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Drittes Studioalbum von Florence + The Machine

Queen Florence


Leadsängerin Florence Welch und ihre Begleitband The Machine haben weltweit über sechs Millionen Alben verkauft (Bild: Universal Music)

  • 30. Mai 2015, noch kein Kommentar

"How Big How Blue How Beautiful", das neue Album von Florence + The Machine, bietet vor allem Pathos und Attitüde.

Von Michael Thiele

Ein nebulös-salbungsvoller Schleier von Ehrfurcht umweht Florence + The Machine seit ihrem Durchbruch vor sechs Jahren. Vielsagende Attribute auf -isch wurden von der Presse herangezogen in dem Versuch, die rothaarige Sängerin Florence Welch und ihre im Hintergrund musizierenden Kompagnons zu umschreiben.

Die Gruppe sei ätherisch, ihre Lieder sphärisch, ihre Texte ja so metaphorisch. Nicht nur einmal wurde Florence zur "Queen of Indie Rock" gekrönt – und dann hört man "How Big How Blue How Beautiful" und merkt, hinter dem Schleier steckt vor allem heiße Luft.

Gleichwohl ist diese heiße Luft geschickt verpackt. Geradezu selbstlos scheint sich die 28-jährige Florence als Modell für das schwarzweiße Albumcover geopfert zu haben, fordernd und entrückt zugleich hat sie in die Fotokamera geäugt. Darüber hat man in zart geschwungenen Lettern allein ihren Namen gesetzt.

Die Songs beginnen leise und enden laut


"How Big How Blue How Beautiful" ist nach "Lungs" und "Ceremonials" das dritte Album von Florence + The Machine. Es ist als Download, Standard- und Deluxe-CD sowie als Vinyl erhätllich

Auch wenn bescheiden anders geht, den Indie-Teil der Fangemeinde wird diese Inszenierung entzücken – während die Mainstream-Anhänger elf satt produzierte Songs bekommen: gitarren- und bläserlastig, opulent-orchestral, und mit reichlich Chorgesang. In der Regel beginnen die Lieder leise und enden laut.

Ausführlicher eingegangen werden muss natürlich auf die Stimme von Florence. Man wird den Eindruck nicht los, dass hier nicht jemand um des Singens Willen singt, sondern um des Gehörtwerdens und Eindruckmachens. Laut und voll donnert ihr zugegeben bemerkenswertes Organ, und im Zweifel legt es lieber noch einen Zahn zu, denn man ist ja nun einmal so ätherisch und sphärisch und metaphorisch und eine Königin. Oder vielleicht einfach aufmerksamkeitsgeil?

Das 2009 erschienene Debüt "Lungs" verkaufte sich weltweit drei Millionen Mal, im Heimatland England erreichte es Platz eins der Charts. Vom Nachfolger "Ceremonials" konnten zwar nur zwei Millionen Exemplare an den Mensch gebracht werden, doch in den Charts kam er auf deutlich höhere Plätze. Eben dieser Erfolg soll mit Album Nummer drei offenbar um jeden Preis getoppt werden.

Elf Tracks, aber nur drei wirklich starke Songs

Im Anschluss an die erfolgreiche "Ceremonials"-Tour 2014 geschrieben und aufgenommen, schleichen sich auf "How Big How Blue How Beautiful" nun Pathos und Attitüde in den Vordergrund, während Songtitel wie "Mother", "Queen Of Peace", "Long & Lost" und "Various Storms & Saints" das lyrische Fundament der Londoner nur noch erahnen lassen.

Insofern gibt es auf der neuen Platte auch nur wenige starke Momente. Das erwähnte "Various Storms & Saints" gehört dazu, weil es die ganze Zeit über brodelt. Wie unter einem Spinnennetz aus einer surrenden E-Gitarre gefangen, schwillt Florences Stimme immer wieder an und ab, als wolle sie dieses Netz zerreißen. Dass "Various Storms & Saints" am Ende aber nicht reißt und knallt, hebt es wohltuend von den anderen Songs ab.

Als einigermaßen hitverdächtig entpuppen sich der Opener "Ship To Wreck" und das in den Backing Vocals extrem an Fleetwood Mac erinnernde "Third Eye". Darüber hinaus jedoch enttäuscht das aufgeblasene, zugleich fade "How Big How Blue How Beautiful". Ja, manchmal nervt es sogar, denn es wirkt, als wären Indie-Heroen wie Feist, Zero 7 oder die frühen Air für einen "Glee"-Soundtrack künstlich und unangenehm aufgetakelt worden.

Youtube | Full Album Player: "How Big How Blue How Beautiful"