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Weltkulturerbe-Stätte in Essen

Zollverein untersagt Aktion gegen Homophobie


Die Zeche Zollverein war bis 1986 ein aktives Steinkohlebergwerk und wurde schließlich zum Architektur- und Industriedenkmal (Bild: Flickr / Bodenschlag / by 2.0)

"Weltanschaulich" geprägte Veranstaltungen will die Weltkulturerbe-Stätte nicht dulden und untersagte daher einer schwul-lesbischen Jugendgruppe, bunte Luftballons steigen zu lassen.

Die Stiftung Zollverein hat einer schwul-lesbischen Jugendgruppe aus Essen untersagt, am letzten Sonntag anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo- und Transphobie eine Aktion auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen durchzuführen.

Das ehemalige Steinkohlewerk, das seit Dezember 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, hatte gegenüber dem Sozialverein für Lesben und Schwule (SVLS), der in Essen das LGBT-Jugendzentrum "Together" unterhält, erklärt, dass "weltanschaulich" geprägte Veranstaltungen nicht geduldet werden würden. Die Jugendlichen hatten angefragt, auf Zollverein Herz-Ballons aufsteigen zu lassen.

Wörtlich schrieb die Stiftung, dass die Zeche ein "weltoffener Ort" sei, der auch "von vielen Familien mit Kindern besucht" werde. "Da wir bemüht sind, allen Besuchern einen ungestörten Besuch des Welterbes zu ermöglichen, kann die Stiftung Zollverein die beschriebene Aktion leider nicht genehmigen", heißt es in der Absage. Gegenüber der WAZ beharrte die Stiftung, dass man nichts gegen Aktionen gegen Homophobie habe, aber sich vorbehalte, Veranstaltungen zu untersagen, die das ehemalige Kohlewerk "für politisch und weltanschulich motivierte Meinungsäußerungen" nutzen wollten.

LGBT-Jugendliche als "Störung der Besucher"

Harry Kirchwehm vom SVLS zeigte sich über die Absage enttäuscht: "Offenbar sieht man uns auf Zollverein als eine Störung der Besucher an", sagte er am Sonntag. Man sei daher mit den 50 beteiligten LGBT-Jugendlichen auf den Kaiser-Wilhelm-Park in den Stadtteil Altenessen ausgewichen.

Dazu hatten sich auch Jugendliche von verbundenen LGBT-Treffen in Gelsenkirchen und Mülheim auf den Weg gemacht. Der Verein betreibt dort sowie in Dinslaken, Kleve und Krefeld Treff- und Beratungsangebote für Jugendliche, teilweise unter Nutzung allgemeiner Räumlichkeiten.

Scharfe Kritik am Verbot kam von der Politik. Der Essener Bundestagsabgeordnete Kai Gehring (Grüne) nannte die Entscheidung der Stiftung am Dienstag "menschenrechtlich blind". "Gerade Zollverein ist als Weltkulturerbe-Stätte ein einzigartiges Symbol menschlicher Kultur. Gerade hier sollte Raum sein für das zivilgesellschaftliche Eintreten für gleiche Menschenrechte, Gleichwertigkeit aller Menschen und die Wertschätzung von Vielfalt", argumentierte Gehring. Durch das "zutiefst demokratische Engagement" von jungen Menschen drohe keine politische oder weltanschauliche Vereinnahmung der Stiftung. "Vielmehr schadet das Signal, dass die Stiftung hier an die engagierten Jugendlichen aussendet, ihrem eigenen Ansehen."

Das in der Zeche untergebrachte Ruhr Museum, das von einer anderen Stiftung verantwortet wird, geht übrigens auf die LGBT-Bewegung ein. So ist die erste Ausgabe der "Rosa Zone" aus dem Jahr 1991 ausgestellt, aus dem regionalen Szeneblatt wurde später die bundesweite Zeitung "Queer". Nach deren Insolvenz gründeten einige ehemalige Mitarbeiter das Portal queer.de. (dk)

 Update  11.10h: Schwule nein, SPD ja

Das Blog Ruhrbarone berichtet, dass die Stiftung Zollverein, die bezüglich des Anti-Homophobie-Tags Bedenken über "politisch und weltanschaulich motivierte Meinungsäußerungen" anmeldete, im letzten Juni auf ihrem Gelände ein Jubiläumsfest "150 Jahre SPD" duldete.

 Update  14.20h: Anditiskriminierungsstelle eingeschaltet

In einem Schreiben (PDF) hat der Grünenpoltiker Volker Beck die Antidiskriminierungsstelle des Bundes um Prüfung gebeten, ob die Ablehnung einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) darstellt. Durch die Zusage an die SPD-Veranstaltung sei ein entsprechender Verdacht gegeben.



#1 YannickAnonym
  • 20.05.2015, 09:17h
  • Wer das Engagement gegen Hass als "Weltanschauung" bezeichnet, bezeichnet damit auch Hass als Weltanschauung. Hass ist aber keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

    Und nebenbei wird das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit für Schwule und Lesben negiert.

    So etwas erfordert zivilen Ungehorsam.
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#2 VeganBearEhemaliges Profil
  • 20.05.2015, 09:28h
  • Kommt dann ja wohl darauf an, WIE man die Welt so anschaut - Homophobie scheint da eine durchaus akzeptierte - oder "besser" noch internalisierte - Weltanschauung zu sein.

    Wundert mich jetzt ein bißchen, da am selben Ort 2012 die "veganfach" Messe stattfand - was man ja auch als "weltanschaulich" ansehen könnte.

    Aber das hat immerhin ordentlich Geld gebracht.

    Ist Weltanschauung also käuflich?
    Honi soit qui mal y pense...

    ***

    (Bitte jetzt keine Grundsatzdiskussion über das Thema Veganismus - dankeschön!)
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#3 HeinerAnonym
  • 20.05.2015, 09:30h
  • Deutschland ist dank der Weichenstellungen von CDU/CSU und SPD mitten im konservativen Rollback.

    Wenn wir da nicht sehr schnell etwas gegen unternehmen, wird es zu spät sein.

    Es ist 5 vor 12.
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#4 uwekrefeldProfil
  • 20.05.2015, 09:34hKrefeld
  • es ist schon traurig, dass im Jahr 2015 es noch immer und gerade in Essen derartige engstirnige Stiftungsfunktionärer gibt, die meinen, wegen einer Gesinnung den Besuch eines Weltkulturerbes - dann noch durch Jugendliche - als störend ansehen...
    Liebe Leute,
    geht mal in Euch und schämt Euch Eurer Reaktion.
    Seit Ihr Gott, dass Ihr Euch hier derartig "aufblasen" tut?
    Was wäre denn Eurer Meinung nach geschehen, wenn sich die Kiddies hier getroffen hätten und Luftballons hätten steigen lassen?
    Ihr seit so jämmerlich. Ich schäme mich Deutscher zu sein!
    i.d.S. Gruß (kein schöner) Uwe Günzel
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#5 David77Anonym
  • 20.05.2015, 09:34h
  • Wozu braucht man überhaupt eine Erlaubnis?! Einfach machen!!
    Was wollen die dagegen unternehmen? Die Polizei rufen? Die Bundeswehr? Sollen die Kampfjäger schicken und die Ballons abschießen?
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#6 stromboliProfil
  • 20.05.2015, 10:22hberlin
  • No weltanschaulisches...
    na wenigstens dürfen nach diesen vorgaben auch keine religiösen sekten dort etwas veranstalten..ODER???

    Die sollten das vor gerichten durchfechten!
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#7 GeorgB
  • 20.05.2015, 10:25h
  • Ein mehrtätiges christliches Festival war vor einiger Zeit allerdings kein Problem auf Zeche Zollverein. Da passt die Entscheidung, schwule Jugendliche abzuweisen, so richtig gut ins Bild. Kaum sind Christen in Entscheidungspositionen, drücken sie hemmungs- und schamlos ihr verqueres Weltbild durch.
    Im Vorstand der Zeche Zollverein: Jolanta Nölle, Mitglied im KAR (Kathlischer Akademikerverband Ruhr), deren Ziel es nach eigener Darstellung ist, als Katholiken im öffentlichen Diskurs in Kirche und Gesellschaft "mitzumischen" (www.kar.ruhr)
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#8 stromboliProfil
  • 20.05.2015, 10:34hberlin
  • Antwort auf #7 von GeorgB
  • ach ich ahnte das schlimmste..
    jetzt erst recht: klage auf anwesenheitsrecht für schwule in der öffentlichkeit bis hin zum verfassungfsgericht wenn nötig.. und klage auf entzug der gemeinnützuigkeit!
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#9 ChristineAnonym
  • 20.05.2015, 11:07h
  • Das hört sich nach Putinismus mitten im Ruhrgebiet an.
    Ich kann das kaum glauben.
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#10 YannickAnonym
  • 20.05.2015, 11:24h
  • Zum Update:

    Bezeichnend: Aktionen gegen Hass sind denen zu "weltanschaulich". Aber Parteiveranstaltungen sind das nicht.

    Daran sieht man, dass das purer Homohass ist und es nur um hanebüchene Ausreden geht.
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