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  • 03.06.2015           62      Teilen:   |

Debatte um Ehe für alle

Strafanzeige und Aufrufe zur Entschuldigung gegen Kramp-Karrenbauer

Artikelbild
Mit ihrem Interview mit der "Saarbrücker Zeitung" ist Annegret Kramp-Karrenbauer vielen zu weit gegangen

Der Generalsekretär der Saar-CDU verteidigt hingegen die Äußerung der Ministerpräsidentin, die Öffnung der Ehe führe zu Forderungen nach einer Ehe unter Verwandten oder mehreren Personen.

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ist mit ablehenden Äußerungen zu einer Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare in Kritik geraten. Der "Saarbrücker Zeitung" hatte sie am Dienstag gesagt, wenn man die Ehe-Definition auf gleichgeschlechtliche Paare ausweite, seien "andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen" (queer.de berichtete).

Zur weiteren Betonung des Gedankens hatte das Mitglied des Präsidiums der Bundes-CDU noch angefügt: "Wollen wir das wirklich?" Der Spruch hatte für einige Empörung in sozialen Netzwerken und Medien gefordert, inzwischen haben die ersten Politiker eine Entschuldigung gefordert.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs kritisierte, die Aussagen zeugten "nicht nur von mangelndem Eherechtsverständnis, sondern beleidigen das Selbstverständnis lesbischer und schwuler Paare aufs Übelste." Wer angesichts der gebotenen Öffnung der Ehe "vor Inzucht und Vielehe" warne, begebe "sich in zutiefst homophobe und menschenfeindliche Fahrwasser" und verlasse den politisch statthaften Diskurs, so Kahrs. "Ich fordere Frau Kramp-Karrenbauer auf, ihre Aussagen zurückzunehmen und sich bei den Bürgern und Bürgerinnen des Landes zu entschuldigen." Auch SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi kritisierte die Aussagen als "Schlag ins Gesicht Hunderttausender gleichgeschlechtlicher Partnerschaften".

Fortsetzung nach Anzeige


Aufrufe zur Sachlichkeit

Eine Entschuldigung Kramp-Karrenbauers forderte auch FDP-Generalsekretärin Nicola Beer: "Die Äußerungen von Frau Kramp-Karrenbauer sind eine Unverschämtheit, sie beleidigt Homosexuelle zutiefst. Ich fordere sie auf, sich für ihre Entgleisung zu entschuldigen." FDP-Vize Katja Suding unterstellte der Ministerpräsidentin "ein gefährliches Spiel mit bösen Ressentiments und Vorurteilen" sowie ein "rückwärtsgewandtes und altertümliches" Weltbild.

"Die Äußerungen aus den Reihen der Union belegen eines völlig deutlich: Die Union ist argumentativ in puncto Gleichstellung am Nullpunkt angelangt", meinte der queerpolitischen Sprecher der Linken, Harald Petzold. "Mit obskuren Statements und schrillen Tönen wird versucht, ein Horrorszenario an die Wand zu malen. Wahrscheinlich wird bald ein Unionspolitiker noch von der Sintflut reden."

Der Grünenpolitiker Volker Beck hatte die Äußerung aus dem Saarland am Morgen auch mit Humor kommentiert: "Wenn man keine Argumente hat, beschwört man absurde Folgen. Von Verwandtenaffären habe ich bislang nur in der CSU gehört und dass Legehennen vom flächendeckenden Mindestlohn profitieren, wäre mir auch neu. Deshalb sollten wir bitte wieder sachlich werden, bevor es verletzend wird."

Kritik kam auch aus der Union. Der LSU-Saar-Vorsitzende Christian Düppre meinte, die CDU dürfe "Menschen nicht verletzen": "Durch die Argumentation von Annegret Kramp-Karrenbauer fühlen sich Schwule und Lesben in die Nähe von Inzest und Polygamie gerückt. Wir denken nicht, dass die CDU-Landesvorsitzende dies ausdrücken wollte, ihre Aussagen lösen aber genau dies aus. Sie sollte sie deshalb dringend zurücknehmen!" Auch dürfe eine innerparteiliche Debatte, die gerade erst begonnen habe, nicht durch "Machtworte" beendet werden.

Auch Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) hatte Kramp-Karrenbauer aufgefordert, sachlich zu bleiben: "Sie vergleicht die Ehe unter Gleichgeschlechtlichen mit Inzest und Polygamie. Das ist diskriminierend und schürt Vorurteile. Die ohnehin sehr emotional geführte Debatte um die Homo-Ehe muss endlich sachlich geführt werden." Die Äußerungen verletzten Homosexuelle und heizten die Stimmung weiter auf.

Strafanzeige und Verteidigung

Die Berliner Rechtsanwältin Sissy Kraus hat inzwischen gar eine Strafanzeige gegen Kramp-Karrenbauer wegen Volksverhetzung und Beleidigung gestellt. Die Gleichsetzung von einer gleichgeschlechtlichen Ehe mit Inzucht und Vielehe sei "menschenverachtend" und "in ihrem Gehalt gleichzusetzen mit den ähnlich verachtenden Äußerungen 1933-1945", so die Vorständin des Berliner CSD, die in Kürze eine Lebenspartnerschaft eingehen will, in der Anzeige.

Der Generalsekretär der CDU Saar, Roland Theis, verteidigte hingegen die Ministerpräsidentin: "Es ist eine bösartige Missinterpretation, Annegret Kramp-Karrenbauer vorzuwerfen, sie setze gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Polygamie oder Inzest gleich". Es habe sich nicht um einen Vergleich gehandelt, sondern um einen "Verweis auf die Rechtsfolgen einer Ehe für alle".

Es sei "schon erstaunlich, wie gerade diejenigen, die ansonsten am lautesten für sich Respekt und Toleranz einfordern, in dieser Debatte die Äußerungen von Annegret Kramp-Karrenbauer uminterpretieren und dadurch herabwürdigen", so Theis weiter. Dabei werde die Debatte "nirgends so vielschichtig und respektvoll geführt wird wie in der Volkspartei CDU": "Insbesondere die Frage, ob Kinder unter einem anderen Leitbild als dem der Familie mit Vater und Mutter erzogen werden sollten, treibt viele Menschen um. Diese Zweifel müssen ernstgenommen und dürfen nicht verunglimpft werden."

In dem Interview hatte Kramp-Karrenbauer eine Meldung der "Saarbrücker Zeitung" zurechtgerückt, wonach es in der CDU-Landtagsfraktion eine Mehrheit für die Öffnung der Ehe gebe. In der neuen Pressemitteilung heißt es: "Für die CDU Saar ist die Ehe nach wie vor eine Verbindung von Frau und Mann." Eine "Aufgabe des klassischen Ehebegriffs" könne "im Extremfall schwierige Abgrenzungsfälle mit sich bringen". Darauf habe Kramp-Karrenbauer hingewiesen.

Die Äußerung aus dem Saarland ist nicht die einzige umstrittene: Im Landtag Niedersachsens warnte am Mittwoch eine CDU-Abgeordnete vor einer Schulhof-Ehe (queer.de berichtete), am Dienstag Abend empörte sich Erika Steinbach über "militante Homoaktivisten" (queer.de berichtete). (nb)

Mehr zum Thema:
» Kramp-Karrenbauer gegen Ehe für alle (02.06.2015)
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Tags: ehe-öffnung, saarland, annegret kramp-karrenbauer, johannes kahrs, sissy kraus
Schwerpunkte:
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Reaktionen zu "Strafanzeige und Aufrufe zur Entschuldigung gegen Kramp-Karrenbauer"


 62 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
03.06.2015
17:57:03


(+16, 18 Votes)

Von Just me


" Dabei werde die Debatte nirgends so vielschichtig und respektvoll geführt wird wie in der Volkspartei CDU"

Wen wollen die verarschen? Der 1. April ist längst vorbei. Allein dass darüber noch debattiert werden muss, weist auf mangelnden Respekt hin.


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#2
03.06.2015
17:57:39


(+12, 14 Votes)

Von ehemaligem User FrankSin


>>[...]"Dabei werde die Debatte "nirgends so vielschichtig und respektvoll geführt wird wie in der Volkspartei CDU"<<

Also, wenn ich das lese kann ich garnicht so viel essen, wie ich gerne kotzen würde


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#3
03.06.2015
18:06:38


(+14, 14 Votes)

Von goddamn liberal


"Es sei "schon erstaunlich, wie gerade diejenigen, die ansonsten am lautesten für sich Respekt und Toleranz einfordern, in dieser Debatte die Äußerungen von Annegret Kramp-Karrenbauer uminterpretieren und dadurch herabwürdigen"

Ich will den Respekt und die Toleranz dieser Menschen gar nicht, weil ich sie ja sowieso nicht bekomme.

Ich will den Rechtstandard der wesentlichen Zivilisation von Feuerland bis Alaska, von Gran Canaria bis zum Nordkap auch für dieses postfaschistische rückständige Land!

Das ist einfach alles.


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#4
03.06.2015
18:39:52


(+5, 9 Votes)

Von Joel


Der Herr Theis verwechselt da irgendetwas. Oder kann man respektvoll mit homophob, undemokratisch, menschenverachtend und volksverhetzend gleichsetzen?
Wahrscheinlich sind auch Steinbach, Kauder, Reiche, Merkel, und die Konsorten alle sehr respektvoll. Da läuft was schief. Die Parolen waren 33-45 auch schon mal da. Damals war man anscheinend auch ganz respektvoll mit Minderheiten. Ginge es nach Steinbach und den anderen Braunen, dann dürften wir rosa Sterne tragen. Das geschieht aber nur aus Respekt. Man soll uns erkennen und uns dann respektvoll begegnen.
Hoffentlich bekommt die Saar-Tussi eine Strafanzeige.


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#5
03.06.2015
18:49:02
Via Handy


(-10, 18 Votes)

Von Mal so angemerkt


Wird hier nicht ein bisschen zu schweres Geschütz aufgefahren? Das Argument von Frau KK zielt zwar offensichtlich darauf ab, die Eheöffnung zu delegitimieren, aber was ist denn jetzt inhaltlich sooo entsetzlich an der Frage? Ich habe auch kein Problem damit, wenn die Ehe für Geschwister, Polyamoröse und Schulhöfe geöffnet wird. Das Prinzip ist doch das Gleiche: Wenn es in gegenseitigem Einvernehmen geschieht, ist es doch in Ordnung und schadet niemandem. Queers lassen sich doch mit dieser Empörungsaktion nur vor den Karren der bürgerlichen, achso-heiligen Ehe spannen, statt diese Institution umzudeuten. Damit führt man letztlich die gleichen Abwehrkämpfe zur Verteidigung eines Sonderrechts wie es momentan Merkel und Gefolge gegen die "Homo-Ehe" tun. Aber auch uns würde ja nichts weggenommen, wenn Geschwister heiraten, nicht wahr? Es klingt aber eben so befremdlich, nicht wahr? Willkommen in der Gedankenwelt der Traditionswahrer!


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#6
03.06.2015
19:01:49


(+10, 12 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #5 von Mal so angemerkt


Ich bin gerne Bürger und bürgerliche und verteidige meine Bürgerrechte gegen die, die sie mir wegnehmen wollen.

Gegen die z. B.:

CDU Saar
Stengelstraße 5
66117 Saarbrücken

vertreten durch die Vorsitzende, Annegret Kramp-Karrenbauer. Inhaltlich Verantwortlicher gemäß § 5 TMG ist Landesgeschäftsführer Henrik Eitel.

Sie erreichen uns wie folgt:
Tel.: 0681 5 84 53-0
Fax: 0681 58 50 52
E-Mail: info[at]cdu-saar.de


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#7
03.06.2015
19:04:35


(-11, 13 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Eine Strafanzeige wegen Beleidigung hätte bereits gereicht, Frau Kraus! Damit wären sie nämlich bei Gericht durchgekommen, mit dem Vorwurf der Volksverhetzung keinesfalls!


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#8
03.06.2015
19:05:51


(+13, 13 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013
Antwort zu Kommentar #5 von Mal so angemerkt


Die Empörung der queeren Community richtet sich gegen den absichtlich konstruierten Zusammenhang zwischen Viel- und Inzestehe mit der Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare.
Wer sich da vor diesen Karren spannen lässt, ist selbst schuld.

Die Vielehe und auch die Insezstehe könnten auch ohne Eheöffnung für Schwule und Lesben gefordert werden. Dass hat aber bisher noch niemand gemacht. Warum also jetzt?
Nun klar, was inhaltlich an der Frage dieser Tante so entsetzlich ist?


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#9
03.06.2015
19:08:00


(+9, 11 Votes)

Von so angemerkt
Antwort zu Kommentar #5 von Mal so angemerkt


Hier geht es um die Ehe der Homosexuellen. Die verlangten mit keinem Wort die Polygamie und den Inzest.
Wenn es dann Anhänger der Polygamie wollen, werden diese für sich alleine wieder streiten und kämpfen (denen hilft aber der Seehofer und das Gesetz kommt schneller durch).
Wenn dann Anhänger der Geschwisterliebe auch für die Ehe kämpfen, dann sollen die das tun.
Wenn dann mein Hund seine geliebte Hundedame heiraten will, dann muß er auch darum kämpfen.
Haben nicht auch Frauen für Frauenwahlrecht gekämpft oder Erlaubnis zum Studium. Sie kämpften doch auch nicht gleichzeitig für die Universitätszulassung ihrer Säuglinge.

Aber das eine verlangt doch das andere nicht. Worauf die Tante im Saarland abzieht, erkennt man drei Kilometer gegen den Wind. Die weiß doch auch genau, daß die "Homo-Ehe" nicht den Inzest gleich nachzieht.
Der Polygamie kann man sich doch heute schon leicht zuwenden. Auswandern, Moslem oder Mormone werden und schon iss der Kas g'essen.


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#10
03.06.2015
19:13:08


(+3, 11 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Ich sage Ja zur Vielehe und Straffreiheit für jegliche Formen der Sexualität zwischen erwachsenen Personen.
Finde freiwillige, gar aus der vielbeschworenen "Liebe" heraus vollzogene "Inzucht" (was für ein ekelhaftes Wort für ein sexuelles Begehren) und "Vielehe" (scheiß´Spießerdeutsch) nicht schlimm, verachtenswert oder gar beleidigend.
Dass sich die organisierte Szene derart erniedrigt und theofaschistische Argumente ernst nimmt, das finde ich wirklich schlimm, auch etwas verachtenswert, gehörig peinlich und vor allem beleidigt es meine Intelligenz. So ein Form der "Replik" tritt meinen liberalen Anspruch geradezu mit Füßen.
Die kostenlose PR sei der "Berliner CSD e.V.-Rechtsanwältin" gegönnt. Ist aber nichts als Theaterdonner mit gefährlichem Getrommel.


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