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  • 24.06.2015, 11:46h           21      Teilen:   |

Erfolgsserie aus den USA

"Empire" auf ProSieben: "Küss meinen schwarzen Arsch"

Artikelbild
Schwules Spießerpaar in einer dekadenten Familie: Jamal (Jussie Smollett, li) und sein Freund Michael (Rafael de La Fuente) (Bild: FOX)

Mit der Hip-Hop-Seifenopfer "Empire" startet heute auf ProSieben eine Art afro-amerikanisches "Dallas". Der wahre Superstar der Serie ist schwul.

Von Robert Niedermeier

"Du hast es schon schwer genug, Junge, weil du schwarz bist, jetzt bist du auch noch eine schwarze Schwuchtel", sagt der Vater und stopft seinen fünfjährigen Sohn in die stinkende Müllblechtonne. Der US-amerikanische Regisseur Lee Daniels ("The Butler"), Filmproduzent ("Monster's Ball") und Schauspieler ("Agnes und seine Brüder") hat sich diese brutal-traurige Szene nicht ausgedacht. Sein eigener Vater, ein Polizist, tat ihm das tatsächlich an.

Jahrzehnte später findet sich diese Szene in der ersten Folge der Seifenoper "Empire" wieder, die ProSieben am Mittwoch in einer deutschen Erstausstrahlung zeigt. Stolz schreitet der kleine Jamal mit roten Pumps und adrettem Kopftuch seiner Mutter Cookie (Taraji P. Henson) aufgefummelt die Treppe herunter, um sich seinem Vater Lucious Lyon als eine Art Whitney Houston zu präsentieren. Doch Papa ist nicht angetan, beschimpft das Kind als "Bitch" und wirft es auf den Müll. Die Mutter geht dazwischen, nimmt den Spross in ihre Arme, doch fortan klafft ein Riss durch die afroamerikanische Familie.

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Mit Drogengeldern ein Plattenimperium aufgebaut

Die eigentliche Geschichte spielt 17 Jahre später: Der Macho-Papa stachelte Jamals Mama zu Drogengeschäften an, woraufhin mütterlicherseits 400.000 Dollar Drogengelder als Startkapital ins väterliche Musik-Label fließen. "Mom" wanderte als treue Gattin in den Knast. Aus Imagegründen verzichtete "Daddy" darauf, seinem Eheweib im Frauenknast zu besuchen, sonnt sich stattdessen im Erfolg und lacht sich eine junge Geliebte an.

Drei Söhne – Hakeem, Jamal und Andre – hat der ehemalige Hip-Hop-Star und auf dem Rücken der Mutter zum Plattenindustrie-Mogul aufgestiegene Pate des Musikkonzerns "Empire" gezeugt. Der schwarze Patriarch, unheilbar an einer seltenen Nervenkrankheit erkrankt, hetzt die unterschiedlichen jungen Männer gegeneinander auf, um den Nachfolger für sein Erbe anhand eines zynischen Wettbewerbs zu bestimmen: "In order for it to survive, I need one of you negroes to man up and lead it."

Es bleibt spannend, inwieweit die deutsche Synchronisation dem authentischen Slang des amerikanischen Originals entsprechen wird. "Neger" ist im deutschen Sprachraum nicht grundlos als rassistisch verpönt. Doch anhand der Fülle an politisch unkorrekten Wörtern, dürften die Sirenen der Sprachpolizei ohnehin hysterisch als Dauerschleife aufheulen. "Küss meinen schwarzen Arsch" und "Schwuchtel" klingen in der Reihe verfemter Worte noch wie liebkosende Schmeicheleien.

"Niemals würde eine weiße Familie so zerrüttet dargestellt", kritisierten Bürgerrechtler das Soap-Format mit Musical-Anleihen. Falsch, meinen andere und verweisen zurecht auf die durch und durch verdorbenen weißen Familien in "Dallas", "Denver-Clan" oder "Falcon Crest". Die ließen in den Achtzigerjahren keine Schandtat über Kinder-, Waffen- und Drogenhandel bis hin zur Freiheitsberaubung und Mord aus. Untreue, Alkoholsucht und Gewalt gehörten zum guten Ton.

Sex, Drogen und schmalzig-kommerziger Hip Hop



Womit wir beim eigentlich Thema sind: Die Seifenoper erfüllt alle Anforderungen an Niedertracht, die eine gute Drama-Serie braucht, um es von unter neun Millionen Zuschauern der ersten Folge auf fast zwanzig Millionen Fans des bombastischen Staffel-Finales zu bringen. Prall gefüllt mit Sex, Drogen und schmalzig-kommerzigem Hip Hop bietet die Erfolgsserie "Empire" ein wunderbar unterhaltsames Kaleidoskop an haarsträubenden Klischees.

Catfights wie damals zwischen Alexis Morell Carrington Colby Dexter Rowan und Krystle Grant Jennings Carrington, nur noch viel rauer und unbarmherziger, befriedigen selbst den hinterwäldlerischsten Sesselfurzer. Eine schwer übergewichtige und wohl deshalb grundgute Assistentin gewinnt als trashig blondierte Schwulen-Gabi die Herzen des Vorstadt-Homophilen.

Als Gegenmodel zum wahren Helden und im wahrsten Sinne des Wortes warmen Bruder generiert auch das ständig saufende und vögelnde, dazu kiloschwere Goldketten mit sich herumschleppende Gör Hakeem als halbstarkes Popsternchen Sympathiepunkte beim pubertierenden Junghetero. Lediglich das älteste, nicht minder verzogene Papasöhnchen Andre bleibt im Schatten des schwarzen J.R.s der Serie irgendwie blass. Doch Liebhaber amerikanischer Fernseh-Formate können es förmlich riechen: Der schmierige Anzugträger überlebt entweder nicht lange oder aber steigt schon alsbald wie ein dunkelböser Phönix aus der Asche zum eiskalten Endgegner empor.

Billig gezeichnet sind die Charaktere aber nicht. Vordergründig zwar simpel gestrickt, spannt sich hinter den klischeebeladenen Figuren ein Spinnennetz aus verletzten Gefühlen und der Kampf ums nackte Überleben. Rache ist süß, das wussten bereits die alten Griechen, die der Welt das Genre des Dramas bescherten. "Empire" treibt das Ganze auf die Spitze. Die Kostüme, das aufwendige Setting und die hervorragende, teils oscarnominierte Besetzung machen "Empire" letztendlich zu dem, was es ist: saugut.

Ein überfälliger Gegenentwurf zur "Cosby Show"



Vor allem ist mit der Seifenoper aus der schwarzen Community ein lang erwarteter und längst überfälliger Gegenentwurf zur unsäglichen Sitcom "Bill Cosby Show" gelungen. Während Cosbys schwarze Bilderbuch-Familie sich höchstens darüber streitet, wer das Tischgebet aufsagen oder den Rest Vanille-Eis direkt aus der Verpackung essen darf, wird in "Empire" gemeuchelt, gelogen und gefickt, was das Zeug hält.

Das gereifte Supermodel Naomi Campbell als Knabenverführerin, auch das kredenzt "Empire" auf Seidenbetttüchern. Doch der wahre Superhero ist der sexuell nicht minder aktive Jamal (Jussie Smollett). Der kreative Muster-Gay ist so etwas wie der Bobby Ewing der Telenovela. Von der Mama, die seinen attraktiven Liebhaber als "den kleinen Mexikaner" zwar rassistisch beleidigt, aber ihn dennoch putzig findet, stets liebevoll als "Queen" und "Sissy" benannt, lüstert es auch Jamal nach Macht, Geld und Einfluss. Doch seine Gier und Skrupellosigkeit ist gerieben von einem guten Motiv: dem Kampf gegen Homophobie.

Dass sich Jamal dazu der Mitteln einer durch und durch heteronormativen Welt der Unterhaltungs-Industrie bedient, ist dabei dem unausweichlichen Schicksal geschuldet. Auch ein Machiavelli war schließlich nicht böse. Der Meister der Intrige wusste eben, dass der Zweck die Mittel heiligt.

Schwulsein in der schwarzen Community massenkompatibel aufbereitet

Jamal setzt auf Intelligenz, gibt sich bescheiden, trägt schlichte Jeans und T-Shirt, frönt der Monogamie, raucht kein Gras und weiß sich zu benehmen. Darüber könnte man jetzt lästern, die politische Frage, ob ein schwarzer Schwuler wie ein weißer, strebsamer Vorstadt-Nerd agieren muss, ist durchaus berechtigt. Die Antwort bietet jedoch die Rezeption der Serie. Im echten Leben hat die Show bereits etwas zum Guten verändert. Das Thema Schwulsein innerhalb der schwarzen Community ist massenkompatibel aufbereitet worden. Ein Tabu ist gebrochen.

Dicke Goldketten, kreisende Frauenärsche, fette Karren und übertrainierte Bauchmuskeln bestimmen das Bild der Erfolgsserie. Da schlagen deutsche, weiße Gymnasiasten sicherlich beide Hände über den Kopf zusammen, aber ich wette, spätestens nach der dritten Folge, tun sie es im Rhythmus von Timbalands perfekt produziertem Soundtrack.

Dieses Meisterwerk aus dem schwarzen Entertainment-Sektor ist ein Meilenstein. Schwarze Hauptdarsteller sind endlich auch auf der Mattscheibe wütend, unaufgeregt schwul, intrigant sowie erfrischend macht- und geldgeil. Das ist weder rassistisch noch sexistisch, sondern genau das Gegenteil. Lang lebe das schwule "Empire"!

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zur Serie
  Infos zur Serie
Ab dem 24. Juni zeigt ProSieben die Erfolgsserie "Empire" jeden Mittwoch ab 20:15 Uhr.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zu "Empire" auf der ProSieben-Homepage
Mehr zum Thema:
» Mehr schwul-lesbische TV-Tipps auf queer.de
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Tags: empire, prosieben
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Reaktionen zu ""Empire" auf ProSieben: "Küss meinen schwarzen Arsch""


 21 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
24.06.2015
13:14:15


(+3, 5 Votes)

Von seb1983
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Wer Dynasty mag wird Empire auch lieben.
Lässt sich aber auch locker in Englisch gucken.

Sex, Drogen, Gewalt, zerrüttete Familien, Schwule, das alles unter Schwarzen, und wer sendet sowas?
Natürlich FOX


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#2
24.06.2015
13:15:45


(+6, 8 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Anmerkung: Man darf das echt nicht in der deutschen Synchronisation gucken... "Negroes" als "Weicheier" zu übersetzen, wie erst jetzt soeben im Trailer entdeckt, ist arg behämmert.


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#3
24.06.2015
13:22:47


(+6, 8 Votes)

Von wundsalz
Antwort zu Kommentar #1 von seb1983


Hat Fox News nicht auch Je suis Charleston gesendet?


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#4
24.06.2015
13:55:17


(+4, 6 Votes)

Von seb1983
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Antwort zu Kommentar #2 von reiserobby


Ich gehöre nicht zu denen die Synchros generell verreißen alla es muss zu 110% genau so sein wie es erdacht wurde. Normalerweise passt es ja heute halbwegs und massive Verfremdungen wie es sie früher gab sind selten.
Lustigerweise ist mir genau die Stelle auch aufgefallen Vom Grundgedanken passt die Übersetzung hier ja trotzdem.

Teils bleibt mir aber auch nichts anderes übrig. Bei "House of cards" etwa komme ich beim Tempo, den Feinheiten über das politische System in den USA etc. auf Englisch einfach nicht mit und es geht zu viel verloren wenn keine Untertitel verfügbar sind.


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#5
24.06.2015
14:29:15


(+6, 10 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby
Antwort zu Kommentar #4 von seb1983


Üben, üben, üben... Dass in skandinavischen Ländern oder auch den Niederlanden Filme und Serien nicht synchronisiert werden, brachte dort weit mehr Vorteile als Nachteile für die Bevölkerung.


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#6
24.06.2015
14:42:08


(+2, 6 Votes)

Von seb1983
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Antwort zu Kommentar #5 von reiserobby


Bin grundsätzlich relativ fit in Englisch, hier bei Empire etwa kann ich zu 99% folgen und es ist gut verständlich. Two and a half men, Big bang Theorie oder How I met your mother ebenso.
Bei vielen Blockbuster Filmen wird ja ohnehin überraschend wenig gesprochen

Dass in vielen Ländern untertitelt wird und nicht synchronisiert ist tatsächlich ein großer Vorteil. Dabei sind mir dann englische Untertitel lieber als Deutsche, da muss man sonst erst lange suchen und hin und her übersetzen.


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#7
24.06.2015
16:08:25


(+4, 4 Votes)

Von seb1983
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Antwort zu Kommentar #3 von wundsalz


Fox hat eine ganz einfache und logische Grundlage für sein Programm:
Solange es Kohle einbringt, her damit.
Das dürfen dann auch rumvögelnde schwule schwarze Drogendealer sein wenn es Quote bringt

Einmal mehr kann man aber nur neidisch über den großen Teich blicken was da an innovativen, unterhaltsamen Serien produziert wird. Zugegeben steckt da auch eine große Menge Geld dahinter, aber man hat sich getraut.

Als kleines I Tüpfelchen gibts dann noch einen tollen schwulen Hauptcharakter oben drauf ohne daraus schon ein Drama an sich zu machen.


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#8
24.06.2015
16:19:28


(+1, 7 Votes)

Von Mattthias


auch wenn dem regisseur das wirklich passiert ist, hätte er so reflektiert sein müssen, nicht ein solches klischee wie mit den roten pumps zu reproduzieren im jahr 2014. nicht jeder schwule bub trägt die pumps der mutter auf, vielmehr suchen sich einige schon früh mann-role-models oder gucken die beueln durch die herrenunterwäsche im otto-katalog. daniels erinnerung impliziert wieder, schwule jungs wollten frauen sein.


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#9
24.06.2015
16:26:51


(+4, 6 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby
Antwort zu Kommentar #7 von seb1983


"Für die Folge Das 48-Stunden-Wunder (Same Time Next Year) der siebten Staffel wurde eine Handlung gedreht, in der Olivia mit einer Bart-Simpson-Maske in Heathcliffs Schlafzimmer kommt und mit den Worten Now cut that out! von diesem wieder hinausgeschickt wird. Dies war ein Seitenhieb gegen die Entscheidung des Konkurrenzsenders FOX, die Folgen von Die Simpsons ab der zweiten Staffel donnerstags zeitgleich mit Die Bill Cosby Show auszustrahlen.[2][3] Der damit einhergehende Zuschauerschwund führte zwei Jahre später zur Einstellung der Serie.[4]"

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Die_Bill_Cosby_Show


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#10
24.06.2015
18:03:45


(-2, 2 Votes)

Von Patroklos
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Lief die Soap nicht auch auf Netflix?


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