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  • 19.07.2015, 07:10h           46      Teilen:   |

Verbindungen zur "Demo für alle"

Augsburger Familienbund hetzt mit Steuergeldern gegen die "Homo-Ehe"

Artikelbild
Das Cover des Magazins sieht harmlos aus - der Inhalt ist allerdings alles andere als bunt

Eine Tageszeitungs-Beilage des katholischen Verbands bezeichnet die Gleichstellung von Lesben und Schwulen als "Diktatur durch Verwirrung".

Von Norbert Blech

Leser der "Augsburger Allgemeinen" staunten am Samstag nicht schlecht, als sie in ihrer Zeitung blätterten: In einer 16-seitigen Beilage wurden auf einer Doppelseite "zehn Thesen gegen die Homo-Ehe" aufgeführt – unter dem Titel "Diktatur durch Verwirrung".

Die Beilage, ein Magazin mit dem bemerkenswerten Titel "Familienbunt", stammt vom Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg. "Wissenschaftlich fundiert und auf der Basis eines christlichen Verständnisses von Ehe und Familie" behandelten "namhafte Autoren aktuelle Themen", heißt es zu der Ausgabe auf der Webseite des Bistums, von der das Magazin auch kostenlos heruntergeladen werden kann (PDF). Am Montag soll es noch der "Allgäuer Zeitung" beiliegen.

Pikant ist ein Hinweis im Impressum auf der zweiten Seite des Magazins: Die "Sonderausgabe" zum Thema Familie wurde demnach gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Das scheint angesichts der teils fundamentalistischen Inhalte des Magazins kaum zu glauben.

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Ehe-Öffnung führt zu Inszest und dem "entgrenzten Menschen"

In dem Text zur Debatte um die Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare heißt es, die Ehe aus Mann und Frau biete die "naturgemäße Grundlage für das Überleben der Menschheit." Nun solle es aber nicht mehr um die "Weitergabe des Lebens" gehen, sondern um ein "Gefühl", beklagt der Autor. In Folge könnte etwa auch ein Bruder "seinen Bruder oder seine Schwester" heiraten wollen: "Das Inszestverbot wird ausgehöhlt", die Folge seien "schwerwiegende Identitätskrisen".


Der Beginn des Textes gegen die Ehe-Öffnung, "Familienbunt" Sonderausgabe 07/2015


Weiter wird behauptet, Homosexualität entspreche nicht "dem Wesen des Menschen", eine Ehe-Öffnung sei daher "ein Diktat der Lebenspraxis" und "würde also zwangsläufig diktatorische Effekte zeitigen". Sie sei ein "Triumph des entgrenzten Menschen", heißt es noch: Wenn Homosexuelle Kinder adoptieren, bedeute das nicht nur eine Degradierung des Kindes zum Objekt, sondern zeige auch Allmachtsphantasien eines Menschen, der sich über die Natur hinwegsetze. Die gleichgeschlechtliche Ehe widerspreche "den grundlegenden Interessen des Menschen" und sei "wider die Vernunft".

Den an der Grenze zur Volksverhetzung stehenden Text hat der französische Philosoph Bertrand Vergely verfasst – und zwar bereits vor zwei Jahren für die dortige Bewegung gegen die Ehe-Öffnung, "La Manif pour tous". Die deutsche Übersetzung wurde übernommen aus dem Blog von Andreas Lombard, der zugleich Verleger der homophoben Hetzbücher von Akif Pirinçci ist.

Ein Stelldichein der Homo-Gegner

Bezüge zu Homo-Gegnern und der deutschen Variante der Bewegung, der "Demo für alle", ziehen sich durch das Gesamtwerk des Augsburger Familienbundes. In der gleichen Sonderausgabe seines Magazins findet sich noch ein bereits in der FAZ abgedruckter Text gegen eine vermeintliche Gender-Ideologie (Prof. Dr. Hans Peter Klein zu Thesen von Prof. Dr. Ulrich Kutschera) und ein Text zur Familienpolitik des Publizisten und Deutschlandfunk-Moderators Jürgen Liminski – bei einer "Demo für alle" in Hannover im letzten Jahr hatte er beklagt, bei den Bildungsplänen zu sexueller Vielfalt gehe es um die "Verunsicherung der Kinder" und das "Niederreißen ihrer Schamgrenzen (queer.de berichtete).


Die Magazine lassen sich auf der Webseite des Bistums Ausgburg ansehen


Bereits im letzten Oktober hatte sich das Magazin mit Gender Mainstreaming befasst. In einer ebenfalls in Zeitungen beigelegten Sonderausgabe (PDF) wurde eine Broschüre zum Thema der Homo-Gegnerin Gabriele Kuby beworben, die zu den Aufrufern zur "Demo für alle" gehört. In einem Interview forderte die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Transsexuelle sollten "mindestens zwei psychiatrische Gutachten neben dem medizinischen Urteil" vor einer Geschlechtsanpassung benötigen, da die "Rückverwandlungswünsche" zunehmen würden: "Jeder Vierte möchte gerne wieder in sein altes biologisches Geschlecht zurück."

In der Sonderausgabe ein Jahr zuvor (PDF) schrieb die aus Talkshows bekannte Theologin Michaela F. Heereman, die auch schon auf einer Veranstaltung der Ausrichter der "Demo für alle" aufgetreten ist, eine (viel kritisierte) US-Studie habe gezeigt, dass Kinder aus Regenbogenfamilien statistisch häufiger geringere Bildung, Arbeitslosigkeit oder auch "Unsicherheit bezüglich der eigenen sexuellen Orientierung" zeigten. Ihr Fazit: "Solange es hinreichend heterosexuelle Adoptivbewerber gibt", sollte der Staat Kinder nur an sie geben, da er Kinder vor "Risiken" schützen müsse.


Illustration aus der "Sonderausgabe September 2013" am Rande eines Artikels über ein Adoptionsrecht für Homo-Paare


Mit Fördermitteln gegen Abtreibung

Die Ausgabe bewarb ansonsten die politische Anti-Abtreibungs-Initiative "Einer von uns" sowie das Buch "Dann mach doch die Bluse zu" von Birgit Kelle, die auch einen Artikel verfasste – und letztes Jahr den Augsburger Familienbund für einen Vortrag besuchte. Die Homepage des Familienbundes auf der Webseite des Bistums verlinkt zum von Kelle angeführten Bündnis "Rettet die Familie" ebenso wie zur "Initiative Familienschutz", dem Veranstalter der "Demo für alle".

In den regulären Ausgaben des Verbandsmagazins zeigt sich die Nähe des Familienbundes zu den fundamentalistischen Rändern der katholischen Kirche noch deutlicher: In der aktuellen Juli-Ausgabe (PDF), die auch eine Ablehnung des ZdK-Papiers zur Segnung von Homo-Paaren enthält (die "von Gott offenbarte Form der Partnerschaft von Mann und Frau" sei zu "privilegieren"), findet sich ein ganzseitiger Aufruf zur Teilnahme am nächsten "Marsch für das Leben" in Berlin. Über der Werbung für die Demo, zu der Abtreibungsgegner aus ganz Deutschland anreisen, prangert das Logo des bayrischen Familienministeriums, das auch dieses "Mitteilungsblatt" förderte.


Aus der regulären Juli-Ausgabe der Zeitschrift


Mit Dank an Enough is Enough und einen aufmerksamen Zeitungsleser für den Hinweis.

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Tags: katholische kirche, augsburg, familienbund, demo für alle, ehe-öffnung
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Reaktionen zu "Augsburger Familienbund hetzt mit Steuergeldern gegen die "Homo-Ehe""


 46 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
19.07.2015
07:33:48


(+16, 16 Votes)

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012


Wenn das nicht eine Steilvorlage ist fuer diejenigen Schwulen, die immer noch Mitglieder der RKK sind, dann weiss ich es aber auch nicht.

Was mich besonders erschreckt ist, was sich da fuer ein Netzwerk herausgebildet hat. Und, wie auch Menschen daran beteiligt sind, die es eigentlich besser wissen muessten. U.a. Psychologen.

Da erkennt man, wie weit es Religionen immer noch gelingt, selbst Menschen mit Verstand diesen voellig zu vernebeln.

Wie nur kommen staatliche Stellen dazu, solche Machwerke finanziell zu unterstuetzen? Was sagt Frau Merkel dazu, die doch gerade vollmundig behauptet, sie wuerde gegen jede Form der Diskriminierung vorgehen?

Wenn Gott wuesste, wie in seinem Namen Missbrauch betrieben und der Verstand kleiner Kinder regelrecht vergewaltigt wird. Ich bin sicher, er wuerde sich im Grab umdrehen!


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#2
19.07.2015
08:47:03


(+14, 16 Votes)

Von saltgay
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Vielleicht erkennt jetzt auch noch der letzte geistig retardierte CDU/CSU-Wähler in diesem Forum, dass diese Partei sich seit den Zeiten Adenauers nicht gewandelt hat. Lediglich die ständige Verschiebung des Zeitgeistes der Bürger zum Rechtsradikalismus in der BRD erweckt den Eindruck, dass die CDU/CSU nach links gewandert ist.

Die Marketingstrategie der Bundesregierung sieht aber äußerlich ein stromlinienförmiges modernes Profil vor nach dem Prinzip "Wünsch' dir was!"
Doch wird am Ende jeder Wunsch abgeschlagen, weil die Verwirklichung des Wunsches dann ja leider für Alle gelten müsste und das könne "Deutschland nicht leisten" (A. Merkel zu einem palästinensischem Mädchen in Rostock)

Das ist keine Politik - das ist Betrug und damit eine Straftat. Im vorliegenden Fall ein besonders krasses Beispiel mit welcher kriminellen Energie diese Partei versucht an der Macht zu bleiben.


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#3
19.07.2015
09:16:55


(+16, 16 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"Diktatur durch Verwirrung"

Wie wahr, wie wahr, allerdings es gibt keine LGBTI Diktatur, sondern eine religiöse. Diese Diktatur ist wie ein Krebsgeschwür, vor allem in Afrika.


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#4
19.07.2015
09:25:07


(+15, 15 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"schwerwiegende Identitätskrisen".

O ja, da hat er vollkommen recht, denn wen man diesen gefährlichen rechten, religiösen monstern zuhört, dann kann man nur eine Krise beckommen.

"Den an der Grenze zur Volksverhetzung stehenden Tex"

Liebe queer.de Redaktion, die haben die Grenze längst überschritten.
Und ich dachte, es wird ein ruhiger Sonntag, jetzt muß ich hier Texte verfassen, die ich an die: Bayerische regierung und an die zwei erwähnten Zeitungen schicken werde.


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#5
19.07.2015
09:27:40


(+14, 14 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015
Antwort zu Kommentar #1 von Miguel53de


"Und, wie auch Menschen daran beteiligt sind, die es eigentlich besser wissen muessten. U.a. Psychologen."

Die wissen es auch, das ist pure Machtstrategie und nichts anderes.


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#6
19.07.2015
09:36:20


(+10, 10 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Ein bißchen zu "Die Allgäuer Zeitung" aus Wikipedia:
Link:
de.wikipedia.org/wiki/Allg%C3%A4uer_Zeitung


"Die Allgäuer Zeitung", kurz AZ, ist eine Tageszeitung für die Region Allgäu und Mittelschwaben. Oftmals wird fälschlicherweise angenommen, die AZ sei eine Regionalausgabe der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Die Allgäuer Zeitung ist eine eigenständige Publikation. Da die Herausgeber der Augsburger Allgemeinen allerdings einen Anteil von 50 Prozent an der Allgäuer Zeitungsverlag GmbH halten, ist oftmals vom Medienverbund Augsburger Allgemeine / Allgäuer Zeitung die Rede. Diese Zusammenarbeit äußert sich am deutlichsten im überregionalen Teil (sogenannten Mantelteil), der in der Allgäuer Zeitung und der Augsburger Allgemeinen nahezu identisch ist."


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#7
19.07.2015
10:53:42


(+17, 17 Votes)

Von Nico


Ich frage mich, weiso solche faschistischen Publikationen auch noch mit Steuergeldern gefördert werden... Würde da dasselbe über Schwarze, Asiaten, etc. stehen, sähe das ganz anders aus.

Und ich frage mich auch, warum eine Zeitung sowas als Beilage akzeptiert.

Das alles ist der beste Beleg, dass wir endlich Gesetze gegen Hassrede brauchen, wie sie in anderen Staaten selbstverständlich sind.


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#8
19.07.2015
10:59:02


(+12, 16 Votes)

Von Heiner


Wie immer bei der Kinderschänder-Sekte "Katholische Kirche":
die hetzen gegen andere, um so von ihren Verbrechen abzulenken.

Dafür verdrehen die Fakten, lügen, dass sich die Balken biegen, hetzen ungeniert und rufen offen zum Widerstand gegen Demokratie und Rechtsstaat auf.

Das Geschäftsmodell dieses geld- und machtgeilen Konzerns basiert auf Hass, Unterdrückung und Lüge.


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#9
19.07.2015
11:02:39


(+13, 13 Votes)

Von Chanson


Bei den diversen Volksverhetzungen der katholischen Kirche muss ich immer an ein Lied von Reinhard Mey denken:

Youtube-Video:


Gegen Hassprediger hilft nur eines:
Kirchenaustritt

Link zu www.kirchenaustritt.de


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#10
19.07.2015
11:04:44


(+17, 17 Votes)

Von Felix


Sollte die Kirche nicht lieber Armut, Krankheit und Elend bekämpfen, statt Liebe, Toleranz und Vielfalt?

Ach nein, da geht es ja nicht um Nächstenliebe, sondern nur um die eigene Macht und um Unterdrückung um diese Macht zu sichern...


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