.


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#9
19.05.2015
21:29:02


(0, 2 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015
Antwort zu Kommentar #7 von Wolfgang


HM, dann dürften die Springer Blätter nicht einmal die Hälfte mehr kosten.


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#10
19.05.2015
22:20:36


(+9, 11 Votes)

Von Corum
Aus Hamburg
Mitglied seit 26.02.2013


Meine Nichten waren 10 und 12 als sie mitbekommen haben, was mit ihrem Onkel los ist.

Da wurde auch gar nicht viel erklärt. Sie waren mit ihrer Mutter übers Wochenende zu Besuch und haben festgestellt dass da in der 3-Zimmer-Wohnung nur ein Doppelbett steht.

Die beiden sind mit dem Wissen gross geworden dass ihr Onkel mit einem Mann zusammen lebt und eine Beziehung hat. Für die beiden war das nichts besonderers und ganz normal.

Inzwischen sind die beiden 21 und 23 Jahre alt, finden ihren Onkel cool und fallen uns beiden regelmässig um den Hals wenn wir uns sehen.

Kinder haben da eigentlich überhaupt keine Probleme, es sei denn dass sie von einem verklemmten homophoben Elternhaus indoktriniert wurden.

Insofern ist der Shitstorm gehen das Blättchen völlig gerechtfertigt.

Unabhängig davon stellt sich mir die Frage, ob das rechtlich ok ist, wenn da eine Zeitungstusse mit Bild als Doktor auftritt. Bei Dr. Sommer war ja klar dass das ne Redaktion ist, aber der akademische Grad ist ja geschützt.


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