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Hetze auf Facebook: In Zukunft dürfte sich Sara K. bei ihren Posts vermutlich mehr zurückhalten

"Homosexuelle Menschen gehören getötet", schrieb Sara K. auf Facebook – nach einer Intervention von "Enough is Enough" verloren sie und ihr Freund den Ausbildungsplatz.

Sara K. aus Heilbronn und Max H. aus Erfurt müssen sich wegen extrem homophober Facebook-Posts nach neuen Ausbildungsplätzen umsehen. Sara K., die Altenpflegerin werden wollte, wurde am Dienstag von ihrem Arbeitgeber, einem Pflegedienst der Senterra AG, fristlos gekündigt. Ihr Freund Max H., mit dem sie eine Fernbeziehung führt, wurde am selben Tag vom Versandhändler Zalando mit sofortiger Wirkung freigestellt – beide nur kurz nach Beginn ihrer Ausbildung.

"Homosexuelle Menschen gehören getötet. Ist ja widerlich" – diesen Satz hatte Sara K. in der öffentlichen Facebook-Gruppe "Biggest Addbörse 2015" gepostet, einer Art Kennenlern-Forum mit rund 26.000 Followern. Die LGBT-Aktivistengruppe "Enough is Enough", die hauptsächlich in dem sozialen Netzwerk aktiv ist und dort auf über 68.000 Follower kommt, entdeckte den indirekten Mordaufruf, rief dazu auf, ihn bei Facebook zu melden, und kündigte Strafanzeige wegen Volksverhetzung an.

Auch informierte "Enough is Enough" Saras Arbeitgeber von diesem und weiteren homophoben Postings. Über die junge Frau ergoss sich zugleich ein heftiger Shitstorm.

Arbeitgeber distanziert sich von "gewaltbereiten Äußerungen"

Die Senterra AG, die einen Teil der Empörung abbekam, reagierte prompt: "Vielen Dank für die wertvollen Informationen über Frau K. Sara, welche uns bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt waren", schrieb die Pflegedienstleiterin an "Enough is Enough". "Wir möchten Ihnen mitteilen, dass Fr. K. ab heute nicht mehr in unserem Unternehmen tätig ist. Die daraus entstandene Konsequenz für Fr. K. dient dem Schutz und Sicherheit unserer Bewohner und Mitarbeiter. Wir distanzieren uns von allen Diskriminierenden und / oder Gewaltbereiten Äußerungen dieser Art."

In die heftige Diskussion auf Facebook hatte sich auch Saras Freund Max H. mit homophoben Posts eingeschaltet. "ich führe buch über meine morde als wäre ich adolf hitler ich schlage kinder und schwule und mir ist scheißegal was ihr über mich denkt", lautete einer seiner Kommentare. Auch mehrere ausländerfeindliche Posts von Max wurden entdeckt. Anhänger von "Enough is Enough" informierten deshalb das Unternehmen Zalando, wo Max H. vor drei Wochen seine Ausbildung begann.

Der Versandhändler handelte ebenfalls schnell: "Es hat heute ein Gespräch zwischen dem von euch angesprochenen Mitarbeiter und Verantwortlichen an unserem Logistikstandort gegeben. Im Anschluss wurde der Mitarbeiter freigestellt und weitere Schritte mit dem Betriebsrat laufen", schrieb Unternehmenssprecher Boris Radke am Dienstag an "Enough is Enough". "Das Verhalten des Kollegen hat in vielerlei Hinsicht gegen die Unternehmenswerte von Zalando verstoßen und wir distanzieren uns klar davon. Zalando steht für eine vielfältige, offene und bunte Belegschaft. Wir haben dem Mitarbeiter verschiedene soziale Anlaufstellen genannt, die ihm hoffentlich helfen können, ein besseres Verständnis für seine Mitmenschen zu entwickeln."

"Homophpbie ist kein Kavaliersdelikt"

Auf Facebook verteidigte "Enough is Enough" das Vorgehen gegen die beiden jungen Erwachsenen: "Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und Homophobie ist kein Kavaliersdelikt", heißt es in dem Post von Mittwoch. "Uns ist bewusst, dass mit diesen Strafanzeigen und dem öffentlichen Benennen von Homophobie auch persönliche – teilweise sehr junge – menschliche Geschichten verbunden sind. Dennoch haben wir alle eine Verantwortung, Menschen vor solchen (möglichen) Gewaltaufrufen zu schützen."

Dass "Enough is Enough" auch die Senterra AG als Saras Arbeitgeber informierte, kritisierten einige Fans der Seite als "Denunziation": "Wir haben uns lange gefragt, ob wir den Arbeitgeber von Sara informieren sollten", räumte die Gruppe auf Facebook ein. "Nach unserer Recherche haben wir herausgefunden, dass Sara erst seit wenigen Tagen eine Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen hat. In Anbetracht dieser Tatsache, dass unter den von ihr betreuten, pflegebedürftigen Personen auch LGBTI*-Menschen dabei sein könnten und sie ihren Hass unter diesen Menschen womöglich auslässt, war unsere Entscheidung eindeutig."

Auf Nachfrage von queer.de bekräftigte "Enough is Enough"-Projektleiter Alfonso Pantisano die Auffassung der Gruppe, dass der "umgehende Schutz" etwaiger homosexueller Pflegebedürftiger "definitiv über der Privatsphäre von Sara" stehe. Auf die grundsätzliche Frage, ob Menschen, die auf Facebook Hass verbreiten, kein Recht auf einen Arbeitsplatz hätten, bemühte er in einer Gegenfrage ebenfalls nur die queeren Patienten. Zum möglichen Schaden, den Max H. im Lager von Zalando anrichten könnte, äußerte er sich nicht. Als "Sieger" will Pantisano aber nicht dastehen. "Wir feiern uns nicht", sagte er gegenüber queer.de.

"Enough ist Enough" kündigte auf Facebook an, auch in Zukunft kompromisslos gegen homophobe User-Kommentare vorzugehen. "Wir beobachten weiterhin das Netz, das klingt zwar idealistisch, aber unsere Arbeit ist erst getan, wenn es keine Homophobie mehr gibt." (mize)

Kommentar: Berufsverbot für Homophobe? (27.08.2015)

Umfrage zum Artikel

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    Ergebnis der Umfrage vom 28.08.2015 bis 14.12.2015


#1 Harry1972Profil
  • 27.08.2015, 13:10hBad Oeynhausen
  • Ich finde gut, daß immer mehr Menschen gegen diese Online-Hetze vorgehen.
    Jeder kann heute ganz bequem und ebenfalls online Strafanzeige erstatten. Einfach einen Screenshot machen und melden, z.B. hier:
    www.bkms-system.net/bkwebanon/report/clientinfo?cin=12lkabw2
    3re&language=ger


    Bei Facebook bin ich in einer Gruppe vertreten, die sich "Auslenda nehmn uns der Bildunk weg" nennt. Die Initiatoren dieser Gruppe sind höchst engagiert und erfolgreich. Die haben kürzlich auch eine Altenpflegerin beim Arbeitgeber gemeldet, die angekündigt hatte, Menschen töten zu wollen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 na jaAnonym
#3 auchAnonym
#4 seb1983
  • 27.08.2015, 13:28h
  • Antwort auf #2 von na ja
  • Was aus dieser Information gemacht wird lag ja bei den Arbeitgebern und dem Betriebsrat.

    Da wären noch eine ganze Reihe anderer Reaktionen drin gewesen:
    - eine öffentliche Entschuldigung
    - Engagement im LGBT Bereich
    - Spenden
    und noch einiges mehr.

    Nach interner Diskussion, und vermutlich auch mit den Betroffenen, war dies nun die Lösung.
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#5 HonestAbeProfil
#6 ThorinAnonym
  • 27.08.2015, 13:35h
  • Ich finds überhaupt nicht gut, besser wäre es solche Leute mit Argumenten zu überzeugen, dass sie flasch liegen, anstatt sie zu denunzieren.
    Was habt ihr denn mit der Aktion erreicht ausser dass die beiden jetzt arbeitslos sind und auch dem schwulen Steuerzahler auf der Tasche liegen?
    So eine Aktion führt nicht zum Umdenken, im Gegenteil, die sagen sich jetzt: "Die Schwuchteln haben Schuld dass ich jetzt arbeitslos bin" und schließen sich schlimmstenfalls dann solchen Leuten an wie dem Dortmunder Stadtschutz oder der Scharia Polizei und belästigen vielleicht sogar Schwule weil sie sich in die Ecke gedrängt fühlen.
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#7 seb1983
#8 ChristaneAnonym
  • 27.08.2015, 13:50h
  • Wer hat in diesem Land ein RECHT auf einen Arbeitsplatz? Wäre mir neu, dass dieses Recht besteht. Außerdem bleibt immer noch ein aufrichtiges Bereuen und aktives Ändern der eigenen Sichtweise hin zu Vielfalt und Toleranz. Dann würde sich ggf. auch ein neuer Arbeitgeber finden, der diesen jungen Menschen noch mal eine Chance gibt.
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#9 StanislawAnonym
  • 27.08.2015, 13:58h
  • Antwort auf #2 von na ja
  • Kommst du dir mit deinem Kommentar nicht total albern vor? Der Unterschied ist, dass Homosexualität kein Mordaufruf ist und nicht auf die körperliche Unversehrtheit anderer Menschen zielt.

    Vollkommen (!) absurder Kommentar.
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#10 Monster_BabyEhemaliges Profil
  • 27.08.2015, 14:07h
  • Antwort auf #6 von Thorin
  • Wer Menschen den Tod wünscht, überschreitet eine Grenze, die nicht hinnehmbar ist. Gerade von einer/m Jugendlichen, der im Pflegebereich arbeitet, muss man Verantwortungsgefühl und, zumindest ansatzweise, eine menschliche Reife erwarten können.
    Ich glaube nicht, dass ein Mensch, der einen derartigen Hass verbreitet, zugänglich für sachliche Argumente ist. Mit Homophobie muss man als Schwuler, Lesbe und Bisexueller leben lernen, mit Todeswünschen oder Morddrohungen nicht - das geht eindeutig zu weit.
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