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  • 30.06.2015, 05:54h               Teilen:   |

Melodram mit Clemens Schick

"Futuro Beach": Verloren, verliebt, verdrängt

Artikelbild
Intime Gespräche am Frühstückstisch: der Deutsche Konrad (Clemens Schick, re.) und der Brasilianer Donato (Wagner Moura) lernen sich in Fortaleza kennen und ziehen gemeinsam nach Berlin (Bild: Pro-Fun)

Jetzt auf DVD: In "Futuro Beach" verliebt sich ein Rettungsschwimmer in einen Touristen und zieht der Liebe wegen vom sonnigen Brasilien in ein gespenstisch-graues Berlin.

Von Carsten Moll

"Futuro Beach" ist ein Film, der ohne Luft zu holen losstürmt: Zum kraftvoll pumpenden Sound des Suicide-Songs "Ghost Rider" düsen zwei Motorradfahrer über die weite Strandlandschaft an der brasilianischen Atlantikküste. Hier, am Praia do Futuro, dem titelgebenden Strand der Zukunft, scheint alles Energie zu sein, die Wellen, der Wind und die Maschinen. Ein Halten gibt es auch für die beiden Männer auf ihren Motorrädern nicht, immer weiter treibt es sie, runter von den Maschinen, raus aus den Klamotten und dann im Spurt hinein in den endlosen Ozean.

Es folgt ein harter Schnitt, der dem ungezügelten Drang nach Vorne ein abruptes Ende setzt: Der Soundtrack verstummt und mit ihm erlahmt die Bewegung zu einem hilflosen Zappeln, das nach und nach erstirbt – einer der Motorradfahrer ertrinkt im Meer, das schlagartig noch uferloser erscheint als zuvor. Der leblose Körper des Mannes wird schließlich von der Strömung davon getrieben, es bleibt nur ein vom Wasser getrübter Blick auf seine Leiche.

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Übermütige Melodramatik und ernüchternder Realismus

Sieben Monate nach dem Kinostart von "Praia do Futuro" hat Pro-Fun den Film unter dem englischen Titel "Futuro Beach" auf DVD veröffentlicht
Sieben Monate nach dem Kinostart von "Praia do Futuro" hat Pro-Fun den Film unter dem englischen Titel "Futuro Beach" auf DVD veröffentlicht

Mit dieser traumatischen Exposition beginnt Karim Aïnouz' Drama "Futuro Beach" und führt gleich eindrucksvoll vor, welcher Rhythmus seinen Spielfim bestimmt. Denn das Taumeln zwischen übermütiger, kraftvoller Melodramatik und ernüchterndem Realismus zieht sich als Prinzip durch den gesamten Film, wenn auch nicht so bis ins Extrem ausgespielt wie in der beeindruckenden Einleitung.

Der Film erzählt von dem Deutschen Konrad (Clemens Schick), der seinen Freund bei der gemeinsamen Reise durch Südamerika verliert. Er selber kann aus den reißenden Fluten des Atlantiks geborgen werden, sein Leben verdankt er dem Rettungsschwimmer Donato (Wagner Moura).

Konrads und Donatos gemeinsame Suche nach dem Leichnam des Ertrunkenen gerät dabei zugunsten einer schwulen Liebesgeschichte rasch in den Hintergrund – vom ersten Aufeinandertreffen der beiden Männer bis zu deren Fick im Auto braucht es nur einen schnellen Schnitt. Beinahe ebenso plötzlich springt die Geschichte im zweiten Akt vom sonnigen Brasilien nach Berlin, das Kameramann Ali Oya Gözkaya in gespenstisch-grauen Bildern einfängt.

Alltag einer schwulen Beziehung in Berlin

In der deutschen Metropole kommt dem Melodram – auf das sich "Praia do Futuro" vom Inhalt her herunterbrechen ließe und das Aïnouz mit der Inszenierung von symbolisch aufgeladenen Seelenlandschaften durchaus bedient – die Alltäglichkeit einer schwulen Beziehung in die Quere. Der tote Freund spukt nach wie vor in Konrads Kopf herum und allerlei unbewältigte Konflikte plagen sowohl den Deutschen als auch seinen neuen Freund Donato, der sich fernab vom Strand der Zukunft fremd fühlt.

Doch das große Drama wirkt wie verschluckt und hallt nur unter der Oberfläche noch leise nach. Exzesse und überlebensgroße Emotionen weichen der unaufgeregten und realistischen Beobachtung einer schwulen Liebe zwischen durchgetanzten Clubnächten und intimen Gesprächen am Frühstückstisch.

Das erinnert mit seinem post-emazipatorischen Gestus und den betont beiläufig vor der Kamera baumelnden Penissen an schwule Filmemacher wie Ira Sachs ("Keep the Lights On", 2012), Andrew Haigh ("Weekend", 2011) und Travis Mathews ("I Want Your Love", 2012), die das queere Kino in den letzten Jahren entscheiden geprägt haben.

Ein kunstvoller Film mit ganz eigenem Rhythmus

Doch mit dem dritten und letzten Akt kehrt "Futuro Beach" dem schwulen Neorealismus wieder den Rücken und buchstabiert das angedeutete Melodram doch noch aus: Donatos Bruder Ayrton (Jesuíta Barbosa) taucht in Berlin auf und konfrontiert den älteren Bruder, der die Familie vor Jahren einfach verlassen und den Kontakt abgebrochen hat, mit seiner Vergangenheit. Die Schauplätze werden zum Finale hin noch einmal expressiver, die Dialoge metaphernschwer und ein durch Donatos gelebte Homosexualität bedingter Konflikt tritt zutage.

"Futuro Beach" ist ein kunstvoller Film, der von einem ganz eigenen, mitreißenden Rhythmus beherrscht wird. Trotz einer dichten Atmosphäre kann Karim Aïnouz' Drama dennoch nicht zu hundert Prozent überzeugen: Durch die fragmentarische und sprunghafte Erzählweise, die manche Fragen offen lässt, wirken sowohl Handlung als auch Figurenzeichnung bisweilen etwas forciert.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
  Infos zur DVD
Futuro Beach (Originaltitel: Praia do Futuro). Spielfilm. Brasilien/Deutschland 2014. Regie: Karim Aïnouz. Darsteller: Clemens Schick, Wagner Moura, Jesuita Barbosa. Laufzeit: 102 Minuten. Sprache: portugiesisch-deutsche Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Pro-Fun Media
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur DVD und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Die DVD bei Pro-Fun bestellen
» Homepage zum Film
» Fanpage auf Facebook
Mehr zum Thema:
» Filmkritik: Zwei schwule Männer auf der Suche nach der Zukunft (03.10.2014)
» Clemens Schick outet sich als schwul (23.09.2014)
Galerie
Praia do Futuro

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Tags: futuro beach, pro fun, clemens schick, praia do futuro, karim aïnouz, dvd, brasilien
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