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  • 12.07.2015, 09:42h           34      Teilen:   |

Unterstützung von Kreis- und Landespartei

Homophober CDU-Politiker will in den Bundestag

Artikelbild
Im Frühjahr war Hans-Jürgen Irmer wegen hetzender Aussagen von seinen Posten in der hessischen CDU-Fraktion zurückgetreten. Nun unterstützt ihn seine Partei bei einer Bewerbung für den Bundestag. (Bild: CDU-Landtagsfraktion Hessen)

Er wirbt für die "Heilung" Homosexeller und will schwule Lehrer disziplinieren – nach der hessischen Landespolitik könnte Hans-Jürgen Irmer nun den Bund aufmischen.

Von Norbert Blech

Im Februar musste sich die hessische CDU noch gegen einen Antrag im Landtag wehren, hetzende Aussagen des Abgeordneten Hans-Jürgen Irmer aus Wetzlar zu missbilligen. Nun will sie ihn bei der nächsten Bundestagswahl als Kandidaten für Berlin aufstellen.

Irmer könnte damit Nachfolger der CDU-Abgeordneten Sibylle Pfeiffer werden, die bei den letzen beiden Bundestagswahlen jeweils eine klare Mehrheit im Wahlkreis Lahn-Dill holte und nicht mehr antreten will. Der CDU-Kreisvorstand unterstützt die Kandidatur Irmers einhellig, berichtet die "Wetzlaer Zeitung". "Hans-Jürgen Irmer hat Kanten, aber er ist sehr beliebt und ein integrierender Zeitgenosse", sagte der Kreisvorsitzende Clemens Reif der Zeitung. Mit Irmer würde die Bundespolitik "einen hervorragenden Bildungspolitiker erhalten", meinte gar ein Sprecher der CDU-Landtagsfraktion gegenüber dem HR.

Integrierend und hervorragend für die Bildungspolitik? Im letzten Herbst war ein Shitstorm – im Internet wie im Landtag – über die CDU hereingebrochen, weil Irmer als schulpolitischer Sprecher seiner Fraktion zum Thema Aufklärung über sexuelle Vielfalt gesagt hatte: "Homosexualität ist nicht normal. Wäre sie es, hätte der Herrgott das mit der Fortpflanzung anders geregelt" (queer.de berichtete).

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Hetze gegen schwulen Lehrer

Irmers Artikel gegen einen schwulen Lehrer und für die Heilung Homosexueller (stark vergrößerte Version)
Irmers Artikel gegen einen schwulen Lehrer und für die Heilung Homosexueller (stark vergrößerte Version)

Irmer hatte sich wenig später herausgeredet, er sei falsch zitiert worden. Doch ein Ausrutscher war das sicher nicht: In dem von ihm herausgegeben monatlichen Anzeigenblatt "Wetzlar-Kurier" hatte er etwa 2004 gegen einen örtlichen schwulen Lehrer gehetzt, weil dieser – Skandal – ein Profil bei Gayromeo hatte und sich damit "prostituiert" habe (queer.de berichtete schon damals).

Irmers Blatt und seine CDU forderten daraufhin ein Disziplinarverfahren und eine Versetzung des Lehrers. Angesichts "dieser Kenntnisse" forderte Irmer zugleich vom Sozialministerium, "Hilfestellungen" anzubieten und zu fördern für Menschen, "die unter ihrer Homosexualität leiden und die gerne davon loskommen möchten". Homosexualität sei "nicht angeboren" und "veränderbar".

Irmers Blatt zitierte dabei ausführlich die Homo-"Heilerin" Christl Vonholdt, die die Notwendigkeit der Therapie damit begründete, dass Homosexuelle deutlich häufiger an psychischen Erkrankungen litten und sich mehr mit HIV ansteckten – "in diesem Milieu" sei es schließlich "weit verbreitet, trotz einer festen Partnerbeziehung sich anderweitig zu orientieren".

Im selben Jahr warnte Irmer auch vor einem (inzwischen beschlossenen) Antidiskriminierungsgesetz: "Wenn Sie als Vermieter Ihre Wohnung einem Schwulenpaar nicht vermieten möchten, was Sie heute ohne Angaben von Gründen natürlich können, dann kann das abgelehnte Schwulenpaar auf der Basis des Antidiskriminierungsgesetzes Klage erheben." Kürzlich noch gab es im "Wetzlar-Kurier" einen Artikel "Gehirnforscher übt Kritik an der Gender-Ideologie" – die meiste Hetze des Politikers richtete sich in den letzten Jahren aber gegen Muslime und Asylbewerber, und das fast in jeder Ausgabe. Bisweilen wirkt der "Wetzlar-Kurier" wie "Politically Incorrect" oder die "Junge Freiheit", für die der der Politiker auch schreibt.

2004 wollte sich die CDU im Landtag von Irmer und seinen Theorien zu Homo-"Heilung" noch nicht distanzieren (queer.de berichtete), drei Jahre später lud die Fraktion sogar Vonholdt zu einer Anhörung in den Rechtsausschuss des Landtags zum Thema Homo-Ehe ein (queer.de berichtete). Zehn Jahre später war das anders: CDU und Grüne ließen im letzten November, nach der Aussage, Homosexualität sei nicht normal, eine Rüge der SPD-Opposition gegen Irmer passieren, indem sie sich enthielten (queer.de berichtete).

Harsche Kritik der Opposition

Außerhalb der CDU führte das Interesse Irmers an einem Sitz im Bundestag in den letzten Tagen für Entsetzen. SPD-Geschäftsführer Gert-Uwe Mende twitterte: "Bei der CDU Hessen scheint Hetzerei für höhere Aufgaben zu qualifizieren." Von einem "abenteuerlichen Upgrade-Programm" sprach der parlamentarische Geschäftsführer Günter Rudolph. "Im ersten Augenblick dachte ich, Irmer würde vielleicht für die AfD kandidieren."

Die Linken-Fraktionsvorsitzende Janine Wissler meinte: "Es scheint, als wolle die Hessen-CDU nach dem geplanten Ausscheiden der nationalkonservativen Abgeordneten Erika Steinbach aus dem Bundestag nun den nächsten Hardliner aus der Stahlhelm-Fraktion nach Berlin schicken." Und Lasse Becker, stellvertretender Landesvorsitzender der FDP Hessen, twitterte: "Reaktionärer Landes-Spinner will reaktionärer Bundes-Spinner werden."

Nur von den Grünen war in sozialen Netzwerken wenig zu hören. Der Geschäftsführer der hessischen Grünen, Jochen Ruoff, sagte auf Anfrage der "Frankfurter Rundschau": "Aus grüner Sicht ist das eine gute Nachricht für den Landtag und eine schlechte Nachricht für den Bundestag." Als es im Februar erneut einen Missbilligungsantrag gegen Irmer gab, nach einem Artikel "Islamistischer Terror und Christenverfolgung – deshalb machen sich die Menschen Sorgen", stimmte die Partei mit der CDU gegen eine erneute Missbilligung (queer.de berichtete). Irmer war da gerade als bildungspolitischer Sprecher und stellvertretender Fraktionsvorsitzender zurückgetreten (queer.de berichtete) – mehr könne ein Abgeordneter nicht machen, meinte damals der grüne Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner. Das war wohl zu kurz gedacht.

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Tags: hans-jürgen irmer, bundestag, hessen
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Reaktionen zu "Homophober CDU-Politiker will in den Bundestag"


 34 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
12.07.2015
09:49:23


(+13, 13 Votes)

Von schwarzerkater
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die cdu will wohl im wahlklientel der afd und rechts davon wildern ...


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#2
12.07.2015
10:21:49


(+10, 12 Votes)

Von Petrillo
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Im Artikel erwähnt zweimal der gleiche Grund, weshalb die Grünen (leider) nicht mehr wählbar sind - hoffentlich bleiben die Linken weiter eine gute Alternative.

@ Grüne: ihr braucht euch nicht zu wundern, dass die Wahlergebnisse immer schlechter werden - die (ehemaligen) Wähler wollen keine machtgeilen Mitläufer der Schwarzen, sondern lieber eine aktive Opposition.

Auch die FDP hat's mit so einem Kurs schnell von einer zweistelligen Prozentzahl auf unter 5% gebracht, nehmt das als Warnung!


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#3
12.07.2015
10:31:21
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(+12, 12 Votes)

Von GAst


Grauenhaft dieser Typ! Ich bin selber Lehrer und schwul, konnte meinen Erziehungsauftrag bis jetzt sehr gut nachkommen. Auch widerlich, dass diese Zeitung einen solch krass diskriminierenden Text abgedruckt hat.

Ich wünsche ihm kein Erfolg in seiner weiteren politischen Laufbahn


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#4
12.07.2015
11:14:23
Via Handy


(+11, 11 Votes)

Von Foxie
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Nicht wirklich überraschend, daß solche geistigen Brandstifter bei cducsu willkommen sind, bzw. Karriere machen.


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#5
12.07.2015
11:37:49


(+4, 8 Votes)

Von Patroklos
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Der Irmer darf auf gar keinen Fall in den Bundestag gewählt werden!


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#6
12.07.2015
12:37:21


(+9, 11 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #2 von Petrillo


Dass die CDU Im Gegensatz etwa zu Rheinland-Pfalz in Hessen (und Sachsen) eher braun als schwarz ist, ist klar.

Dass die Grünen, deren Spitzenpolitiker von denen sogar rassistischen Angriffen ausgesetzt waren, diesen Haufen in Hessen an der Macht halten, das ist der eigentliche Skandal.

Dienstwagen und Ministergehalt hätte es ja auch bei Rot-Rot-Grün gegeben.


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#7
12.07.2015
12:37:42
Via Handy


(+9, 11 Votes)

Von Nick


Die CDU zeigt nochmals ihr wahres Gesicht... schade um alle, die aufgrund bisheriger Lippenbekenntnisse Hoffnung hatten, die derzeitige Regierung hätte ein echtes Interesse daran, auch bloß ihre mittelalterlich anmutende Haltung gegenüber ihren homosexuellen Mitmenschen, Wählern(?), Steuerzahlern usw. zu ändern! Von wirklichem Handeln, aktiv werden oder gar Beenden von Diskriminierung und Ungleichbehandlung will die Regierung sowieso nichts wissen und wird es auch in Zukunft nicht wollen, damit haben sich diese lästigen Homos eben abzufinden! Viel deutlicher, als durch Unterstützung homophob motivierter Kandidaten kann man es nicht ausdrücken!


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#8
12.07.2015
14:04:59


(+9, 9 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"dass Homosexuelle deutlich häufiger an psychischen Erkrankungen litten"

Verflucht noch mal warum denn? Weil es immer mehr dieser christlich katholisch evangelikaren sch... Hetzer gibt.


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#9
12.07.2015
14:05:12


(+9, 11 Votes)

Von Robin


Dass dieser rassistische und homophobe Hetzer immer noch in der CDU ist, sagt auch sehr viel über die CDU.

Und ausgerechnet der will jetzt auch noch in den Bundestag...


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#10
12.07.2015
14:12:39


(+7, 7 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Da müßen Gesetze her, die auch eingehalten werden müßen, das jedwelche Diskrimienierung harte Strafen nach sich zieht.

Wenn Parteien, wie die SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke in Zukunft vertrauenswürdig sein wollen, dann dürfen sie nicht mehr mit konservativen oder neoliberalen Parteien koalieren.


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