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  • 23.06.2015, 10:07h           2      Teilen:   |

Kunst zwischen Liebe und Hass

TV-Doku "Weil ich bin, wer ich bin": Vom Gleichklang übertönt

Artikelbild
Die beiden schwulen Berliner Regisseure Nils Bökamp (li.) und Benjamin Cantu reisten für ihre Doku um die halbe Welt

Am Mittwoch zeigt Arte einen Dokumentarfilm von Nils Bökamp und Benjamin Cantu, in dem die Filmemacher schwule und lesbische Künstler aus aller Welt vorstellen.

Von Carsten Moll

Dass Minderheiten ganz schön Krach machen können, dürfen in der Dokumentation "Weil ich bin, wer ich bin" zuallererst die in den letzten Jahren immer lauter gewordenen Rechtspopulisten und Erzkonservativen von La Manif pour tous und der Demo für alle unter Beweis stellen. Mit ihren durch Mikro- und Megafone posaunten Parolen beginnt der Film und würdigt sie dabei doch keines Blickes: Der Bildschirm bleibt schwarz, lediglich einige Phrasen sind aus dem Off zu hören und werden zudem als Text eingeblendet. Begreifbar werden die eigentlich unfassbaren Zitate von Ludovine de La Rochère und ihren Gesinnungsgenossen, die für ein zum Glück doch sehr überschaubares "alle" sprechen, dadurch allerdings nicht.

Den schiefen Tönen der Homophoben kommt dann schnell die Montage in die Quere und lässt im Gegenschnitt den Chor der Gegendemonstranten zu Wort kommen: Die Aufnahmen zeigen meist junge Menschen, die einstimmig "Liebe ist ein Menschenrecht" skandieren und bunte Plakate mit Slogans wie "Rechtspopulisten abtreiben" in die Höhe recken. Zwischentöne abseits der Gleichstellungsgegner und deren Gegnern scheint es nicht zu geben.

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Bilder einer gespaltenen Gesellschaft

Der marokkanisch-französische Schriftsteller Abdellah Taïa erzählt in der Doku, was es heißt, als schwuler Marokkaner im Pariser Exil zu leben - Quelle: Alexander Gheorghiu
Der marokkanisch-französische Schriftsteller Abdellah Taïa erzählt in der Doku, was es heißt, als schwuler Marokkaner im Pariser Exil zu leben (Bild: Alexander Gheorghiu)

Eine tiefe Spaltung der Gesellschaft machen die Regisseure Nils Bökamp und Benjamin Cantu aus und nehmen diese Erkenntnis als Anlass, sich auf eine Reise um den Globus zu begeben und eine Reihe von homosexuellen Künstlern und Künstlerinnen zu porträtieren.

Ganz nachvollziehbar wird dabei nicht, was die beiden schwulen Filmemacher antreibt, sich von der Berliner Heimat auf den Sprung in die weite Welt zu machen. Ebenso beliebig – aber keinesfalls uninteressant – mutet die Liste der Porträtierten an, die von der südafrikanischen Tänzerin und Choreografin Mamela Nyamza über den israelischen Fotografen Benyamin Reich sowie die libanesischen Rockband Mashrou' Leila bis zum Hollywood-Drehbuchautor Dustin Lance Black ("Milk", 2008) reicht.

Dass Bökamp und Cantu fähige Filmemacher sind, haben die beiden bereits bewiesen, vor allem Cantus halbdokumentarisches Regiedebüt "Stadt Land Fluss" (2011) dürfte so manchem Kinogänger noch gut in Erinnerung sein. So erweist sich auch "Weil ich bin, wer ich bin" als stimmungsvoll inszeniert: Kurzweilig und spürbar um Abwechslung bemüht, gestalten die Regisseure ihre filmische Collage, die neben Interviews auch Ausschnitte aus Live-Performances sowie kurze Einblicke in den Alltag der Künstler zu bieten hat.

Knappe Porträts und künstliches Wir-Gefühl

Über den Weg der Kunst kommen dabei allerlei Themen zum Ausdruck. Die Protagonisten des Dokumentarfilms erzählen ebenso von Religiosität, Gewalterfahrungen und Alltagsbeobachtungen wie von politischem Aktivismus. Dass dabei vieles an der Oberfläche verharrt, dürfte wohl vor allem der recht kurzen Laufzeit von bloß 50 Minuten geschuldet sein. Bökamp und Cantu bleiben so nur wenige Minuten, um jeden einzelnen Künstler und seine Arbeit vor- sowie Kontexte herzustellen.

Während die knappen Porträts durchaus neugierig machen, so bleiben die Schlüsse, die die Regisseure aus ihrer filmischen Weltreise ziehen, doch fragwürdig: Als Fazit bündeln sie ihre Begegnungen in einem harmonischen Schlusskommentar, der zum Macklemore-Hit "Same Love" ein allumfassendes und damit letztlich ziemlich nichtssagendes Wir-Gefühl der LGBT-Gemeinschaft heraufbeschwört.

Aus den Stimmen einzelner schwuler und lesbischer Künstler muss – wie es zum guten Ton gehört – in "Weil ich bin, wer ich bin" gleich ein von allen Differenzen und Dissonanzen befreiter Diversity-Brei werden. Und ein solcher steht im Zweifelsfall vielleicht weniger für queere Solidarität über das eigene Identitätslabel hinaus als vielmehr für einen jede Individualität übertönenden Kollektivmythos.

Vimeo | Trailer zur Doku
  Infos zum Film
Weil ich bin wer ich bin – Kunst zwischen Liebe und Hass (Internationaler Titel: Because Of Who I Am). Dokumentation. Deutschland 2014. Regie: Benjamin Cantu, Nils Bökamp. Mitwirkende: Askold Kurov, Pavel Loparev, Hamed Sinno, Mamela Nyamza, Mojisola Adebayo, Benyamin Reich, AAbdellah Taïa, Dustin Lance Black. Laufzeit: 52 Minuten. Sendetermin: Mittwoch, 24. Juni um 21.40 Uhr auf Arte.
Links zum Thema:
» Website zum Film
» Fanpage auf Facebook
» Mehr Infos zur Doku auf der Arte-Homepage
Mehr zum Thema:
» Crowdfunding-Kampagne "Because of Who I Am" (25.05.2015)
» Mehr schwul-lesbische TV-Tipps auf queer.de
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Tags: arte, nils bökamp, benjamin cantu
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Reaktionen zu "TV-Doku "Weil ich bin, wer ich bin": Vom Gleichklang übertönt"


 2 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
23.06.2015
14:41:59


(+3, 9 Votes)

Von -hw-


Kollektive übertönender Individualitätsmythos


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#2
24.06.2015
07:49:33


(0, 2 Votes)

Von Klaus No 17


Ich verstehe die Kritik nicht ganz. Ich lese heraus: Es ist ein Film über eine Handvoll schwullesbischer Künstler, die nichts verbindet, außer, dass ihre sexuelle Orientierung nicht der Norm der Mehrheit entspricht. Das und ihre Haltung zur Mehrheit wird thematisiert, die Künstler und ihr Schaffen werden kurz vorgestellt. Dies vor dem skizzierten Hintergrund des schroffen Gegensatzes von Diskriminierenden und Toleranten (der hier nicht diskutiert wird - der aber auch nicht Thema des Films ist, sondern nur dessen Hintergrund). Dass an so vielen Orten und mit so vielen Themen um Toleranz geworben wird, macht Hoffnung und schafft eine Verbindungen; das ist die abschließende Botschaft. Und die Kritik wirft dem Film jetzt vor, dass er das tut, was er tut. Stimmt das?
Mit demselben Recht könnte man Goethe vorwerfen, dass er einen Werther geschrieben hat und keinen Walter. Ok, natürlich hätte er auch einen Walter schreiben können ... diese Art Kritik liefert keinen Erkenntnisgewinn, sie ist nur ein bewusstes Negativsehen.


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