Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?24316

Kundgebungen in Jerusalem und Tel Aviv

Israel: Ein Zeichen gegen Hass und Homophobie


Allein in Jerusalem kamen am Samstag mehrere tausend Menschen zusammen

Nach dem Angriff auf den Jerusalemer CSD demonstrierten tausende Menschen in mehreren Städten. Auch Politiker setzten ein Zeichen.

Zwei Tage nach dem Messer-Angriff auf Teilnehmer des Jerusalemer CSD, bei dem sechs Menschen durch einen ultra-orthodoxen Juden teils schwer verletzt wurden (queer.de berichtete), haben am Samstag zehntausende Menschen in mehreren Städten Israels gegen Hass und Gewalt protesiert.

In Jerusalem versammelten sich mehrere tausend Menschen auf dem Zion-Platz; es war die erste LGBT-Veranstaltung, bei der die Stadtverwaltung kooperiert hatte. Die Organisatoren des CSD sprachen danach von einer "historischen Demonstration gegen Homophobie und Gewalt".



Bei der Veranstaltung sagte Israels Präsident Reuven Rivlin, er sei "durchsetzt von Furcht vor der Kraft des Hasses". In Bezug auf den Messer-Angriff wie auch den Brandanschlag auf das Haus einer Familie im Westjordanland in der Nacht danach, bei dem ein 18 Monate alter Junge verbrannte, sagte er, man müsse die "Flammen der Gewalt, des Hasses, der falschen, verzerrten und verstörten Uberzeugungen" ersticken, bevor sie jeden zerstörten.

Das sei eine Aufgabe für den Staat – von der Schule über Strafverfolgungsbehörden bis zur Knesset – ebenso wie für eine Gesellschaft, die oft genug Extremismus in ihrer Mitte dulde: "Was erlaubt Extremismus, sich selbstbewusst bei Tageslicht zu zeigen?" Aus Jerusalem müsse ein Weckruf in das Land gehen, meinte Rivlin: Nur mit Solidaritätskundgebungen, Facebook-Nachrichten oder Politiker-Botschaften in den Medien könne man keine Flammen löschen. Gefragt sei ein entschlossenes Handeln.

Peres: Aufstand der Leute mit Gewissen gefordert

Bei einer ähnlichen Veranstaltung im Meir-Park in Tel Aviv, zu der ebenfalls Tausende kamen, sagte der frühere Präsident Schimon Peres, er sei "schockiert und beschämt", wieder aus einem traurigen Anlass vor der LGBT-Community stehen zu müssen – am sechsten Jahrestag der Schießerei in einem LGBT-Jugendtreff in Tel Aviv, bei der zwei Menschen starben. Peres hatte damals bei einer Gedenkveranstaltung eine Woche später gesprochen (queer.de berichtete).



Am Samstag sagte der 92-Jährige, er könne nicht glauben, auf welche Abgründe er starre. Wie Rivlin verurteilte er den Brandanschlag im Westjordanland. Bezogen auf Premierminister Benjamin Netanjahu sagte er: "Wer Hass auf Araber schürt, darf sich nicht wundern, wenn Kirchen und Moscheen in Flammen aufgehen und am Schluss ein Baby bei lebendigem Leib verbrannt wird." In einer Demokratie müsse es politische Kompromisse geben, aber es dürfe keine moralischen Kompromisse geben, so Peres: "Das ist kein Kampf zwischen Links und Rechts, sondern zwischen Leuten mit Gewissen und denen ohne Skrupel".

Zu der Veranstaltung kamen Vertreter der wichtigsten Parteien, darunter auch Oppositionsführer Jitzchak Herzog. Ein Manifest gegen Gewalt und für die Rechte der LGBT-Community wollte die Partei "Jüdisches Heim" aber nicht mitzeichnen. Bildungsminister Naftali Bennett, der der Partei angehört und nach dem Attentat die Aufstockung der Mittel für LGBT-Jugendliche versprochen hat, hatte die Organisatoren gefragt, ob er kommen und sprechen solle, und ein "Nein" erhalten. Einige andere Politiker waren von der Masse ausgebuht worden.



Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai, der zu Beginn seiner Amtzeit noch homophob war und sich zu einem wichtigen Verbündeten der LGBT-Community aufklären ließ, forderte, den Worten müssten Taten folgen: Die Knesset müsse Gesetze für Homo- und Transrechte erlassen, darunter im Ehe-Recht.

Die Veranstaltung im Meir-Park, in dem sich das LGBT-Zentrum von Tel Aviv befindet, fand zeitgleich zu einem weiteren Protest am Rabin-Platz statt, wo tausende Menschen gegen den Anschlag im Westjordanland protestierten und auch die Messerstecherei verurteilten. In Haifa und weiteren Städten hatte es am Samstag ebenfalls kleinere Proteste gegen Homophobie und Gewalt gegeben.

Video-Botschaft von Netanjahu

Premierminister Benjamin Netanjahu hatte sich am Samstag mit einer vorab aufgezeichneten Videobotschaft zu Wort gemeldet. Darin sagte er, dass das 17-jährige Mädchen, das nach der Messerattacke noch immer um sein Leben kämpft, von der Schule stammt, auf die er ging und wo nun seine Kinder lernen. "Das war eine Attacke auf die Kinder von uns allen." Nicht nur der Mordversuch sei schlimm, sondern auch, dass einige ihn begrüßten, offen oder heimlich. "Wir müssen diesen Hass deutlich zurückweisen", so Netanjahu. Jede Form von Homophobie sei zu bekämpfen.

Nach der Attacke befinden sich noch zwei Opfer im Krankenhaus: Neben dem 17-jährigen Mädchen wird noch ein 26-Jähriger behandelt, sein Überleben gilt aber als gesichert. Am Freitag hatte der oberste Rabbi des Landes, Aryeh Stern, die Opfer im Krankenhaus besucht und sich gegen Gewalt ausgesprochen, die nicht im Sinne der Thora sei.



Am Freitag hatte ein Gericht die Untersuchungshaft für den Täter um zwölf Tage verlängert. Er hatte bereits zehn Jahre zuvor auf CSD-Teilnehmer in Jerusalem eingestochen und war erst drei Wochen vor dem diesjährigen CSD aus der Haft entlassen worden. (nb)



#1 InselAnonym
  • 02.08.2015, 11:47h
  • Ein tolles Zeichen!

    Und toll auch, dass die israelische Politik offen zum Widerstand gegen diese religiösen Fanatiker aufruft.

    Solche Demos (und auch CSDs) wären in keinem anderen Land dieser Region möglich...
  • Antworten » | Direktlink »
#2 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 02.08.2015, 12:03h
  • "Wer Hass auf Araber schürt, darf sich nicht wundern, wenn Kirchen und Moscheen in Flammen aufgehen und am Schluss ein Baby bei lebendigem Leib verbrannt wird." (Schimon Peres)

    Das gilt auch in der BRD in Bezug auf Menschen mit "südländischem Aussehen", das ja für gewisse politisch "angebräunte" Zirkel als Synonym für Muslime steht.
    Rassismus und Antisemitismus sind gleichermaßen verabscheuungswürdig.
    Homophobie und Xenophobie sind zwei dumme Schwestern: Verwandte im Geiste.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 YannickAnonym
  • 02.08.2015, 12:05h
  • >> Am Freitag hatte ein Gericht die Untersuchungshaft für den Täter um zwölf Tage verlängert. Er hatte bereits zehn Jahre zuvor auf CSD-Teilnehmer in Jerusalem eingestochen und war erst drei Wochen vor dem diesjährigen CSD aus der Haft entlassen worden.

    Wieso wird so jemand überhaupt noch aus der Haft entlassen?

    Solche fanatischen Homohasser sind eine lebenslange Gefahr für die Menschheit, die sofort wieder rückfällig werden. Die dürfen NIE mehr in Freiheit sein!!

    Da muss Opferschutz vor irgendwelchen Täterinteressen stehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 hugo1970Profil
  • 02.08.2015, 12:51hPyrbaum
  • Gefragt sei ein entschlossenes Handeln.

    So is es, mann muß den extremismus als ganzes beckämpfen, das heißt jedwelche Diskriminierung (Sexuelle, Ethnien, Geschlechter usw) muß international geahndet, verfolgt, geächtet werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 hugo1970Profil
  • 02.08.2015, 12:54hPyrbaum
  • " In einer Demokratie müsse es politische Kompromisse geben, aber es dürfe keine moralischen Kompromisse geben, so Peres: "Das ist kein Kampf zwischen Links und Rechts, sondern zwischen Leuten mit Gewissen und denen ohne Skrupel".

    Können nicht noch mehr sollche Persönlichkeiten wie Schimon Peres die Staaten, Kontinental und Weltorganisationen leiten?
  • Antworten » | Direktlink »
#6 paren1957Ehemaliges Profil
  • 02.08.2015, 12:55h
  • Welch ein Unterschied zur homophoben Merkel-Republik!

    Hier werden CSD-Teilnehmer zusammengeschlagen und anschließend von der Polizei verhört, während (oder damit?) die Täter sich aus dem Staub machen können. Aus der Politik empört sich keine Sau! Stillschweigendes Einverständnis offenbar.

    Auch von Kundgebungen einer solidarischen Öffentlichkeit - in der deutschen Bananenrepublik absolut Fehlanzeige!

    Dafür Bildungsplangegner allerorten. Unterstützt von der hohen Politik. Zumindest von ihrem konservativen Teil. Und Teile des Klerus exkulpieren das Töten von Schwulen. Zumindest vor dem ewigen Gericht.

    Nicht nur von den Iren könnte Deutschland viel lernen. Nicht nur die Politik, auch die Zivilgesellschaft.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 hugo1970Profil
  • 02.08.2015, 12:56hPyrbaum
  • "Wir müssen diesen Hass deutlich zurückweisen"

    Das verfluchte A...och, der redet von Haß, den er selber säht. Die haben null Gewissen, aber fordern Tolleranz von andersdenkenden.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 seb1983
#9 SchockierendAnonym
  • 02.08.2015, 14:36h
  • Wenn "queere Journalisten" diverse Etappen des Pinkwashing durchlaufen, kommen am Ende wohl solche Artikel heraus, die den extrem rechten Charakter der Regierung Netanjahu beschönigen und eine Scheinwelt für die "Weltöffentlichkeit" erschaffen.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 vor 1 JahrAnonym
  • 02.08.2015, 14:47h
  • Schöne Sonntagsreden in einem Staat, von dem vor kurzem folgende Verbrechen ausgingen:

    Nach Angaben der UN-Organisation für die Koordination humanitärer Hilfe (OCHA) wurden auf israelischer Seite 73 Personen getötet, 66 von ihnen waren Soldaten. Auf palästinensischer Seite zählt man mehr als 2.200 Tote, darunter 551 Kinder. Unter den zertrümmerten Häusern werden noch Wochen später Leichen geborgen. 18 000 Häuser und 100.000 Wohnungen wurden im Gazastreifen durch die israelischen Angriffe zerstört.
  • Antworten » | Direktlink »