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  • 23.07.2015, 07:05h           29      Teilen:   |

Video-Experiment

Ukraine: Neues Video zeigt homophobe Gewalt auf der Straße

Artikelbild
Nachdem das schwule Paar zunächst ungestört durch Kiew gehen konnte, wurde es von einem nationalistischen Mob angegriffen

Nach Moskauer Vorbild liefen zwei Männer händchenhaltend durch Kiew und ließen die Reaktionen filmen – bis sie brutal angegriffen wurden.

Von Norbert Blech

Es ist mittlerweile fast zwei Wochen alt und sorgt noch immer für Empörung und Medienberichte auf der ganzen Welt: Zwei jugendliche Mitarbeiter des russischen Youtube-Kanals "ChebuRussia TV" liefen händchenhaltend durch die Moskauer Innenstadt und ließen per versteckter Kamera die Reaktionen filmen.

Sie dokumentierten eine offen homophobe Stimmung in der Bevölkerung, die laut Umfragen zugenommen hat: An mehreren Ecken wurde das Paar angepöbelt und beleidigt sowie zweimal körperlich angegriffen. Ein russischer LGBT-Aktivist, der in Deutschland lebt, meinte dazu, vor zwei Jahren sei es noch möglich gewesen, als schwules Paar ungestört durch Moskau zu gehen (queer.de berichtete).

Youtube | Das Video aus Moskau
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Spontaner, koordinierter Angriff

Nun hat "Bird In Flight", ein Online-Projekt für visuelle Kunst auf Deutsch und Russisch, das Experiment in der ukrainischen Hauptstadt Kiew wiederholen lassen, sogar mit einem tatsächlichen schwulen Paar: Timur und Zoryan.

Das Ergebnis war zunächst positiv: Man habe fast keine aggressive Reaktion bemerkt, berichtet Zoryan, der hauptberuflich für die Organisation "Freedom House" arbeitet. Eine Passantin habe sich sogar über die Offenheit des Paares gefreut, mit ihnen über ihre Lage gesprochen. Das habe sie beeindruckt, meint Zoryan: In den vier Jahren, die man zusammen sei, wäre man noch nie händchenhaltend durch die Straßen gelaufen. "Wir haben nie das Bedürfnis verspürt."

Das Paar beschloss, die Situation zu "verschärfen": Es nahm auf einer Bank Platz, einer der Männer setzte sich halb auf den anderen und legte ein Bein über ihn. "Wir waren auf alles vorbereitet", so Zoryan, "vor allem, nachdem wir beim 'Marsch für Gleichberechtigung' waren". Der CSD Anfang Juni war von Ausschreitungen durch Nationalisten begleitet worden (queer.de berichtete). Was folgte, sollte in der Tat daran erinnern.

Das Paar wurde schnell von einigen Jugendlichen entdeckt, teils in nationalistischer Kleidung und mit kahlgeschorenen Köpfen. Dann ging alles ganz schnell: Einer der Jugendlichen begann ein Gespräch und fragte, ob die Männer Patrioten seien, offenbar um bei vorbeilaufenden Polizisten keinen Verdacht zu erwecken. Dann sprühte einer der Jugendlichen Pfefferspray in die Gesichter der Männer; die in Folge wehrlosen Männer wurden von mehreren Jugendlichen geschlagen und getreten. Die Szene wirkt wie ein koordinierter, antrainierter Angriff. Ein schnelles Eingreifen des Projektteams konnte Schlimmeres verhindern.

Youtube | Das Video aus Kiew

Radikale ungestörte Minderheit

In einer Besprechung beider Videos schreibt ein ukrainisches LGBT-Portal, die Videos zeigten den Unterschied in beiden Bevölkerungen: In Russland gebe es weit mehr Intoleranz, während sich die Mehrheit in der Ukraine neutral verhalte. "Aber es gibt eine radikale Minderheit, die Patriotismus als eine Entschuldigung für Gewalt verwendet. Und das ist beängstigend."

Die Ereignisse auf dem Maidan und "die russische Aggression in der Ost-Ukraine" hätten einen Teil der Gesellschaft "spürbar radikalisiert", so der Kommentar weiter. Die Instabilität der Situation, Unzufriedenheit mit der Innen- und Außenpolitik und allgegenwärtige Berichte über Morde hätten zu der Einschätzung geführt, dass Gewalt akzeptabel sein könnte.

In letzter Zeit hatte es in der Ukraine mehrere Angriffe auf Szeneeinrichtungen gegeben, größtenteils durch mutmaßliche Nationalisten. Erst in der Nacht zum Montag war in Odessa eine Handgranate in den Eingangsbereich eines Homo-Clubs geworfen worden (queer.de berichtete). In den Jahren vor dem Umsturz hatte Russland zugleich die Homophobie im Lande geschürt (queer.de berichtete).

Der im Video angegriffene Timur meint, die Behörden müssten viel deutlicher gegen die Nationalisten vorgehen, sie bereits unter Druck setzen, bevor sie Gewalt begehen. "Ansonsten senden sie das Signal, dass Gewalt ohne Konsequenzen bleibt." Zoryan sagt, diese Aufgabe wäre zu bewältigen: "Diese Leute sind weniger in der Gesellschaft vertreten als wir Schwulen und Lesben, vielleicht drei bis fünf Prozent." Der Rest der Bevölkerung würde nie Gewalt anwenden und wissen, dass LGBT nur "frei von Diskriminierung und Gewalt" leben wollten.

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Tags: ukraine, kiew, gewalt, homophobie, russland, video-experiment
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 Ukraine
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Reaktionen zu "Ukraine: Neues Video zeigt homophobe Gewalt auf der Straße"


 29 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
23.07.2015
07:36:42


(+5, 15 Votes)

Von schwarzerkater
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"Der im Video angegriffene Timur meint, die Behörden müssten viel deutlicher gegen die Nationalisten vorgehen, sie bereits unter Druck setzen, bevor sie Gewalt begehen."
und das in einem land, in dem regierungsvertreter in öffentlichen interviews zugeben, dass in ihrer armee freiwillge (private) nazis (kampfverbände) an den kämpfen innerhalb des landes teilnehmen.
was will Timur in so einer gesellschaft einfordern???
Ist eh schon mutig genug, dass er videos macht und öffentlich auf die homophobie aufmerksam macht. RESPEKT.


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#2
23.07.2015
08:56:44


(-12, 26 Votes)

Von Pelayo
Aus Berlin
Mitglied seit 11.12.2014


Dann sollten die zwei Männer einmal durch Berlin-Neukölln oder Duisburg-Marxloh laufen. Die Situation dort ist sicher nicht besser als in Kiew oder Moskau.


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#3
23.07.2015
08:59:54


(+1, 11 Votes)

Von genau
Antwort zu Kommentar #1 von schwarzerkater


Gut, dass Zoryan Freedom House als Arbeitgeber hat!

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Freedom_House


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#4
23.07.2015
09:12:28


(-8, 18 Votes)

Von erwartbar
Antwort zu Kommentar #2 von Pelayo


Oh das gab es schon, in Neukölln mit ein paar schlechten Drag Queens, die ernsthaft die Polizei gerufen haben, weil ein paar Kinder nicht mit ihnen zurecht kamen. Ohne den Flaschenwurf bagatellisieren zu wollen, wirkte das absurd. Dazu veröffentlichten sie noch eine heftige PM mit starken Forderungen über Integrationspolitik (nachdem sie gezielt nach Neukölln führen) und einer überzogenen Darstellung des Vorfalls, die auch in Details ("Lediglich ein einziger (!) Heranwachsender mischte sich in die aufgeheizte Situation ein und bat um Nachsicht und Verständnis für die migrationgeprägten Angreifer, da diese es von ihren Eltern und Vorbildern nicht anders vorgelebt bekämen") nur halb mit den tatsächlichen Videoaufnahmen und den Statements der Drag Queens vor der Kamera zusammen passen.

Link zu www.tunsi.eu

Youtube-Video:


Das bitte so nicht wiederholen. Es gehen übrigens täglich schwule oder lesbische Paare durch Neukölln. Und die "Migrationsgeprägten" gehen auch auf deutsche Schulen, nur um mal eine Idee für sinnvollere Forderungen zu bringen.


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#5
23.07.2015
09:16:50


(+16, 20 Votes)

Von userer
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ca. 75 % der Ukrainer sind orthodoxe Christen,
2,4 % sind römisch-katholische Papsttreue,
2,7 % sind Evangelen.

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Ukraine#Religion


Insgesamt sind also ca. 80 % der Ukrainer religionsgestörte Christen. Kein Wunder für mich, dass die Menschenrechte von Schwulen dort mit Füßen getreten werden.


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#6
23.07.2015
09:40:58


(+11, 11 Votes)

Von Peer


Was sind das für durchgeknallte Wahnsinnige, die andere Menschen angreifen...

Das kann nur Abschaum sein, der so weit unten steht, dass er vermeintlich schwächere braucht, um sich selbst besser zu fühlen...

Diesem Pack wünsche ich alles erdenklich schlechte...


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#7
23.07.2015
09:51:15


(+7, 13 Votes)

Von Heiner


Das schlimme ist: das sind keine Einzeltäter, sondern Politik, Justiz, Kirchen und eine überwältigende Mehrheit der Bürger stehen voll hinter denen. Auch die Klitschkos haben sich ja schon homophob geäußert.

Die wollen, dass wir ihnen gegen Russland helfen, aber die zeigen, dass sie in Wahrheit eben doch zu Russland gehören...


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#8
23.07.2015
09:58:59


(+6, 18 Votes)

Von XDAS
Antwort zu Kommentar #7 von Heiner


Ich wüsste auch nicht, wieso wir dem einen faschistischen Staat gegen den anderen faschistischen Staat helfen sollten... Ist doch beides dasselbe mit anderen Namen...

Zumal die tagtäglich zeigen, dass die genauso ticken wie die anderen.

Lass die doch ruhig erfahren, wo sie mit ihrer Einstellung landen. Nach Europa gehören die aber definitiv nicht!!


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#9
23.07.2015
10:02:54


(+16, 18 Votes)

Von Julian 80


Unsere schwarz-rote Bundesregierung arbeitet ja auch mit aller Macht daran, hier russisch-ukrainische Zustände zu bekommen:

- Festschreibung rechtlicher Diskriminierung
- Verhindern eines Diskriminierungsschutzes
- Blockieren von Aufklärung und Bildung
- homophobe Gewalttaten werden nicht mal statistisch erfasst - in einem Land, wo jeder Furz in einer Statistik auftaucht
- finanzielle Unterstützung von Hasspredigern und Hetzschriften
- Erlaubnis und finanzielle Förderung angeblicher "Homoheilung" (also Gehirnwäsche)
- etc.
- etc.
- etc.

Wohlgemerkt:
wir reden hier von Deutschland - dank CDU, CSU und SPD...


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#10
23.07.2015
10:03:21


(+3, 13 Votes)
 
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