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  • 11.06.2015, 10:41h           48      Teilen:   |

TV-Talk

Anne Will: "Kollektiver Tauchgang der Unionsführung"

Artikelbild
Anne Will diskutierte in der Nacht auf Donnerstag mit vier Gästen über das Thema "Streitfall Homo-Ehe - Bekommen wir bald irische Verhältnisse?"

Im ARD-Talk zur Ehe für alle wollte von der Union nur ein rechter Hardliner antreten. Die Debatte war dementsprechend polarisierend – und teilweise albern.

Von Dennis Klein

Eigentlich wollte Anne Will ja mit wichtigen Leuten aus der Führung der Merkel-Partei über die Ehe für alle sprechen. Gleich zu Anfang attestierte die Talkerin in ihrer Sendung, die wegen des Fußballländerspiels Deutschlands gegen die USA erst um Mitternacht begann, dass die Unionsführung auf "kollektiven Tauchgang" gegangen sei.

Daher lud sie den CSU-Polterer Thomas Goppel ein, der vor der Sendung gleichgeschlechtlichen Paaren bereits mindere Qualität attestiert hatte (queer.de berichtete). Zum bayerischen Scharfmacher gesellte sich AfD-Sprecherin Frauke Petry, die selbst vielen in der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland zu rechts ist. Politisch auf der anderen Seiten saßen SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi und der suspendierte schwule Priester Norbert Reicherts, der sich im Kölner LGBT-Zentrum "Rubicon" engagiert.


Thomas Goppel (CSU)


In der Debatte waren sich Goppel und Petry sehr nah: Beide warnten einhellig davor, dass es irgendwie schlecht fürs Kindeswohl sei, wenn Schwule und Lesben sich das Ja-Wort geben können. Priester Reicherts fragte dann, warum alle Studien das Gegenteil behaupteten und Jugendämter gerade schwulen Paaren Pflegekinder vermittelten – eine Antwort erhielt er nicht.

Petry brachte in diesem Zusammenhang das AfD-Lieblingsthema "Gender Mainstreaming" in die Runde ("Es gibt zwei biologische Geschlechter und nicht 60 wie bei Facebook") – dabei behauptete sie allen Ernstes, dass das rot-grüne Nordrhein-Westfalen Masturbation mit Zwei- und Dreijährigen propagiere.

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Goppel greift schwulen Priester persönlich an

Die beiden Rechtsaußenpolitiker nahmen auch den schwulen Priester persönlich ins Visier, der sich aber tapfer schlug. Immer wenn Reicherts aus seinem Leben erzählte, zog Petry Grimassen – oder warf ihm beispielsweise vor, "Plattitüden" zu verbreiten. Goppel ließ sich sogar zur Aussage hinreißen: "Sie kommen nicht zurecht mit Ihrer eigenen Lebensweise". Reicherts stellte daraufhin fest, nicht er habe ein Problem, sondern Goppel.

Immerhin: Petry und Goppel konnten nicht unwidersprochen ihre homosexuellenfeindlichen Aussagen verteilen, was zum Teil an den anderen beiden Gästen lag, aber auch an der verbesserten Gesprächsführung von Anne Will. Hier könnte der Waldschlösschen-Appell gewirkt haben, der Redaktionen auffordert, nicht unwidersprochen homophobe Aussagen stehen zu lassen (queer.de berichtete).


SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi


Die lesbische Moderatorin brachte ihre Gäste vom rechten Rand auch durch so manche Frage in die Bredouille. So wollte sie wissen, warum nicht gebärfähige oder alte Frauen heiraten dürften, wenn es bei der Ehe nur ums Kinderkriegen geht. Damit bewegte sie Petry zur Antwort: "Es ist ja nicht gesagt, dass eine Ehe Kinder hervorbringen muss" – dieselbe Petry übrigens, die im vergangenen Jahr noch von allen deutschen Paaren die Zeugung von je drei Kinder "zum Überleben des eigenen Volkes" verlangt hatte. Auch Goppels Antwort "Nein, nein, nein" auf die Frage, ob es bei der Ehe nicht auch um Liebe gehe, war aufschlussreich.

Später wurde die Vorlage von Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer aufgenommen, die unlängst davor gewarnt hatte, dass die gleichgeschlechtliche Ehe zu Inzest und Polygamie führen werde. Fahimi schlingerte bei dieser Frage ein wenig und erklärte schließlich, das Ziel ihrer Politik sei es, dass erwachsene Menschen "aus freiem Willen und ohne Schaden Dritter" so leben können sollten wie sie wollen. Die Äußerungen der saarländischen Landeschefin, die nichts mit der Ehe-Öffnung für Schwule und Lesben zu tun hätten, seien aber "empörend". Immerhin habe sich in allen anderen Ländern, in denen gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen, in dieser Frage nichts verändert.



Die Runde debattierte auch darüber, ob eine Grundgesetzänderung zur Öffnung der Ehe notwendig sei – eine Debatte, die zuletzt von der Union befeuert wurde. Goppel ist sich hier sicher – und führt ein Argument an, das bei Juristen Stirnrunzeln auslösen dürfte: Artikel 1, in dem die "Würde des Menschen" geschützt wird, stünde der Ehe für alle im Weg, weil dieser Artikel "Unterschiedlichkeit" der Menschen festlege und so die Heterosexuellen, die "normal verheiratet" seien, schütze. Auch Petry fiel wenig Erhellendes zum Thema ein: "Es ist nicht jeder Mensch gleich", sagte sie schlicht und verwies auf Frauenparkplätze.

Fahimi erklärte zwar, dass eine Grundgesetzänderung nicht notwendig sei, da auch Schwule und Lesben Ehe und Familie haben könnten. "Von mir aus können wir auch das Grundgesetz ändern, wenn es notwendig ist", fügte sie dann an. "Gesetze sind nicht in Stein gemeißelt. Wir haben doch andere Gesetze auch geändert."

Links zum Thema:
» Die Sendung in der ARD-Mediathek ansehen
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Reaktionen zu "Anne Will: "Kollektiver Tauchgang der Unionsführung""


 48 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
11.06.2015
11:17:51
Via Handy


(+3, 5 Votes)

Von ProMarriageEquality


Eine eher ernüchternde Sendung bei der AfD/CSU rhetorische Vollprofis in den Ring geschickt haben.
Deutschland ist in dieser Frage doch schon viel weiter man nach dieser Sendung glauben könnte.


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#2
11.06.2015
11:24:46


(+5, 5 Votes)

Von Diversity


Manchmal frage ich mich, was manche Menschen wohl in ihrem Kopf haben. Ein Gehirn kann dort nicht sein.


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#3
11.06.2015
11:30:12


(+8, 8 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #1 von ProMarriageEquality


Wie weit das Land des rosa Winkels wirklich ist, wird sich zeigen.

"Es ist nicht jeder Mensch gleich"

Darin zeigt sich nämlich das ganze Problem der völkischen Pseudo-Eliten in diesem Land.

Zu denen gehört Frau Petry aus dem Tal der Ahnunglosen zweifellos:

2007 Science4Life Venture Cup[36][37]
2008 Phase 2 beim Gründerpreis FutureSAX
2008 ugb Gründerpreis der Sparkasse Leipzig
2008 IQ Innovationspreis Mitteldeutschland der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland
2009 Darboven IDEE-Förderpreis[38][39][40]
2011 Sächsischer Gründerinnenpreis des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz[2][41]
2012 Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Die Auszeichnungen für diese Frau zeigen das Problem:

Hier paart sich technische Intelligenz mit undemokratisch-brauner Gesinnung und dem völligen Unverständnis gegenüber dem Gleichheitsgrundsatz als Grundwert der westlichen Zivilisation.

Gestalten wie Wernher von Braun oder Albert Speer lassen grüßen.

Das Zerstörungspotenzial solcher Leute ist riesig.


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#4
11.06.2015
11:35:32


(+5, 7 Votes)

Von 12zuiztrew


Das Rumgestottere des "selbstständigen katholischen schwulen Pfarrers" hat echt genervt, der wurde von den Rhetorikhaien aus der rechtspopulistischen Ecke regelrecht auseinandergenommen.

Im dritten Viertel der Sendung ging es plötzlich um Religion und Kirche. Schlimm, wenn Religiöses mit der Zivilehe vermischt wird.

Im letzten Viertel der Sendung ging es dann um Bildungsplan und Gender. Was bitte hat das mit dem Thema Zivilehe zu tun?

SPD-Mitglied Anne Will hat Fahimi natürlich nicht gefragt ob die SPD im Bundestag für oder gegen die Eheöffnung stimmen wird.

Die Gästeauswahl war eine Katastrophe. Das Durcheinander in der Gesprächsführung und das Vermischen von nicht zusammengehörenden Inhalten war ein Desaster. Die ganze Sendung war eine Peinlichkeit und uninformierte Zuschauer wurden verwirrt anstatt aufgeklärt.


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#5
11.06.2015
11:38:53


(+7, 9 Votes)

Von Talk
Antwort zu Kommentar #1 von ProMarriageEquality


AfD und CSU haben vorallem VOLLidioten in den Ring geschickt.


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#6
11.06.2015
11:44:20


(+2, 6 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"In der Debatte waren sich Goppel und Petry sehr nah: Beide warnten einhellig davor, dass es irgendwie schlecht fürs Kindeswohl sei, wenn Schwule und Lesben sich das Ja-Wort geben können. Priester Reicherts fragte dann, warum alle Studien das Gegenteil behaupteten und Jugendämter gerade schwulen Paaren Pflegekinder vermittelten eine Antwort erhielt er nicht."

Mit solchen Gegenargumenten kann man Politiker wie Goppel und Petry mundtot machen und das ist auch gut so!


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#7
11.06.2015
11:51:12


(+11, 13 Votes)

Von Nico


Interessant, wie Union und AfD sich wieder mal verbünden, um gemeinsam ihre Hetze zu verbreiten.

Die haben die Zusammenarbeit längst beschlossen...


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#8
11.06.2015
12:05:57


(+12, 12 Votes)

Von QueerGeist
Aus Berlin
Mitglied seit 11.03.2015


Wieder mal diskutiert man im deutschen Fernsehen ergebnisoffen über unsere Grundrechte. Würde man auch einen Schwarzen Menschen mit zwei weißen Rassist_innen in eine Talkshow setzen und eine faire Diskussion erwarten, wenn darüber diskutiert wird, ob er im Bus hinten zu sitzen habe oder seine_n weiße_n Partner_in heiraten darf? Warum regt sich der denn so auf, wenn man ihm bloß sagt, dass er ein Mensch zweiter Klasse ist?

Der Unterschied ist, den Rassist_innen wird nichts weggenommen - außer ihrem Überlegenheitsgefühl, während es für den anderen um seine Grundrechte geht. Dass bereits die Ausgangssituation dieser Diskussion völlig schief ist, und bereits in ein Machtgefüge eingebettet ist, gerät gerade im Hinblick auf eine angebliche 'Neutralität' immer mehr aus dem Blickfeld. Die Forderung nach gleichen Rechten 'neutral' neben Rassismus oder Heterosexismus zu stellen, stellt letztere als legitime Meinung dar. In gewisser Weise handelt es sich also um das, was schon Herbert Marcuse1965 als repressive Toleranz beschrieb:

Zitat: "[... ] Diese Toleranz kann allerdings nicht unterschiedslos und gleich sein hinsichtlich der Inhalte des Ausdrucks in Wort und Tat; sie kann nicht falsche Worte und unrechte Taten schützen, die demonstrierbar den Möglichkeiten der Befreiung widersprechen und entgegenwirken. [...] Aber die Gesellschaft kann nicht dort unterschiedslos verfahren, wo die Befriedung des Daseins, wo Freiheit und Glück selbst auf dem Spiel stehen: hier können bestimmte Dinge nicht gesagt bestimmte Ideen nicht ausgedruckt, bestimmte politische Maßnahmen nicht vorgeschlagen, ein bestimmtes Verhalten nicht gestattet werden, ohne daß man Toleranz zu einem Instrument der Fortdauer von Knechtschaft macht."


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#9
11.06.2015
12:05:57


(0, 10 Votes)

Von Markus44
Antwort zu Kommentar #6 von Patroklos


Das sich von der CDU keiner mehr traut, öffentlich gegen die Eheöffnung "anzustänkern" hat wohl mit der Tatsache zu schaffen, dass mittlerweile 20 westliche Industrieländer der Welt und 2/3 der US-Bundesstaaten die Ehe geöffnet haben.

Frau Will erwähnte dies sehr brilliant und fragte, ob diese anderen Staaten denn alles Schurkenstaaten seien und diese Staatem wie Schweden, Norwegen, Niederlande, Frankreich, Spanien, usw. doch nicht alles Länder seien, die die schlechtesten Gesellschaften der Welt seien.

Thomas Goppel meinte darauf nur, man müsse ja nicht einfach gleich alles nachmachen, nur weil es die Iren es nunmal machten.

Die CDU-Politiker im Bundestag wissen, das fast alle westlichen Industriestaaten mittlerweile die Ehe geöffnet haben, und sie haben keine Lust mehr ihren Kopf in der Öffentlichkeit "hinzuhalten" für ein Thema, an dem auch Deutschland nicht vorbeikommen wird.

Es melden sich daher nur noch so Personen wie Thomas Goppel, Erika Steinbach oder halt Leute von der AfD.

UND den CDU-Politikern ist ebenso bewusst, das sich bereits eine ganze Reihe ihrer CDU-Kollegen wie Stefan Kaufmann, Jens Spahn, Nadine Schön, usw. öffentlich für die Eheöffnung ausgesprochen haben, da haben die Damen und Herren der CDU keine Lust mehr, sich mit Ihren eigenen Kollegen "anzulegen".

Und genau deswegen muss noch mehr Druck von aussen (Grüne, Linksparte, LGBT-Aktivisten) und Überzeugungsarbeit von innen (LSU, CDU-Politiker anschreiben), um das "Fass bei der CDU zum kippen" zu bringen.

--------------------

Übrigens gibt es eine Dokumentation übr Regenbogenfamilien aus Australien aktuell in diesem Jahr ("Gayby Babys")...vielleicht kann die Queer zu diesem Film einen Artikel schreiben.


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#10
11.06.2015
12:20:58


(-8, 12 Votes)

Von GeorgG


Es ist ein Ärgernis, dass Anne Will einen dubiosen Theologen wie Norbert Reicherts eingeladen hatte. Von dieser Sorte gibt es viele, gerade in Köln. Nicht umsonst befindet sich seine Garagen"kirche" in dieser Stadt.
Sätze wie "Gott ist auch im Darkroom dabei" werden von den meisten Menschen als abstoßend empfunden.
Also: Entweder Anne Will findet einen seriösen Theologen als Gesprächpartner oder sie lässt die Finger von diesem komplizierten Thema.

Link zu www.taz.de


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