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  • 25.06.2015, 10:23h           3      Teilen:   |

Doppel-Ausstellung in Berlin

"Homosexualität_en": Vom griechischen Adonis bis zum Mösenmobil

Artikelbild
Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Mittwoch vor dem eigenwilligen Plakat der Ausstellung - es hängt an vielen Stellen der Hauptstadt und greift eine Arbeit der US-Künstlerin Heather Cassils auf (Bild: Norbert Blech)

Das Deutsche Historische Museum und das Schwule Museum* zelebrieren mit einer beeindruckenden Doppel-Ausstellung queere Geschichte – der Besuch sollte Pflichtprogramm sein!

Von Norbert Blech

Es ist eine historische Ausstellung, die heute in Berlin eröffnet wird und am Mittwoch im Beisein von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vorab der Presse vorgeführt wurde: Das bedeutende Deutsche Historische Museum (DHM), eine staatliche Stiftung mit prominentem Sitz im Zeughaus Unter den Linden, und das kleine Schwule Museum*, 1985 als Privatinitiative in Kreuzberg entstanden, wagen eine gemeinsame Ausstellung über "Homosexualität_en".



Über 700 Exponate wurden in gut vier Jahren Vorbereitungszeit zusammengetragen und auf rund 1.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche verteilt. Die Doppelausstellung, die bis Anfang Dezember zu besichtigen sein wird, erzählt von rund 150 bewegten Jahren in den Bereichen Politik, Recht, Wissenschaft und Kultur, von Repression und Emanzipation, vom Aufweichen von Geschlechterrollen und dem selbstbewussteren Auftreten unterschiedlicher Geschlechtsidentäten.

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Ein queeres ABC der Geschichte

Die Hauptausstellung ist aufgeteilt in mehrere Bereiche und stellt zunächst mehrere Personen in Videos und Gemälden vor. Es folgt eine klassische Galerie mit Zeichnungen aus der Antike, "Homoerotik in der Kunst" aus rund 70 Jahren oder Postkarten von wilhelminischen "Damen-Imitatoren".



Sehr unterhaltsam ist eine Art ABC der Geschichte, die das komplizierte (Beethovenhalle) und heute unbegreifliche (Zeitungsberichte über den "Hexenprozess" in Itzehoe oder auch die Hamburger Klappenspiegel-Affäre) gekonnt arrangiert mit dem unterhaltsamen: Auf den Aspekt "Demo" folgt der "Dildo". Ein schwuler Karnevalsfummel fehlt ebensowenig wie das "Mösenmobil" des Berliner CSD 1998 oder eine echte Klappen-Tür. Neben einigem anderem Gekritzel steht auf ihr "Aids" geschrieben – eine andere Wand zeigt diverse Cruising-Packs.

Karl Heinrich Ulrichs trifft auf Judith Butler



Auch die Anfänge der Bewegung sind vorhanden: Die erste handschriftliche Erwähnung des Wortes "homosexual" in einem Brief des Schriftstellers Karl Maria Kertbeny aus dem Jahr 1868 etwa. Natürlich Werke von Karl Heinrich Ulrichs und Magnus Hirschfeld. Sie teilen sich einen Raum mit einem Elektroschockgerät (Siemens, 1951) und Thesen von Judith Butler und vielen vor allem textlichen Exponaten zu Trans- und Intersexualität. Viele Eindrücke auf einmal, für den unerfahrenen Besucher nur bedingt erklärend.



Ein eigener Bereich zur strafrechtlichen Verfolgung

Aber dann wird es noch deutlich ernster und erklärender: Eine Abteilung zur strafrechtlichen Verfolgung samt der Frage der Denunziation, mit Weltkarten ebenso wie mit persönlichen Geschichten von Alan Turing oder Oscar Wilde lässt einen innehalten. Hier werde der Besucher "wachgerüttelt", meint Prof. Dr. Alexander Koch, der Präsident des DHM. "Feuertod" war im ersten deutschen Strafgesetzbuch von 1532 für Handlungen "wider die Natur" vorgesehen, in manchen Ländern droht noch immer der Tod.



Penibel wird auch festgehalten, wie sich in Deutschland der Focus vom Abbau der strafrechtlichen Verfolgung hin zur rechtlichen Gleichstellung verschob. Auf das (L)SVD-Plakat zur "Aktion Standesamt" aus dem Jahr 1992 folgt die Postkarte "Toleranz ja, Ehe 'nein'" der CDU aus dem Jahr 2001. Vierzehn Jahre später scheint man da nicht weiter.

Für das Wachrütteln sorgen auch Hörecken mit allerlei vertonten Vorurteilen und Volksverhetzungen über LGBT – und natürlich ein Raum zum Paragrafen 175, der vielleicht etwas mehr Platz hätte einnehmen können.



Für den Besuch sollte man Zeit einplanen

Man sollte schon Zeit einplanen für diese Ausstellung, Eindrücke samt ihrer Begleittexte auf sich wirken lassen, Verbindungen der Exponate untereinander und zu einem selbst suchen. Das Konzept, verschiedene Themen immer wieder auftauchen zu lassen und alles primär nach der Gestaltungsform und ganz selten chronologisch zu sortieren, überzeugt letztlich.

Ein wenig verwirrt ist man dann allerdings von der Begleitausstellung im Schwulen Museum*, die kaum auf historische Bezüge eingeht (die Dauerausstellung ist nach dem Umzug in den Stadtteil Tiergarten noch nicht eröffnet). Körper stehen hier im Mittelpunkt: Nackte Menschen in der Männersauna umringen einem bei einer Videoinstallation, ein Lesbenporno grüßt großflächig im Eingang, dazu gibt es Zeichnungen mit vielen Erektionen.



Und, wenn man zur richtigen Zufallszeit des jeweiligen Tages vor Ort ist, trifft man auf einen Live-"Gogo-Tänzer in silbernen Shorts mit Sony-Walkman". Er tanzt auf einer "Plattform" aus "Holz, Glühlampen, Acryl und Elektrokabel", wie das Begleitschild penibel vermerkt. Wie auch: "Schenkung der Galerie Hans Mayer, Düsseldorf". Nach den Eindrücken aus dem Deutschen Historischen Museum wirkt dies eher albern.

LGBT-Aktivisten erzählen von ihren Wünschen

Ein Raum mit Sitzen und Videoscreens immerhin lädt zum Verweilen, auch Plaudern mit den übrigen Besuchern ein: Auf den Screens erzählen LGBT-Aktivisten von ihren Wünschen und Vorstellungen.



Im Schwulen Museum* findet sich so der eigentliche Kunstteil der Ausstellung, mein queeres Auge quasi, zugleich das internationalere und aktuellere Pendant zur DHM-Schau. Richtig zusammen passt das nur begrenzt, muss es aber auch nicht. Man wolle mit beiden Ausstellungen ein Bewusstsein für die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Lebensweisen schaffen, sagte Dr. Bigit Bosold vom Schwulen Museum*. Das gelingt sicher für den Durchschnitts-Hetero-Besucher. Und für queere Berliner und Hauptstadt-Besucher sollte "Homosexualität_en" Pflichtprogramm sein!



Beide Ausstellungen sind von Freitag bis zum 1. Dezember täglich besuchbar, mit je 7,50 oder 8 Euro Eintritt und zwei Euro Rabatt auf die jeweils andere Ausstellung. Das DHM hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, das Schwule Museum* außer dienstags täglich von 14 bis 18 Uhr (Do. 20 Uhr, Sa. 19 Uhr).

Gruppen und Schulklassen können Führungen und Geschichtswerkstätten buchen. Mehrere Podiumsdiskussionen und Vorträge sowie eine LGBT-Filmreihe im Zeughauskino runden das Programm ab; ein reich bebilderter Katalog ist auf Deutsch und Englisch verfügbar. Gefördert wurden beide Ausstellungen von den Kulturstiftungen der Länder und des Bundes.

Links zum Thema:
» Webseite der Ausstellung im DHM
» Ausstellung auf der Webseite des Schwulen Museums
» Der Katalog zur Ausstellung bei amazon
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Tags: schwules museum, deutsches historisches museum, berlin, ausstellung, geschichte
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Reaktionen zu ""Homosexualität_en": Vom griechischen Adonis bis zum Mösenmobil"


 3 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
25.06.2015
16:43:33


(+3, 3 Votes)

Von CarstenFfm
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Klingt interessant.

Allerdings: fast nur Frauen als Kuratorinnen, mehrere Lesben- und Feminismus-Archive als Quellen (siehe Link zu schwulen Museum), das stimmt mich allerdings ehr skeptisch.

Da muss ich gleich an diese ehr schwache Pornoaustellung - mit Lesbenquote im - Schwulen Museum vor ein paar Monaten denken...

Vielleicht orientieren sie sich ja an der alten Daueraustellung vom Schwulen Museum am Mehringdamm, die war sehr gut.

Na mal hingehen und anschauen, dann eine Meinung bilden.


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#2
25.06.2015
21:21:55


(+4, 4 Votes)

Von einmischen
Aus Berlin
Mitglied seit 20.09.2013


Die Ausstellung im DHM ist ein Sammelsurium von teilweise sehr interessanten Exponaten. Einen roten Faden sucht man vergebens. Geht es nun um Transsexualität oder Gender (diesen Themen wird ein sehr breiter Raum gegeben) oder um Homosexualität, wie der Titel der Ausstellung verspricht? Aber schon das Ausstellungsplakat zeigt ja schon, dass hier Homosexualität und Transsexualität in einen Topf geworfen wird, aus dem aber kein guter Eintopf wird. Nur am Rande sei erwähnt, dass Beschriftungen der Exponate teils ganz fehlen, teils 20cm über dem Fußboden zu finden sind. Das ist altersdiskriminerend.


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#3
25.06.2015
23:33:44


(-1, 3 Votes)

Von Colin


Konnten die nicht gleich Brüno fürs Plakat fotografieren?? ^^

Sowas wäre modern:

Bild-Link:
8cc40df0gw1eh5l1d8bz5j20990dw75c.jpg


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