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  • 22.05.2015           95      Teilen:   |

Shitstorm ohne Ende?

Westfalen-Blatt-Kolumnistin verteidigt ihren Text

Artikelbild
Die Kurzfassung der Kolumne, die das halbe Netz empörte

In einem Interview mit der SZ meint Barbara Eggert, ihr Text sei nicht homophob. Derweil ist für Samstag ein Protest vor dem Verlag in Bielefeld geplant.

Von Norbert Blech

Fünf Tage nach der Veröffentlichung einer homophoben Kolumne im Anzeigenblatt "OWL am Sonntag" kommt die Angelegenheit weiter nicht zur Ruhe. Am Freitag sagte die Autorin, die Kinder von einer Homo-"Hochzeit" fernhalten wollte, der "Süddeutschen Zeitung" in einem Interview, sie könne "nichts Homophobes an meinem Text finden".

Die 64-Jährige war wie die Unternehmensgruppe Westfalen-Blatt, zu der die Sonntagszeitung gehört, nach Bekanntwerden der Kolumne in einen Shitstorm geraten, der nach einer ersten uneinsichtigen Erklärung des Verlags noch schlimmer wurde. Am Mittwoch teilte schließlich die Redaktion mit, auf weitere Kolumnen von Eggert zu verzichten.

"Mir geht es nicht gut", sagte Eggert dazu der SZ. Und zeigte sich weiter uneinsichtig: "Ich kann die Aufregung und die Reaktionen auf die Kolumne nicht nachvollziehen. Ich bin der Meinung, dass der Text weder mit Homosexualität noch mit Homophobie etwas zu tun hat."

Fortsetzung nach Anzeige


Keine Kinder "korrigieren"

Die diplomierte Soziologin war in dem kurzen Ratschlag auf einen Vater eingegangen, der seine sechs- und achtjährigen Töchter nicht zur "Hochzeit" seines Bruders schicken wollte. Zum einen habe er diese nicht aufgeklärt, zum anderen sei er der Meinung, dass eine Ehe Mann und Frau vorbehalten sein sollte.

Unter der Überschrift "Töchter schützen" hatte Eggert ihm geantwortet, dass es nicht sein müsse, "sechs- und achtjährige Kinder einzuladen". Diese könnten "durcheinandergebracht" und "verwirrt" werden: "Ihre Töchter werden sich noch früh genug mit dem Thema Sexualität befassen".

Die Ansicht, dass die Hochzeit zweier Männer etwas mit Sexualität zu tun habe, wiederholte Eggert in der SZ: "Es ging in dieser Situation darum, die Kinder vor der Auseinandersetzung mit Sexualität zu schützen, nicht etwa vor homosexuellen Männern. Der Vater hat versäumt, die Kinder entsprechend aufzuklären."

Weiter sagte sie: "Der Text richtet sich nicht mit einem einzigen Satz gegen Homosexuelle. Es geht um die Frage, ob zwei konservativ erzogene Kinder, sechs und acht Jahre alt, die ein traditionelles Familienbild im Kopf haben, korrigiert werden sollen. Wenn ein Vater dazu gezwungen wird, kann das doch nicht gut sein!"

Die Überschrift habe nicht von ihr gestammt, verteidigte sie sich noch, ansonsten seien zwei Textstellen gestrichen worden. Vom Ende ihrer Kolumne habe sie erst aus Medien erfahren. Eggert beklagte ein "Diktat von Facebook und Twitter" durch eine "pöbelnde Gruppe" – was sich in dem Fall allgemein auf Online-Kommentatoren zu beziehen schien, nicht auf Schwule. Zugleich beklagte sie aber auch, dass jemand wie Andreas Gabalier "ausgepfiffen und beschimpft" werde für die Aussage, dass er als Mann eine Frau liebe.

Ging der Shitstorm zu weit?

Inzwischen hat auch eine Gegenbewegung gegen den Shitstorm gegen Eggert begonnen, angeführt natürlich von rechten Hassseiten wie "Freie Welt" und "Politically Incorrect", die ein Ende der traditionellen Familie und ein Ende der Meinungs- und Pressefreiheit beklagen.

Aber auch einige Mainstreammedien kritisieren inzwischen einen aus ihrer Sicht überzogenen Shitstorm, den sie teilweise mit angefeuert haben. Sie übersehen dabei vielleicht, dass sich die Kolumne in ihrer Kürze und Dummheit bemerkenswert gut für eine im Netz oft hysterische Empörungswelle eignete. Manche Dinge schaukeln sich extrem auf; andere, wichigere leider nicht immer. Vehemenz und Auswüchse des Shitstorms ändern aber nicht seine Grundlage.

Die Kritik übersieht auch, wie die erste Stellungnahme der Redaktion die Sache verschlimmerte; eine durchdachte, vor allem glaubhafte Entschuldigung hätte die Kritik befriedigen können. Überraschenderweise griff am Donnerstag auch das "Bildblog" in die Debatte moderierend ein und erwähnte vermeintlich verteidigende Stellen des Textes: Der in der Langfassung der Kolumne enthaltene Satz "Andere Kinder mögen vielleicht liberaler aufgewachsen sein, Ihre Töchter sind anders erzogen" stelle die Sache "ein Stück weit differenzierter" dar.

So ganz klar ist nicht, inwieweit das die Sache besser machen soll: Ob die Frau eigene Homophobie verbreitet oder der Homophobie anderer Recht gibt, macht keinen großen Unterschied. Es ist ein schlechter und auch homophober Rat, eine Hochzeit zweier Männer als etwas Sexuelles einzuschätzen. Und in beiden Fassungen der Kolumne steht dieser Satz: "Bei allem Respekt, es muss nicht sein, sechs- und achtjährige Kinder einzuladen." Der Satz richtet sich nicht an den Vater, sondern an das schwule Paar. Er stellt ihre Hochzeit als Überforderung von Kindern dar und ist schlicht eine Unverschämtheit. Eggert hat diesen Text als Expertin verfasst, nicht als Privatperson; zumindest heftigen Widerspruch wird sie aushalten müssen.

Aktion in Bielefeld

Derweil hat der Bielefelder CSD dazu aufgerufen, einem Protestaufruf der Grünen für Samstag ab 11 Uhr vor dem Verlagsgebäude in Bielefeld zu folgen. Erstellt werden sollen dort "Fotos von gleichgeschlechtlichen Paaren, die symbolisch heiraten."

Weiter heißt es in dem Aufruf: "Es gibt keinen Platz für Homophobie und die Tolerierung und Verstärkung homophober Positionen- wie sie vom Westfalen-Blatt betrieben wurde- ist inakzeptabel." Protestaufrufe von Parteien sind allerdings nicht das beste Mittel, um bei Journalisten auf Verständnis zu treffen.

Mehr zum Thema:
» Westfalen-Blatt entschuldigt sich ein zweites Mal (20.05.2015)
» Homophobe Kolumne: Redaktion verlangt Toleranz für Intoleranz (19.05.2015)
» OWL am Sonntag: Schwule sind eine Gefahr für Kinder (18.05.2015)
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Tags: journalismus, homophobie, owl am sonntag
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Reaktionen zu "Westfalen-Blatt-Kolumnistin verteidigt ihren Text"


 95 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
22.05.2015
22:26:29
Via Handy


(-13, 17 Votes)

Von Sukram71
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 17.12.2010


Der Verlag hat sich zwei mal entschuldigt und die Frau quasi raus geschmissen.
Wozu jetzt noch ne Demo vor dem Verlag?

Man kann auch alles etwas übertreiben. Das fällt dann wieder auf uns selber zurück.


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#2
22.05.2015
22:50:24


(+14, 14 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013


Was für ne dumme Nuss.


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#3
22.05.2015
22:54:52
Via Handy


(-15, 17 Votes)

Von Samuel


Bei diesem Mobverhalten stelle ich mich instinktiv an die Seite der Kolumnistin.


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#4
22.05.2015
22:59:33


(+14, 16 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby
Antwort zu Kommentar #1 von Sukram71


wenn Süddeutsche Zeitung ihr ein Forum bietet, sie es annimmt um noch einmal ihre homophobe Haltung mit einer homophobischen Begründung bestreitet, ist das zumindest eine Berichterstattung wert.


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#5
22.05.2015
23:03:48


(0, 10 Votes)

Von Venice89
Aus Braunschweig (Niedersachsen)
Mitglied seit 09.04.2015
Antwort zu Kommentar #1 von Sukram71


sehe ich auch so, der Protest ist Unsinnig auch wenn ich die entschuldigung in der 2. Stellungnahme absolut nicht ernst nehmen kann weil der Cheffredakteur in der ersten noch Frau Eggert verteidigt hat.

Sinnvoller wäre es gewesen die Werbenden der Zeitung darum zu bitten für ein Paar Wochen keine Werbung in dem Blatt zu schalten. DAS tut nämlich wirklich weh !


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#6
22.05.2015
23:14:24


(+11, 17 Votes)

Von David77


"Es geht um die Frage, ob zwei konservativ erzogene Kinder, sechs und acht Jahre alt, die ein traditionelles Familienbild im Kopf haben, korrigiert werden sollen. Wenn ein Vater dazu gezwungen wird, kann das doch nicht gut sein!"

Die hat den Knall noch immer nicht gehört...
"Ein Bild korrigieren" - spätestens wenn solche Kinder feststellen, dass sie anders sind, wird man damit gezwungen sein eigenes Bild zu korrigieren. Je später, umso schwieriger und schlimmer.
Und genau solche Eltern und solche Ratschläge sind fatal!!!
Für wie blöd hält der Vater als auch sie die Kinder eigentlich?

"Wenn ein Vater dazu gezwungen wird, kann das doch nicht gut sein"
Spätestens wenn die Töchter älter sind und wissen wollen, was da mit dem Onkel und er Hochzeit los war, wird der Vater dazu gezwungen Stellung zu beziehen!
Und vor allem die Begründung mit dem traditionellen Familienbild ist eine Unverschämtheit dem Onkel gegenüber, der also TATSÄCHLICH dazu gewzungen wird über sein Leben zu schweigen zugunsten eines FALSCHEN Familienbildes, welches NICHT der Realität entspricht!
Was soll der Scheiß?!?!?
Hier wird wiedermal das Wohl der Menschen zugunsten irgendwelcher Dogmen untergeordnet.


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#7
22.05.2015
23:15:37


(+15, 15 Votes)

Von ursus


>"Ich bin der Meinung, dass der Text weder mit Homosexualität noch mit Homophobie etwas zu tun hat."

ah. es ging vermutlich auch gar nicht um eine familienfeier, nicht um eine einladung, nicht um töchter und nicht um brüder. das einzige, worum es wirklich nicht ging, was frau eggert aber irgendwie nicht aus dem kopf zu bekommen scheint, war sex.

und so jemand gibt anderen ratschläge?


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#8
22.05.2015
23:16:08


(+15, 15 Votes)

Von ehemaligem User VeganBear


Diese Dame hätte gut daran getan, jetzt schamhaft und einsichtig zu schweigen, wenn sie sich schon nicht zu einer Entschuldigung durchringen konnte. Wie sie sich nun windet, macht die Angelegenheit noch schäbiger.

Wie jemand nicht nachvollziehen kann, daß der Text sowohl etwas mit Homosexualität als auch mit Homophobie zu tun hat, ist schlichtweg erschütternd und völlig inakzeptabel. Das spricht für nullkommanull Einsichtsfähigkeit, was besonders bei einer "diplomierten Soziologin" dann doch mehr als erstaunlich ist.

Allein, zwar eine schwule Verpartnerungsfeier mit Sexualität gleichzusetzen, aber eine heterosexuelle Hochzeit nicht, zeugt von absolutem Unverstand. Oder hätte sie dem Anfrager allen Ernstes bei einer heterosexuellen Hochzeit davon abgeraten, die Kinder mitzunehmen? So etwas ist mir selbst in den allerkonservativsten Kreisen noch nicht begegnet.

Aus meiner Sicht war/ist der Shitstorm alles andere als überzogen. Ich zitiere aus dem Artikel:
"Ob die Frau eigene Homophobie verbreitet oder der Homophobie anderer Recht gibt, macht keinen großen Unterschied. [...]. Eggert hat diesen Text als Expertin verfasst, nicht als Privatperson; zumindest heftigen Widerspruch wird sie aushalten müssen."
Und das ist noch milde formuliert.

Die Einstellung ihrer Kolumne ist der einzig positiv zu bewertende Schritt in dieser ganzen vorsintflutlichen und hinterwäldlerischen Geschichte.


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#9
22.05.2015
23:17:15


(+8, 10 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von Samuel


Wie wäre es den Artikel zu lesen ?

"" "Es ging in dieser Situation darum, die Kinder vor der Auseinandersetzung mit Sexualität zu schützen, nicht etwa vor homosexuellen Männern. Der Vater hat versäumt, die Kinder entsprechend aufzuklären."""..

"" Es geht um die Frage, ob zwei konservativ erzogene Kinder, sechs und acht Jahre alt, die ein traditionelles Familienbild im Kopf haben, korrigiert werden sollen. Wenn ein Vater dazu gezwungen wird, kann das doch nicht gut sein!"""..

Völliger Unsinn..
Zunächst haben diese Mädchen gar kein "traditionelles Familienbild" im Kopf, denn sie kennen sowohl den Onkel und seinen Freund, und sie wissen sehr wohl auch, das die beiden zusammen leben..

Hier hat also höchstens der Vater und die Kolumnistin dieses "traditionelle Familienbild" im Kopf, und ihr "Rat" lautet dann, das man dieses UNBEDINGT auf die Kinder übertragen müsse..

Begründet wird das dann absurder Weise damit, das der Vater "versäumt" habe, die Kinder über Sexualität aufzuklären..
Wo ist da die Mutter ?
Und was genau hat eine Hochzeitsfeier oder eine Verpartnerungsfeier mit Sexualität zu tun ?

Diese Frau redet sich weiterhin um Kopf und Kragen..
Sie weiß gar nicht worüber sie eigentlich redet, und schiebt dann noch den Schwarzen Peter auf den Vater der Töchter..

Professionalität sieht vollkommen anders aus..

Im Übrigem..

WER klärt eigentlich dann kleine Schwule Jungs über Sexualität auf, bevor sie auf eine Hetero-Hochzeit gehen müssen ?


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#10
22.05.2015
23:18:56


(+6, 8 Votes)

Von David77


Mich würde allerdings nicht wundern, wenn das dennoch inszeniert wurde, um sich absichtlich als das Opfer geben zu können.


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