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  • 12.06.2015, 12:21h           4      Teilen:   |

#homolobbyrulz

20 Gründe, warum ein Kongress über Strategien gegen Homo- und Transphobie Spaß macht

Artikelbild
Zum Kongress "Respekt statt Ressentiment" hatten die Amadeu Antonio Stiftung und der LSVD am Mittwoch in die Berliner Werkstatt der Kulturen eingeladen (Bild: Netz-gegen-Nazis.de / SR)

Unter dem Motto "Respekt statt Ressentiment" wurde in Berlin über die richtige Reaktion auf "Besorgte Eltern" & Co. diskutiert. Unser Autor erklärt, warum dies gar nicht langweilig war.

Von Peter Fuchs

1. Weil der Nationale Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie vor der Tür steht und der veranstaltende LSVD in Kooperation mit der Amadeu Antonio Stiftung auch Gruppierungen abseits der üblichen Verdächtigen zu Allianzen bewegen will. #straightallys

2. Weil Barbara Loth, Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, den Satz "Wir erleben leider in Berlin täglich homophobe Angriffe und Diskriminierungen" so ausspricht, dass man ihr das "Wir" auch abnimmt. Sympathisch empathisch.

3. Weil am Podium sicher jemanden mit Blick in die Zuschauerreihen "Rassismus ist etwas, was uns alle angeht" sagt und zur Betonung der Aussage die Augen größer werden lässt. #Bullshitbingo

4. Weil man erfährt, wie Neonazis und neue Rechte unterschiedliche Zugänge zur Homophobie pflegen. Neonazis wollen einfach den Paragrafen 175 wieder einführen. Punkt. Rechtspopulisten und Pegida haben den Islam als Feindbild. Dem schreiben sie Frauenfeindlichkeit und Homophobie zu. Deshalb geben sie sich besonders offen gegenüber Homosexualität und möchten frauenfördernd wirken. Aber diese Fassade bröckelt meist nach ein oder zwei Sätzen ab. Die "Besorgten Eltern" formulieren noch weichgespülter und sind erstmal gegen das "Gender Mainstreaming". Sie fassen damit alles zusammen, was auch nur irgendwie unter das Thema Gender passen könnte. Die meisten wissen selbst nicht, was das ist. Als Feindbild taugt es ihnen aber prächtig.

5. Weil NGOs, nach ihren Wünschen (alles außer Geld) an die Politik befragt, antworten, dass die politisch Verantwortlichen den Betroffenen mehr zuhören sollen. Jetzt echt oder was? Wir dachten, das wäre selbstverständlich. #naiv

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6. Weil Günter Dworek, einer der Bundessprecher des LSVD, so optimistisch ist. Zwar sieht er eine neue Welle an alter Homo- und Transphobie auf uns zurollen, gespeist von ideologischen Mustern aus dem 19. Jahrhundert, bloß mit neuen Akteuren. Aber im 21. Jahrhundert sieht er uns auf festen Boden stehen. Diese Welle halten wir aus.

7. Weil politischer Pragmatismus ganz locker klingen kann. Wenn zum Beispiel die Sozialdemokratin Elke Ferner, Staatssekretärin im Familienministerium, zwar einräumt, dass man gesetzliche Rahmenbedingungen verändern könnte, aber darauf hinweist, dass "wir es gerade in dieser Regierungskonstellation mit einem Thema zu tun haben, wo sich die Einigkeit eher auf den kleinsten gemeinsamen als auf den größten gemeinsamen Nenner bezieht." Sie würde jedoch das tun, was machbar sei. Aber das Thema Volladoption "ist halt wie es ist, das wird ohne das Verfassungsgericht wohl nix werden in dieser Wahlperiode". Mal gucken, wie die Wahlversprechen für die nächste Legislaturperiode so klingen, Frau Ferner!

8. Weil erfreulich oft nicht mehr von Normen in der Gesellschaft gesprochen wird, sondern vom Durchschnitt. Heiraten eine Frau und ein Mann, dann entspricht das dem Durchschnitt und nicht einer Norm. Diskussionen über "normal" oder "nicht normal" erübrigen sich damit.

9. Weil Bertold Höcker, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Berlin-Mitte, den Unterschied seiner Kirche zu katholischen so schön erklärt. Bei den Katholiken "entscheidet nur das Lehramt über die Auslegung der Heiligen Schrift, im Protestantismus letztlich jeder Gläubige selbst. Und gelangen unsere Synoden mehrheitlich zu einer Überzeugung, dass aufgrund theologischer Einsichten bestimmte Sachverhalte so zu sein haben, dann wird darüber abgestimmt und so ist es. Der Ratsvorsitzende und die Synoden haben schon lange erklärt, dass die Ehe für alle selbstverständlicher Teil der evangelischen Überzeugung ist." Und wie ist es mit den Evangelikalen in den eigenen Reihen? "Wir haben natürlich auch in unseren Kreisen Fundamentalisten, die das immer anders sehen, aber theologisch ist die Debatte durch." #warmirneu

Poster zum Kongress
Poster zum Kongress

10. Weil Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, allen LGBTs die Leviten liest, wenn sie anmahnt, dass man kein besserer Mensch sei, nur weil man von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betroffen ist. Auch als solcher könnte man Homophobie oder Rassismus entwickeln. Hey Männer, straightacting? Keine Asiaten? Der Islam ist urböse? Habt ihr zugehört?

11. Weil man nur sagen muss "Gender Mainstreaming ist geisteskrank", und schon hat man ein sicheres Ticket, um in Sandra Maischbergers Talkshow eingeladen zu werden. #musstemalgesagtwerden

12. Weil Onlinemedien nur mit vielen Klicks Geld verdienen und deshalb die üblichen Verdächtigen ("Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so") immer wieder mit schriller Homophobie in ihren Kolumnen ranmüssen. Was die sagen, lässt sich locker unter Meinungsfreiheit schönreden, Hauptsache die Klicks schnellen nach oben. #clickbait #ulfharaldjanmatthias

13. Weil Katrin Gottschalk, die Chefredakteurin des "Missy Magazins", Twitter als ideales Kampagnentool empfiehlt, um Journalistinnen und Journalisten zu erreichen. Via Twitter fiel der ARD auf, dass der von ihr häufig verwendete Begriff "Homo-Ehe" doof, die Formulierung "Ehe für alle" aber smart ist. Also alle mal tweeten!

14. Weil jeder Mensch als sexuelles Wesen geboren wird, die Befürchtung einer Sexualisierung in der Schule also von einer falschen Grundannahme ausgeht. #musstemalgesagtwerden

15. Weil sich Podiumsteilnehmer aus Sicherheitsgründen nicht fotografiert lassen (wie affig!) und sich in der Vorstellungsrunde herausstellt, dass sie in ihrer Arbeit nicht ganz konfliktfrei mit Rechtsextremen zu tun haben (oops, shame on me!).

16. Weil Moderatorinnen sehr cool empörte Publikumsbeiträge zu mehr Freundlichkeit mahnen.

17. Weil der Wissenschafter Jobst Paul vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung den öffentlichen Diskurs über Homophobie in einer Selbst- und Gegenvorstellung verharrt sieht. Es funktioniere wie ein binärer Code: Hier Homogegner, dort Homofreunde – Empörung auf beiden Seiten! Diese Blockade spiele aber dem rechtspopulistischen Kalkül eines Kulturkampfes in die Hände. Deshalb sollte man dieses System offenlegen, weil man beim Mitspielen kaum Blumentöpfe gewinnen kann. Lasst uns also den Code knacken!

18. Weil das Sexmotiv im Diskurs nicht nur die Rechten besonders heftig bewegt, sondern diese Erschütterungen auch bis in die Mitte der Gesellschaft reichen. Sie phantasieren dabei das Schreckgespenst des "totalen Sex", der uns alle konsumieren will, herbei. Ziel der rechtspopulistischen Kampagnen ist es, uns auf das loyale, kontrollierte, dem Gemeinwohl verpflichtete Kinderkriegen einzuschwören. #everyspermisholy

19. Weil Moderatorinnen und Moderatoren Pralinen, Mitarbeitende des Kongresses Rosen als Dankeschön erhalten und der abschließende künstlerische Beitrag des Poeten Musa Okwonga ("Hey, I'm a B in LGBT") wunderbar ausgesucht war.

20. Weil in vier Wochen alle Beiträge aus Keynote, Arbeitsforen und Podiumsdiskussionen öffentlich über die Homepage des LSVD zugänglich gemacht werden. #homolobbyrulz

Links zum Thema:
» Bericht zum Kongress auf Netz-gegen-Nazis.de
» Berichte und Dokumentation des Kongresses im LSVD-Blog
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Tags: amadeu antonio stiftung, homophobie, transphobie, besorgte eltern
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Reaktionen zu "20 Gründe, warum ein Kongress über Strategien gegen Homo- und Transphobie Spaß macht"


 4 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
12.06.2015
13:36:00


(+8, 8 Votes)

Von -hw-


"Twitter als ideales Kampagnentool empfiehlt, um Journalistinnen und Journalisten zu erreichen. "

Das stimmt. Seit Jahren erreiche ich beim Vögelchen zuverlässig Kampagnen-Journalistinnen und Kampagnen-Journalisten, wenn sie die Säue rauslassen oder die Katzen aus dem Sack. Meist unterhaltsamer als ihre zurückhaltenderen Texte, mit denen sie ihre Rechnungen bezahlen müssen.


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#2
12.06.2015
15:37:25


(+6, 6 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014


Auch wenn es wie eine spitzfindige Randbemerkung aussehen wird,und ich Euch den Spaß nicht madig machen möchte:

Unter Punkt 14 kommen sich Asexuelle und geschlechtslos Geborene möglicherweise ausgeklammert vor. Und argumentieren nicht genau verstockt Homophobe gern damit,dass 'jeder' Mensch angeblich heterosexuell definiert sei? Was natürlich ebenso Quatsch ist,wie die Idee der 'Frühsexualisierung'.

Menschen werden als Individuen geboren.Das Leben und wessen Meinung sie sich unterwerfen,das macht manchmal Kopien aus welchen.

Die Befürchtung einer Frühsexualisierung ist selbstverständlich Quatsch! In der Phase der Pubertät entfaltet sich Sexualität oder Asexualität von ganz alleine in die vielen möglichen,natürlichen Spielvarianten aus.Man kann das nicht konditionieren oder vorher prägen.

Ein Nerven-Ausdauer-Training zum Umgang mit 'besorgten Eltern' wäre sicher praktisch.
Man könnte auch einen Survival-Guide gegen ultrahomophobe RKK-Geistliche konzipieren,oder therapeutische Hilfen nach deren selektiv menschenverachtenden Aussagen,mit Biscuits und Tee.


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#3
12.06.2015
20:14:50


(+5, 5 Votes)

Von Lars


Sehr hilfreicher Artikel, der hilft, Ohnmachtsgefühlen gegenüber extremen Gruppen etwas Produktives entgegenzusetzen. Das macht stark. Vielen Dank!


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#4
13.06.2015
00:45:16
Via Handy


(+2, 4 Votes)

Von Sukram71
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 17.12.2010


21. Wilder Gruppen-Sex überall. :)


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