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  • 02.08.2015, 12:57h           9      Teilen:   |

Repression

St. Petersburg: Mehrere LGBT-Aktivisten festgenommen

Artikelbild
An der Eremitage wurden fünf LGBT-Aktivisten festgenommen

Wieder endet der Tag der Luftlandetruppen mit Festnahmen. CSD-Organisator Gawrikow wurde bereits vorab abgeführt – bei einem absurden Schauspiel.

In St. Petersburg sind am Sonntag insgesamt sechs LGBT-Aktivisten bei Protesten gegen Homophobie und das Verbot des diesjährigen CSD festgenommen wurden.



Vor dem Kunstmuseum Eremitage wurden nacheinander fünf LGBT-Aktivisten bei – nach russischem Recht erlaubten – Einzelprotesten abgeführt und auf eine Wache gebracht. Kurz zuvor war der CSD-Organisator Juri Gawrikow festgenommen wurden, als er seine Wohnung zu dem von ihm vorab angekündigten Protest verlassen wollte. Die meisten Aktivisten wurden innerhalb weniger Stunden freigelassen. Zu Gawrikow hieß es allerdings am späteren Nachmittag, dass er bis zu einem Gerichtstermin am nächsten Morgen inhaftiert bleiben soll. Sein Anwalt wurde für Stunden nicht zu ihm gelassen, berichtete dieser in sozialen Netzwerken.



Die Proteste zum Soldaten-Feiertag am 2. August gehen auf den Aktivisten Kirill Kalugin zurück, der sich vor zwei Jahren zum ersten Mal auf den Platz gestellt hatte, von Soldaten umzingelt und angegriffen und dann festgenommen wurde (queer.de berichtete). Ein Jahr später hatte er den Protest wiederholt (queer.de berichtete), kurz danach war er nach Deutschland geflohen (queer.de berichtete). Kalugin wollte darauf aufmerksam machen, dass Schwule und Lesben, anders als Soldaten, in Russland nicht frei feiern oder demonstrieren können. Der Protest ist eine Anspielung auf einen verbreiteten "Witz", der angeblich zurückgeht auf einen Spruch des früheren Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow: "Wir brauchen keine Schwulenparade, wir haben doch schon den Tag der Luftlandetruppen."

Youtube | Video mit einigen der heutigen Festnahmen
Fortsetzung nach Anzeige


Absurde Festnahme

Zu einem neuen Witz könnte sich derweil die Festnahme von Gawrikow entwickeln: Ihm wurde "ordnungswidriges Verhalten" vorgeworfen; er habe zwei Personen angeflucht, nachdem er mit seinem Fahrrad in diese gestoßen sei.

In sozialen Netzwerken hatte Gawrikow die "Tat" sofort bestritten und von einer "illegalen Festnahme" gesprochen. Die Zeitung "Fontanka", die den Aktivisten einen Tag lang begleiten wollte, hat inzwischen ein Video des "Vorfalls" und der Festnahme veröffentlicht – eine gewisse Konstuiertheit lässt sich darin erkennen.

Youtube | Bilder wie diese aus dem Jahr 2013, die um die Welt gingen, wollten die Behörden in diesem Jahr wohl von vornerein verhindern

Kein CSD in St. Petersburg und Archangelsk

Der Protest von Gawrikow und den weiteren Aktivisten bezog sich auf das diesjährige Verbot des CSD, der für Ende Juli geplant war. In den letzten Jahren konnten einige Prides in St. Petersburg stattfinden, im letzten Jahr kamen rund 100 Menschen zu einer friedlichen Versammlung zusammen (queer.de berichtete). Für Veranstaltungen auf dem Marsfeld, das als eine Art "Speaker's Corner" eingerichtet wurde, sind keine Genehmigungen nötig.

In diesem Jahr stand der Ort aber nicht zur Verfügung und die Behörden verbaten mehrere Gesuche für einen CSD Ende Juli. Auch eine Verschiebung auf den Tag der Luftlandetruppen brachte keine Einlenken der Behörden.

Gawrikow hatte dabei versucht, das mediale Spektakel um einen angemeldeten CSD in Archangelsk zu nutzen. Dort hatte der Bürgermeister immer wieder LGBT-Proteste verboten, in diesem Jahr aber den Scherz gemacht, eine Demonstration am Tag der Luftlandetruppen zu genehmigen. Nachdem LGBT-Aktivisten einen entsprechenden Antrag stellten, verbat er den Protest dennoch. Für die Verbote in St. Petersburg und Archangelsk hatten die Behörden das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" bemüht (queer.de berichtete). (nb)

akt. und umgeschrieben nach den Festnahmen an der Eremitage

 Update  3.8., 15.15h: Gerichtsprozess vertagt

Der Aktivist Yury Gawrikow ist am Montag von einem Gericht auf freiem Fuß gesetzt worden. Auf Antrag seines Anwalts wurde der Prozess auf Mittwoch vertagt.

Mehr zum Thema:
» Russland: Realsatire um Genehmigung zweier CSDs (23.07.2015)
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Tags: russland, st. petersburg, csd, luftlandetruppen, yury gawrikow
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Reaktionen zu "St. Petersburg: Mehrere LGBT-Aktivisten festgenommen"


 9 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
02.08.2015
13:17:18


(+10, 12 Votes)

Von ehemaligem User paren1957


Da kann Frau Merkel bei ihrem nächsten Treffen mit Putin noch etwas lernen, wie man mit LGBT-Aktivisten umgeht.

Auf (un)gutem Wege zu russischen Verhältnissen sind wir ja schon.

Oder wie soll man es kommentieren, dass bei uns Schwulen-Bashing nicht als Hassverbrechen gilt? Kirchenfürsten die Frage nach der Zulässigkeit der Tötung von Schwulen zumindest mal als Auftrag erwähnen? Opfer von homophober Gewalt von der Polizei festgehalten werden, während die Täter verschwinden?

St. Petersburg scheint da nur einen Schritt voraus. Das öffentliche Klima hierzulande entwickelt sich aber mehr in Richtung Putin-Russland als in Richtung Eheöffnung wie in Irland oder den USA. Von Protesten gegen die Misshandlung von Homosexuellen hierzulande ebenfalls keine Spur. Selbst die medienpräsenten Gutmenschen scheinen abgetaucht.

Und mit unserer Gasrechnung leisten wir ja auch gleichzeitig einen Beitrag für die Förderung Bildungsplangegnern durch finanzielle Zuwendung aus Russland.

Zumindest die Community könnte ja allmählich einmal aufwachen und begreifen, dass Duckmäusertum nicht zu mehr Anerkennung führt.

So viel Civilcourage wie von Gawrikow ist ohnehin von niemandem zu erwarten. Dazu sind die Deutschen viel zu obrigkeitshörig. Auch die mit nichttradioneller Orientierung.

Auf Proteste der deutschen Politik gegen die menschenverachtende Politik in Russland sollte auch niemand setzen. Wir brauchen Russland nicht nur als Gaslieferant, sondern auch zur öffentlichen Demütigung auf diversen internationalen Konferenzen.


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#2
02.08.2015
14:59:50


(+11, 11 Votes)

Von Peer


Früher war St. Petersbur mal die etwas liberalere Insel in Russland.

Aber jetzt, wo das ganze Land immer mehr in den Faschismus abdriftet, ist auch das vorbei.


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#3
02.08.2015
15:44:56


(+8, 10 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Jeder Staat, der mit Russland zusammenarbeitet ist mittschuldig an den Menschenrechsverletzungen


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#4
02.08.2015
15:46:30


(+8, 10 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015
Antwort zu Kommentar #2 von Peer


Ich ergänze:

...dem religiösen Faschismus


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#5
02.08.2015
18:02:14


(+12, 12 Votes)

Von ursus


neben der wut auf die politischen missverhältnisse spüre ich bei solchen meldungen auch immer respekt vor den aktivist_innen. ich weiß nicht, ob ich selber die courage hätte, in solchen ländern auf die straße zu gehen.

es mag vielleicht relativ harmlos klingen, wenn man liest, dass die verhafteten in der regel bald wieder freigelassen werden, aber jede_r von ihnen riskiert, dass sein_ihr bild in den medien auftaucht, und dann kann das zum verlust des arbeitsplatzes, zur sozialen ächtung und zu schlimmerem führen.

ich ziehe den hut vor diesen menschen.


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#6
02.08.2015
22:10:28


(-3, 7 Votes)

Von Daniel Flaccus
Antwort zu Kommentar #5 von ursus


Wenn Merkel sich aber an Russland anlehnen würde , gibt es immer noch die USA ie Deutschland das Handwerk legen könnte. Russland ist ja durch die Sanktionen schon fast sm Staatsbankrott ...war es vorher auch schon , aber seit den Sanktionen der USA sowieso .Gearde auch wegen LGBT -Themen , nicht nur wegen Ukraine &Co.


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#7
02.08.2015
22:16:48


(+1, 7 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Und es wird noch schlimmer kommen:

Link zu www.bild.de

Beängstigend!


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#8
03.08.2015
21:20:35


(+1, 7 Votes)

Von Isaak
Antwort zu Kommentar #3 von hugo1970


Hier werden ja wieder die dicksten Geschütze aufgefahren. Mitschuldig? Sagt Ihnen das Ihr juristischer Sachverstand oder Ihr Bauch? Wie wär's mit einer Klage?

Wissen Sie, ein Problem, dass ich - in aller Bescheidenheit - in Beiträgen wie dem Ihren erkennen kann, ist eine unfassbar dichotomische und simplifizierende Grundtendenz, die in keiner Weise geeignet ist, die schier unfassbare Komplexität von realen, zwischenstaatlichen Beziehungen wiederzugeben. Ja, die russische Regierung verhält sich homophob, wenn auch vermutlich eher aus taktisch-stabilisierenden Gründen als aus eigener Überzeugung. Ja, die russische Kultur ist gleichermaßen homophob. Ich habe selbst einige Zeit beruflich in Sankt Petersburg verbracht und einen so brachialen und allgegenwärtigen Machismo, ein so beharrliches Insistieren auf der Natürlichkeit klassischer Geschlechterrollen, ein so sehr von unterschwelligen Aggressionen aufgeladenes Klima gegenüber allem, was auch nur im Entferntesten als nicht-heterosexuell markierbar ist, werden Sie in kaum einer anderen Stadt dieser Größenordnung finden. Aber: Davon sind die hunderten und aberhunderten Kooperationen von Staaten und auch von NGOs, Unternehmen, Bildungswerken, Parteien etc. mit der Russischen Föderation völlig unberührt. Denn diese sind "Mehr" als nur ein auf eine queerpolitische Instruktionsfläche beschränktes Gimmick sondern für Millionen Menschen auch anderweitig essentiell. Wo wollen Sie die Grenze ziehen? Macht sich der Berliner Senat mitschuldig, wenn er die Städtepartnerschaft mit der Stadt Moskau nicht beendet? Macht sich die Bundesregierung schuldig, wenn Sie augewählte Projekte in Russland finanziell fördert? Und was ist die Alternative? Abbrechen aller zwischenstaatlichen Beziehungen? Nur noch diplomatischen Austausch mit Staaten, die die gleichgeschlechtliche Ehe anerkennen, weil alles andere zur Mitschuld führt? Mit Staaten, die die Todesstrafe als Teil ihres Rechtssystems fortführen arbeiten wir dann auch nicht mehr (Pfui, Japan!) und Staaten, die in irgendeiner anderen Hinsicht unserem europäisch-deutschen Wertekonsens nicht entsprechen, mit denen wird auch jede Zusammenarbeit gestrichen. Und irgendwann leben wir hier isoliert auf unserer Insel der Seligen und die Probleme der Welt werden sich dann schon von selbst lösen.

Entschuldigung, aber Ihre Einlassung ist ja wohl sowas von realitätsfern.


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#9
04.08.2015
22:02:41


(+3, 3 Votes)

Von ehemaligem User paren1957
Antwort zu Kommentar #8 von Isaak


Ich erlaube mir, den Gedanken einmal weiterzuspinnen.

Wozu sich immer wieder internationale Unannehmlichkeiten einhandeln? Wäre es diplomatisch nicht sinnvoller, die deutsche Rechtsprechung an die Gepflogenheiten der Mehrheit der Staaten dieser Welt anzupassen? Kein deutscher Diplomat müsste sich Vorhaltungen internationaler Partner anhören und könnte seine Kontakte zum Wohle der deutschen Wirtschaft nutzen und ausbauen.

Und ehrlich, wenn da ein paar von diesen perversen Schweinebacken draufgehen? Wäre das wirklich ein Verlust?

Die Verfolgung von Homosexuellen wäre stabilisierend für die internationalen Beziehungen des Landes. Kann man diesen Mehrwert der Masse der deutschen Bevölkerung aus ideologischen Gründen wirklich vorenthalten? Ist doch eigentlich wirklich völlig unverantwortlich!!!


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