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  • 20.06.2015, 08:32h           1      Teilen:   |

"Drown" auf DVD

Homophobie am Bondi Beach

Artikelbild
Am idyllischen Bondi Beach bei Sydney spielt Dean Francis' dramatische Geschichte um schwules Begehren und homophoben (Selbst-)Hass (Bild: Edition Salzgeber)

Jetzt auf DVD: Mit seinem grellen Exploitationstreifen "Drown" erzählt der australische Filmemacher Dean Francis vom schwulen Begehren eines Rettungsschwimmers.

Von Carsten Moll

Bereits mit seinem Kurzfilm "Boys Grammar" aus dem Jahr 2005, der frei im Netz verfügbar ist (siehe Youtube-Video weiter unten), widmete sich der australische Regisseur und Drehbuchautor Dean Francis den Themen Homophobie und Mobbing.

Basierend auf realen Ereignissen inszenierte der Filmemacher die Vergewaltigung eines Teenagers durch seine Mitschüler und zeigte dabei nicht nur die traumatischen Folgen dieser Tat auf, sondern verdeutlichte auch die ignorante, kaltschnäuzige Haltung der Gesellschaft gegenüber dem Opfer: Für den Vater des vergewaltigten Jungen etwa ist das, was seinem Sohn angetan wurde, nicht mehr als ein harmloser Initiationsritus unter Jungs, der stark macht, wenn man nicht an ihm zerbricht.

Ebenso verstörend wie diese Sichtweise mutet die Auflösung des Films an; die letzte Aufnahme zeigt, wie sich Täter und Opfer bei einer erzwungenen Versöhnung umarmen, eine Geste, bei der sich Prügelei und Liebkosung auf irritierende Weise durchdringen.

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Knappe Badehosen und engstirnige Ansichten

Die Edition Salzgeber hat den Film mit deutschen Untertiteln auf DVD herausgebracht
Die Edition Salzgeber hat den Film mit deutschen Untertiteln auf DVD herausgebracht

In ähnlich drastischer Manier bebildert nun auch "Drown" seine Geschichte um schwules Begehren und homophoben (Selbst-)Hass. Handlungsort ist der Bondi Beach bei Sydney, ein auf den ersten Blick durch und durch idyllischer Schauplatz: Das blaue Meer erstreckt sich bis zum Horizont, am wolkenlosen Himmel strahlt die Sonne und Rettungsschwimmer wie der junge Lenny patrouillieren in knappen Badehöschen am Strand. Schatten, Zweifel sowie Ambivalenzen scheint es hier nicht zu geben, Lenny gilt als das unangefochtene Alphamännchen in dieser klar abgesteckten Welt, in der die Männer das Sagen haben und gerne mal ein Glas zu viel trinken.

Doch als eines Tages ein Neuer im Club der Rettungsschwimmer auftaucht, gerät die alte Ordnung um den Champion Lenny aus den Bahnen: Phil ist nämlich nicht nur ein ausgezeichneter Schwimmer und Lenny im Wettkampf ebenbürtig, der junge Mann ist zudem homosexuell. Allein Phils Anwesenheit verunsichert nicht bloß den Macho Lenny, der sein eigenes schwules Begehren mit Gewalt unterdrückt, sondern erschüttert auch den Film bis ins Mark.

Die vormals klare Bilderwelt gerät mehr und mehr aus den Fugen und wird von einer grellen, campy Flut aus Sounds und Bildern überschwemmt. Rosa Wolken ziehen über den Abendhimmel, atmosphärische Elektroklänge lassen die Stimmung ins Traumhafte kippen, und die Blicke unter der Gemeinschaftsdusche werden vieldeutiger und intensiver.

Ein Malstrom aus Lust und Hass

Mit Phils Ankunft beginnt eine unaufhaltsame Eskalation, die Regisseur Francis ebenso plakativ wie faszinierend in Szene setzt. Der Plot scheint dabei in einem Malstrom zu treiben, Vergangenheit und Gegenwart werden durcheinander gewirbelt, das düstere Finale des Dramas drängt sich von Beginn an immer wieder zwischen die bunte Camp-Ästhetik.

"Drown" wirft eine chronologische Ordnung und kausale Zusammenhänge immer wieder über Bord, um den Affekten und Emotionen seiner Protagonisten nachzujagen – so verwirrt und orientierungslos wie Lenny gibt sich der gesamte Film. Lustvolle Momente und blanker Hass wechseln sich in immer schnellerer Taktung ab und sind bisweilen nicht mehr klar voneinander zu unterscheiden.

Dass Dean Francis keine Berührungsängste mit expliziten Bildern und überzogenen Figuren hat, bewies der Filmemacher bereits mit dem Ozploitation-Horror "Road Train" (2010). Und auch mit "Drown" schreckt er nicht vor Überdeutlichkeit und filmischen Exzessen zurück.

Ein eigenwilliger kinematischer Rausch

Einerseits mag das angesichts des ernsten Themas des Films deplatziert wirken, und tatsächlich lässt sich Francis' Drama stellenweise wohl am besten als Trash oder Exploitation genießen. Auf der anderen Seite scheint genau hier der große Reiz von "Drown" zu liegen, einem Film, der sich immer wieder von Subtilität, gutem Geschmack und psychologischer Glaubwürdigkeit freimacht und sich kopfüber in einen eigenwilligen kinematischen Rausch stürzt.

Das Exploitationkino mit seiner aufgeblasenen Plakativität und krassen Effekten war schließlich immer schon ein geeigneter Raum, um den realen Machismo bis zum Anschlag aufzupumpen und so all die feinen Risse in seiner Oberfläche zum Vorschein zu bringen.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zu "Drown"
Youtube | Dean Francis' Kurzfilm "Boys Grammar"
  Infos zur DVD
Drown. Drama. Australien 2014. Regie: Dean Francis. Darsteller: Matt Levett, Harry Cook, Jack Matthews, Sam Anderson. Laufzeit: 93 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. Edition Salzgeber
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur DVD und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Homepage zu "Drown"
» Fanpage zum Film auf Facebook
Galerie
Drown

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Tags: drown, bondi beach, rettungsschwimmer, edition salzgeber, dean francis
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Reaktionen zu "Homophobie am Bondi Beach"


 1 User-Kommentar
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Die ersten:   
#1
20.06.2015
09:34:35


(+2, 2 Votes)

Von Sebi


Der Trailer sieht schon mal sehr vielversprechend aus...


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