Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 08.08.2015, 23:22h           67      Teilen:   |

Nach zunehmender Kritik aus eigenen Reihen

Huonder kündigt neue Erklärung an

Artikelbild
Zwei Jahre vor dem anvisierten Ruhestandstermin wird es für Vitus Huonder eng (Bild: Michael Beat / cc by 2.0)

Ein Bischof unter Druck: Nach seiner Äußerung über die Todesstrafe für Homosexualität will der Churer Bischof erneut auf Kritik "eingehen".

Von Norbert Blech

Acht Tage nachdem der Schweizer Bischof Vitus Huonder auf einer Konferenz in Fulda über eine Todesstrafe für Homosexualität geredet hatte, hält die Empörung in seiner Heimat weiter an.

"Aufgrund des anhaltenden Medienechos" werde es "im Laufe der kommenden Woche" eine "ausführliche Stellungnahme" des Bischofs geben, ließ das Bistum Chur nun am Samstag verbreiten. Darin werde man "auf die inzwischen geäußerten wesentlichen Kritikpunkte genauer eingehen".

Huonder hatte am Freitag vor einer Woche bei einer Konferenz des Forums Deutscher Katholiken Bibelstellen zur Homosexualität zitiert, die eine Todesstrafe vorsehen, und diese Stellen zum Maßstab für die Behandlung des Themas durch die Kirche erklärt. Queer.de hatte darüber am Samstag als erstes Medium berichtet.

Nachdem am letzten Sonntag die ersten Schweizer Zeitungen in die Berichterstattung einstiegen und zugleich ein Video der Rede auftauchte, hatte Huonder am Montag eine erste Stellungnahme veröffentlicht. Darin bedauerte er, wenn der Vortrag "in den Medien vereinzelt als Herabsetzung homosexueller Menschen verstanden wurde", und verwies auf den Katechismus der Katholischen Kirche, wonach diesen "mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen" sei.

Fortsetzung nach Anzeige


Kritik von allen Seiten

Die Stellungnahme, die weder eine klare Entschuldigung noch eine Distanzierung von den Äußerungen beim Vortrag enthielt (vgl. auch den queer.de-Kommentar dazu), ließ die Kritik an Huonder allerdings nicht verstummen. Während das Thema in Deutschland trotz Sommerlochs kaum Interesse bei den Medien weckte, schlug es in der Schweiz tagelang weiter hohe Wellen.

So erzielte blick.ch einen viralen Hit, als der Rapper Gimma Huonder zum Rücktritt aufforderte. Im "Tagesanzeiger" kommentierte ein Kapuziner, Huonder stelle sich "in eine Ecke mit afrikanischen Diktatoren". Die Schweizer Organisation "Pink Cross" bietet eine inzwischen wieder unvollständige Übersicht der Reaktionen.

Vor allem die innerkirchliche Kritik stellt für Huonder ein Problem dar, und sie reißt ebenfalls nicht ab. Während die Bischofskonferenz am Montag offiziell mitteilen ließ, dass man einzelne Äußerungen von Bischöfen nicht kommentierte, beteiligte sich das zur Kirche gehörende Portal kath.ch an der kritischen Berichterstattung und verwies auf jede neue kleine oder große Kritik am Bischof, kommentierte auch selbst, der Bischof habe "einmal mehr in ein Wespennest gestochen" und schade der Kirche (nebenbei: das zur Deutschen Bischofskonferenz gehörende Portal katholisch.de kritisierte ebenfalls Huonder, ging aber nicht näher darauf ein, dass die Konferenz im Bistum Fulda stattgefunden hatte).

Erster Bischof widerspricht

Bischof Markus Büchel betonte, nicht Homo- oder Heterosexualität sei entscheidend, sondern der "verantwortungsvolle Umgang mit Sexualität" und Werte wie Respekt und Treue
Bischof Markus Büchel betonte, nicht Homo- oder Heterosexualität sei entscheidend, sondern der "verantwortungsvolle Umgang mit Sexualität" und Werte wie Respekt und Treue (Bild: Bistum St. Gallen)

Bis zum Freitag war die wichtigste Stimme gegen Huonder die Allianz "Es reicht", der unter anderem der Katholische Frauenbund (SKF) und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung angehören und die bereits im letzten Jahr eine Absetzung des Bischofs gefordert hatte. Das Zitieren der Todesstrafen-Stellen der Bibel sei "unverantwortlich und grausam", ließ die Allianz verbreiten. "Wir wollen alle lesbischen und schwulen Menschen in und ausserhalb der Kirche wissen lassen, dass wir, gerade als Christinnen und Christen, anders denken!"

Am Freitag meldete sich dann der Bischof von Sankt Gallen, Markus Büchel zu Wort, er ist zugleich Vorsitzender der Bischofskonferenz der Schweiz. In einem Schreiben an die Seelsorge-Mitarbeiter seines Bistums (PDF) meinte er, man dürfe eine Person nicht auf ihre Sexualität reduzieren. Prinzipien wie die Liebe zum Nächsten seien "Schlüssel zur Interpretation von Bibelstellen in die jeweilige Zeit hinein": "Unser heutiges Wissen um die Homosexualität als Anlage und nicht frei gewählte sexuelle Orientierung war zur Zeit der Bibel gar nicht bekannt."

Es sei "Aufgabe der Kirche heute", mit den Menschen einen Weg zu gehen, "auf dem sie ihre Sexualität als Geschenk Gottes in ihr Leben und die Gestaltung ihrer Beziehungen integrieren können". Die Kirche müsse sich der historischen Lasten im Umgang mit Homosexualität bewusst stellen "und eine neue menschen- und sachgerechte Sprache finden".

Selbst Radio Vatikan verbreitete diese Bischofsworte. Am Samstag vermeldete kath.ch, Büchel habe für sie "viel Lob" erhalten.

 Update  10.06h: Pink Cross stellt Strafantrag

Die Schweizer LGBT-Organisation Pink Cross hat nach einer langen Prüfung entschieden, am Montag bei der Staatsanwaltschaft Graubünden eine Strafanzeige gegen Huonder zu stellen. Diese wird auch von der Lesbenorganisation Schweiz unterstützt. Die Anzeige bezieht sich auf Artikel 259 des Strafgesetzbuches; auf öffentliche Aufforderung zu Gewalt stehen bis zu drei Jahre Haft.

Der Bischof habe die Zitate zur Todesstrafe "nicht einfach wiedergegeben, sondern einleitend deren Authentizität und Wahrheit bestätigt und vor und unmittelbar nach dem Zitieren mehrmals ein entsprechendes Handeln propagiert", so die Organisation. Auch habe er die Worte in seiner Entschuldigung nicht zurückgenommen. Die gesamte Argumentation findet sich auf der Pink-Cross-Webseite.

Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 67 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 278             5     
Service: | pdf | mailen
Tags: vitus huonder, bibel, todesstrafe, levitikus, katholische kirche, freude am glauben, schweiz
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Huonder kündigt neue Erklärung an"


 67 User-Kommentare
« zurück  1234567  vor »

Die ersten:   
#1
08.08.2015
23:48:07


(+9, 9 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Eine neue Erklärung macht die Sache nicht besser! Huonder muß weg, und zwar schon jetzt!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
09.08.2015
00:38:33
Via Handy


(+10, 10 Votes)

Von habemus_plemplem
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Gesagt ist gesagt (und für sein Auditorium gilt übrigens ebenso: applaudiert ist applaudiert!). Es gab daran nichts misszuverstehen. Die Geister, die er rief, wird er wohl kaum durch irgend eine geschliffene Stellungnahme nochmal loswerden können! Das ehrliche Eingeständnis eines großen Fehlers würde mich jedenfalls überraschen.

Wenn er tatsächlich Druck aus dem Kessel nehmen will, dann sollte er vielleicht versuchen, sich möglichst leise in den vorzeitigen Ruhestand zu verabschieden, anstatt abermals diejenigen für dumm zu verkaufen, die ihm sehr genau zugehört haben. Das würde unausweichlich nach hinten losgehen!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
09.08.2015
00:43:03


(+11, 11 Votes)

Von goddamn liberal


Gerade die innerkirchliche Kritik ian Huonder st ein Hoffnungszeichen für Humanität und Fortschritt.

Eigentlich sollte man Huonder aber fast dankbar sein, dass er den unmenschlichen Tötungsvorbehalt aus primitiver Urzeit mal klar ausgesprochen hat.

Dass der in vielen Köpfen herumspukt, die uns entrechten wollen, zeigte nicht nur der Beifall auf dem abstoßenden Kongress in Fulda.

Der Vernichtungswille verbirgt sich auch hinter der Empörung der von Beverfoerdes, Kubys und Kelles über eine Selbstverständlichkeit, über die sich jeder anständige Mensch freuen sollte:

Dass eine relativ kleine und lange gedemütige Minderheit in der zivilisierten Welt gleiche Rechte bekommt.

Darüber können sich doch nur diejenigen empören, die nun mal selbst gerne demütigen und nach Unten treten.

Und unzivilisiert sind.

Link:
katholon.de/?p=9011


Youtube-Video:


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
09.08.2015
00:43:43


(+9, 11 Votes)

Von Roman Bolliger


Herr Huonder hat mit seinem Kommentar pro Todesstrafe für Homosexuelle seine Gesinnung klar gemacht. Daraus ist sein entschiedenes Handeln, stünde er in einer genügend machtvollen, sprich diktatorischen Position als absoluter Theokrat, ebenso klar.

Dieser Todesstrafen-Apologet (offen liess er, ob zur Beschreitung des biblisch rechten Weges die Strafe durch Erhängen, Erschiessen, Ersäufen oder Vergasung vollstreckt werden sollte) hat den Bereich des Christlichen schon längst verlassen und entpuppt sich als Monster aus einer anderen Zeit.

Die angekündigte Erklärung ist völlig uninteressant und überflüssig, da bei Huonder keine Einsicht möglich ist. Er versucht sich nur herauszureden.

Deshalb ist die einzige richtige Reaktion ein Rücktritt.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
09.08.2015
00:49:54


(+9, 11 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar


..nicht so gemeint..
..wollte niemanden herabsetzen..
..bin ja falsch zitiert worden..
..die kirche hat schließlich das recht sich zu diesen fragen im rahmen ihrer seelsorgerischen pflichten mit offnen worten an die gläubign zu wenden..
..müssen doch alle verstehen..
..homo-lobby..
..absichtliche verfälschung..

Noch etwas vergessen ?

Ach ja..
Gedanken : bin zum glück wieder in der schweiz, und die liefern mich ja nicht aus..
..aber ich schreib schon mal am redemanuskript fürs nächste jahr..
..wie war das noch ?..
..ach ja..
..wenn schwule jetzt überall heiraten dürfen, wer bleibt dann noch zum unterdrücken, wo wir schon die juden, die schwarzen und die atheisten nicht mehr bashen dürfen ?..
..merkt eh keiner, weil keiner von den anderen geis, äh, greisen zuhört..


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
09.08.2015
02:29:42


(+14, 14 Votes)

Von panzernashorn
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Seine "neue Erklärung" kann er sich sonst wohin stecken, einen derart hirnverbrannten Religioten kann doch kein halbwegs normal denkender Mensch mehr für voll nehmen............

Außerdem ändert ein Herumlavieren an Formulierungen nicht das Geringste an seiner Meinung und Denkweise.

Einzig sinnvolle Reaktionen wären Anzeigen und strafrechtliche Relevanz.

Soviel Hochmut, Dummheit und Verblendung müssen - auch zum Schutze Unschuldiger - geahndet werden.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
09.08.2015
02:31:03


(+11, 11 Votes)

Von panzernashorn
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Außerdem will der Vollpfosten damit doch nur seinen lichterloh brennenden Kittel retten........


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
09.08.2015
08:37:08


(-10, 14 Votes)

Von Markus44


"Unser heutiges Wissen um die Homosexualität als Anlage und nicht frei gewählte sexuelle Orientierung war zur Zeit der Bibel gar nicht bekannt."

Gut das der katholische Bischof von Sankt Gallen dies öffentlich erklärt.

UND wenn die Katholische Kirche dies so sieht, dann muss sie endlich Ihren Katechismus ändern, denn warum sollten homosexuelle Menschen ein Leben lang keusch leben ?

Wenn homosexuelle Menschen im Leben füreinander einstehen, Unterhaltspflichten übernehmen und dadurch den Staat bei Krankheit und Pflege entlasten und in guten und in schlechten Zeiten füreinander einstehen, dann sollte der Vatikan dies auch im Katechismus positiv bewerten und nicht die partnerschaftliche Liebe dieses homosexuellen Paares abwerten und die homosexuellen Handlungen zwischen Ihnen nicht als sündhaft einstufen.

Andere christliche Kirchen haben dies so entschieden und dies ist Teil ihrer Lehre.

*
Link:
de.wikipedia.org/wiki/Segnung_gleichgeschlechtlich
er_Paare


Bischof Huonder sollte so wie Bischof Tebbartz-van-Elst vom Vatikan zurückgepfiffen und seines Amtes enthoben werden.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
09.08.2015
09:19:06


(+11, 11 Votes)

Von xHaraldx
Aus Wiesbaden (Baden-Württemberg)
Mitglied seit 03.09.2013


Welchen Stellenwert hat eine Entschuldigung, welche nach massiven öffentlichen Protest abgegeben wird?
Für mich keinen!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
09.08.2015
09:26:05


(+12, 12 Votes)

Von ehemaligem User Monster_Baby
Antwort zu Kommentar #2 von habemus_plemplem


Zitat: "...Gesagt ist gesagt (und für sein Auditorium gilt übrigens ebenso: applaudiert ist applaudiert!). ..."

Sehr richtig! Vielleicht will Huonder die Geister die er rief gar nicht loswerden. Bei der Kirchenpolitik ist es wahrscheinlich wie bei der Staatspolitik: Es werden extreme Äußerungen in die Welt gesetzt um die eigene Position darzustellen. Beschwichtigungen oder halbherzige Entschuldigungen erreichen meist weniger Adressaten als die eigentliche Äußerung. Auch wenn Huonder beschwichtigt, muss doch jedem klar sein, welches Geistes Kind er ist auch wenn er "befürchtet", dass seine Äußerungen in den Medien als Herabsetzung homosexueller Menschen verstanden wurden. Das grenzt doch an Verarschung. Wenn er die Todesstrafe in Zusammenhang mit Homosexualität in Verbindung bringt, weiß er doch genau was er tut. Bischof Büchel hat glücklicherweise eine erfreulich offene und differenzierte Kritik an Huonder geäußert.
Seltsam finde ich das Schweigen in Deutschland obwohl Fulda geographisch in dessen Mitte liegt. Desinteresse? Auch die anderen Redner und Beifallspender auf diesem Hass-Kongress sollten zur Verantwortung gezogen werden. Aber wahrscheinlich bringt es ihnen eher (bezahlte) Einladungen zu Talkshows ein.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  1234567  vor »


 GLAUBE

Top-Links (Werbung)

 GLAUBE



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Jetzt unterschreiben: Kein Schmusekurs mit Homo-Hassern in Bayern! Landtagsdebatte in Sachsen-Anhalt: Die AfD sagt der "Normabweichung" Homosexualität den Kampf an Volker Beck: Nicht vor Homophobie von Muslimen zurückweichen Gericht: Schwule Flüchtlinge aus Marokko haben Anrecht auf Asyl
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt