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  • 09.08.2015, 18:02h               Teilen:   |

Cumbia trifft Queerness

Singen statt Weinen mit den Kumbia Queers

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Die Kumbia Queers bieten einen wilden Mix aus afrokubanischen und südamerikanischen Cumbia-Einflüssen, Queerness und Punk-Spirit, dem auch politische Botschaften nicht fehlen (Bild: Malagueta Music)

Im Juli waren die wunderbaren Punk'n'Rollers aus Argentinien auf Europa-Tour – geblieben ist ihr neues Album "Canta Y No Llores".

Von Luka Lara

Buenos Aires, Januar 2007: Sechs verrückte Frauen mit unterschiedlichen musikalischen Hintergründen kommen beim "Festival Belladona De Mujeres Rebeldes" zusammen. Ali Gua Gua, Gitarristin der mexikanischen Garage-Punk-Band Las Ultrasónicas, Juana Chang, die mit ihrem Soloprojekt Camino del Indie das südamerikanische Pendant zur Anti-Folk-Künstlerin Kimya Dawson bildet, und Flor Linyera treffen auf die Organisatorinnen des Festivals: Ines, Pilar und Pat. Das Dreiergespann der Punk- und Queercore-Band She Devils setzt sich mit rotzig-frecher Punkrock-Attitüde für Themen wie Feminismus und LGBT-Rechte ein.

Für die sechs steht sofort fest: Sie müssen zusammen Musik machen. Was nun entsteht, wird ihre bisherigen Erfahrungen mit Punk-Musik übertreffen. Inspiriert von der Band Kumbia Kings wird die offensichtliche Veränderung des Namens in Kumbia Queens verworfen und durch das repräsentativere Queers ersetzt. Selbstironische Performance trifft auf politische Forderung, Punk auf Indie, Charangon auf Schlagzeug; dazu schwingt Ali Gua Gua den Holzstab am Güiro und Flor Linyera haut in die Tasten des Synthesizers.

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Lesbische Cover-Versionen im Slum-Sound

"Canta Y No Llores" ("Nicht weinen, singen!"), das vierte Studioalbum der Band, enthält zwölf Songs
"Canta Y No Llores" ("Nicht weinen, singen!"), das vierte Studioalbum der Band, enthält zwölf Songs

Die Punk'n'Rollers, als die sie sich selbst bezeichnen, spielen zunächst Songs ihrer Lieblings-Künstler wie The Cure, The Ramones, Madonna und Nancy Sinatra; ändern den Rhythmus jedoch auf Cumbia um. Manchmal stampft der 4/4-Takt und wird von prägnanten Synthesizer-Riffs und funky klingenden Maracas begleitet, mal lädt er wie beim Isla-Bonita-Cover zum romantischen Tanz ein.

Doch Kumbia Queers tragen das Queer im Namen nicht grundlos. Anstatt Songs einfach nur zu covern, besetzten sie die Inhalte neu. Sie wollen nicht nur auf Madonnas schöne Insel ("La Isla Bonita"), sie wollen auf eine Insel mit schönen Mädchen ("La Isla Con Chicas"). Sie wollen mit Frauen flirten und auf einen Drink an der Bar eingeladen werden. "Canta Y No Llores" ("Nicht weinen, singen!"), ihr viertes Studioalbum, haben sie Anfang des Jahres in Buenos Aires eingespielt.

Die explizit lesbischen Elemente in ihren Liedern stehen im krassen Kontrast zum heterosexuellen Topos der populären Cumbia Villera, zu der es einige musikalische Parallelen gibt. Entstanden als Subgenre der in der Kolonialzeit entwickelten Cumbia, werden in der Cumbia Villera zusätzlich elektronische Instrumente verwendet. Villera leitet sich von Villa Miseria ab, der argentinischen Bezeichnung für Slum. Neben Identitätsverlust, Polizeigewalt und Arbeitslosigkeit wird in den Texten versucht, die Rolle des Mannes neu zu definieren; dies geschieht meist durch Degradierung und sexueller Objektifizierung von Frauen. Kumbia Queers wollen mit dem heterosexistischen Genre brechen und die misogynen Diskurse auf ihre humorvolle Art entlarven.

Youtube | Der perfekte Song für die Demo: "Contraindicaciones" aus dem neuen Album "Canta Y No Llores"

Null-Bock-Mentalität, Eifersucht und Saufen

Das Lyrische Ich in der Kumbia-Queer-Texten hat es ebenfalls nicht leicht und kämpft sich tragisch-komisch durch den kapitalistischen Alltag: Es empfindet den Montag als schlimmsten Tag der Woche und hat einfach keine Lust zu arbeiten, es leidet an akuter Eifersucht, möchte beim Ausgehen mit den Freundinnen doch eigentlich die Traumfrau finden, ist dann aber doch wieder zu betrunken und wird versetzt.

Gebrochene Herzen brauchen kaltes Bier und verständnisvolle Freundinnen. Kumbia Queers verarzten ihre Fans mit guter Laune und unfassbarer Energie. Freundschaft und Solidarität spielen jedoch nicht nur auf textlicher Ebene eine Rolle. Durch politische Arbeit auf Frauenfestivals, Pride-Märschen und durch Kooperation mit befreundeten Künstlerinnen wie Miss Bolivia und Sara Hebe, die auch auf einem Feature-Track des neuen Albums zu hören ist, konstatiert sich mit und um die Kumbia Queers eine wundervolle queer-feministische Szene.

Da ist es kein Wunder, dass sich die Konzertroute in den letzten Jahren von Argentinien, Mexiko und Chile auf die USA und Europa ausgedehnt hat und die Kumbia Queers von keinem Festival mit emanzipatorischen Anspruch mehr wegzudenken sind.

Youtube | Die Kumbia Queers live in Lübeck
Links zum Thema:
» Das Album bei Amazon downloaden
» Homepage der Kumbia Queers
» Fanpage auf Facebook
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Tags: kumbia queers, cumbia, canta y no llores
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