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Jobst Knigge hat seit 2007 diverse Filme für ZDF, ARD und Arte gedreht. Für seine Doku "Der Aidskrieg" über die Aidskrise in den 1980er Jahren wurde er 2012 u.a. mit dem Felix-Rexhausen-Preis ausgezeichnet (Bild: Axel Bach)

Der Berliner Journalist und Filmemacher Jobst Knigge schaltet sich in die Debatte um das Buch "Berührungen" ein – und kritisiert neue Angriffe von David Berger.

Von Jobst Knigge

Ich bin Träger des Felix-Rexhausen-Preises 2012. Die Auszeichnung wurde mir für meinen Film "Der Aidskrieg" über die Aidskrise in den 1980er Jahren verliehen.

Seit einigen Wochen liegt nun ein Schatten über dem Namensgeber Felix Rexhausen. Der Journalist habe in seinen Schriften die Pädophilie verharmlost, heißt es. Es ginge in seinem Buch vom "tragischem Bagatellisieren bis zum Verherrlichen von Sex mit Kindern und Jugendlichen", kritisierte David Berger in der Huffington Post. Rexhausen sei es nicht wert, einen Preis nach ihm zu benennen oder, wie in Köln geplant, einen Platz.

Voller Schreck habe ich das getan, was ich natürlich schon vor der Annahme des Preises hätte tun müssen: Ich habe Felix Rexhausens in die Kritik geratenes Buch "Berührungen" gelesen. Manche Passagen dieser Geschichten haben mich erschreckt, andere berührt.

Den Sex mit Kindern lehnt der Autor explizit ab


Das Cover der Männerschwarm-Ausgabe von "Berührungen" in der "Bibliothek rosa Winkel"

Rexhausen hat sein Buch in den 1960er Jahren unter einem Pseudonym veröffentlich, bei der Lektüre weiß man warum. Es geht sehr explizit, bunt und anschaulich um schwulen Sex. Um den Sex, der damals unter Strafe verboten war. In ganz wenigen Passagen dabei auch um Kinder und Jugendliche. Um Sex in Parks und Klappen, mit "Negern" (wie es immer wieder heißt) und "blonden Bübchen".

Den Sex mit Kindern lehnt der Autor explizit ab, bei Jugendlichen ab 15 Jahren sei das jedoch anders. Sicherlich würde man heute einen Text nicht mehr so schreiben. Aber macht das Rexhausen schon zu einem "Verherrlicher" der Pädophilie?

Noch immer wird von vielen Kritikern und Homophoben Homosexualität und Pädophilie gleichgestellt. Mit meinem heutigen Wissen kann ich es nicht verstehen, aus der Zeit heraus aber nachvollziehen, dass Homo-Aktivisten in früheren Zeiten eine Solidarität mit Pädophilen empfanden. Beide "Gruppen" waren nicht nur rechtliche, sondern auch moralische und gesellschaftliche Outsider. Beiden drohte Haft und die gesellschaftliche Ächtung. Wer für Gleichheit und Freiheit kämpft, überschreitet manchmal Grenzen. Das scheint damals passiert zu sein.

David Berger zieht in seiner Kritik an Rexhausen eine direkte Linie zu Grünen und AL in den 1980er Jahren, ja zur Linken allgemein. Das ist wohlfeil – es ist so leicht, mit heutigem Wissen Dinge zu verurteilen. Als Kenner der Katholischen Kirche wird Berger wissen, dass die unbestreitbaren und grausamen Übergriffe von Pädophilen in früheren Zeiten in ihrer Dramatik für die Kinder so nicht erkannt wurden. Das ist sicher fahrlässig und erschreckend, aber es ist nun mal so.

Kindesmissbrauch gab und gibt es in den Kirchen, an Schulen, auch an eher linken wie der Odenwaldschule, in Familien und nun eben auch bei den Grünen. Die Fälle aufzuklären hat Jahrzehnte gedauert. Pädophilie in den 1960er bis 1980er Jahren (wahrscheinlich auch davor und danach) scheint mir kein linkes oder rechtes, christliches oder auch homosexuelles Problem zu sein, sondern ein gesellschaftliches. Eine ganze Gesellschaft hat sich schuldig gemacht. So hart das auch sein mag, für jeden, der damals in Verantwortung stand.

Linke und "Gender-Ideologien" so schlimm wie Pädos?


David Berger nutzte den letzte Woche vorgestellten "Pädo-Bericht" der Berliner Grünen am Freitag zu einer Generalabrechnung mit Linken und "Gender-Ideologien"

"Die enge Bindung der LGBT Community an Linke und Gender-Ideologien wird man später einmal so bereuen, wie man sich heute für die Zusammenarbeit von Homo-Aktivisten und Pädos in den 70er und 80er Jahren schämt", schreibt David Berger auf seiner Facebook-Seite. Ich schäme mich nicht für die Homo-Aktivisten. Sie haben Fehler gemacht, aber sie haben auch sehr viel Gutes erreicht. Meine Freiheit haben sie erkämpft, dafür bin ich ihnen dankbar!

Und was heißt eine Nähe zur Linken? Wenn der Kampf für Freiheit und Gleichheit links ist, dann bin auch ich ein stolzer Linker. Und was sind "Gender-Ideologien"? Auch hier wieder: Wenn das heißt jeder ist gleich, ob Mann oder Frau, Schwuler, Lesbe oder Transsexueller, dann bin ich aus voller Überzeugung "Gender-Ideologe".

Die Schauspielerin Kerry Washington hat in diesem Jahr den Vanguard Award der amerikanischen LGBT Organisation GLAAD gewonnen. In ihrer wundervollen Dankesrede sagte sie: "Wir müssen Verbündete sein. So lange es Menschen gibt, die als weniger gelten, steht unsere Definition der Menschlichkeit auf dem Spiel, und wir sind alle verwundbar."

Ich sehe meine Verantwortung als schwuler Mann darin, ein Verbündeter zu sein. Auch für die, die ich nicht immer verstehe. Offen zu sein für andere. Nach meiner Überzeugung macht mich das nicht zu einem Linken, sondern zu einem Menschen.

Darf nach Felix Rexhausen ein Preis benannt werden? Oder ein Platz? Ich habe auch Rexhausens Buch "Lavendelschwert – Dokumente einer homosexuellen Revolution" gelesen. Ich finde, der Autor dieser Satire hat es verdient, geehrt zu werden. Ich bin weiterhin ein stolzer Träger des Felix-Rexhausen-Preises.

Youtube | Trailer zu Jobst Knigges Film "Der Aidskrieg", für den er 2012 mit dem Felix-Rexhausen-Preis ausgezeichnet wurde


#1 MarekAnonym
  • 24.05.2015, 11:30h
  • Dass für David Berger Linke in einen Topf wie Pädophile gehören, sagt mehr über ihn aus als über irgendwen sonst.

    Jemand der in der kreuz.net-Affäre so eine unrühmliche Rolle eingenommen hat (zusammen mit dem Bruno-Gmünder-Verlag), sollte lieber mal ganz schnell den Mund halten. Denn von einer moralischen Instanz o.ä. ist Herr Berger meilenweit entfernt.
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#2 VeganBearEhemaliges Profil
  • 24.05.2015, 11:39h
  • "Wenn der Kampf für Freiheit und Gleichheit links ist, dann bin auch ich ein stolzer Linker. Und was sind "Gender-Ideologien"? Auch hier wieder: Wenn das heißt jeder ist gleich, ob Mann oder Frau, Schwuler, Lesbe oder Transsexueller, dann bin ich aus voller Überzeugung "Gender-Ideologe"."

    Ich übernehme das jetzt mal genau so für mich.
    <3
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#3 hugo1970Profil
  • 24.05.2015, 12:22hPyrbaum
  • Antwort auf #2 von VeganBear
  • Ich auch!!!

    Menschlichkeit sollte eigentlich keiner Seite angehören, leider wollen fundamentalisten, extreme religiöse usw. es nicht wahrhaben das das Leben unendlich viele Facetten bereithält.
    Wenn ich schreckliche Nachrichten über Gräueltaten gegenüber Menschen oder Tieren lese oder höre, dann denke ich oder frage ich mich:
    Wie kann man Toleranz intoleranten Menschen beibringen?
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#4 DefragmentierungEhemaliges Profil
  • 24.05.2015, 14:37h
  • Wenn sich jemand schämen sollte, so ist es Berger, der 20 Jahre lang der grösste faschistische Organisation der Welt und ihren kriminellen Zielen skrupellos diente und sich bis heute nicht von deren menschenverachtenden Denken lösen kann, wie es seine niveaulosen Hetzreden und Klein-Kinder-Heul-Triaden regelmäßig beweisen.

    Das Frühstück kommt jedesmal hoch, wenn ich diesen bildungsfernen Brandstifter sehen muss.

    Könnte man sich nicht zu einem Boykott in der Berichterstattung bei Berger durchringen? Könnte es nicht sein, dass jeder Klick auf dessen Dreck, dem Rechtsextremen mehr nutzt, als es die Aufklärung hier her gibt?

    Man müsste dann auch nicht immer zweimal frühstücken.
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#5 LorenProfil
  • 24.05.2015, 15:02hGreifswald
  • Herr Berger sollte erstmal seine eigene Vergangenheit im Dienste der RKK selbstkritisch und öffentlich aufarbeiten (bis hin zu seinen Handlangerdiensten im Zensurbüro des Vatikan, die als "Lektorat" umschrieben werden), bevor er in seinen Verlautbarungen meint andere seriös kritisieren zu können. Abgesehen von seinen rechten "Fanboys" dürfte es Wenige geben, die nicht wissen, dass dieser Herr mit gespaltener Zunge pamphletiert.
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#7 ganz einfachAnonym
  • 24.05.2015, 15:48h
  • Antwort auf #6 von -hw-
  • In dieser Tradition (1. Link) steht auch ein ehemaliger Werbeumfeldgestalter der argentinischen Militärdiktatur: Jorge Mario Bergoglio, heute bekannt unter dem Künstlernamen Papst Franziskus.
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#8 stromboliProfil
  • 24.05.2015, 16:27hberlin
  • ein schöner text..
    "Wenn der Kampf für Freiheit und Gleichheit links ist, dann bin auch ich ein stolzer Linker. Und was sind "Gender-Ideologien"? Auch hier wieder: Wenn das heißt jeder ist gleich, ob Mann oder Frau, Schwuler, Lesbe oder Transsexueller, dann bin ich aus voller Überzeugung "Gender-Ideologe"..

    früher mal sah ich mich als einen schwarz-schwuler - jude..
    konnt es schlimmeres geben.. vieleicht noch den zigeuner hinzugefügt, wenn es um eine position einzunehmen ging, gegen rechts und faschismus..
    Heute trifft dein beispiel und erweitert meine selbstdarstellung...
    viel grund drauf stolz zu sein!
    Danke dir!
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#9 fußnoteAnonym
#10 BeataAnonym
  • 25.05.2015, 17:08h
  • Antwort auf #1 von Marek
  • Böse Behauptung und man muß kein Berger Freund sein um das zu sehen. Wenn Du den Text im Berger-Foto meinst, was noch einmal im Artikel zitiert wird, das steht da nicht. Das solltest Du genau durchlesen. Bei Linken kommt eben, bei der Wiedergabe von Meinungen, eine riesengroße Portion Polemik dazu. Nachdem man das Gehirn abgeschaltet hat. Oder ist es die Erfolglosigkeit von Linken und der logische Ärger. Linke haben mit schwul/lesbischen Rechten, eigentlich nichts zu tun bisher. Stichwort Polemik ...... Alles was Schwule und Lesben erreicht haben, haben sie den Grünen und dem Bundesverfassungsgericht zu verdanken. Aber wenigstens hast du Deine vielen grünen Pünktchen. Die "jetzt habe ich es aber wieder allen gegeben Nummer" befriedigt hier offenbar nur viele.
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