Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 29.05.2015           113      Teilen:   |

Zum Talk auf WDR 2

Birgit Kelle: Vorurteile für alle

Artikelbild
Verträumt, nett und immer zu einem herzhaften Lachen aufgelegt - hinter dieser Fassade versteckt Birgit Kelle eine erzreaktionäre Agenda (Bild: blu-news.org / flickr / cc by-sa 2.0)

Der Begriff "Ehe für alle" zeige, dass mit der Ehe-Öffnung auch die Anerkennung von Polygamie drohe, sagte die homophobe Publizistin im WDR. Warum wird sie immer wieder eingeladen?

Ein Kommentar von Norbert Blech

Sie wurde alle fünf Minuten schlicht als Journalistin vorgestellt: Birgit Kelle, Autorin für das rechte Blatt "Junge Freiheit", Sprecherin auf der "Demo für alle" und eine der lautstärksten Stimmen gegen LGBT-Rechte, durfte am Donnerstag wieder als vermeintliche Expertin zum Thema in einer Talkshow auftreten, diesmal im Radio.

In der Sendung "Arena" von WDR 2 debattierte sie zwei Stunden lang mit Zuhörern und Alexander Vogt, Bundesvorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union (LSU), in einem Pro & Contra über die Ehe-Öffnung für homosexuelle Paare (die Sendung als Podcast).

Ein Talk, der das Ziel hatte, zur Debatte beizutragen – was gerade aufgrund der Phone-Ins besser gelang als in mancher TV-Sendung. Ein Talk aber auch, der wieder nicht auf Kelle verzichtete und damit diskriminierende Äußerungen als zeitgemäßes, als legitimes Pro & Contra wirken ließ.

Fortsetzung nach Anzeige


Alte Argumente, freundlich verpackt

Kelle versteht es wie kaum ein anderer Homogegner, abwertende Hate Speech sowie die Ablehnung dringend notwendiger Reformen in nette, freundliche Worte zu verpacken. Ihre Argumentation ist nicht neu, man hört sie seit Jahren: Die Ehe sei "Keimzelle" der Gesellschaft und eine Verbindung aus Mann und Frau, basierend auf dem christlichen Verständnis. Der Staat brauche eine "stabile Gesellschaft" mit mehr Kindern (erstaunlich selten wird dagegen gehalten, dass die einzig "logische" Konsequenz des "Arguments" nicht die Ablehnung der Gleichstellung homosexueller Paare wäre, sondern deren Zwangsheterosexualisierung). Und Kinder wüchsen natürlich am besten bei Mann und Frau auf; egal, was alle Studien zum Gegenteil sagen, egal, wie abwertend das für Kinder klingen muss, die anders aufwachsen.

Kelle weiß sehr genau: Pauschale Grundüberzeugungen und Bauchgefühle lassen sich nur schwer mit Argumenten entkräften, und wenn doch, entgegnet Kelle danach trotzdem wieder, dass die Ehe nun mal eine Verbindung von Mann und Frau sei. Das sei zumindest ihre Überzeugung und man lebe ja schließlich in einem freien Land.


Birgit Kelle bei einem von zahlreichen TV-Auftritten, selbst im ARD-"Presseclub" war sie schon


Das wiederholt sie gerne, das mit Mann und Frau und das mit dem freien Land. Gerne lenkt Kelle auch mit Ausflüchten ab: Die Homo-Ehe führe zur rechtlichen Anerkennung von anderen "Lebensformen", ist so eine. Der seit einigen Tagen auch in Deutschland in Mode gekommene Begriff "Ehe für alle" zeige doch schon, dass es um mehr gehe als nur die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben: "Sie wissen nicht, wo die Definition endet", belehrt sie Vogt, und warnt vor Polygamie: "Bedeutet 'für alle' auch drei Männer?"

Genau dieselbe demagogische Methode hat schon beim Bildungsplan funktioniert: Leuten schamlos Dinge vorzuwerfen, die sie überhaupt nicht vorhaben. Man ahnt jetzt schon, wie Kelle mit dieser Neuauflage eines "Arguments" mit mehr Bart als Conchita Wurst ganze Kolumnen in der "Jungen Freiheit" und im "Focus" füllen, wie sie darüber voller Empörung auf der nächsten Demo in Stuttgart sprechen wird.

Es ist eine besonders dreiste Ignoranz, eine selbstbewusste Unbelehrbarkeit, der kaum beizukommen ist. Und oft sehr geschickt: Ihre Unterscheidung zwischen Toleranz gegenüber Homosexuellen und Akzeptanz, natürlich in vielen Talkshows geäußert, ist der gefährlichste Gedanke seit langem, er kann zur vermeintlichen Rechtfertigung von Diskriminierungen genutzt werden. Kelle liefert Vorurteile für alle.

Keine Ehe für Transsexuelle

Auf Mitleid und Respekt, das haben bereits ihre antifeministischen Bücher wie "Dann mach doch die Bluse zu" gezeigt, können andere Menschen bei Kelle trotz angeblich christlichen Menschenbildes nicht zählen. Ein 14-Jähriger ruft an, berichtet von homophoben Beleidigungen auf dem Schulhof. Ja schlimm, meint Kelle, habe aber doch nichts mit ihrer Argumentation gegen die Ehe-Öffnung zu tun. Die Brandstifterin spielt immer die Unschuld vom Lande, an der jeder Vorwurf abprallt. Und schon folgt die nächste Ausflucht: Es gibt doch auch noch andere Minderheiten, die gehänselt werden, Rothaarige etwa. Diskussion beendet, war noch was?

Wenn man dieser Frau beikommen will, muss man nachhaken. Nachhaken und nochmal nachhaken. Manchmal läuft sie ja schon von selbst aufs Glatteis: Eine "Ehe für alle" könnte nicht nur "muslimischen Mitbürgern" eine Vielehe ermöglichen, sondern auch zu einer Ehe von Intersexuellen oder Transsexuellen führen, führt sie einmal aus. Je nachdem, wen sie lieben, steht diesen die Ehe schon offen. Und warum auch nicht? Freundliche Rhetorik kann Kelles größte Feindbilder nicht immer verdecken. Wenn man will, könnte man das schnell bloßstellen – WDR 2 hat leider darauf verzichtet.


Kelle auf einer Demo für alle


Auch von Birgit Kelles ganz besonders überzeugtem Engagement gegen Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität erfährt man in der Sendung nichts. Sie kann sich gar als überzeugte Demokratin verkaufen, die eine vom Bundestag beschlossene Ehe-Öffnung akzeptieren würde. Nun bleibt ihr erstens nicht anderes übrig. Zweitens wurde der Bildungsplan demokratisch beschlossen, seitdem kämpft sie erst so richtig dagegen an.

Hofierte Hetze

Dass Birgit Kelle es nicht wirklich mit dem Volkswillen hat, wird deutlich, als sie beklagt, dass sich Deutschland von den Medien nach Irland eine Debatte habe "aufzwingen" lassen, einen "Overkill" geradezu. Und dann kommt wieder die klassische Kelle-Keule: Wer heute sage, was Sache und Gesetz sei, werde übelst als homophob beschimpft; der Gegenseite würde es an "Respekt und Toleranz" fehlen. Heuchelei pur; die Diskriminierende ist die Diskriminierte, davon begünstigt, dass man sie in Sendungen wie dieser in ihrer Homophobie gerade nicht stellt.

Es geht ja nicht um eine verwirrte, besorgte Privatperson: Birgit Kelle sagt nicht einfach ihre Meinung, sondern macht aus Homophobie und dem Schüren von Vorurteilen, teilweise von purer Hetze, ein Geschäftsmodell. Hinter saloppen Sprüchen versteckt sie erzreaktionäre Ziele, die mit ihren Zitaten von "christlichen" und rechten Hetzseiten im Internet mit immer größerer Lust verfolgt werden. Ihre Vernetzung in diese radikalen Lager, die mit ihrem Homo-Hass immer öfter auf die Straße gehen, macht sie hochgefährlich.

Dass öffentlich-rechtliche Sender sie noch immer unterstützen, ist ein handfester Skandal!

Mehr zum Thema:
» Der Waldschlösschen-Appell – gegen unwidersprochene Homophobie in den Medien (09.06.2013)
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 113 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 486             5     
Service: | pdf | mailen
Tags: birgit kelle, ehe-öffnung, bildungsplan, journalismus, wdr
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "Birgit Kelle: Vorurteile für alle"


 113 User-Kommentare
« zurück  12345...1112  vor »

Die ersten:   
#1
29.05.2015
18:55:41


(-20, 28 Votes)

Von Nicklas


Auch eine Kelle hat das Recht auf Meinungsfeiheit.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
29.05.2015
19:00:38


(+16, 20 Votes)

Von Wolfgang
Aus Bielefeld (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 13.01.2011


Vielen Dank, Norbert -

ich warne schon seit geraumer Zeit davor, Frau Kelle als unterhaltsame Rosamunde Pilcher der Homophobie anzusehen. Hinter ihrer aufgeräumten Masche verbirgt sich rechter Haß. Dazu kommt, daß sie das "freundliche! Aushängeschild eines Mediennetzes ist, daß ihr Mann Klaus als grau-braune Eminenz im Hintergrund betreibt. Nicht zu vergessen die diversen Verbindungen zu erzreaktionären Katholkreisen.

Link zu www.theeuropean.de

Link:
andreaskemper.wordpress.com/2014/08/29/birgit-kell
e-und-die-legionare-christi/


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
29.05.2015
19:05:13


(+15, 17 Votes)

Von Schande


Dem Kommentar von Norbert Blech ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Birgit Kelle ist eine homohassende rechte Brandstifterin, die sich darin gefällt, sich als Märtyrerin zu inszenieren, der von der pöhsen "Homo-Lobby" angeblich der Mund verboten werde.

Sie spielt perfekt auf der Klaviatur der angeblich "unterdrückten" Meinungsfreiheit. Und blendet dabei völlig aus, dass sie jederzeit das Recht hat, Schwule und Lesben scheiße zu finden - und das auch öffentlich zu sagen.

Allerdings: NICHT UNWIDERSPROCHEN!

Und erst recht braucht man diese frustrierte ***** (Selbstzensur) nicht in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einzuladen, um ihr dort eine Plattform für ihre Hasstiraden zu bieten.

Reicht es nicht, dass sie sich auf Demos und im Internet über Schwule und Lesben auskübelt? Muss man dass noch im WDR breittreten? Ausgerechnet im WDR???


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
29.05.2015
19:07:44


(+11, 15 Votes)

Von 3245tjh


Frau Kelle gehört zu dem rechten Flügel der AfD, ist aber "offiziell" CDU-Mitglied, damit sie häufiger eingeladen wird und ihre rechte, brauen Suppe auskotzen kann.

Man beachte, dass Kelle stark in die Demo für alle in Stuttgart involviert ist und die Demo für alle vom rechten Flügel der AfD organisiert wird.

Der Rechte Flügel der AfD ist die NPD 2.0


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
29.05.2015
19:30:00


(+14, 16 Votes)

Von lucdf
Aus köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 04.09.2011
Antwort zu Kommentar #1 von Nicklas


Die gleichen Argumente gegen die Eheöffnung wurden in Frankreich vorgetragen. "Wenn die Homos heiraten dürfen, kann man die Polygamie nicht verbieten." Ist die Polygamie in Frankreich eingeführt worden? Nein! Gibt es überhaupt eine Diskussion in Frankreich über Polygamie? Nein! Die Homophoben werden immer irgendwelche Einwände bringen.... Mühsam und nicht redlich!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
29.05.2015
19:57:09


(+9, 13 Votes)

Von userer
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Nicklas


@ Nicklas: Homophobie ist keine Meinung.
- - - - - -
@ Frage im Artikel: "Warum wird sie immer wieder eingeladen?"

Ich denke, weil die Plasbergs, Jauchs und Maischbergers dieser Fernsehnation sonst gar keine Zuschauer mehr hätten und aus Langeweile angesichts ihrer intellektuellen Gedankenfülle vor laufenden Kameras einschlafen würden.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
29.05.2015
19:57:40


(+12, 12 Votes)

Von myystery


Die Argumente der Homo-Gegner sind dermaßen lachhaft schlecht, dass es geradezu absurd ist, sowas öffentlich (ohne sich zu schämen) vorzutragen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
29.05.2015
20:05:41


(+10, 14 Votes)

Von Marek


Warum bietet der WDR immer wieder homophober Hetzer ein Forum?

Das hat nichts mit freier Rede oder Meinungsvielfalt zu tun, sondern das sind wissentliche Lügen um Hass zu schüren.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
29.05.2015
20:15:41


(+14, 14 Votes)

Von Petrillo
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Hat die Kinder?

Falls ja, können die einem wirklich leid tun. Sollte eines davon gleichgeschlechtliche Gefühle entwickeln, bleibt ihm eigentlich nur der Freitod - das würde solche Gestalten vielleicht mal aufrütteln, dennoch wär's schade um den hohen Preis, den der betroffene Jugendliche zahlen muss.

Schlimm auch, dass ausgerechnet der WDR, im Zweifelsfall aber sicher auch andere ÖR-Sender, diese Figur immer wieder mit unseren Gebühren füttern - warum schielen die, verdammt noch mal, ständig nach der Krawall-Quote?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
29.05.2015
20:26:15


(+9, 13 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013


Zu fragen, warum Leute wie Kelle immer wieder vom öffentlich rechtlichen Rundfunk eingeladen wird, ist aber schon etwas naiv, oder?

Diese Sendeanstalten sind von erzreaktionären Konservativen und bibelschwingenden Faschisten durchsetzt. Dazu muss man sich doch bloß die Zusammenstellung der diversen Rundfunkbeiräte angucken. Die bringen Leute wie diese Kelle wie Schachfiguen in Position. Das ist Krieg.

"Warum wird sie immer wieder eingeladen?"
Hoffentlich ist das nur gespielte Naivität.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  12345...1112  vor »


 MEINUNG - STANDPUNKT

Top-Links (Werbung)

 MEINUNG



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Niederlande: Kommission empfiehlt bis zu vier Eltern pro Kind Israel: Gleichstellung ausländischer Homo-Partner geplant Tag der Menschenrechte: EKD wirbt für LGBTI-Gleichbehandlung Die Poesie der ersten schwulen Liebe
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt