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  • 31.07.2015, 14:10h           52      Teilen:   |

Diskriminierende Bezeichnung

Schützenverein kürt "Schwuchtelkönig"

Artikelbild
Ausschnitt von der Website des Cluvenhagener Schützenvereins. Hier posiert der Vorstand "schwuchtelig", so gut er kann (Bild: Screenshot)

Seit fast zwei Jahrzehnten lassen sich mutmaßliche Heterosexuelle in der niedersächsischen Provinz zum "Schwuchtelkönig" küren – jetzt gibt es in der Region Widerstand gegen die diskriminierende Bezeichnung.

Im niedersächsischen Dörfchen Cluvenhagen, 25 Kilometer südöstlich von Bremen gelegen, ist diesen Monat bei einem Schützenfest zum 20. Mal der "Schwuchtelkönig" gekürt worden. Doch über diesen inzwischen traditionellen Titel in dem 2.600 Einwohner zählenden Ort gibt es nun in der Region Kritik, wie die "Kreiszeitung" meldet. Demnach kritisieren Anwohner den Namen der Auszeichnung als schwulenfeindlich.

Der Chef des Schützenvereins, der 69-jährige Johann Krüger, kann die Aufregung allerdings nicht verstehen: "Für mich ist das alles etwas weit hergeholt, an den Haaren herbeigezogen", erklärte er gegenüber der Lokalzeitung. Die Namensgebung sei erfolgt, "ohne jemanden verletzen zu wollen".

Auf der Website des Schützenvereins ist die Geschichte hinter der Begriffsfindung zu lesen: Demnach entschieden sich die Mitglieder im Jahr 1996, auf eine "Schießschnur" feuern wollte. Als beste Farbe für diese Schnur wurde rosa ausgewählt – und das brachte die Schützen auf die Idee, den Begriff "Schwuchtel" dafür zu verwenden. Später kamen weitere Auszeichnungen hinzu, wie der Titel "Schwuchtelkaiser" oder das "Schwuchteltäschchen".

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Warum kein "Negerkönig"?

In der "Kreiszeitung" kritisierte die 43-jährige Anwohnerin Beke Meyer die Namensgebung mit einem Vergleich: "Wenn die Schießkordel nicht rosa, sondern schwarz wäre, dann gibt es auch noch einen Negerkönig?" Die Bezeichnung sei schlicht "entwürdigend". Für ihren Lebenspartner geht der Name sogar in Richtung "Nazi-Jargon".

Freilich ist "Schwuchtel" ein Schimpfwort für schwule Männer – und LGBT-Aktivisten befürchten, dass derartige Worte, anders als rassistische Schimpfworte wie das berüchtigte N-Wort, gesellschaftsfähig bleiben. Gerade für jungen Lesben und Schwule könne dies gefährlich sein, wenn unter den Gleichaltrigen derartige Begriffe als Schimpfworte verwendet werden. Damit würde ein Coming-out extrem erschwert. Eine Berliner Studie kam 2012 zum Ergebnis, dass fast zwei Drittel der Grundschüler "schwul" oder "Schwuchtel" als Schimpfwort gebrauchen (queer.de berichtete).

In den letzten Jahren gab es immer wieder Kritik von LGBT-Aktivisten an Schützenvereinen – etwa als der 300.000 Mitglieder zählende "Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften" schwulen Schützenkönigen verboten hatte, gemeinsam mit ihrem Partner aufzutreten (queer.de berichtete). Ihnen muss seither eine Anstandsdame zur Seite gestellt werden. Der katholische Verband argumentierte, dass ein Homo-Paar nicht der christlichen Tradition der Schützen entsprechen würde.

Als Reaktion auf die ablehnende Haltung insbesondere in katholischen Gebieten wurde 2012 in Köln ein Schützenverein für Schwule und Lesben gegründet (queer.de berichtete). (dk)

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Tags: schützenverein, cluvenhagen
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Reaktionen zu "Schützenverein kürt "Schwuchtelkönig""


 52 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
31.07.2015
14:32:04


(+10, 12 Votes)

Von XDAS


Das ist wieder mal ein Beispiel, wie man sich auf Kosten einer Minderheit lustig machen will, indem man uns (völlig falsch) nachäfft.


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#2
31.07.2015
14:49:32


(-2, 14 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012


Mich regt das eher weniger auf. Ich halte einfach solche Leute für extrem kindisch und grenzdebil. Leben sie doch in ihrer lächerlich kleinen Welt, die ihrem begrenzten Verstand entspricht. Provinzielle Schützenvereine gehören wohl zu den abgefucktesten Vereinigungen, die heutzutage "traditionsbedingt" immer noch existieren. Wer zu sowas hin geht, hat natürlich auch ein entsprechendes Mindset. Das erzeugt bei mir eigentlich eher eine Haltung von "Mitleid und Takt" gegenüber diesen Leuten ... und natürlich auch eine gewisse Portion von Verachtung. Von mir aus sollen sie doch ihre lächerlichen Spielchen treiben solange sie nichts schlimmeres tun und sich dabei wie "richtige Kerle" fühlen, immerhin haben sie ja sonst nichts im Leben.


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#3
31.07.2015
15:14:21


(+13, 13 Votes)

Von ursus
Antwort zu Kommentar #2 von HonestAbe


in dieser kleinen, begrenzten welt wachsen aber auch queere jugendliche auf, die lernen, dass sie in ihrem gesamten sozialen umfeld zur witzfigur werden würden, wenn sie sich offenbaren. solche "harmlosen scherze" können immer noch menschenleben kosten. und ich wünschte wirklich, das wäre zu dramatisch formuliert, ist es aber leider nicht.


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#4
31.07.2015
15:36:22


(-4, 10 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012
Antwort zu Kommentar #3 von ursus


Stimmt schon, aber ich kann dir jetzt schon sagen, dass diese kleinlichen Leute sich keiner Schuld bewusst sind, bzw. sein wollen. Wer im Jahre 2015 noch denkt, dass so etwas OK sei, ist entweder extrem dumm oder einfach nur ein Arschloch. Wie soll man solche Leute erreichen? Da halte ich es für sinnvoller diese Leute machen zu lassen, damit sie sich nicht plötzlich als "Opfer" fühlen und sich dadurch radikalisieren, denn vom Schützenvereinsheini zum AfD- oder NPD-Wähler ist es nur noch ein kleiner Schritt. Zudem hilft hier meiner Ansicht nach nur, auch in der Provinz Anlaufstellen für queere Jugendliche zu schaffen um ihnen dabei zu helfen, sich in dieser Welt zu behaupten und im Idealfall daraus auszubrechen. Das ist aber dann jedem selbst überlassen. Mich jedenfalls verwundert es nicht, dass es eine große Zahl an queeren Menschen in die Sätdte zieht. Mit den Leuten auf dem Land ist oftmals in Hinsicht auf auch nur halbwegs progressives Denken Hopfen um Malz verloren. Scheint irgendein bescheuertes "Naturgesetz" zu sein.


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#5
31.07.2015
15:43:31


(+5, 5 Votes)

Von Meinulf Krön


...wenn ich mal Christine Nöstlinger verfremden darf: "Wir pfeifen auf den Schwuchtelkönig!"


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#6
31.07.2015
16:08:38


(+13, 13 Votes)

Von metoo


"Demnach entschieden sich die Mitglieder im Jahr 1996, auf eine "Schießschnur" feuern wollte. Als beste Farbe für diese Schnur wurde rosa ausgewählt und das brachte die Schützen auf die Idee, den Begriff "Schwuchtel" dafür zu verwenden."

Man schießt also auf Schwuchteln und denkt sich nichts böses dabei? Hab ich das so richtig verstanden?


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#7
31.07.2015
16:11:59


(+7, 11 Votes)

Von userer
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"Wenn die Schießkordel nicht rosa, sondern schwarz wäre, dann gibt es auch noch einen Negerkönig?"

Ich befürchte, auch damit hätte man in der Provinz keine Probleme.


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#8
31.07.2015
16:13:49


(+8, 10 Votes)

Von userer
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #6 von metoo


Genau so hatte ich das auch gelesen, aber gehofft, ich hätte mich geirrt.


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#9
31.07.2015
16:48:21


(+10, 12 Votes)

Von ursus
Antwort zu Kommentar #4 von HonestAbe


>"Da halte ich es für sinnvoller diese Leute machen zu lassen, damit sie sich nicht plötzlich als "Opfer" fühlen und sich dadurch radikalisieren"

mit diesem argument müsste man jede gruppenbezogene menschenfeindlichkeit jederzeit und überall kritiklos durchgehen lassen. es könnte ja jemand aus schreck noch radikaler werden. das lasse ich nicht gelten.

wie soll sich jemals etwas verändern, wenn man sich jedesmal ausmalt, dass das bloße ansprechen des problems alles noch schlimmer machen würde? du unterzeichnest hier gerade einen freibrief zur selbstlähmung!


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#10
31.07.2015
17:06:47


(+11, 11 Votes)

Von metoo


Dank an dieser Stelle aber an Frau Beke Meyer und ihren Lebensgefährten für ihre Zivilcourage. Damit machen sich die beiden sicher nicht nur Freunde in ihrem Wohnort.


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