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  • 16. Februar 2005, noch kein Kommentar

Ihr neues Album ist ein Hit - die Schwulen-Ikone Nancy Sinatra sprach mit queer.de über ihr grandioses Comeback.

Von Jan Gebauer

Wer kennt nicht Nancy Sinatras Sixties-Klassiker "These Boots Are Made For Walkin'", der 1966 weltweit auf Platz eins der Charts stand - trotz des latent sexuellen Hintergrunds. Jetzt feiert die Tochter des legendären Frank Sinatra ein ungeahntes Comeback mit ihrem neuen Album. Darauf wird sie von der Crème de la Crème der aktuellen Rock-Szene unterstützt: Morrissey, Pulp-Frontmann Jarvis Cocker, U2's Bono, Peter Yorn, Jon Spencer. Im Gespräch mit queer.de verriet die Sinatra, dass die schwulen Fans ihr auch in den mageren Jahren stets die Treue hielten und sie deshalb in den USA als "gay icon" schlechthin gilt.

2002 wurden Sie als Schwulen-Ikone im Rahmen des San Francisco Gay Prides gefeiert.

Ich erinnere mich sehr genau, weil es so großartig war. Wir hatten am Vortag eine große Show in einem Nachtclub gehabt. Danach machten wir noch eine andere Show - eine riesige Privatparty mit verrückten Typen die zu "These Boots Are Made For Walkin'" tanzten und ich nur noch auf die Bühne kommen musste, um zu singen. Am nächsten Morgen bin ich dann in einem Auto sitzend auf der Parade mitgefahren. Fast eine Millionen Zuschauer kamen an diesem Tag, um den Zug zu bewundern. Das war eine unvergessliche Sache.

Haben Sie noch bei anderen Gay-Prides mitgemacht?

Ja, bei einigen. 2002 zum Beispiel bei der Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender Pride Parade & Celebration in West Hollywood. Die war auch sehr groß, bunt und beeindruckend. Ich trete gerne auf diesen Veranstaltungen auf, so oft es eben geht. Es macht Spaß!

Dann müssen Sie eine starke schwule Fangemeide haben.

Ja, das ist wahr. Es ist wundervoll und eine sehr positive Sache für mich. Ich frage meine Fans natürlich nicht, welche sexuelle Ausrichtung sie haben (lacht). Aber wenn ich Schwule als Gruppe betrachte, dann sind sie eine extrem unterstützende, liebende und großzügige Fangemeinde. Ich habe viele schwule Fans über die Jahre persönlich kennen gelernt. Menschen, die mir immer treu sind und meine Shows besuchen – und auch ihre Partner mitbringen. Sie stehen immer in der ersten Reihe meiner Konzerte oder kommen zu Autogrammstunden – diese Nähe mag ich besonders gerne.

Haben Sie privat schwule Freunde?

Ja, viele. Ehrliche und aufrichtige Menschen, die für mich etwas Besonderes sind. Sie lieben und leben völlig offen, brauchen niemanden etwas zu beweisen - was ich als wunderbar empfinde.

Erinnern Sie sich noch an ihr erstes Mal in einer Gay-Bar?

Oh mein Gott, das ist schon so viele Jahre her. Ich glaube, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber wissen Sie, meine liebste Gay-Bar gibt es schon seit langer Zeit – das Rage in Los Angeles. Der Laden ist genau auf dem berühmten Santa-Monica-Boulevard und hat ein fantastisches Sound-System.

Warum sind Schwule so fasziniert von großen Sängerinnen wie Ihnen oder auch Barbra Streisand?

Eine schwierige Frage. Ich kann es nicht genau sagen, aber vielleicht ist es die Ehrlichkeit, mit der wir nach außen treten. Ich habe Barbra nur ein paar Mal bei Feierlichkeiten getroffen, aber ich denke, dass wir beide sehr offene und ehrliche Menschen sind. Gerade Schwule dürften das zu schätzen wissen, weil sie ja auch offen leben.

Wie denken sie darüber, wenn Schwule über das "Offen leben" hinausgehen und auch heiraten wollen? In den USA gab es da jetzt einen herben Rückschlag…

Ich bin absolut dafür, dass Homosexuelle heiraten können. Was George Bush in den USA diesbezüglich entscheidet, ist absurd und obszön. Ich bin völlig gegen eine Verfassungsänderung, die Homo-Ehe verbietet. George Bush wusste jedoch die ganze Zeit, dass es ein aussichtsloser Kampf ist, so eine Verfassungsänderung zu erwirken. Er wollte sich nur bei den christlichen Fundamentalisten anbiedern. Dabei geht es letztendlich den Schwulen nur um Familie.

Was bedeutet Familie für Sie?

Familie ist sehr wichtig für mich. Ich habe zwei wunderbare Töchter, die beide verheiratet sind. Dadurch habe ich auch zwei "neue" tolle Söhne bekommen, die ich auch liebe.

Viele Schwule können in den USA keine Familie aufbauen und gehen nach Kanada, wo die Gesetze positiver für sie sind.

Das Pendel wird wieder zurück schwingen, es kann nicht immer nur nach "rechts" gehen. Die Menschen müssen mehr Geduld haben. Niemand muss aus irgendwelchen Verpflichtungen heraus heiraten, beispielsweise weil jemand schwanger ist oder Kinder finanziell abgesichert werden müssen. Die finanziellen Regelungen bei der Homo-Ehe brauchen noch Zeit. Mein Land würde ich deshalb nicht aufgeben.

Gibt es ein Lied von Ihnen, das besonders von Schwulen geliebt wird?

Ich denke, "You Only Live Twice" aus dem James-Bond-Film gleichen Namens ist eines von diesen Liedern. Vielleicht ist dieser Song bei Schwulen besonders beliebt, weil es um eine zweite Chance im Leben geht. Schwule haben am Anfang immense Probleme mit ihrer Homosexualität. Dass sie nachher ehrlich mit sich und ihrer Umwelt umgehen, ist eine Art zweite Chance – ein neuer Start in ein anderes Leben. Ich glaube diesen Titel würde ich auch auf einer Gay-Hochzeit singen. Das würde perfekt passen.

Können Sie sich vorstellen, dass Ihr größter Hit "These Boots Are Made For Walkin'" von vielen Menschen sexuell oder in einem Fetisch-Kontext interpretiert wird?

Ja, natürlich. Das hat eine Menge mit der Anziehungskraft dieses Songs zu tun. Auch dieser Titel ist bei Schwulen sehr beliebt. Jeder liebt "Boots" und im Konzert singen wir alle zusammen.

Wann singen wir denn alle zusammen in Deutschland?

Ich hoffe, ich komme im April für Konzerte nach Deutschland, denn die Nachfrage ist so groß wie lange nicht mehr. Ich war vor ein paar Wochen für Promotion-Termine in Berlin. Mein Album kommt sehr gut an und der Morrissey-Song "Let Me Kiss You" entwickelt sich zum Hit – da wird eine Tour sicher großen Spaß machen. Die Promoter müssen jetzt nur noch die vielen Ideen richtig umsetzen. Ich war bereits für zwei Konzerte in Europa, eines in der Schweiz und das andere in Großbritannien. Das war Anfang 2004.

Das Comeback kündigte sich aber schon ein paar Jahre zuvor an, als Quentin Tarantino ihre eigenwillige 1966er Aufnahme von Chers Hit "Bang Bang" auf dem Album "How Does That Grab You?" fand und für seinen Film "Kill Bill" nutzte.

Das war wundervoll. Er machte mir damit ein großes Geschenk. Ich eröffne nun meine Show mit diesem Lied. Er hat mich natürlich vorher gefragt, da er den Titel lizenzieren musste und ich die Master-Bänder besitze. Ich liebe den Song sehr und war auch glücklich für Sonny Bonos Familie (Anm. der Redaktion: Chers verstorbener Ex-Mann, der "Bang Bang" schrieb). Aber wissen Sie was? Ich mag meine Version lieber als Chers! (lacht)

Nancy auf Tour:

Do, 21.04.05, Hamburg, Schauspielhaus
Fr, 22.04.05, Ludwigshafen, Theater Im Pfalzbau
So, 24.04.05, Berlin, RBB-Sendesaal
Mo, 25.04.05, München, Herkulessaal

16. Februar 2005