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  • 30.07.2015, 18:56h           49      Teilen:   |

Täter festgenommen

Mehrere Verletzte nach Messer-Attacke auf CSD in Jerusalem

Artikelbild
Bei dem Angriff wurden mehrere Menschen verletzt

Mindestens sechs Menschen wurden bei dem Angriff teils lebensgefährlich verletzt. Bei dem Angreifer handelt es sich um einen ultra-orthodoxen Juden, der bereits 2005 auf Teilnehmer des CSDs eingestochen hatte.

Der CSD in Jerusalem ist am Donnerstagnachmittag von Gewalt überschattet worden. Ein Mann stach auf mehrere Teilnehmer der Demonstration ein und verletzte sechs Personen, bevor er festgenommen werden konnte. Am späten Abend sind noch vier Personen mit Verletzungen in einem Krankenhaus, vor allem um ein 16-jähriges Mädchen sorgen sich die Ärzte.



Bei dem Angreifer handelt es sich um einen 50-jährigen ultra-orthodoxen Gläubigen. Laut Polizei ist es der gleiche Mann, der bereits 2005 auf Teilnehmer des CSD eingestochen hatte. Er hatte damals drei Menschen verletzt (queer.de berichtete) und war später wegen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde vor drei Wochen aus der Haft entlassen, nachdem das höchste Gericht des Landes vor einigen Jahren seine Strafe reduziert hatte.



Fotos von der neuen Attacke auf der Keren-Hayesod-Straße zeigen, wie der Mann, der sich vor Beginn der Demonstration in einem Supermarkt versteckt haben soll, ein Messer aus seiner Jacke herausholt und dann größtenteils von hinten auf Teilnehmer der CSD-Parade einsticht, bevor er von Polizisten überwältigt wird. Dem britischen "Guardian" sagte eine 18-jährige Augenzeugin: "Ich sah, wie er auf einen Mann einstach, der Stöckelschuhe und eine enge kurze Hose trug, und auf einen Mann, mit dem ich gerade geredet hatte, der ganz gewöhnlich gekleidet war. Er hat so hart auf den Mann neben mir eingestochen, das war wie: 'Ich hasse Dich!'" Ein anderer Augenzeuge meinte, die Augen des Mannes seien voller Hass gewesen.

Die Opfer wurden zunächst vor Ort behandelt und dann in drei Krankenhäuser der Stadt gebracht, die meisten sollen um die dreißig Jahre alt sein. Eine 16-Jährige erlitt Stichwunden in Rücken, Brust und Nacken; ihre Lage ist laut Ärzten stabil, aber weiter bedrohlich. Auch ein 26-Jähriger, der mit seiner Freundin den CSD unterstützen wollte, wurde lebensgefährlich verletzt und wird weiter behandelt.



Am Rande des CSD hatten rund 30 Mitglieder der ultra-rechten Organisation Lehava protestiert. Sie hatten vorab in einem Statement angedroht, der Pride werde nicht ungestört verlaufen. Nach der Messer-Attacke sagte ihr Chef Benzi Gopstein, man lehne "das Niederstechen von Juden ab", fordere aber, die "abscheuliche Parade" nicht mehr zuzulassen.

Die Polizei hatte die Gegendemonstranten von dem CSD ferngehalten und war auch ansonsten mit einem großen Sicherheitsaufgebot vertreten. Die Parade, an der mehrere tausend Menschen teilnahmen, wurde nach einer Unterredung der Veranstalter mit den Beamten fortgesetzt und endete in einem Park, wo in Reden auf die Tat eingegangen wurde. Am Abend versammelten sich Menschen zu einem stillen Gedenken am Zion-Platz in der Innenstadt.



Für Freitag sind gegen 12 Uhr mittags weitere kleinere Gedenken in Jerusalem und Tel Aviv geplant. Am Abend hat die LGBT-Organisation Aguda zudem zu einer großen Kundgebung am Samstag in Tel Aviv aufgerufen und gefordert, dass daran Präsident und Premierminister, die Anführer aller Parteien von rechts bis links sowie aller Glaubensrichtungen teilnehmen. Die Veranstaltung, die ursprünglich dem sechsten Jahrestag der Schießerei in einem LGBT-Jugendtreff gedacht war, müsse ein geschlossenes Signal gegen Homophobie und Gewalt abgeben. "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns", so das Statement der Organisation. "Wer sich nicht gegen die Attacke ausspricht und wer nicht daran mitarbeitet, solche Attacken in der Zukunft zu verhindern, macht sich zum Komplizen des Hasses."

Youtube | Kurzer Bericht von Euronews
Fortsetzung nach Anzeige


Reaktionen

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sprach kurz nach der Tat von einem "schrecklichen Hassverbrechen" Er wünschte den Opfern eine schnelle Genesung und versprach, dass ihnen Gerechtigkeit widerfahren werde. Die Freiheit eines jeden, so zu leben, wie er möchte, sei einer der Grundwerte des Staates. Ein ähnliches Statement gab er später vor einer Kamera ab und verbreitete es auf Youtube (auf Hebräisch).

Auch Israels Präsident Reuven Rivlin sprach von einem "erschütternden Hassverbrechen" an einem Tag, an dem man zusammengekommen sei, um zu feiern. "Wir dürfen uns nichts vormachen: Fehlende Toleranz führt zum Desaster. Wir dürfen solche Verbrechen nicht erlauben und müssen die verurteilen, die sie ausführen und unterstützen."

Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat sagte, die "scheußliche Tat" sei ein "Versuch, die Lebensqualität in der Stadt zu treffen und das Grundrecht auf Meinungsfreiheit zu verhindern". In Jerusalem sei Platz für jeden und die Stadt werde zusammen mit der Polizei jeden bekämpfen, der anderen Gewalt antun wolle.

Inzwischen haben alle wichtigen Parteiführer und Rabbis des Landes und der Stadt die Tat verurteilt. Der Knesset-Abgeordnete Itzik Schmuli von der Arbeiterpartei outete sich nach dem Angriff als schwul. In der Tageszeitung "Jediot Acharonot" schrieb er: "Wir können nicht länger still sein, denn das Messer ist gegen die gesamte LGBT-Gemeinde – die meine Gemeinde ist -, gezückt. Und es wird nicht hier stoppen."

Innenminister Gilad Erdan hat eine Untersuchung des Vorfalls angekündigt, sein für den Bildungsbereich zuständiger Kollege Naftali Bennett, ein Mitglied der homophoben, religiösen und zionistischen Partei Bayit Yehudi, überraschend eine Aufstockung der Mittel für eine LGBT-Jugendorganisation.



Das "Jerusalem Open House for Pride and Tolerance", das den CSD organisiert, zeigte sich in einer Stellungnahme "schockiert und betrübt, dass ein Fanatiker in der Lage war, die Sicherheitsvorkehrungen zu durchbrechen und so viele unserer Demonstranten zu verletzen". Auf Facebook bat die Organisation um Worte des Mitgefühls, die einen versichern sollen, dass man in der Stadt "frei und sicher" leben könne.

Auch die Organisation "Israeli National LGBT Task Force" (AGUDA) verurteilte den Angriff und zeigte sich schockiert, dass solche Taten noch im Jahr 2015 möglich sind.

Die erste Reaktion aus Deutschland kam von den Schwusos Hamburg und der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft Hamburg. In einer gemeinsamen Pressemitteilung vom Donnerstagabend verurteilen die beiden Organisationen die Anschläge und erklärten sich mit den Opfern und ihren Angehörigen solidarisch: "Die eindeutige Reaktion der israelischen Regierung begrüßen wir und hoffen, dass in Zukunft in Jerusalem und im gesamten Nahen Osten LSBTI-Menschen für ihre Rechte demonstrieren können, ohne Angriffen von Extremisten oder, wie zuletzt in der Türkei, staatlichen Kräften ausgesetzt zu sein."

Ausschreitungen und Verbotsversuche

Den CSD in Jerusalem gibt es seit dem Jahr 2002. Nach der Messerstecherei 2005 kam es im Folgejahr bei einer Demonstration für ein CSD-Verbot zu Ausschreitungen zwischen ultra-orthodoxen Juden und Polizisten, bei denen mehrere Personen verletzt wurden. Der CSD selbst verlief friedlich. In den Folgejahren gab es mehrere Versuche der Politik, die Demonstration zu verbieten, die letztlich ebenso scheiterten wie eine Anti-CSD-Petition an das Höchste Gericht des Landes. In diesem Jahr stand der CSD unter dem Motto "Transforming Jerusalem", mit einem Schwerpunkt auf die Rechte von Transsexuellen und Transgendern.

Der weniger angefeindete CSD im liberaleren und säkulareren Tel Aviv hatte vor wenigen Wochen rund 180.000 Teilnehmer versammeln können. 2009 waren in der Stadt zwei Menschen getötet und rund zehn weitere schwer verletzt worden, als ein Angreifer in einem Coming-out-Treff der Organisation Aguda um sich schoss (queer.de berichtete). Die Tat ist bis heute ungeklärt. (nb)

mehrfach aktualisiert

 Update  31.7., 13.40h: Spendenkonto eingerichtet

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) und die Hirschfeld-Eddy-Stiftung zeigten sich am Freitag "bestürzt über das brutale Attentat auf den CSD in Jerusalem". Ein Ansprechpartner beim Jerusalem Open House habe gesagt, dass die Betreuung der Opfer und der Angehörigen sowie die Erhöhung der Sicherheitsvorkehrungen für das LSBT-Community Center in Jerusalem viel Geld kosten würden. Der LSVD und seine Stiftung haben 1.000 Euro gespendet und ein Spendenkonto eingerichtet.

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Reaktionen zu "Mehrere Verletzte nach Messer-Attacke auf CSD in Jerusalem"


 49 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
30.07.2015
19:11:20


(-9, 15 Votes)

Von Trion


haOlam.de will lt. FB-Seite schnellstmöglich Details und Videos veröffentlichen:

Link:
haolam.de/artikel_21847.html


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#2
30.07.2015
19:28:16


(+7, 9 Votes)

Von Roman Bolliger


Folgerichtig sollte nun das Gericht angeklagt werden wegen fahrlässigem Handeln (hoffentlich ohne Todesfolge).


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#3
30.07.2015
20:06:06


(+13, 13 Votes)

Von Christine


Ich hoffe, dass allen Verletzten geholfen werden kann und sie wieder heil werden!
Alles Liebe und Gute nach Jerusalem!


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#4
30.07.2015
20:06:39


(+8, 8 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014


Das ist schon fraglich,weshalb der offenbar urteilsignorante Täter so früh frei kam.

Ultraorthodoxe sind da zwar wegen ihrer Wertetreue und ablehnenden Haltungen gegenüber Neuentwicklung und Erweiterung so bekannt wie bei uns die christlichen Hardliner. Aber zu solchen Taten schreiten wohl gleichzeitig psychisch arg Gestörte.

Ein Geschehen,das bei vernünftigem Umgang mit dem Täter (Verwahrung) verhindert werden hätte können!


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#5
30.07.2015
20:45:07


(+3, 13 Votes)

Von lucdf
Aus köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 04.09.2011


Ja! Religion als Geißel der Menschheit.


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#6
30.07.2015
20:57:36


(+3, 9 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Hoffentlich wird der Täter nach der abscheulichen Tat für immer aus dem Verkehr gezogen und bis an sein Lebensende im Knast bleiben!


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#7
30.07.2015
21:38:28


(-1, 25 Votes)

Von den Tätern


Das ist das Ergebnis der Politik einer radikal rechten, aggressiv rassistischen, brutal kriegstreibenden und homophoben Regierung!


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#8
30.07.2015
22:02:37


(+5, 13 Votes)

Von userer
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von den Tätern


"Premierminister Benjamin Netanjahu sprach kurz nach der Tat von einem "schrecklichen Hassverbrechen" Er wünschte den Opfern eine schnelle Genesung und versprach, dass ihnen Gerechtigkeit widerfahren werde."

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Merkel die gleichen klaren Worte in Deutschland finden würde nach solch einem Vorfall.

Religiöse Menschen jedweder "Glaubens"-Richtung stellen eine Lebensgefahr dar für friedliche klar denkende Menschen.


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#9
30.07.2015
22:10:30
Via Handy


(+1, 23 Votes)

Von LittleTalks
Antwort zu Kommentar #7 von den Tätern


So etwas kann leider überall passieren und auch im friedlichen Nordeuropa.
Siehe Breivik.


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#10
30.07.2015
22:32:19


(+1, 21 Votes)

Von Triton
Antwort zu Kommentar #7 von den Tätern


Der Täter kommt nicht aus dem politischen Bereich der angeblich "rechtsradikalen und-was-sonst-noch-alles"-Parteien wie Du implizierst, sondern aus dem ultraorthodoxen Hareidi-Spektrum, die viele ihrer Privilegien eher den linken Parteien Meretz und Awoda verdanken, mit denen sie jahrezehntelang in der Koalition bzw. in Koalitionen saßen.
Die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Paaren steht für keine einzige der von Dir als "rechtsradikal" bezeichneten Parteien in Frage - ganz im Gegenteil. Mir erscheint, es geht Dir weniger um die Opfer oder um die Tat als solches, sondern um deren Instrumentalisierung zur Dämonisierung Israels und seiner jetzigen Regierung.


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