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  • 03.09.2015, 12:25h           122      Teilen:   |

"Göttliche Autorität"

Kim Davis: Die neue Heldin der Homo-Hasser

Artikelbild
Kim Davis führt ihr Standesamt wie eine Kirche

Zu Update springen: Richter steckt Davis in Beugehaft (19:30h)

In Teilen der USA weigern sich Standesämter immer noch, Schwule und Lesben zu trauen. Star dieser Bewegung ist eine dreifach geschiedene Frau aus Kentucky.

Von Dennis Klein

Am 26. Juni hat der Supreme Court entschieden, dass Schwule und Lesben wie Heterosexuelle in ganz Amerika das Recht auf Eheschließung haben. Über zwei Monate später ist das Urteil aber immer noch nicht ganz in die Provinz vorgedrungen. In mehreren, insbesondere südlichen Bundesstaaten weigern sich vereinzelt Standesbeamte, gleichgeschlechtlichen Paaren Ehescheine auszugeben. Keine erlangt dabei so viel Prominenz wie die störrische Beamtin Kim Davis aus dem ländlichen Bezirk Rowan in Kentucky, und keine erzielte so viel Spott.

Die 49-Jährige ist als "County Clerk" Herrscherin über die Verteilung von staatlichen Ehescheinen im Bezirk. Sie erklärte sofort nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, dass sie keine Eheschließungen mehr im Bezirk durchführen werde – weder für Homos noch für Heteros. Als Grund führt sie aus, dass sie als Christin nicht dazu gezwungen werden könne, etwas zu tun, was gegen ihren Glauben verstößt. Und so wies sie bereits mehrere Homo-Paare ab und ließ sich dafür auf Demonstrationen gegen LGBT-Rechte feiern.

Damit überschritt sie ihre Kompetenzen. Zwei Gerichte haben in den letzten Wochen bereits entschieden, dass es zu ihrem Job gehört, Ehescheine für alle auszustellen, die nach US-Recht heiraten dürfen. Am Dienstag hat der Supreme Court einen Einspruch der 49-Jährigen abgelehnt und sie aufgefordert, den Urteilen der früheren Instanzen zu folgen. Aber sie weigert sich seit Tagen beharrlich. Am Dienstag erklärte sie vor laufenden Kameras, dass Gott persönlich ihr die Autorität gebe, so zu handeln: "Ich habe keine Abneigung gegen irgendjemanden. Das ist für mich kein schwules oder lesbisches Thema. Es geht um die Ehe und um Gottes Wort."

Youtube | Kim Davis erklärte am Dienstag einem heiratswilligen Homo-Paar (und vielen Reportern), dass sie Gottes Autorität habe, Schwulen und Lesben die Ehe zu verweigern
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"Mach deine Arbeit!"

Vor dem Bezirksamt im Städtchen Morehead protestieren nun – neben Unterstützern von Davis – immer öfter LGBT-Aktivisten. Einige forderten in Sprechchören "Mach deine Arbeit!" und verwiesen darauf, dass Davis vielleicht nicht so sehr auf andere herunterschauen solle als Frau, die bereits zum vierten Mal verheiratet ist und deren zwei Kinder außerehelich geboren wurden. Soziale Netzwerke sind voll von Spott über die Frau.

Auch wurde sie von Protestlern aufgefordert, nicht Fehler aus den Sechzigern zu wiederholen: Damals wurde das Verbot von heterosexuellen gemischtrassigen Ehen in großen Teilen des Südens für verfassungswidrig erklärt. Und auch damals führte das zu einem Schock unter vielen Evangelikalen, die das Rassenmischverbot mit Zitaten aus der Bibel begründeten. Gott habe schließlich die babylonische Sprachverwirrung nur eingeführt, um die Rassen voneinander zu trennen, so die Argumentation, der heute nur noch wenige Christen folgen.

Für die religiöse Rechte ist Davis mit ihrer homofeindlichen Haltung aber ein Star: So verglich Bryan Fischer von der American Family Association, einer der einflussreichsten Lobbygruppen gegen LGBT-Rechte, die Taten von Davis mit der von Widerstandskämpfern im Dritten Reich. Wenn es mehr Leute wie Davis in Auschwitz gegeben hätte, wären weniger Juden getötet worden, sagte Fischer allen Ernstes.

Paul: Davis als "Teil des American Way"

Der "libertäre" Präsidentschaftskandidat Rand Paul hat großen Respekt für Kim Davis
Der "libertäre" Präsidentschaftskandidat Rand Paul hat großen Respekt für Kim Davis

Selbst republikanische Präsidentschaftskandidaten, insbesondere aus dem Süden, schließen sich den Lobeshymnen an. So erklärte Rand Paul im "Boston Herald Radio" auf die Frage, was er von Davis halte: "Menschen, die ihren Standpunkt deutlich machen und das tun, was sie glauben, sind Teil des American Way." Paul ist derzeit einer von zwei US-Senatoren für Kentucky. Marco Rubio aus Florida rief dazu auf, Respekt vor den religiösen Ansichten von Davis zu haben – zu Respekt gegenüber Schwulen und Lesben sagte er nichts.

Aber selbst manchen erbitterten Gegnern von Homo-Rechten geht Davis' Position zu weit, wie der Präsidentschaftskandidat Lindsey Graham aus South Carolina erklärte: "Ich verstehe ihre Überzeugung, ich unterstütze auch die traditionelle Ehe. Aber sie hat einen Job akzeptiert, in dem sie alle Menschen vor dem Gesetz gleichbehandeln muss."

Trotz ihres Rechtsbruchs ist es allerdings schwierig, Davis zu feuern, da "City Clerks" in Kentucky vom Volk gewählt werden. Eine Amtsenthebung von Davis, die im November 2014 als Bewerberin der Demokraten erstmals mit 53 Prozent der Stimmen gewählt wurde, kann damit nur durch ein kompliziertes und langwieriges "Impeachment"-Verfahren vom Parlament des Staates durchgeführt werden – oder wenn sie sich strafbar macht. Der Justizminister von Kentucky versucht deshalb, sie wegen eines Dienstvergehens vor Gericht zu bringen. Auch die Bürgerrechtsorganisation ACLU hat sie verklagt. Ein weiterer Ausweg wäre ein freiwilliger Rücktritt von Davis. Allerdings scheint sie einen aufregenderen Showdown anzustreben.

 Update  19.30h: Davis in Beugehaft

Ein Bundesrichter hat am Donnerstag Davis durch US Marshals festnehmen lassen. Bei einer Verhandlung, zu der er die störrische Standesbeamtin und ihre Mitarbeiter vorgeladen hatte, fand er sie der Missachtung des Gerichts schuldig, da sie sich seinem Urteil widersetzt hatte und weiter widersetzen wollte. Davis wurde vor Ort ohne Handschellen abgeführt; nach US-Recht kann sie in Gewahrsam bleiben, bis sie sich dem Gericht beugt.

Die Beamtin hatte zuvor gegenüber der Presse bekannt gegeben, lieber ins Gefängnis gehen zu wollen als schwulen oder lesbischen Paaren Ehebescheinigungen auszustellen. Bürgerrechtsorganisationen und einige Homo-Paare, die von Davis abgewiesen worden waren, hatten eine Geld-, aber keine Gefängnisstrafe gefordert.

 Update  23.50h: Weitere Reaktionen

Der von George W. Bush ernannte Bundesrichter hätte Davis die Haft erspart, hätte sie sich bereit erklärt, dass ihre Stellvertreter Homo-Paaren die Ehescheine ausstellen – fünf von sechs waren dazu bereit, nur ihr eigener Sohn nicht. Aber auch diesem Kompromiss wollte Davis nicht zustimmen.

Ein Sprecher der Weißen Hauses verkündete am Donnerstag, dass niemand über dem Recht stehe. Republikanische Präsidentschaftsbewerber stellten sich hingegen hinter Davis. Es sei absurd, jemand wegen seiner religiösen Freiheiten hinter Gittern zu bringen, meinte Rand Paul. Mike Huckabee sprach gar von "juristischer Tyrannei": Nun gebe es keinen Zweifel mehr, dass die Christenheit in den USA kriminalisiert werde.

In sozialen Netzwerken überwiegen derweil Spott und Unverständnis über Davis. So fragte jemand, was eigentlich passieren würde, wenn auch Gefängnisaufenthalte gegen ihren Glauben verstoßen würden.

Youtube | Kim Davis als umjubelter Star einer Demonstration gegen LGBT-Rechte in der Hauptstadt Frankfort
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Reaktionen zu "Kim Davis: Die neue Heldin der Homo-Hasser"


 122 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
03.09.2015
13:01:02


(-8, 12 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Diese Frau sollte man fristlos entlassen und zudem hoffe ich, daß eine Petition das Ganze auch noch beschleunigt!


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#2
03.09.2015
13:14:20


(+9, 13 Votes)

Von Roman Bolliger
Antwort zu Kommentar #1 von Patroklos


Hast du den Artikel gelesen?

Die fristlose Entlassung ist danach rechtlich gar nicht möglich (leider, muss man sagen!), die Frau wurde vom Volk gewählt (hier ein zweites leider!), und zudem erst noch als Kandidatin der Demokraten (dass die US-amerikanischen Demokraten auch derart reaktionäre Christenfundis in ihren Reihen haben, erstaunt mich schon).

Vielleicht könnte sie als unzurechnungsfähig deklariert werden? Dann könnte sie vielleicht ihres Amtes suspendiert werden?


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#3
03.09.2015
13:19:46


(+10, 12 Votes)

Von ehemaligem User Defragmentierung


Zum Glück gibt es inhaltlich nichts zu sagen über diese von der Zeit vergessenen Voodoo-Dame. So kann man sich getrost mit Spotten amüsieren: Verkörpert sie nicht in treffender Weise, zumindest dem reizenden Foto nach, genau den Typ von Sissy Spaceks Mutter in "Carrie"?

Margaret White: "I can see your dirty pillows. Everyone will."


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#4
03.09.2015
13:26:37


(-17, 21 Votes)

Von Pfarrer H


Man sollte die religiösen Gefühle anderer Menschen respektieren. Die Paare können auch in ein anderes county von Kentucky ziehen, wenn Ihnen die Ehe so wichtig ist. Mit tut die Frau und was sie durchmachen muss leid.


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#5
03.09.2015
13:34:45


(-18, 20 Votes)

Von Serkan


Wenn sie die angedrohten Konsequenzen aufgrund ihrer Überzeugung in Kauf nimmt, ist ihre Geradlinigkeit als mutig, unbeugsam zu bezeichnen.


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#6
03.09.2015
14:00:16


(+9, 9 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #3 von Defragmentierung


Stimmt.

Auch hier ist der Widerstand gegen die Gleichheit in den frommen USA erstaunlich schwach.

Im laizistischen Frankreich kamen die gewählten Homophoben nicht mit göttlichen Stimmen, sondern mit Marianne und Jakobinermütze daher - im 'Heldenkampf' gegen die Gleichheit:

Link zu www.mairespourlenfance.fr


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#7
03.09.2015
14:00:56
Via Handy


(+13, 15 Votes)

Von Pfote
Antwort zu Kommentar #5 von Serkan


Wow, was für ein Trollbeitrag. Nach dieser Logik wäre auch jeder Selbstmordattentäter ein leuchtendes Beispiel unbeugsamer Gradlinigkeit.


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#8
03.09.2015
14:06:08
Via Handy


(+14, 14 Votes)

Von Nico


Wenn Standesbeamte sich weigern, ihre Arbeit zu machen, müssen sie eben entlassen werden.

Und die Behörden, die Urteile des obersten Gerichts missachtetn, müssen notfalls so lange Strafen und Schadenersatz zahlen, bis sie sich endlich an Recht und Gesetz halten.


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#9
03.09.2015
14:08:47
Via Handy


(+10, 12 Votes)

Von Felix


"Star dieser Bewegung ist eine dreifach geschiedene Frau aus Kentucky."

Das zeigt wieder mal die Scheinheiligkeit und Doppelmoral dieser Fanatiker...


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#10
03.09.2015
14:10:16


(+10, 10 Votes)

Von no_name_01
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Eine dreifach geschiedene Frau mit zwei außerehelichen Kindern schwingt sich zur Stimme der rechten, gottesfürchtigen Bürgern. Wahnsinn, wie das Thema Homosexualität sogar Aversionen gegen Scheidung und unehelichem Nachwuchs, welche auch Feindbilder dieser Bewegung darstellen, verpuffen lässt. Getreu dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.


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