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  • 27.07.2015, 13:12h           182      Teilen:   |

Kritik von Aids-Aktivisten

USA: Wieder 30 Jahre Haft für HIV-Positiven

Artikelbild
David M. soll im Gefängnis bleiben, bis er Rentner ist (Bild: Dexter Police Department)

Zum zweiten Mal in diesem Monat ist ein HIV-Positiver zu drei Jahrzehnten im Gefängnis verurteilt worden, weil er seinen Sex-Partnern nichts von seiner Infektion erzählt hatte.

Im US-Bundesstaat Missouri ist ein 39-jähriger Mann vergangene Woche zu einer Haftstrafe von 30 Jahren verurteilt worden, weil er seinen männlichen Sexpartnern nichts von seiner HIV-Infektion erzählt hatte. David M. hatte sich vor einem Bezirksgericht in der Kleinstadt Dexter schuldig bekannt, mit zwei Männern ungeschützten Sex gehabt zu haben, ohne seine Partner über seine HIV-Infektion zu informieren.

Der Angeklagte war bereits 2013 verhaftet worden, nachdem ein früherer Sexpartner positiv auf HIV getestet worden war. Bei der Befragung hatte M. dann angegeben, dass er mit bis zu 300 Männern Sex gehabt hätte, mit denen er meist über eine Datingwebsite Kontakt aufgenommen habe. Darunter seien viele Trucker gewesen, die Missouri als Transitroute nutzten. Später behauptete er, er habe mit der Zahl nur prahlen wollen und es seien ca. zwölf Männer gewesen, mit denen er Sex gehabt und denen er nichts von seiner HIV-Infektion erzählt habe. Als Grund für sein Schweigen nannte er "die Angst vor Zurückweisung". Außerdem habe er seinen damaligen Freund eifersüchtig machen wollen.

M. erklärte während des Verfahrens, dass er 2003 positiv getestet worden sei und zwischen 2003 und 2009 in Behandlung war. Danach sei er nach Missouri gezogen und habe die Behandlung abgebrochen. Als Grund gab er an, dass er kein Auto hatte und es daher nicht möglich war, den Arzt aufzusuchen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine hohe Haftstrafe verlangt und erklärt, dass eine große Gefahr bestehe, dass der Angeklagte nach seiner Freilassung rückfällig wird. Seine Pflichtverteidigerin sagte dagegen, dass ihm die Taten leid täten.

Bereits vor rund zwei Wochen wurde ein 23-jähriger Positiver ebenfalls in Missouri zu 30 Jahren Haft verurteilt, weil er seinen Sexpartnern nichts von seiner HIV-Infektion erzählt hatte (queer.de berichtete).

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Aids-Aktivisten: Verfolgung von HIV-Positiven ist nicht sinnvoll

Aids- und Schwulenaktivisten kritisieren derartige Haftstrafen scharf. Die Verfolgung von Positiven führe lediglich dazu, dass sich weniger Menschen testen ließen. Außerdem dürfe die Verantwortung nicht einseitig positiven Menschen aufgebürdet werden, vielmehr sei jeder selbst verantwortlich dafür, sich zu schützen.

Auch in Deutschland können HIV-Positive zu Haftstrafen verurteilt werden, wenn sie ihrem Partner nichts von ihrer Infektion erzählen. So erhielt eine Sexarbeiterin im vergangenen Jahr eine vierjährige Haftstrafe (queer.de berichtete). Der Nationale Aids-Beirat der Bundesregierung kritisierte bereits 2013, dass Strafverfahren bei HIV-Übertragungen nach einvernehmlichem Sex "keinen Beitrag zur HIV-Prävention" leisten würden (queer.de berichtete).

In Missouri, wie auch in vielen anderen US-Bundesstaaten, ist der Verfolgungsdruck auf Positive allerdings viel größer: Nach dem Gesetz könnten sogar Positive belangt werden, deren Viruslast nicht nachgewiesen werden kann und die ein Kondom benutzt haben. Die Mindesthaftstrafe bei einer Übertragung beträgt zehn Jahre und liegt damit gleich hoch wie bei vollendetem Totschlag. Bei fahrlässiger Tötung – etwa wenn ein betrunkener Autofahrer ein Kind tödlich verletzt – verlangt das Gesetz dagegen nur sieben Jahre Haft. (dk)

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Tags: aids, hiv, usa, missouri
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 HIV/Aids
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Reaktionen zu "USA: Wieder 30 Jahre Haft für HIV-Positiven"


 182 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
27.07.2015
13:29:30


(-4, 8 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Exzessiv lange Haftstrafen haben in den USA schon eine beängstigende Tradition:

Link zu www.welt.de

Link zu www.spiegel.de

Link zu www.tagesschau.de

Wo soll das noch hinführen, wo doch die Knäste in den USA angelich maßlos überfüllt sein sollen?


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#2
27.07.2015
13:47:34


(+10, 10 Votes)

Von Jadughar
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.04.2011
Antwort zu Kommentar #1 von Patroklos


Die lange Gefängnisstrafe wird absurd, wenn der Verurteilte wegen HIV in 5 - 10 Jahren verstirbt. Verstirbt er nicht, dann ist eine HIV-Infektion heute nicht mehr so schwerwiegend, daß es eine solche lange Gefängnisstrafe rechtfertigt. Überträgt man es auf andere ansteckbare Krankheiten wie beispielsweise Grippe etc., dann gilt jede Ansteckung als fahrlässige Körperverletzung, die man mit langen Haftstrafen ahnden müßte.


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#3
27.07.2015
14:11:50


(-8, 12 Votes)

Von Rolf


"Seine Taten täten ihm leid..."

Kommt einem irgendwie bekannt vor.

Überm großen Teich scheint die Mitleidstour aber erfreulicherweise nicht zu ziehen.


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#4
27.07.2015
14:13:01


(+4, 6 Votes)

Von Jadughar
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.04.2011


Ich frage mich, wie sie solche langen Haftstraßen wie etwa 4000 Jahre realisieren wollen. Künstlich am Leben erhalten oder die Knochen solange aufbewaren? Absurd, wenn jemand nach 3000 Jahren einen Antrag auf Bewährung stellen kann.


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#5
27.07.2015
14:17:51
Via Handy


(-1, 11 Votes)

Von schabrakke_


Ungeschützter Sex von HIV-positiven wird, wenn er in einer Infektion des anderen resultiert und der Partner nicht ausdrücklich dem Risiko einwilligt, immer strafbar bleiben, weil er den objektiven Straftatbestand einer Körperverletzung erfüllt. Ob das global gesehen negative Folgen für die HIV Prävention nach sich zieht, ist völlig irrelevant. Das ist nicht Gegenstand der einzelnen Gerichtsverhandlung. Daß 30 Jahre blödsinnig übertrieben sind, ist wohl jedem klar. Was aber meiner Meinung nach ebenso klar ist, ist, daß einem HIV Positiven, der Angst vor Zurückweisung hat, zuzumuten ist, eben verdammt noch mal ein Gummi zu benutzen - und wenn er das nicht will, soll er sich in Kreisen bewegen, in denen Leute offensiv Barebacking betreiben, darüber aufgeklärt und/oder schon HIV-positiv sind.


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#6
27.07.2015
14:22:57


(-8, 12 Votes)

Von Anne-Gret
Antwort zu Kommentar #2 von Jadughar


Eine HIV-Infektion mit einer Grippe zu vergleichen - DAS sollte strafbar sein!


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#7
27.07.2015
14:25:07


(-8, 12 Votes)

Von Rolf
Antwort zu Kommentar #2 von Jadughar


Aha,
du gehörst anscheinend zur Fraktion der Verharmloser einer Krankheit, die die Allgemeinheit im Fall einer Therapie Unsummen kostet


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#8
27.07.2015
15:00:00


(-7, 9 Votes)

Von Rolf
Antwort zu Kommentar #6 von Anne-Gret


Das Schlimme ist:
Das sehen, mit den abstrusesten Begründungen, auch einige andere so.
Warten wir mal ab...


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#9
27.07.2015
15:00:37
Via Handy


(+9, 11 Votes)

Von JW Grimm
Antwort zu Kommentar #7 von Rolf


Hier würde ich dann doch mal wissen, was Frau Sommer empfiehlt. Bei jedem Aussprechen der Buchstaben HIV dreimal bekreuzigen?

Ich hoffe für Dich, dass Du vor lauter Dramatisierung anderer nicht mal vor lauter Moralisieren Deinen eigenen Schutz vergisst und Dir eine Infektion von jemandem einfängst, der aus Angst vor Leuten wie Dir die Frage nach seinem eigenen Status verdrängt.


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#10
27.07.2015
15:03:57


(+2, 8 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Folgt man der verquerten Logik, die hinter dem unmenschlichen Strafmaß steckt, müsste eigentlich auch der Neuinfizierte wegen Beihilfe ebenfalls im Knast landen. Die Aidshilfen kritisieren derartige Urteile also zurecht.


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