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  • 30.06.2015, 11:36h           1      Teilen:   |

Jugenddrama mit Christina Ricci

"Around the Block": Die bisexuelle Lehrerin und der Aborigine-Junge

Artikelbild
Die junge Lehrerin Dino Chalmers (Christina Ricci) begeistert ihren oft schwänzenden Schüler Liam (Hunter Page-Lochard) für Shakespeare (Bild: Edition Salzgeber)

In der australischen Turntable-Tragödie von Sarah Spillane, die zwei Monate nach der L-Filmnacht auf DVD vorliegt, geht es um Hamlet, Hiphop und Hoffnung.

Von Carsten Moll

Als die junge Lehrerin Dino Chalmers (Christina Ricci) eine Stelle an einer Highschool in Sydneys Problembezirk Redfern antritt, steht die Schule bereits kurz vor dem Aus: Das Geld ist knapp, die Kollegen sind unmotiviert und ein Großteil der Schüler mit indigenen Wurzeln taucht gar nicht erst zum Unterricht auf. Mit ihrem idealistischen Engagement stößt die bisexuelle US-Amerikanerin Dino hier nur auf wenig Verständnis – selbst der Schulleiter Mr. O'Donnell empfiehlt ihr, einfach ein wenig Spaß zu haben, solange die Schule noch nicht geschlossen wurde.

Nichtsdestotrotz macht sich Dino an die Arbeit und beginnt ein ehrgeiziges Projekt: Gemeinsam mit den Schülern der 11. Jahrgangsstufe, die beinahe ausschließlich aus Aborigine- und Maori-Familien stammen, will sie ausgerechnet William Shakespeares Klassiker "Hamlet" auf die Bühne bringen. Gegen den Unmut der Jugendlichen und allen Vorurteilen ihrer Kollegen zum Trotz setzt sich Dino schließlich durch und kann sogar den notorischen Schulschwänzer Liam (Hunter Page-Lochard) für die Rolle des dänischen Prinzen gewinnen.

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"Hamlet" als persönliches Rachedrama

Der 16-jährige Aborigine erkennt schnell, dass das mehr als 400 Jahre alte Theaterstück mehr mit seinem Leben zu tun hat als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Bald findet sich der Junge aus schwierigen Verhältnissen zudem in seinem ganz persönlichen Rachedrama wieder, das aus den Shakespeare-Versen blutige Realität werden lässt. Aber auch in Dinos Privatleben gibt es einige Dramatik: So beschließt sie etwa, ihre Beziehung zur Deli-Verkäuferin Kate (Andrea Demetriades) wieder aufzuwärmen.

Wenn Sarah Spillane in einer Szene zeigt, wie die Lehrerschaft der heruntergekommenen Highschool darüber abstimmt, ob die Schule sich mit einem Football-Spiel oder der "Hamlet"-Aufführung während eines Aborigine-Feiertags der Öffentlichkeit präsentieren soll, lässt sich das als augenzwinkernder Kommentar lesen: Die Regisseurin und Drehbuchautorin lässt hier durchscheinen, dass sie die Konventionen des Genres, das sie selbst bedient, und all die anderen Filme, in denen weiße Retter sozial Benachteiligten wahlweise mit Sport oder Kultur zur Hilfe eilen, durchaus kennt.

Die Selbstreflektion führt in "Around the Block" allerdings nicht zum Bruch mit den vertrauten Klischees, Spillane inszeniert ihren Spielfilm selbstbewusst innerhalb der engen sowie altbekannten Grenzen des Genrefilms. So mancher Kritiker sah in dem australischen Jugenddrama daher auch nicht mehr als einen überflüssigen Abklatsch der US-amerikanischen Vorbilder von "Dangerous Minds" (1996) über "Music of the Heart" (1999) bis hin zu "The Blind Side" (2009).

Zwischen Didgeridoo und Hip-Hop

So wie die Schüler sich im Film Shakespeares Tragödie zu eigen machen und darin Tupac-Reime genau wie indigene Traditionen entdecken, so lässt sich allerdings auch "Around the Block" als eine Art der Aneignung begreifen. Mag das filmische Korsett auch stur dem Hollywood-Kino nachempfunden sein, so gewährt Spillane doch ebenso selten gesehene Einblicke in entschieden australische Lebenswelten.

Die Regisseurin zeigt etwa nicht bloß den unverhohlenen Machismo nach Ozzie-Manier, sondern porträtiert den jugendlichen Protagonisten darüber hinaus als Stellvertreter einer modernen, vom Stadtleben geprägten Generation von Aborigines – eine seltene wie lobenswerte Ausnahme, wo die australischen Ureinwohner meist in historisierenden Kontexten samt Didgeridoo und Outback-Dasein repräsentiert werden.

Das Didgeridoo ist zwar auch in "Around the Block" zu hören, aber es ist der Hip-Hop, der den Sound und die Ästhetik des Films am meisten prägt. Graffiti, Breakdance und Rap sind allgegenwärtig – und Sarah Spillanes Hantieren mit allerlei filmischen und kulturellen Versatzstücken lässt sich selbst als Sampling beschreiben.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
Youtube | Wegen dieser Szene mit Ruby Rose gilt "Around the Block" als lesbischer Kultfilm
  Infos zur DVD
Around the Block. Australien/USA 2013. Regie: Sarah Spillane. Darsteller: Christina Ricci, Hunter Page-Lochard, Mark Coles Smith, Jack Thompson, Daniel Henshall, Madeleine Madden, Ruby Rose. Laufzeit: 104 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch. FSK 12. Edition Salzgeber
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur DVD und Bestellmöglichkeit bei Amazon
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Around the Block

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Service: | pdf | mailen
Tags: around the block, sarah spillane, edition salzgeber, christina ricci, aborigines, australien, shakesspeare, hamlet
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Reaktionen zu ""Around the Block": Die bisexuelle Lehrerin und der Aborigine-Junge"


 1 User-Kommentar
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Die ersten:   
#1
30.06.2015
17:51:54


(-2, 2 Votes)

Von Patroklos
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Christina Ricci kann alles spielen: Addams-Family, Sleepy Hollow... Eine tolle Frau!


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