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  • 23.08.2015, 15:04h           17      Teilen:   |

Von Oscar Wilde zu den "Loverboys"

Die Sprache des Orgasmus: "Ich entlud mich mit lautem Gebrüll"

Artikelbild
Orgasmen in der schwulen Einhandliteratur: Aktive Männer brüllen oder schreien, die passiven winseln oder sagen in ganz vielen Fällen auch gar nichts (Bild: Ausschnitt aus dem Cover des Ratgebers "Cum!"/Bruno Gmünder Verlag)

In der schwulen (Erotik-)Literatur wirkt der Orgasmus oft wie eine Karikatur. Das war nicht immer so.

Im schwulen Pornofilm ist es sehr einfach: Wenn dort jemand einen Orgasmus erlebt, dann wird der auch gezeigt in Form der Ejakulation. Das Abspritzen ist der feuchte Beweis, dass der Point of no Return überschritten wurde. Deshalb müssen diejenigen, die gerade so schön rammeln, ihr bestes Stück auch immer kurz vor dem Kommen rausziehen und auf den Rücken, den Bauch oder sonstwohin spritzen.

Beim Porno im Buch muss der Autor die Fantasie der Leser dazu bringen, sich die Szenerie vorzustellen. Wenn man der erotischen Literatur glauben darf, dann ist Sex unter Männern dabei eine ziemlich lautstarke Angelegenheit: Die Protagonisten beweisen ihre Lust, indem sie rumbrüllen wie die Stiere.

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Keuchen und schnaufen bis zur Explosion

Ein paar typische Beispiele aus dem willkürlich aus dem Regal gegriffenen 70. Band der "Loverboys"-Reihe des Bruno Gmünder Verlags mit dem vielversprechenden Titel "Wissbegierde im Internat":

"Dwaynes Stöhnen wurde immer lauter und hitziger, und mit einem gewaltigen Aufschrei spritzte er in mir ab."

"Ich entlud mich mit lautem Gebrüll in seinen Knackarsch und nach kaum einer Minute kam es ihm auch."

"Frank winselte vor Lust und drückte sein Gesicht in das Kissen, bevor er abspritzte."

Wir halten fest: Aktive Männer brüllen oder schreien, während die passiven winseln oder in ganz vielen Fällen auch gar nichts sagen. Sie spritzen einfach irgendwann ab. Davor "keuchen" sie, "röcheln heiser", "schnaufen und zittern". Der Höhepunkt kündigt sich immer dadurch an, dass sich die Stoßfrequenz enorm erhöht. Die Adern, der Schwanz, alles schwillt noch mehr an und wird größer. Bis eine Art Explosion stattfindet. Höher, schneller, weiter – Peng!

Schwule Pornofantasien in der Literatur sind offensichtlich immer Karikaturen des realen Geschehens. Das einzig Realistische in den Schilderungen: Der Höhepunkt wird nach einem seitenlangen Vorspiel immer in wenigen Sätzen abgehandelt. Im wahren Leben dauert der Orgasmus ja leider auch nur wenige Augenblicke.

Wenn Lesben schwule Pornos schreiben

Vor 16 Jahren hat der Berliner Querverlag ein interessantes Experiment veröffentlicht: Für das Buch "Sexperimente" schrieben Lesben Schwulenpornos – und Schwule Lesbenpornos. Und plötzlich erleben die Männer in diesen Storys Orgasmen, wie man sie sonst nur von Frauen kennt. Die Autorin Barbara Kantz schreibt etwa:

"Er fühlte sich groß an und mächtig, aber gleichzeitig auch empfindsam. Er reagierte auf jede Bewegung meiner Zunge. Er kam in Wellenbewegungen, bei der dritten Welle spritzte er los."

Oscar Wildes Ganzkörperorgasmus in der Pferdekutsche

Auch in der schwulen Literatur vergangener Jahrhunderte ging es anders zu, vor allem der Moment des Orgasmus wurde viel ausführlicher und sinnlicher beschrieben. Zumindest gilt das für Oscar Wildes Roman "Teleny", der 1895 erstmals veröffentlicht wurde. So in einer Szene, in der Teleny das lang begehrte Objekt seiner Begierde in der Pferdekutsche erstmals verführt:

"Mit jedem Tropfen, der dem Körper entwich, begann ein unheimliches, beinahe unerträgliches Gefühl sich auszubreiten, von den Fingerspitzen, den Zehen, besonders von den innersten Gehirnzellen: das Mark der Wirbelsäule und in allen Knochen schien zu schmelzen; und als die verschiedenen Strömungen sich im Phallus trafen, kam es zu einem schrecklichen Erdbeben: zu einer Konvulsion, die sowohl Geist wie Materie vernichtete."

Offensichtlich haben wir hier den ersten Ganzkörperorgasmus der Literaturgeschichte erlebt, der in einer Art Schwarzen Loch endet… (cw)

Links zum Thema:
» Buchtipp zum Thema: Das Orgasmusbuch
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Tags: orgasmus, literatur, loverboys, oscar wilde, teleny, barbara kantz, sexperimente
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Reaktionen zu "Die Sprache des Orgasmus: "Ich entlud mich mit lautem Gebrüll""


 17 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
23.08.2015
16:00:58


(+4, 4 Votes)

Von keyjahn


hmmm, also ich habe da schon ganz anderes gelesen...
nicht immer laut...nicht immer brünftig...
es gibt viele Autoren die sehr gute Sexszenen schreiben können...


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#2
23.08.2015
20:03:14


(-3, 3 Votes)

Von Weeping Cock


Link:
weepingcock.livejournal.com/


Wer gut Englisch kann, wird hier noch mehr Material finden.


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#3
23.08.2015
21:40:39


(+3, 5 Votes)

Von Turk18
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ich finde die Sex-Szenen, die die Frauen in ihren kitschigen "Gay-Romance" Romanen immer schreiben zum schießen komisch. Andauernd ließt man was über ROSETTE. Rosette hier, Rosette dort, Rosetten überall. HAHAHA.
Future Sex von Chris Raw fand ich sehr gelungen und auch recht Realitätsnah, halt so, wie Männer wirklich poppen. Mit diesem ganzen weichen Schwachsinn kann ich nichts anfangen. Da hat man die Autorin vor Augen und nicht den Charakter, der ja dann ein Mann sein soll.


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#4
23.08.2015
22:20:28


(+5, 5 Votes)

Von ehemaligem User paren1957


Danke für den Beitrag. Ich hatte schon Bedenken, dass mit mir etwas nicht stimmt, da ich in der Regel leiser komme. Nicht stumm, aber so, dass die Leute in der Nachbarwohnung nicht aus dem Schlaf gerissen werden.

Apropos: Ich hatte mal eine Hetera-Obermieterin. Wenn die von ihrem Kerl gerammelt wurde, hatte das ganze Haus etwas davon.

Soviel zu Vorurteilen über Schwule.

Vielleicht sollte ein Pornoautor mal das innere Erbeben in Worte fassen. Setzt natürlich eine gewisse literarische Ausdrucksfähigkeit voraus. Mir selber fehlen da im Moment die Worte. Aber es ist ein Naturereignis der besonderen Art. Kann Mann nicht genug davon bekommen.


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#5
24.08.2015
02:19:32


(0, 6 Votes)

Von giliatt


Was ist denn das? Ist zum Totlachen!
Und weltfremd!

In Pornofilmen - ob nun antike sackhaarbewehrte Vintage oder kahlrasierte akltuelle Frischfickerei - wirkt der Orgasmus wie eine Karikatur? Das ist völliger Blödsinn.

Pornofilme laufen immer nach dem gleichen Muster ab: Angezogene Kerle beknutschen sich, ziehen sich gegenseitig aus. Erst bläat A den Schwanz von B, dann B den Dödel von A. Schlabber, schlabber. Hernach schiebt man sich den steifen Piedel gegenseitig in den Anus. Zweimal gegenseitiges Blasen à drei Minuten, dann zweimal gegenseitiges Penetrieren in gleicher Zeit. Dann kleckert A dem B sein Sperma auf Brust, Bauch und "pubic hair". Hernach keult sich B kräftig, wechselt die Position und schiesst seinen Samen dem A auf die ausgestreckte Zunge. Mit Gebrüll oder mit ohne. Denn tatamm-tatamm- sind merkwürdige Musikuntermalungen vom Regisseur vorgesehen. Wenig sexy, aber dem nachsynchronisiertem Gestöhne unterlagert.

DAS WAR SCHON IMMER SO.

Wenden wir uns mal dem realen Leben zu, so wissen wir - sofern wir mal Sex mit Männern hatten -, dass dies nicht unbedingt eine lautstarke Angelegenheit sein muss. Zwar haben meine Kerle auch bisweilen geröhrt, wie die Hirsche. Lieber war mir aber bei langsamerer Gasngart ein durch die Zähne gezogenes Seufzen. Noch lieber war mir ein bärenartiges Brummen, wenn sie sich genüsslich in mir entluden. Andererseits - da ich beiderseitig bespielbar bin - hatte ich sehr geräuscharme aktive Penetrationen. Als Aktiver habe ich nicht gebrüllt und mein passiver Partner hat nicht gewinselt. Vielmehr kam es vor, dass der Passive mehr fordernd flüsternd auftrat.

Die bahnbrechenden Schilderungen von Oscar Wilde in "Teleny" beinhalten allerdings sehr schmerzhafte Erfahrungen beim Analverkehr. Da führen die Glassplitter der anal eingeführten Flasche zum Tode durch Verbluten.


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#6
24.08.2015
15:15:52


(-3, 7 Votes)

Von Lars


Gutes Thema. In einer aufgeklärten Zeit wäre es gut, Sex zu beschreiben, wie er wirklich passiert und erlebt wird - mit allen seinen Facetten und auch Überraschungen und Gefühlen, auch wenn sich das erwartete nicht so einstellt, wie man es sich dachte - und was man dann macht. Das würde zu mehr Akzeptanz führen, bei den Heten (die sich ja sonstwas einbilden, was wir so erleben) - und bei den Schwulen untereinander.

Das ist ja der große Irrtum beim Coming out, dass mit der Akzeptanz der eigenen Orientierung auch der Sex funktionieren muss oder dass Mann da überhaupt eine Ahnung von hat. Über sich selbst und sein eigenes Erleben oder Phantasien Bescheid zu wissen, sagt ja noch lange nicht, ob man weiß, wie ein Partner tickt und was der erlebt - und ob das, was man sich so vorstellt auch das ist, was man in der Wirklichkeit toll findet.

Es ist da auch keine Hilfe finde ich, wenn Leute, was sie "mögen", wie in einem Drehbuch auflisten, am besten noch mit Angabe des entsprechenden Youporn-Links. Wenn ich mich mit jemandem treffe, um einen netten Abend zu verbringen, sage ich doch auch nicht: Du musst eine Brille tragen, denn ich steh auf Intellektuelle, musst mich mindestens dreimal mit einem Spruch aus "Golden Girls" zum lachen bringen, über Mode unterhalte ich mich nur in der Küche und wenn wir zum Kino fahren, dann nur in einem Kleinwagen, nicht mit dem Fahrrad.

Porno ist nicht Erotik, sondern Mechanik. Darüber etwas über Orgasmen zu erfarhen ist auch so, als ob man in einem Gourmetführer lesen würde: Und dann aß ich eine Fleischhaxe, mann war die knusprig und fett, ich nahm sie in die Hand und knabberte sie ab und als ich sie gegessen habe, boahh, war ich satt.


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#7
24.08.2015
16:10:06
Via Handy


(+6, 6 Votes)

Von Selbst ist der Mann
Antwort zu Kommentar #6 von Lars


"Und dann aß ich eine Fleischhaxe, mann war die knusprig und fett, ich nahm sie in die Hand und knabberte sie ab und als ich sie gegessen habe, boahh, war ich satt"

Gut beschrieben. Einen Eindruck hab ich nun und möchte auch so ne Haxe. Her damit!

Etwas beschrieben zu bekommen oder zu sehen, auch wenn in HD, ist niemals dasselbe wie es selbst zu erleben. Dabei ist es egal um was es sich handelt, Essen, Reiseberichte, Sex usw. Ist die Beschreibung gut, macht sie bloss Lust, das auch zu erleben.

Egal um was es sich handelt, mit dem richtigen Kerl an der Seite macht das Essen, das Reisen, das Konzert und natürlich der Sex doppelt so viel Spass.

Doch wer Single ist muss es nicht bleiben. Der Richtige kommt schon. Zum Trost: Ein Schwanz (der eigene) ist immer noch besser als gar keiner. Auch damit kann Mann viel Spass haben und ist nicht auf solche Abspritz-Beschreibungen angewiesen, die immer nur unzulänglich sein können.

In dem Sinne: Viel Spass und liebet euch selbst. Das habt ihr euch verdient!


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#8
24.08.2015
16:29:42
Via Handy


(+6, 6 Votes)

Von Roger
Antwort zu Kommentar #4 von paren1957


"hatte mal eine Hetera-Obermieterin. Wenn die von ihrem Kerl gerammelt wurde, hatte das ganze Haus etwas davon."

Ist das nicht bei allen Frauen so?

Mein bester Kumpel (Hetero) jammert auch und weiss nicht wie er seiner Freundin sagen soll leiser zu sein. Dann fragt er ausgerechnet mich?!!!

Dabei kriegste ja Gehörschaden! Das alleine wäre schon ein Grund schwul zu sein. Hab ich ihm auch gesagt, er fands aber gar nicht lustig.


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#9
24.08.2015
19:00:12


(+5, 5 Votes)

Von Robert FFM
Antwort zu Kommentar #7 von Selbst ist der Mann


"Zum Trost: Ein Schwanz (der eigene) ist immer noch besser als gar keiner. Auch damit kann Mann viel Spass haben"

Stimmt nur für unsereins uneingeschränkt. Ein Schwanz besser als keiner, zwei besser als einer, drei besser als zwei usw. So fühlt nur ein typisch Schwuler. Auch wenn bloss einer da ist, beim Wichsen ist der Schwule Mann total geil auf diesen Schwanz mit dem er spielt.

Für Heten sieht Onanie ganz anders aus. Ihr Objekt der Begierde ist eben gerade nicht der Schwanz sondern etwas was er selbst nicht hat.

Der Ärmste kann nicht wie wir einfach die Sache selbst in die Hand nehmen und genüsslich loslegen. Ne, der muss sich arg anstrengen mit seiner Fantasie. Es gibt Heten die setzen sich erst 10 Minuten auf ihre eigene Hand damit diese taub wird und sie sich einbilden können, es wäre eine Frau die an ihnen rumspielt. Doch vor allem tun sie dies damit sie nicht spüren müssen, dass sie (igitt! Würg, Kotz!) einen Schwanz anfassen.

Ja, Hetero sein ist echt schwer! Und wichsen mit einer heterosexuellen Orientierung zu vereinbaren ist noch viel schwieriger! Eigentlich fast unmöglich. Seien wir froh dass uns dieses schwere Los erspart blieb!


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#10
24.08.2015
19:50:50


(-2, 8 Votes)

Von Lars
Antwort zu Kommentar #9 von Robert FFM


"So fühlt nur ein typisch Schwuler"

Was ist denn das für ein homonormativer Unsinn? Was Du da beschreibst, ist Narzissmus ...


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