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  • 25.06.2015, 20:38h           10      Teilen:   |

"Das Gezeiten – Der Film"

Die Geschichte einer lesbischen Institution

Artikelbild
Im Jahr 2013 blieben die Rolladen für immer unten: Die Doku über das Kölner Restaurant "Gezeiten" hat am Freitag, den 26. Juni im Filmforum NRW Weltpremiere (siehe Kasten unten)

Vor gut zwei Jahren schloss das bei Lesben beliebte Kölner Restaurant "Gezeiten" seine Pforten für immer. Eine neue Doku blickt zurück auf 14 Jahre.

Von Jan Gebauer

Und der letzte macht das Licht aus oder nimmt die Tageskarte aus dem Schaukasten: Als das Restaurant "Gezeiten" im Mai 2013 endgültig seine Pforten schloss, hatte die Besitzerin Inci Edge gut 14 Jahre auf der Balthasarstraße in der Kölner Nordstadt für das leibliche Wort ihrer Gäste gesorgt. Im Dokumentarfilm von Maren Elbrechtz, selbst für kurze Zeit Kellnerin im "Gezeiten", kommt die Ex-Wirtin noch einmal zu Wort und blickt auf eine spannende Zeit zurück.

"Das 'Gezeiten' aufzumachen war schon mutig", meint Inci Edge, wenn sie an die Eröffnung ihres Restaurants im Jahre 1999 zurückdenkt. Das Angebot für Lesben war damals nicht gerade üppig in der Szene. Gemeinhin galten die Damen schon damals als weniger ausgeh- und vor allen Dingen ausgabefreudig als ihre schwulen Szenebrüder. Die Historikerin Irene Franken vom Kölner Frauengeschichtsverein bestätigt diese These im Rahmen der Dokumentation und unterstreicht, dass insbesondere Lesben in Beziehungen lieber daheim bleiben, statt sich auf Partys oder in der Kneipe um die Ecke zu vergnügen.

Fortsetzung nach Anzeige


Überrannt vom lesbischen Publikum

Das "Gezeiten" war eine der wenigen Gastronomien Kölns, die von einer Frau für Frauen (aber nicht nur) geführt wurde
Das "Gezeiten" war eine der wenigen Gastronomien Kölns, die von einer Frau für Frauen (aber nicht nur) geführt wurde

Doch Inci Edge sollte gerade in den ersten Jahren eines besseren belehrt werden. Das "Gezeiten", das grundsätzlich nicht rein lesbisch gedacht war, wurde fast überrannt vom weiblichen Publikum. Die in der Doku verarbeiteten Interviews mit dem ehemaligen Personal und einigen langjährigen Gästen geben einen Eindruck von den vielen Veranstaltungen, die das "Gezeiten" zu mehr als einem normalen Restaurant oder einer profanen Eckkneipe machten.

Von Karneval bis hin zum Tanz in den Mai, aber auch Fußball-Happenings und "Tatort" im großen Saal – das Gezeiten bot vielen lesbischen Frauen eine geeignete Location, um sich ganz ungezwungen zu treffen und vielleicht kennen zu lernen. Das war zum Millennium durchaus ein Novum, denn die von vielen heute gelebte Offenheit war seinerzeit noch nicht selbstverständlich. Irene Franken ist sich daher sicher, dass Inci Edge mit dem "Gezeiten" im Kleinen viel bewirkt hat.

Die 14 Jahre im Gezeiten waren wahrlich kein Zuckerschlecken für die Wirtin, denn trotz des treuen Publikums konnte Inci Edge nie Rücklagen bilden: "Finanziell war es eine sehr schwierige Zeit." Ein Umstand, von dem auch viele schwule Kneipen- und Clubbesitzer ein Lied singen können, denn in den späten 1990er Jahren trat schließlich auch das Internet seinen Siegeszug an. Das Ausgehverhalten änderte sich dramatisch. Viele Lesben verabredeten sich ähnlich wie Schwule lieber online, anstatt in einer Kneipe "auf die Jagd zu gehen".

Finanzkrise und Nichtraucherschutzgesetz

Die Finanzkrise ab 2007 setzte der Gastronomie zusätzlich zu: Geiz war plötzlich "geil" und man traf sich entweder gleich daheim oder im Sommer auf der Wiese. Die Nichtraucherschutzgesetze taten ihr Übriges. Gerade ein jüngeres Publikum blieb dem "Gezeiten" so über die Jahre fern.

Als Inci Edge ihren geliebten Laden im Frühjahr 2013 schloss, war das dennoch weniger eine traurige Pflicht als eine Befreiung für sie. Die Gastronomin hatte die Entscheidung über Monate hinweg sorgfältig getroffen.

Die vielen kleinen und großen Geschichten des "Gezeiten", dem vielleicht letzten Angebot für Lesben abseits der Partyszene, bleiben. Doch wie in dem alten, unsterblichen Kölner Schlager "Niemals geht man so ganz" von Trude Herr besungen, sind auch das "Gezeiten" und sein Team nicht gänzlich verschwunden. Einmal im Jahr zum Christopher Street Day lebt die Location auf dem Kölner Heumarkt für drei Tage wieder auf. Dann zapfen Inci Edge und Kollegen noch einmal an einem eigenen Stand Kölsch und Co. Auch 2015!

Youtube | Offizieller Trailer zum Film
  Infos zum Film
Das Gezeiten – Der Film. Dokumentation. Deutschland 2015. Buch und Regie: Maren Elbrechtz. Kamera: Alexandra Schnell und Phil C. Engel. Schnitt: Karola Keller, Daniel Quack und Siggi Hombach. Laufzeit: ca. 63 Minuten. Weltpremiere am Freitag, den 26. Juni um 20:15 Uhr im Filmforum NRW in Köln, Eintritt: 7 € + ein Freigetränk (Softgetränk/Bier)
Links zum Thema:
» Fanpage zum Film auf Facebook
» phenomenelle.de über das Ende des "Gezeiten"
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Tags: gezeiten, köln, lesbenbar
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Reaktionen zu "Die Geschichte einer lesbischen Institution"


 10 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
25.06.2015
21:30:41


(0, 6 Votes)

Von Argumentation


"Die Nichtraucherschutzgesetze taten ihr Übriges."

Sorry, aber diese Argumentation bringen Gastronomen gerne, weil es so eine vermeintlich einfache Erklärung ist und so die anderen schuld sind.

Fakt ist doch:
es gibt tausende Kneipen, Restaurants, Cafes, etc. die keinerlei Einbußen dadurch haben. Oder ich kenne sogar mehrere Gastronomen, die nach dem Nichtraucherschutzgesetz mehr Einnahmen als vorher haben, weil jetzt viele Gäste kommen, die vorher nicht kamen.

Und umgekehrt ist es ja auch nicht so, dass Raucher jetzt nicht mehr rausgehen. Die gehen dann halt kurz zum Rauchen raus oder verzichten auch mal auf eine Zigarette.

Wenn jemand zufällig im Zeitraum der Gesetzeseinführung dicht machen musste, steckt bei genauerem Hinsehen immer was anderes dahinter.

Seien es andere Schwächen, neue attraktivere Konkurrenten, gestiegene Preise, neues unfreundliches Personal oder was auch immer.... Oder ich kenne z.B. auch viele Schwule und Lesben, die heute öfter in Hetero-Gaststätten gehen, weil heute die Akzeptanz viel größer ist und man keine Ghettos mehr will.

Schon lange vor den Rauchverboten sind genauso viele Kneipen geschlossen worden wie danach. Und so wird es immer weiter gehen: Gaststätten schließen, andere öffnen, und wo weiter...


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#2
26.06.2015
10:37:55


(+2, 6 Votes)

Von Freeyourgender
Aus Würzburg (Bayern)
Mitglied seit 08.10.2014


Möchte mich für diesen emotionalen und gut getroffenen Artikel bedanken.

Es gibt viel zu wenig Kneipen und Locations für LGBT, wenn eine schließt ist das immer ein Verlust.

LGBT brauchen Räume, in denen sie, vor allem wenn sie unsicher sind, 100% Akzeptanz erwarten können und bekommen, desshalb sind Locations für LGBT so wichtig.


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#3
26.06.2015
14:44:41


(0, 6 Votes)

Von ehemaligem User Defragmentierung
Antwort zu Kommentar #1 von Argumentation


Also ich wohne in einem Kiez mit SEHR vielen Kneipen und Bars. Die, in denen man nicht rauchen darf sind gähnend leer, machen oder machten pleite, wohingegen die Raucherläden bums voll sind.

Ist auch eigentlich logisch, denn Ausgehen, Party und Spaß sind mit Calvinismus nicht so kompatibel.


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#4
26.06.2015
19:21:48


(+5, 7 Votes)

Von Chubby
Antwort zu Kommentar #2 von Freeyourgender


"LGBT brauchen Räume, in denen sie, vor allem wenn sie unsicher sind, 100% Akzeptanz erwarten können und bekommen, desshalb sind Locations für LGBT so wichtig."

Wenn das mal so wäre, wäre das ja toll.

Aber so ist es leider nicht.

Als ich mich als 20-jähriger, korpulenter Schwuler das erste mal in eine Schwulenbar traute und hoffte, dort nach Jahren des Mobbings in der Schule endlich echte Freunde zu finden, habe ich da fast mehr Mobbing erlebt als in der Schule.

Ich habe bei manchen Heteros mehr Solidarität erfahren als bei vielen Schwulen.

Das Gerede von "gschützem Raum", "Community", etc. ist alles nettes Gerede. Aber es hat leider mit der Realität nicht viel zu tun. Zumindest nicht für diejenigen, die nicht dem Schönheitsideal entsprechen.


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#5
26.06.2015
20:39:02


(+1, 5 Votes)

Von Nichtraucher
Antwort zu Kommentar #3 von Defragmentierung


Was hat es mit Calvinismus zu tun, wenn man nicht zum Mitrauchen gezwungen werden will? Oder alternativ zuhause hocken muss?

Niemand verlangt, dass Raucher das Rauchen aufgeben. Nur sollen sie halt nicht andere zum Mitrauchen zwingen.


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#6
27.06.2015
05:09:32


(-1, 3 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013
Antwort zu Kommentar #5 von Nichtraucher


Hmm...eine weitere Alternative gab es ja schon immer. Einfach eigene Nichtraucherkneipen eröffnen.


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#7
27.06.2015
13:10:21


(-2, 2 Votes)

Von seb1983
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Antwort zu Kommentar #3 von Defragmentierung


Seit nicht mehr geraucht werden darf ist es für mich eine Befreiung in vielen Kneipen und Clubs.

Selbst wenn ich wenig getrunken habe, ein dicker Kopf war mir am nächsten morgen oft sicher und die Klamotten sind im Flur geblieben vor Gestank.
Grade in der Szene wurde gequalmt bis zum geht nicht mehr.

Der Raucheranteil, grade bei Jugendlichen, geht seit Jahren zurück, inzwischen sind 75% der Bevölkerung Nichtraucher.

Allerdings würde ich tendenziell zustimmen dass Raucherkneipen wohl voller sind da Raucher generell weniger auf ihre Gesundheit achten, und da passt Bier und Currywurst eben besser als abends noch ne Runde Sport zu treiben.


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#8
27.06.2015
13:33:39


(0, 2 Votes)

Von TheDad
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Antwort zu Kommentar #7 von seb1983


Zum "Sport treiben" geht man in die Mucki-Bude oder einen Verein, und nicht in die Szene..


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#9
27.06.2015
13:50:32


(-2, 2 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #8 von TheDad


Und deshalb sammeln sich die Raucher in den Raucherkneipen während die Nichtraucher im Fitness und im Sportverein sind. Hat mit Szene oder nichts erstmal nichts zu tun, wobei ich den Raucheranteil bei Schwulen als höher einschätze.


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#10
27.06.2015
19:42:53


(+1, 1 Vote)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #9 von seb1983


""Und deshalb sammeln sich die Raucher in den Raucherkneipen während die Nichtraucher im Fitness und im Sportverein sind. ""..

Impliziert nun dass die Schwulen Nichtraucher gar nicht in der Szene verkehren..

Wozu dann noch Nichtraucher-Kneipen ?


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