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Neues Album "No Place In Heaven"

Eine Mika-CD ist wie ein Musical


Von seinem ersten Album "Life in Cartoon Motion" aus dem Jahr 2007 verkaufte Mika weltweit fast 5,6 Millionen Tonträger. 2009 outete sich der in London lebende Sänger zunächst als bisexuell, seit 2012 ist er offiziell schwul (Bild: Republic Records)

Auf seinem vierten Studioalbum "No Place In Heaven" liefert der libanesisch-britische Sänger elf fast ausnahmslos gelungene Power-Popsongs ab – plus eine schwule Bonus-Ballade.

Von Michael Thiele

Bestimmt hat es irgendwer schon mal irgendwo geschrieben, aber das spielt keine Rolle, denn dieser Vergleich ist noch immer aktuell: Ein Mika-Album ist wie ein Musical!

Wenn das erste Lied beginnt, ist es, als ob sich ein großer, glitzernder Vorhang öffnet, und dann lässt der bei seinem Debüt "Life In Cartoon Motion" im Jahr 2007 geradezu wunderkindhaft umjubelte Darling mit den dunklen Locken alles auftreten, wonach ihm der Sinn steht: Prince und Erlend Øye, die Bee Gees und die Scissor Sisters, sie alle singen in Retro-Outfits fröhlich um die Wette.

Als Requisiten drehen sich kleine und große Discokugeln über grün wehenden Palmen, Konfetti und Luftballons flattern nur so durch die Lieder, ein Regenbogen leuchtet hell, und wenn alles vorbei ist und sich der Vorhang wieder schließt, dann bleibt ein süßlich-klebriger Geschmack im Mund zurück, ungefähr so, als hätte man zu viele "Glee"-Folgen auf einmal gesehen.

Eine musikalische Marktlücke erfolgreich besetzt


Seit 12. Juni im Handel: Das Standardalbum "No Place In Heaven" bietet elf Songs, auf der Deluxe-Edition gibt's vier Bonus-Tracks

Auch wenn Mikas neues viertes Studioalbum "No Place in Heaven" sicher nicht mehr so quietschig-kitschig wie sein Debüt daher kommt, die Wurzeln sind doch unverkennbar, und sollen es auch bleiben. Der 1983 in Beirut als Michael Holbrook Penniman Junior geborene Sänger hat immerhin eine musikalische Marktlücke entdeckt und erfolgreich besetzt. So etwas kann ein Fluch oder ein Segen sein – wobei allein aufgrund der kribbeligen Ausgelassenheit und Neugier, die seine Lieder versprühen, kein Zweifel aufkommt, dass es sich bei Mika um Letzteres handelt.

Angenehm von anderen Popstars hebt Mika zudem ab, dass er in seinen Liedern kleine Geschichten erzählt. Etwa im magischen "Last Party", in dem er fragt, was wäre, wenn man in die Zukunft sehen könnte – ob man das auch wollte. Und wenn man dann das Ende der Welt nahen sehen würde, gäbe es eine letzte Feier, und zwar ohne ein schlechtes Gewissen, auch wenn man es hier und da mal zu wild getrieben hätte.

Songs von Liebeskummer, Selbstzweifel und Sünde

Eine andere Geschichte erzählt Mika in der intimen Ballade "Ordinary Man". Er wurde verlassen, hat Liebeskummer und Selbstzweifel, denn er fragt sich, ob er nicht doch gewöhnlicher ist, als er immer dachte – zumindest für den Anderen.

Im Titeltrack schließlich erklärt er, warum es für ihn keinen Platz im Himmel gebe: Als er sieben Jahre alt war, hat sich eine Kälte über ihn gelegt, er habe gesündigt, seine Liebe musste er immer verstecken – aber vielleicht gibt ihm der Heilige Vater ja noch eine zweite Chance.

Sein Schwulsein, das er hier nur andeutet, kommt im letzten Bonus-Track, dem Disco-geschwängerten "L'Amour Fait Ce Qu'il Veut", deutlicher zum Vorschein – übrigens der einzige von insgesamt vier Bonus-Tracks auf der "Deluxe Edition", dessen Kauf lohnt.

Ansonsten liefert Mika mit "No Place In Heaven" elf fast ausnahmslos gelungene Power-Pop-Songs ab, die, sobald sie durch sind, trotz Überzuckerungsgefahr schon wieder Lust auf die nächste Musical-Vorstellung machen.

Direktlink | Kostprobe aus dem Album: "Last Party"
Youtube | Mika mit "L'Amour Fait Ce Qu'il Veut" im französischen Fernsehen


#1 LucaAnonym
  • 12.06.2015, 14:32h
  • Mika ist echt klasse.

    Seine Musik ist toll und da er offen schwul ist, ist er auch ein Vorbild...
  • Antworten » | Direktlink »
#2 yelimSEhemaliges Profil
#3 Patroklos