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Eine Pfadfinderveranstaltung in Grand Rapids (Michigan) (Bild: flickr / Steven Depolo / by 2.0)

Bei den Boy Scouts of America dürfen sich künftig auch Schwule engagieren. Vor einer vollständigen Gleichbehandlung schreckt der traditionsreiche Jugendverband aber zurück.

Nach jahrelangen Debatten hat der als gemeinnützig anerkannte US-Pfadfinderverband in einer am Montag bekannt gewordenen Entscheidung das Verbot von schwulen Pfadfindern aufgehoben. Der 17-köpfige Vorstand der Dachorganisation hat einstimmig beschlossen, dass die sexuelle Orientierung bei erwachsenen Pfadfinderleitern kein Ausschlusskriterium mehr ist.

Damit ändert der größte amerikanische Jugendverband bereits zum zweiten Mal binnen zwei Jahren seine Politik gegenüber Schwulen: Mitte 2013 hatten die Boy Scouts of America bereits die Duldung von schwulen Mitgliedern unter 18 Jahren beschlossen (queer.de berichtete). Sobald die Scouts volljährig wurden, mussten sie aber den Verband einzig aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verlassen.

Die Entscheidung muss noch am 27. Juli bei einem Treffen des 80 Mitglieder zählenden Exekutivausschusses bestätigt werden und würde dann sofort in Kraft treten. Nach der einstimmigen Entscheidung des Vorstandes gilt die Zustimmung als sicher.

Diskriminierung noch immer möglich

Die Änderung bedeutet allerdings nicht, dass alle Pfadfindergruppen hetero- und homosexuelle Pfadfinder gleich behandeln müssen. Von Kirchen betriebene Gruppen dürfen weiterhin Schwule wegen ihrer sexuellen Orientierung ablehnen. Die meisten lokalen Pfadfinder-Gruppen werden von religiösen Einrichtungen betrieben – allein ein Viertel von ihnen von der homofeindlichen Mormonenkirche. Die in Salt Lake City ansässige Glaubensgemeinschaft verkündete bereits als Reaktion auf die Entscheidung, dass man weiterhin nur Pfadfinderleiter einsetzen werde, die "unsere Doktrin und unseren Glauben" akzeptierten.

In einer Pressemitteilung erklärte der Boy-Scouts-Vorstand, dass nun "Mitglieder und Eltern die Wahl haben, Pfadfindergruppen mit ähnlichen Ansichten auswählen zu können, die am besten zu den Familien passen." Gleichzeitig würde die Religionsfreiheit geschützt.

LGBT-Aktivisten begrüßten die Reform, streben aber noch weitere Änderungen an: "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber wir machen uns noch Sorgen, dass Gruppen weiterhin feindlich gegenüber bestimmten Pfadfinderleitern eingestellt sind", erklärte Zach Wahls von der Organisation "Scouts for Equality".

Grund für Reform sind "schnelle gesellschaftliche Veränderungen"

Die Entscheidung ist auch eine Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen: So sei das Ende des Homo-Verbots das "Ergebnis von schnellen gesellschaftlichen Veränderungen und größer werdenden rechtlichen Herausforderungen sowohl auf Bundes- als auch auf regionaler und lokaler Ebene". Offenbar haben insbesondere Antidiskriminierungsgesetze von Bundesstaaten sowie die Unterstützung für die Ehe-Öffnung in der Bevölkerung zum Umdenken geführt.

Das Verbot von männlichen Homosexuellen bei den Pfadfindern war noch im Jahr 2000 vom Supreme Court für verfassungsgemäß erklärt worden. Die Richter argumentierten damals mit fünf gegen vier Stimmen, dass die Pfadfinder als eingetragener Verein ihre Mitglieder eigenständig aussuchen und bestimmte Gruppen diskriminieren dürften, obwohl sie als gemeinnütziger Verein erhebliche Steuersubvention erhalten. Allerdings wurde zuletzt der Druck auf die Organisation stärker, das homophobe Verbot aufzuheben. Bereits 2012 beklagte US-Präsident Barack Obama die "Diskriminierung auf Basis der sexuellen Orientierung" (queer.de berichtete).

Derzeit sind nach Angaben der Dachorganisation 2,4 Millionen Jugendliche und rund eine Million Erwachsene in den Boy Scouts organisiert. Im Gegensatz zur männlichen Organisation diskriminieren die Pfadfinderinnen, die Girl Scouts of the USA, nicht aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität. (dk)



#1 BodoAnonym
  • 14.07.2015, 12:11h
  • Das ist nunmehr sehr schön für diese Generation.
    Es tritt, wie es aussieht, auch immer mehr Normalität dort ein.

    "Only 15% of 18-29-year-olds believe that America is the "greatest country in the world", according to Pew, down from 27% in 2011."

    www.bbc.com/news/world-us-canada-33440287
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#2 lucdfProfil
  • 14.07.2015, 12:20hköln
  • Gute Entwicklung! Aber ehrlich gesagt , als Schwuler würde ich nie auf die Idee kommen bei so einer stinkkonservativen Bewegung mitzumachen, auch wenn sie mich tolerieren.
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#3 34567i54Anonym
#4 Patroklos
  • 14.07.2015, 13:06h
  • Das Aufheben des Homoverbotes ist ja ein erster Schritt, ABER ein absolutes Diskriminierungsverbot sollte es auch geben!
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#5 FelixAnonym
  • 14.07.2015, 13:48h

  • Ein erster kleiner Fortschritt, der längst überfällig war. Aber jetzt muss die volle Gleichstellung auch bei den Boy Scouts kommen.
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#6 RalfAnonym
  • 14.07.2015, 13:58h
  • Da geht's mir wie mit den Gottesdiensten vorm CSD. Wieso um alles in der Welt mühen sich Schwule, ihnen ablehnend bis feindlich gesonnenen Ideologien und Organisationen nachzulaufen? Man stelle sich junge Juden in den 30er Jahren vor, die unbedingt in die Hitlerjugend wollen. Auf der Ebene liegt das meiner Ansicht nach.
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#7 TheDadProfil
  • 14.07.2015, 14:00hHannover
  • ""Von Kirchen betriebene Gruppen dürfen weiterhin Schwule wegen ihrer sexuellen Orientierung ablehnen.
    Die meisten lokalen Pfadfinder-Gruppen werden von religiösen Einrichtungen betrieben allein ein Viertel von ihnen von der homofeindlichen Mormonenkirche.
    Die in Salt Lake City ansässige Glaubensgemeinschaft verkündete bereits als Reaktion auf die Entscheidung, dass man weiterhin nur Pfadfinderleiter einsetzen werde, die "unsere Doktrin und unseren Glauben" akzeptierten. ""..

    Die "meisten" ?

    Gibt es tatsächlich irgendwo in den USA eine Pfadfinder-Organisation, die NICHT unter der Knute einer "Religionsgemeinschaft" steht ?

    Ich kenne keine..
    Genausowenig wie hier bei uns..
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#8 KlaroAnonym
  • 14.07.2015, 14:10h
  • Für Eltern ist es eine Gewissensfrage, ob sie ihre minderjährigen Söhne in ein Pfadfinderlager mit Oberpfadfindern (ca. 50 Jahre, kurze Hose, Taschenmesser) schicken sollen oder lieber in ein Lager, wo katholische Priester die Aufsicht haben.
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#9 David77Anonym
#10 TheDadProfil