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  • 31.05.2015           27      Teilen:   |

Ein Gespräch über den Film, die Realität und den Kampf gegen Ungerechtigkeit

Lehren aus "Pride": "Solidarität nützt allen"

Artikelbild
In dieser Szene aus dem Film "Pride" haken zwei lesbische Aktivistinnen eine Bergarbeiter-Gattin unter. Wird der LSVD bald Schnittchen für streikende Lokführer schmieren? (Bild: Senator Film)

Ray Goodspeed gehörte vor 30 Jahren zu den Gründern der britischen Gruppe "Lesbians and Gays Support the Miners" – jetzt ist sie wieder aktiv. Ein Interview.

Von Stefan Mey

Die 1980er Jahre in Großbritannien waren eine düstere Zeit. Unter der konservativen Premierministerin Margaret Thatcher wurden unter anderem Schwule massiv verfolgt und Streiks aggressiv bekämpft. Der Film "Pride" zeigte im letzten Jahr die Geschichte einer ungewöhnlichen Koalition: die Gruppe "Lesbians and Gays Support the Miners" sammelte Geld für streikende Bergarbeiter. Im Gegenzug setzten die sich später für Schwulen- und Lesben-Rechte ein (queer.de berichtete).

Auf der Konferenz "Marx is muss", die Mitte Mai in Berlin stattfand, erinnerte Ray Goodspeed, einer der Gründer der Initiative, an die erfolgreiche Zusammenarbeit und die Bedeutung von Solidarität zwischen unterdrückten Gruppen. Queer.de hat nach der Veranstaltung bei ihm nachgefragt

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Ray Goodspeed: "Ich war links bevor ich mir eingestanden habe, dass ich schwul bin" - Quelle: Lars Kaiser
Ray Goodspeed: "Ich war links bevor ich mir eingestanden habe, dass ich schwul bin" (Bild: Lars Kaiser)

Wie war in der Zeit, in der der Film spielt, die Situation für Schwule und Lesben?

Es war wirklich schrecklich. Schwul zu sein war legal, aber nur, wenn man mindestens 21 Jahre alt war. Lesben wurden vom Gesetz ausgeblendet. Für Schwule war es illegal, jemand anderen nach Sex zu fragen. Wenn Schwule zusammengeschlagen wurden und zur Polizei gingen, passierte nichts. Polizisten lauerten in öffentlichen Toiletten oder in schwulen Kneipen. Sie veranstalteten Razzien in Buchläden und schlossen Discos. Sie verhafteten Leute und verprügelten sie.

Waren Sie zufrieden mit dem Film "Pride"?

Ich fand ihn sehr gut. Einige Sachen wurden verändert, um mehr Dramatik hinein zu bringen. Die politische Botschaft stimmte aber.

Nämlich?

Der Film erzählt die Geschichte von Solidarität und zeigt, wie die Schranken zwischen Schwulen und Lesben auf der einen und Arbeiterinnen und Arbeitern auf der anderen Seite überwunden wurden.

Was stimmte im Film nicht?

Die wichtigsten Fehler waren: wir waren nicht 10, sondern 50 Leute. Und wir, die ursprünglichen Gründer, waren nicht einfach ein paar naive schwule Jungs und Mädels, wir waren links, meistens politisch aktive Sozialisten. Ich bin schon als Schuljunge einer Partei beigetreten. Und dann hat der Film die Homophobie der Bergarbeiter übertrieben, damit unser Erfolg am Ende noch größer erscheint.

Es war also doch nicht so schwierig, von den Bergarbeitern akzeptiert zu werden?

Niemand war gemein. Die Frauen der Arbeiter waren warmherzig, sie haben uns wirklich geliebt, aber auch viele der Männer. Als wir zum ersten Mal ins Dorf der Bergarbeiter gefahren waren, gingen wir in den großen Versammlungssaal, in dem alle auf uns warten. Stille. Jemand fing an zu klatschen, und dann wurde der Applaus größer und größer und größer. Wir wussten, das die uns akzeptieren.

Es hatte Homophobie gegeben, bevor wir angekommen waren. Das wurde uns aber nie gesagt, sondern nur 30 Jahre später den Drehbuchschreibern des Films erzählt. Wir wussten allerdings natürlich, dass nicht das ganze Dorf Schwule und Lesben mögen würde. Wir wussten, wie Bergarbeiter denken, teilweise aus unseren eigenen Familien.


Ray Goodspeed (ganz rechts) solidarisierte sich vor 30 Jahren mit den streikenden Bergarbeitern


Wie schwierig war es, auf der anderen Seite Schwule und Lesben für die Zusammenarbeit zu gewinnen?

Nicht so schwierig, wie man vielleicht denken würde. Die Leute wussten instinktiv, wie wichtig der Streik war. Die Bergarbeiter galten als mächtigste Gewerkschaft. Eines war klar: wenn sogar die ihren Kampf verlieren würden, würden schwächere gesellschaftliche Gruppen ihren Kampf mit der Thatcher-Regierung unmöglich gewinnen. Als wir Geld sammelten, warfen die meisten Leute etwas in die Spendenbox, viele einen kleinen Betrag, einige aber auch 50 Pfund.

Es gab natürlich eine Spaltung der schwul-lesbischen Community anhand von Klassen. Reiche, konservative Schwule waren gegen die Bergarbeiter, sie hassten uns. Ein schwuler Mann kann aus der Arbeiterklasse kommen und arm sein, aber auch reich und konservativ.

Was lässt sich Ihrer Meinung nach von der ungewöhnlichen Koalition zwischen Schwulen und Lesben und Bergarbeitern lernen?

Generell lässt sich eines sagen: wenn jede unterdrückte Gruppe für eigene Interessen käpft, aber auch für die Interessen anderer, kann das die Kämpfe auf beiden Seiten verstärken. Seien es Frauenrechtlerinnen, die sich mit Gewerkschafts-Kämpfen solidarisieren, oder Lesben und Schwule, die sich der Anti-Atom-Bewegung anschließen oder anti-rassistischen Protesten schwarzer Bürgerrechtler im amerikanischen Ferguson. Menschenrechte sind unteilbar. Wenn Sie sich mit ihnen identifizieren, gilt das für die Menschenrechte von allen.

Und wenn Sie anderen helfen, werden die auch ihnen helfen. Die Bergarbeiter haben uns vor 30 Jahren mit politischer Unterstützung in der Labour Party gedankt, der sozialdemokratischen Partei im Lande. Deren Politik gegenüber Lesben und Schwulen veränderte sich dadurch. Und die Bergarbeiter haben auch andere Gewerkschaften dazu gebracht, sich anzuschließen.

In puncto Sexualität und Politik gibt es zwei Pole: auf der einen Seite die Einstellung, dass Schwul- oder Lesbischsein nicht mehr bedeutet, als einen Menschen des gleichen Geschlechts zu lieben. Andere glauben, dass es bedeutet, sich auch für die Rechte anderer einzusetzen und politisch eher links zu sein. Wieso sollten Schwule und Lesben Ihrer Meinung nach an Politik interessiert sein?

Auch viele Heteros sind nicht politisch. Ich denke nicht, dass homosexuell oder trans zu sein automatisch mit mehr Interesse an Politik einhergeht. Allerdings gibt es durchaus den Effekt, dass wenn Sie selbst Unterdrückung erleben, Sie sich eher Gedanken über die Gesellschaft und über Menschenrechte machen. In einigen großen Städten gibt es junge schwule Männer, die kaum noch schwerwiegende Diskriminierung erleben. Sie werden zu Party-Bunnies. Sie genießen einfach ihr Leben, und ich freue mich für sie.

Wenn aber die Disco vorbei ist, brauchen sie trotzdem einen Job und eine Wohnung. Wenn sie an Krebs oder Aids oder Diabetes erkranken, brauchen sie eine Behandlung. Und wenn sie alt sind, brauchen sie eine Rente. Aus zwei Gründen sollten sich Schwule und Lesben und auch Transpersonen für Politik interessieren: weil sie die gleichen Probleme und Interessen haben wie andere auch, und weil sie oft selbst eine besondere Unterdrückung erlebt haben.


Weniger Haare, aber wieder aktiv: Die "Lesbians and Gays Support the Miners" führen in diesem Jahr den London Pride an


Zur Zeit gibt es in Deutschland heftige Arbeitskämpfe. Bei der Post, bei der Bahn, in Kindergärten und in Krankenhäusern wurde oder wird gestreikt. Glauben Sie, dass sich Lesben und Schwule solidarisch zeigen sollten?

Natürlich. Wir sollten sie unterstützen. Allerdings glaube ich, dass es heute weniger wichtig ist, sich separat als Lesben oder Schwule zu organisieren. Das kann man natürlich. Aber wenn Sie in einer Gewerkschaft organisiert sind, machen Sie es einfach über die Gewerkschaft. Und wenn es wirklich große Arbeitskämpfe werden, die so lange andauern, dass die Streikenden Unterstützung brauchen, um zu überleben, dann sollten Sie an vielen verschiedenen Orten Geld sammeln, in Supermärkten, in den Straßen, in Hetero-Kneipen und auch in schwulen.

Solidarität und Einheit ist das einzige, dass Arbeiter in ihren Kämpfen haben. Die andere Seite hat Geld, sie haben meist die Presse hinter sich, die Polizei und vielleicht sogar die Armee. Wenn wir uns aufgrund von Geschlecht oder sexueller Orientierung oder Nationalität oder Religion aufsplitten, hilft das niemandem. Wenn ein Arbeiter oder eine Arbeiterin in Deutschland die eigene Wut auf Polen oder Griechen richtet statt auf die Chefs und Chefinnen deutscher Unternehmen, lachen die sich in den Chefetagen ins Fäustchen.

Wie hängt in Ihren eigenem Leben Schwulsein und Linkssein miteinander zusammen?

Ich war links bevor ich mir eingestanden habe, dass ich schwul bin. Mit 15 bin ich Mitglied in einer linken Partei geworden, mein Coming-out hatte ich erst mit 22. Schwul zu sein, war für mich nur eine zusätzliche Quelle von Unterdrückung. Genau wie Kapitalismus für mich ein schlechtes System war, unfair gegenüber meiner Familie und gegenüber allen armen Menschen. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Mein Vater hat in einer Fabrik gearbeitet. Deswegen wusste ich, was Not und Armut ist.

Was denken Sie über konservative Schwule?

Manchmal sind sie Teil des Problems. Wenn ein Minister die Unterstützung für Behinderte kürzt, ist es mir egal, ob er hetero oder schwul ist. Ich möchte auch nicht, dass reiche Hetero-Männer einfach durch ihre reichen Schwestern ersetzt werden. Ich will nicht, dass es reiche und arme Menschen gibt. Ich will, dass mit diesem System irgendwann Schluss ist.

Sie haben "Lesbians and Gays Support the Miners" (LGSM) vor kurzem neu gegründet. Was macht die Organisation?

Wir organisieren Vorträge und versuchen anderen, die Lektionen aus der Geschichte nahe zu bringen und zu zeigen, wie der Kampf für eigene Rechte und Solidarität zusammenhängen. Wir verkaufen Merchandising-Artikel, und das eingenommene Geld spenden wir an Arbeiter-Projekte. Im Moment geht viel Geld an Bergarbeiter in der Türkei. Vor einem Jahr sind dort bei einem gewaltigen Unfall in einer Grube mehr als 200 Berarbeiter gestorben. Wir arbeiten mit einer schwul-lesbischen Gruppe in der Türkei zusammen. Die stehen mit der Bergarbeitern in Verbindung. Sie sind sozusagen die türkische Version von "Lesbian and Gays support the Miners".

Youtube | Weil er so schön ist: Hier nochmal der Trailer zum Film
Links zum Thema:
» LGSM-Gruppe auf Facebook
» Mehr Infos zur DVD "Pride" und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Die Blu-ray bei Amazon bestellen
» Deutsche Homepage zum Film
» "Pride"-Fanpage auf Facebook
Mehr zum Thema:
» "Pride" jetzt auf DVD und Blu-ray (13.03.2015)
» Potential zum Kultfilm: "Pride" (29.10.2014)
» Cannes: Queer Palm geht an "Pride" (26.05.2014)
» BBC verfilmt Homo-Widerstand gegen Thatcher (12.09.2013)
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Tags: ray goodspeed, lesbians and gays support the miners, lgsm, bergarbeiter, solidarität, pride
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Reaktionen zu "Lehren aus "Pride": "Solidarität nützt allen""


 27 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
31.05.2015
10:10:35


(+9, 13 Votes)

Von ehemaligem User VeganBear


Großartiges Interview - großartiger Film.
Unbedingt empfehlenswert!


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#2
31.05.2015
11:12:40


(+8, 12 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008
Antwort zu Kommentar #1 von VeganBear


""Im Moment geht viel Geld an Bergarbeiter in der Türkei. Vor einem Jahr sind dort bei einem gewaltigen Unfall in einer Grube mehr als 200 Berarbeiter gestorben. Wir arbeiten mit einer schwul-lesbischen Gruppe in der Türkei zusammen. Die stehen mit der Bergarbeitern in Verbindung. Sie sind sozusagen die türkische Version von "Lesbian and Gays support the Miners".""
Was für tolle menschen !
Bildunterschrift:
"In dieser Szene aus dem Film "Pride" haken zwei lesbische Aktivistinnen eine Bergarbeiter-Gattin unter. Wird der LSVD bald Schnittchen für streikende Lokführer schmieren?"
Hier zeigt sich, wie weit die welten mittlerweile auseinander liegen können


Ansonsten ein film den ich mir auf einer einsamen insel oder im krankenbett unbedingt ansehen wollte.. revitalisierend!
Voller hoffung , voller ideale!


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#3
31.05.2015
11:28:13


(-7, 15 Votes)

Von qwertz


"Wird der LSVD bald Schnittchen für streikende Lokführer schmieren?"

Da ein Bekannter von mir Lokführer ist, kann ich sagen, dass die Situation der Lokführer ja eine ganz andere ist als damals der Bergarbeiter in GB.

Der verdient auch ohne Verbeamtung richtig gutes Geld und hat ein super Haus, ein dickes Auto, fährt mehrmals im Jahr in Urlaub, etc. Dafür muss er dann auch mal am Wochenende oder nachts fahren, was ihm aber nichts ausmacht, da er eh nicht so ein festgefahrenes Leben haben möchte.

Er sagt immer:
jeder Lokführer, der jetzt streikt, soll mal zu einer Privatbahn gehen und gucken, wie es da ist...

Es ist ja auch jedem klar, dass es bei den Streiks gar nicht um die Interessen der Beschäftigten geht, sondern nur um die Macht von Herrn Weselsky, der Angst davor hat, seinen hochdotierten Gewerkschafts-Job zu verlieren und wieder wie die anderen arbeiten zu müssen.

Wenn wir uns schon mit jemandem solidarisieren würden, dann eher mit den streikenden Erzieherinnen und Erziehern.


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#4
31.05.2015
11:34:10


(+8, 12 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Der untere Absatz hat mich besonders berührt, und hab automatisch an die hiesigen konservativen kommentatoren gedacht, die gleich flennen wenn wir, die "linken" die unbarmherzige "Wahrheit" um die Ohren hauen.

"Wenn aber die Disco vorbei ist, brauchen sie trotzdem einen Job und eine Wohnung. Wenn sie an Krebs oder Aids oder Diabetes erkranken, brauchen sie eine Behandlung. Und wenn sie alt sind, brauchen sie eine Rente. Aus zwei Gründen sollten sich Schwule und Lesben und auch Transpersonen für Politik interessieren: weil sie die gleichen Probleme und Interessen haben wie andere auch, und weil sie oft selbst eine besondere Unterdrückung erlebt haben."


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#5
31.05.2015
11:51:36


(-4, 10 Votes)

Von Pino


"Wenn ein Arbeiter oder eine Arbeiterin in Deutschland die eigene Wut auf Polen oder Griechen richtet statt auf die Chefs und Chefinnen deutscher Unternehmen, lachen die sich in den Chefetagen ins Fäustchen. "

Da sich Ray Goodspeed zuerst als links und erst danach als schwul bezeichnet, ist mir klar, dass ihm auch andere Ziele sehr wichtig sind. Das finde ich im Prinzip auch gut.

Aber ich sehe nicht ein, warum ich mich mit einem erzkatholischen Land wie Polen solidarisieren sollte, wo 90% der Bürger Diskriminierung gut finden. Zumal die ja (im Gegensatz zu den britischen Bergarbeitern) gar keine Hilfe wollen und wohl auch gar nicht brauchen, denn Polen ist wirtschaftlich sehr stabil.

Statt mich mit allen Polen zu solidarisieren, solidarisiere ich mich lieber mit den LGBTI-Polen und helfe denen gegen ihre homophoben Landsleute - die haben das nötiger.

Ein anderes schönes Beispiel sind afrikanische Länder, die Millionen auch von unseren Steuern bekommen und uns dann auch noch für Abschaum halten, den man töten muss. Dann gebe ich das Geld doch lieber den LGBTI in diesen Ländern.

Solidarität mit anderen: JA. Aber nicht Solidarität mit jedem.

Und auch Ray Goodspeed gibt ja zu, dass die Bergarbeiter ganz bewusst aus strategischen Gründen gewählt wurden, weil deren Gewerkschaft so mächtig war. Wir haben auch nur begrenzte Kraft und begrenzte Ressourcen und müssen sorgfältig auswählen, mit wem wir zusammenarbeiten.


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#6
31.05.2015
11:54:30


(+7, 11 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008
Antwort zu Kommentar #3 von qwertz


ich wende mich da eher den grundsätzlichen problem der streikfähigkeit des arbeitnehmenden zu..
Frage nicht nach der verhältnismäßigkeit in der wahrnehmung der vom streik betroffenen, sondern nach den kampfmitteln , die den arbeitern bleiben um so ihre lebensbedingungen zu verbessern.

Kann ja sein, dass der lokführer da bessergestellt ist als der schaffner.
Das müssen eben die streikbereiten vorher auch ausdiskutieren, wo wer was bekommt.
Und das die privatbahn andere tarife hat als die DB, zeigt nur wie "entflechtet" marginalisiert mittlerweile die arbeitswelt zugunsten der geschlossenen "arbeitgeberseite" ist.

Leiharbeit, haustarifverträge, tochterfirmenbildung etc., und ein amputiertes streikrecht ,dass mit der dummen nahles nun auch noch das letzte quentschen druckmittel verloren hat...
Die hetze gegen den Weselsky hatte strategischen wert.. wurde über aussperrung oder streikbrechende genauso "informiert"?

Nun: gewerkschaften haben nur noch sinn, wenn wer die meisten mitglieder aufbringt, nicht wer die vernünftigsten arbeitsrechtlichen-lohnfordernden inhalte vorbringt.
Gleichzeitig aber dürfen gewerkschaften auch nicht mehr beliebig sich zusammenschließen, so sie aus unterschiedlichen wirtschaftszweigen kommen.. Eine große, übergeordnete und machtbewusste gewerkschaft also nicht mehr existieren wird.
Der "generalstreik" ohnehin längst verboten ist, die konflikte nicht mehr gesamtgesellschaftlich gesehen werden, sondern nur noch nach tarifbezirk...!
Wem zum wohle?

Teile und herrsche!


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#7
31.05.2015
12:14:37


(+6, 10 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015
Antwort zu Kommentar #5 von Pino


"Statt mich mit allen Polen zu solidarisieren, solidarisiere ich mich lieber mit den LGBTI-Polen und helfe denen gegen ihre homophoben Landsleute - die haben das nötiger."

Das zeigt wieder, das der Artikel nicht gut gelesen wurde oder nicht verstanden, siehe auch meinen vorigen Kommentar (4), oder den unteren Absatz aus dem artikel:

"Was lässt sich Ihrer Meinung nach von der ungewöhnlichen Koalition zwischen Schwulen und Lesben und Bergarbeitern lernen?

Generell lässt sich eines sagen: wenn jede unterdrückte Gruppe für eigene Interessen käpft, aber auch für die Interessen anderer, kann das die Kämpfe auf beiden Seiten verstärken. Seien es Frauenrechtlerinnen, die sich mit Gewerkschafts-Kämpfen solidarisieren, oder Lesben und Schwule, die sich der Anti-Atom-Bewegung anschließen oder anti-rassistischen Protesten schwarzer Bürgerrechtler im amerikanischen Ferguson. Menschenrechte sind unteilbar. Wenn Sie sich mit ihnen identifizieren, gilt das für die Menschenrechte von allen.

Und wenn Sie anderen helfen, werden die auch ihnen helfen. Die Bergarbeiter haben uns vor 30 Jahren mit politischer Unterstützung in der Labour Party gedankt, der sozialdemokratischen Partei im Lande. Deren Politik gegenüber Lesben und Schwulen veränderte sich dadurch. Und die Bergarbeiter haben auch andere Gewerkschaften dazu gebracht, sich anzuschließen."

Mann kann nicht nur für eine Gruppe kämpfen mann muß sich auch mit anderen Gruppen zusammentun um vieles zu erreichen: Wo keine Demokratie ist, gibt es auch keine LGBTI Rechte.


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#8
31.05.2015
12:21:25


(+4, 10 Votes)

Von onedaycolder
Aus kaiserslautern (Rheinland-Pfalz)
Mitglied seit 14.05.2015
Antwort zu Kommentar #5 von Pino


der artikel sagt weder man solle sich nicht mit anderen minderheiten solidarisieren noch man solle sich mit jedem solidarisieren. der entscheidende punkt ist, solidarisiert man sich ausschließlich mit der selben minderheit aus anderen orten/ländern, bleibt man eine minderheit ohne reale aussicht auf veränderung.


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#9
31.05.2015
12:21:37


(0, 6 Votes)

Von Yannick


Interessantes Interview mit vielen wichtigen Punkten, aber in einer Sache muss ich ihm widersprechen.

Aufgrund seiner eigenen Vita und seinen politischen Überzeugungen mag es nachvollziehbar sein, dass er fordert, als linker Schwuler solle man sich eher mit linken Heteros als mit konservativen oder wohlhabenden Schwulen verbünden.

In dem Punkt, wo konservative Schwule andere unterdrücken oder eigene Karriere über Homorechte stellen (wie die LSU in der CDU/CSU) hat er damit vollkommen recht. Aber es gibt z.B. auch wohlhabende Schwule, die niemanden unterdrücken und die alles für Gleichstellung tun. Da fände ich es fatal, die zu vergraulen. Und umgekehrt gibt es ja auch sehr weit links stehende Menschen, die aber auch finanziell sehr gut dastehen. Man schaue sich nur mal Gewerkschaftsbosse oder Gregor Gysi an. Denen geht es finanziell extrem gut, aber sie können dennoch links sein und sehr aktiv daran arbeiten, dass es anderen auch besser geht.

Bevor wir anfangen, unsere Kraft auch noch auf mehrere andere Dinge aufzuteilen, sollten wir lieber erst mal Geschlossenheit in den eigenen Reihen erzeugen. Wie oft habe ich nicht erlebt, dass ein gutaussehender Schwuler bei einer Demo nicht neben einem korpulenten Schwulen laufen will - es könnte ja sein, dass jemand den man süß findet denkt, man würde auf Chubbys stehen oder die beiden sonstwie miteinander assoziieren.

Gerade unter Schwulen gibt es doch extreme Cliquenbildung und wer nicht dem eigenen optischen Ideal entspricht, wird dann gleich abschätzig beäugt. Da geht es dann jung gegen alt, schlank gegen dick, volles Haar gegen Glatze, manche haben was gegen Brillen, etc. etc. etc. Und wenn man als Schwuler zu feminin oder "tuntig" rüberkommt, rümpfen die "straight-acting" Schwulen auch die Nase oder sagen gar das "schade unseren Interessen", wenn sich manche Schwulen so exotisch verhalten.

Und dann gibt es die eigene Bären-Community, die Drag-Queens, etc. Und die Lesben machen dann oft eh ihr eigenes Ding und streiten lieber feministisch für allgemeine Frauenrechte als auch für Schwule, die dann auch nur Teil des androzentrischen Weltbilds sind. Und Transmenschen werden oft von allen anderen eh ausgeschlossen. Und Intersexuelle kommen irgendwie überhaupt nicht vor. Etc. etc. etc.

Das finde ich furchtbar. Wir sitzen doch alle in einem Boot und werden gleichermaßen diskriminiert.

Ich denke sogar:
wir wären schon längst gleichgestellt, wenn wir alle miteinander kämpfen würden statt oft genug gegeneinander.

Haben die Schwarzen bei ihrer Bürgerrechtsbewegung zwischen linken Schwarzen und wohlhabenden Schwarzen unterschieden? NEIN! Oder sonstwie? Auch nicht!

Damit wir uns nicht falsch verstehen:
niemand verlangt, dass jeder Schwule jeden anderen Schwulen attraktiv finden muss und mit ihm Sex haben will. Aber nur weil andere Schwule vielleicht nicht unserem körperlichen Idealbild entsprechen, sollten wir sie nicht ausgrenzen.

Zuallererst müssen wir erst mal für Einigkeit unter uns sorgen. Dann können wir auch gerne überlegen, mit welchen Leuten wir uns sonst noch solidarisieren / verbünden. Aber wenn wir jetzt anfangen, andere (durchaus auch wichtige) Ziele zu verfolgen, ehe wir gemeinsam für Gleichstellung kämpfen, lachen sich die Konservativen ins Fäustchen, weil wir dann deren Arbeit übernehmen...


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#10
31.05.2015
12:26:08


(+5, 7 Votes)

Von Alex
Antwort zu Kommentar #9 von Yannick


Da kann ich mich weitestgehend anschließen:
Ich bin zwar auch sehr dafür, dass wir nicht nur Berufsschwule sind, die keine anderen Themen mehr haben. Es gibt noch so viel, wofür es sich auch zu kämpfen lohnt.

Aber wir sollten auch dafür sorgen, dass wir vor allem auch mal solidarisch untereinander sind und nicht ständig (nach Aussehen, Geldbeutel, Beruf, o.ä.) in gute und schlechte Schwule unterscheiden.

Dann können wir uns gerne auch mit anderen solidarisieren, aber das bringt nichts, wenn wir untereinander weiterhin zerstritten sind, denn so nehmen wir echt den Konservativen die Arbeit ab.


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