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Kitschige Kuchen für alle: Die Richter erklärten, dass der persönliche Glaube niemanden dazu berechtige, die Anti-Diskriminierungs-Regeln in Colorado zu missachten (Bild: Amaury / flickr / by-nd 2.0)

In den USA wurde erneut ein religiöser Konditor verurteilt, weil er sich geweigert hatte, für ein schwules Paar eine Hochzeitstorte zu backen.

Das Diskriminierungsverbot im US-Bundesstaat Colorado gilt auch für religiöse Menschen. Ein Berufungsgericht in Denver entschied am Donnerstag, dass ein Konditor auch dann einem homosexuellen Paar eine Hochzeitstorte backen muss, wenn er aufgrund seines Glaubens gleichgeschlechtliche Ehen ablehne.

Jack Phillips, der Besitzer des Masterpiece Cakeshop in Lakewood, hatte im Jahr 2012 einem schwulen Paar die Hochzeitstorte verweigert. Dies hatte er David Mullins, der zusammen mit seinem Partner Charlie Craig und dessen Mutter in den Laden kam, damals persönlich ins Gesicht gesagt. Das geschockte schwule Paar erstattete daraufhin Anzeige. "Wir fühlten uns wie Menschen zweiter Klasse", erinnerte sich Craig gegenüber dem Sender "7News".

Philipps: Geburtstagskuchen für Homos ja, Hochzeitstorten nein


Ohnehin nicht besonders einladend: Masterpiece Cakeshop in Lakewood, Colorado (Bild: Google Maps)

Die Antidiskriminierungsbehörde hatte Philipps bereits 2013 verurteilt, 2014 wurde die Entscheidung bestätigt. Der Konditor legte jedoch erneut Widerspruch ein. Vor Gericht erklärte er, dass er Homosexuelle nicht grundsätzlich diskriminiere. So könnten Lesben und Schwule bei ihm zwar Kekse oder Geburtstagskuchen kaufen, aber keine Hochzeitstorten, weil er als religiöser Mensch gleichgeschlechtliche Ehen nun mal ablehne.

Die drei Richter stellten jedoch fest, dass der persönliche Glaube niemanden dazu berechtige, die Anti-Diskriminierungs-Regeln für Geschäfte in Colorado zu missachten. Philipps muss nun seine Angestellten im Umgang mit Minderheiten schulen, im Wiederholungsfall drohen ihm Geldstrafen.

Homophobe Bäcker aus Oregon: 135.000 Dollar Schmerzensgeld an lesbisches Paar

Erst im April hatte die Antidiskriminierungsbehörde im US-Bundesstaat Oregon in einem ähnlichen Fall ein homophobes Konditor-Ehepaar aus Portland zu einem Schmerzensgeld von 135.000 Dollar (rund 122.000 Euro) verurteilt (queer.de berichtete). Aaron und Melissa Klein hatten sich im Jahr 2013 geweigert, eine Hochzeitstorte für ein lesbisches Paar zu backen, weil sie als Christen Homosexualität ablehnten.

Die Kleins waren für christlich-konservative Kreise in den USA zum Symbol einer vermeintlichen Unterdrückung von religiösen Menschen durch die "Homo-Lobby" geworden. Der Fall wurde in mehreren Bundesstaaten zum Anlass genommen, Gesetze für die "Religionsfreiheit" auf den Weg zu bringen, die es Christen erlauben sollen, Homosexuelle in vielen Lebensbereichen diskriminieren zu dürfen. Wegen scharfer Proteste mussten aber zuletzt Indiana und Arkansas ihre Gesetzesvorhaben wieder entschärfen (queer.de berichtete). (cw)



#1 goddmn liberalAnonym
  • 14.08.2015, 09:24h
  • So sieht es aus in einem Land, das aus einem langen Gleichheitskampf nach Innen und Außen entstand.

    So sieht es bei uns aus, wenn der Feudalismus der Ungleichheit im Jahre 2015 munter aus der Gruft aufsteigt:

    katholon.de/?p=9011

    Dessen Geist in solchen Gemäuern geboren wird und in Hedwig von Beverfoerde (CDU) munter weiterlebt.

    www.bestwig.de/uploads/pics/gutostwig_480.jpg

    Es ist ihr Geburtshaus.

    "Den Vereinigten Staaten

    Amerika, du hast es besser
    Als unser Kontinent, das alte,
    Hast keine verfallene Schlösser
    Und keine Basalte."

    PS Die Strafe für die Bäcker ist zu hoch, macht aber trotzdem Sinn.
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#2 FelixAnonym
  • 14.08.2015, 09:35h
  • Richtig so!

    Diesen religiösen Fanatikern muss man beibringen, dass Religionsfreiheit nicht heißt, dass Religionen über dem Gesetz stehen!

    Wir lassen die an das glauben, was sie wollen, und genauso erwarten wir, dass sie Menschen nicht diskriminieren, nur weil die etwas anderes glauben oder gar keinen Glauben haben.

    An die demokratischen Regeln haben auch die sich zu halten. Die stehen nicht über dem Gesetz.
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#3 Patroklos
  • 14.08.2015, 09:37h
  • Wieder ein Sieg für die LGBTIPAs! Das Urteil ist ein Beweis dafür, daß Diskriminierung auf gar keinen Fall mehr salonfähig werden darf!

    Meine Glückwünsche auch an David Mullins und Charlie Craig, daß sie mit ihrer Klage erfolgreich waren und Jack Phillips diese Klatsche beschert haben!
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#4 langeherAnonym
#5 goddamn liberalAnonym
#6 RobinAnonym
  • 14.08.2015, 10:54h
  • Antwort auf #4 von langeher
  • Das kommt drauf an, wie man es definiert.

    In den USA ist die soziale Ungleichheit deutlich größer als hier (wobei die in Deutschland auch gerade massiv steigt, wegen der Politik unserer Bundesregierung).

    Auch die soziale Absicherung ist hier immer noch besser. (Wobei sie in den Niederlanden und in den skandinavischen Ländern noch besser ist. In den Niederlanden bekommt z.B. jeder Bürger automatisch eine Grundrente, egal, ob er gearbeitet hat oder nicht. Und die ist deutlich höher als hierzulande die Grundsicherung für Rentner = Hartz IV. Und die skandinavischen Staaten sind ja eh als Sozialstaaten bekannt.)

    Und natürlich bin ich auch froh, dass wir hierzulande nicht so lasche Waffengesetze wie in den USA haben.

    Etc. etc. etc.

    Aber zumindest bezüglich Homorechten sind die USA uns weit voraus. Die haben jetzt die Eheöffnung - in manchen Bundesstaaten schon seit vielen Jahren.

    Und so ein Urteil wie das hier im Artikel beschriebene wäre hierzulande undenkbar, weil das von Union und SPD (in der vorigen Großen Koalition) beschlossene AGG explizit die Diskriminierung von Schwulen und Lesben aus religiösen Gründen erlaubt bzw. auch den Privathandel gar nicht erfasst.
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#7 RobinAnonym
  • 14.08.2015, 10:59h
  • Antwort auf #1 von goddmn liberal
  • Nein, die Strafen in solchen Fällen sind nicht zu hoch.

    Erstens sind das Geschäftsleute, die entsprechend verdienen. Die Höhe der Strafe wird ja ein wenig dem Einkommen angepasst.

    Und zweitens soll es ja durchaus auch ein bisschen wehtun. Etwas, was die aus der Portokasse bezahlen, bringt gar nichts. Das tut denen nicht weh und unter Umständen diskriminieren die sogar weiter, weil Diskriminieren dann so billig ist, dass man es sich leisten kann.

    Eine andere Sprache verstehen solche Radikalen leider nicht. Das muss schon auch ein bisschen wehtun...
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#8 HeinerAnonym
  • 14.08.2015, 11:06h
  • Jetzt werden wieder alle religiösen Fundamentalisten und Fanatiker rumjammern, dass sie verfolgt würden, dass die "Homo-Lobby" die Weltherrschaft übernehmen wolle und dass das die Abschaffung demokratischer Freiheiten sei.

    Aber sie unterschlagen dabei immer, dass Freiheiten ihre Grenzen dort finden, wo andere in ihrer Freiheit eingeschränkt werden. Und in einem demokratischen Rechtsstaat müssen sich auch Religioten an Recht und Gesetz halten. Ist ja kein Gottesstaat.

    Das wird die natürlich nicht davon abhalten, düsterste Untergangsszenarien zu entwerfen. Im Ausmalen apokalyptischer Zustände sind die ja eh geübt. Wenn die nicht ihren Willen bekommen, fangen sie halt an intelektuell Amok zu laufen und können es einfach nicht verkraften, dass sie nicht der Mittelpunkt der Welt sind.

    Aber dieses ganze Geseiere von denen wird deren Geschwafel nicht weniger lächerlich machen. Wir müssen die immer wieder neu enttarnen und immer wieder neu zeigen, welch totalitäres, menschenverachtendes Gedankengut sich hinter deren Scheinheiligkeit und angeblicher Frömmigkeit verbirgt.
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#9 TimonAnonym
  • 14.08.2015, 11:13h
  • Da sieht man wieder mal:
    wir können etwas bewirken. Wir müssen uns nur wehren.

    Wenn man die (aus Bequemlichkeit, Scham, Angst oder was auch immer) einfach gewähren lässt, denken die auch noch, sie seien im Recht. Und dann nehmen die sich immer mehr raus und ziehen immer mehr Leute auf ihre dunkle Seite. Bis es dann irgendwann zu spät ist, sich zu wehren.

    Wenn wir uns jedes einzelne mal wehren würden, würde auch viel weniger diskriminiert.

    Okay, in Deutschland herrscht eine Sondersituation:
    dadurch dass hierzulande die Kirchen die Regierung fest in der Hand haben, ist es hier ungleich schwerer. Aber auch hier kann man sich wehren und kann viel bewegen. Und Ziel muss natürlich auch ein Regierungswechsel sein, so dass es dann hoffentlich u.a. auch ein umfassendes Antidiskriminierungs-Gesetz gibt, dass einem umfangreiche rechtliche Mittel gegen Diskriminierung gibt.

    Aber wie gesagt: auch jetzt können wir schon viel bewirken. Z.B. durch Boykotte. Das nutzen wir nur viel zu wenig und viel zu inkonsequent.
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#10 panzernashorn
  • 14.08.2015, 11:18h
  • Religiotische Verblödung erfordert nun mal "Nachhilfe der besonderen Art" - richtig so!

    Religiöse Verdummung darf nicht über dem Gesetz stehen!

    Jeder hat das Recht auf eigene Dummheit, aber nicht auf Diskriminierung Anderer.
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