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  • 28.05.2015               Teilen:   |

Spoken-Word-Performance

Andrea Gibson: Briefe an den Hund und an die White Queers

Artikelbild
Ihre Power-Lesungen handeln von Krieg, Gesellschaft, Geschlechterkampf, Sex, Liebe, Spiritualität und weißen Privilegien: Andrea Gibson

"Schreien ist heilsam", sagt die genderqueere US-Poetin und Aktivistin Andrea Gibson. Am Wochenende kann man sie in Berlin und Hamburg erleben.

Von Tania Witte

"Die Wahrheit ist oft nicht leise", antwortet die nordamerikanische Poet_in Andrea Gibson auf die Frage nach einem Grund, sich auf die Bühne zu stellen und Gefühlen eine Stimme und Worten ein Gesicht zu geben. Ein weiterer? "Schreien ist heilsam."

Diese Argumente scheinen große Tragkraft zu haben, animieren sie die Performer_in doch beinahe täglich dazu, ihr wahnsinniges Lampenfieber zu überwinden und ihre Gedichte auf Spoken-Word-Podien vorzutragen. USA-weit, weltweit, seit nunmehr beinahe 15 Jahren. Auf dem Weg gewann sie viele Preise für ihre Lyrik und ihre Performances, als namhaftesten und als erste 2008 den Women of the World Poetry Slam in Detroit.

Ob das heute noch gelänge, ist fraglich, denn Gibson definiert sich nicht mehr als Frau, sondern als genderqueer und benutzt im Englischen das geschlechtsneutrale Pronomen "they" – für das wir im Deutschen noch keine Entsprechung haben. "Aber ich laufe nicht schreiend weg, wenn jemand mich mit er oder sie anspricht", fügt sie hinzu und, der Women of the World wegen, darf Gibson in diesem Text weiblich angesprochen werden.

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Feste Größe in der nordamerikanischen Spoken-Word-Szene

Andrea Gibson beherrscht das Spiel mit den Worten perfekt - Quelle: Maria del Naja
Andrea Gibson beherrscht das Spiel mit den Worten perfekt (Bild: Maria del Naja)

Unabhängig vom Gender ist Gibson eine feste Größe in der nordamerikanischen Spoken-Word-Szene und darüber hinaus. Ihre Stimme wird gehört. Für eine gesellschaftskritische Queer-Feminist_in in einer Männerdomäne ein gleich mehrfaches Gütesiegel. In diesem Jahr erschien ihr sechstes Buch, "Pansy". Anlass für eine Tournee, die sie auch nach Europa und auch nach Deutschland führt.

Die wochenlangen Touren, auf denen sie dem Publikum ihre Seele öffnet, ihm Einblick gewährt in ihre Wut, ihre Ängste, ihre Gedanken und ihre Liebe sind naturgemäß extrem anstrengend, aber was ihre Zuhörerinnen und Zuhörer zurückgeben, nährt sie. "Jedes Mal, wenn ich auf der Bühne stehe, um meine Gedichte vorzulesen, bin ich gleichermaßen fassungslos und beeindruckt davon, dass es Menschen gibt, die kommen, um mir zuzuhören und zu hören und zu fühlen. Ich lerne durchweg von ihnen", sagt sie.

Nun trifft es "Gedichte vorlesen" nicht ganz, Gibson performt ihre Texte, auswendig, natürlich, trägt sie vor, mit Musik oder ohne, immer mit Herzblut. Sie präsentiert den unglaublich lustigen "Letter to My Dog, Exploring the Human Condition" ebenso glaubhaft wie einen weiteren Brief im Repertoire, "A Letter to White Queers, a Letter to Myself", der sich mit Critical Whiteness befasst.

Der erhobene Zeigefinger bleibt in der Tasche

Gibson reiht Worte aneinander, bis sie zu prächtigen Poemen werde, die zum Lachen, zum Weinen, zum Denken anregen. Der erhobene Zeigefinger bleibt in der Tasche und Gibson selbst in allen Rollen glaubhaft, weil sie sie selbst bleibt. Zumindest sieht es von außen so aus.

Angst davor, sich zu weit zu öffnen, hat sie nicht. "Jeder Mensch erschafft sich seine Sicherheit anders. Ich selbst fühle mich umso sicherer, je mehr ich enthülle. Je geschützter ich bin, desto panischer bin ich auch."

Bis auf die obligatorischen Hater im Netz, die die Kehrseite der Sichtbarkeit sind, liebt das Publikum sie für diese große Offenheit – und Gibson selbst ist dankbar, dass sie ihre Gefühle und Gedanken öffentlich und angstfrei äußern darf: "Ich denke, es ist wichtig, nicht zu vergessen, dass nicht jeder Mensch die Sicherheit hat, seine Wahrheiten laut auszusprechen. Es ist ein Privileg, auf der Bühne zu tun, was ich tue, ohne um meine Sicherheit fürchten zu müssen. Viele Menschen haben dieses Privileg nicht. Manchmal ist Schweigen nötig, um zu überleben."

Youtube | Andrea Gibsons "Letter to White Queers"
Youtube | Andrea Gibsons "Letter to My Dog"
  Andrea Gibson in Deutschland
Samstag, 30. Mai 2015: Berlin, Postbahnhof (20 Uhr)
Sonntag, 31. Mai 2015: Hamburg, Molotow (19 Uhr)
Links zum Thema:
» Homepage von Andrea Gibson
» Fanpage auf Facebook
» Mehr Infos zum Buch "Pansy" und Bestellmöglichkeit bei Amazon
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Tags: andrea gibson, spoken word, lyrik, genderqueer, whitequeers
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