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  • 06.09.2015, 09:14h           12      Teilen:   |

TV-Kritik

Neue Trans-Comedy der BBC

Artikelbild
Mit "Boy meets Girl" ist der BBC eine Feel-Good-Comedy mit Botschaft gelungen. Werden Judy und Leo zueinander finden? (Bild: BBC)

Mit dem Sechsteiler "Boy meets Girl" zeigt der britische Sender die erste Sitcom mit einer Transsexuellen, die von einer Transsexuellen gespielt wird.

Von Norbert Blech

Eine Zufallsbekanntschaft steht im Mittelpunkt der neuesten BBC-Sitcom mit Community-Bezug, die am Donnerstag Premiere auf der Insel hatte: Der 26-jährige Leo (Harry Hepple) lernt in einer Bar die 40-jährige Judy (Rebecca Root) kennen.

Man verabredet sich auf ein Date. "Ich wurde mit einem Penis geboren", eröffnet es Judy – das wolle sie "lieber jetzt als später" sagen. Während es Leo die Sprache verschlägt, wird der überraschte Kellner, der die Bestellung aufnehmen wollte, wieder weggeschickt.

Mit dieser Szene im Mittelpunkt könnte eine Serie schnell kippen, doch "Boy meets Girl" fängt sie auf, umhüllt sie in eine Erzählung, wie beide sich auf das Date vorbereiten. Man fiebert bereits mit den beiden Darstellern mit, hat bereits ihre jeweiligen Familen kennengelernt.

"Boy meets Girl" ist die erste BBC-Serie mit einer transsexuellen Hauptfigur, die von einer Transsexuellen gespielt wird – das war bereits eine Vorgabe für das Casting. Die 46-jährige Root machte sich als Stand-up-Comedian einen Namen und arbeitet zudem als Voice Coach für Transsexuelle und Transgender. Entsprechend hoch waren die Erwartungen.

Youtube | Der Trailer zu "Boy meets Girl"
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Bemühte Comedy, unbemühte Menschlichkeit

Enttäuscht ist man nicht von der Serie, ganz zufrieden auch nicht: Bisweilen wirken viele Stellen zu bemüht auf Comedy getrimmt, gerade bei den Nebenrollen, selbst auf Slapstick mag man nicht verzichten. Ja, Judys Mutter ist schön schrullig und sympathisch in ihrer Akzeptanz der Tochter, Leos Familie ist modern kumpelhaft zueinander. Als Sitcom funktioniert das trotzdem nur bedingt.

Vielleicht hätte man sich einfach auf eine Romantic Comedy konzentrieren sollen. Denn den Teil macht die Serie dann doch ganz hervorragend: Wie Root und Hepple miteinander harmonieren, ist schön anzusehen und glaubhaft, schafft gute Laute. Zum Schluss sagt Leo, Judy könnte die Richtige für ihn sein – die nächste Episode wird also ein Pflichtermin.



Um Trans-Fragen ging es bis dahin kaum, und man wird genauer hinschauen müssen. Als Leo in seiner ersten Sprachlosigkeit fragt, ob Judy quasi im falschen Körper geboren sei, sagt sie Ja – es gibt einige Trans-Verbände, einige Transsexuelle, die diese Aussage als diskriminierend auffassen. Wenn sie an anderer Stelle in einem Nebensatz von merkwürdigen Ärzten spricht, hofft man, dass mehr Scherze, mehr Hintergrund aus ihrer Perspektive folgen werden.

Eigentlich sollte es gelingen, Klischees und unglückliche Sprache zu vermeiden: Die Serie ist eine Folge einer Veranstaltung der Organisation "All About Trans", die Medienschaffende und Trans-Aktivisten zusammenbrachte. Daraus entstand der "Trans Comedy Award", mit dem die BBC Scripts suchte, die Trans-Charaktere in einem positiven, selbstbewussten Licht zeigen. Zu den Gewinnern gehörte das Drehbuch von Elliott Kerrigan, aus dem ein Pilotfilm für "Boy meets Girl" wurde. Nachdem BBC Two die Serie in Auftrag gab, wurden einige Szenen neu gedreht und die Handlung vom Filmort Manchester nach Newcastle verlegt. Ob "Boy meets Girl" irgendwann in Deutschland zu sehen sein wird, steht in den Sternen.

Trans in Serie

Rebecca Root ist übrigens erst die zweite Transsexuelle in einer Trans-Rolle im britischen Fernsehen; erst im Februar hatte es eine entsprechende Premiere in einer Folge der Episoden-Serie "Banana" im Jugendkanal E4 gegeben (eine queere Begleitserie zu Russel T. Davies' hevorragendem schwulem Drama "Cucumber"). Bethany Black spielt darin Helen, die von einem Ex-Lover gestalked wird und der sich dann mit der Veröffentlichung eines Sextapes rächt.

Youtube | Bethany Black in "Banana"

Transsexuelle und Transgender sind dabei nichts ungewöhnliches im britischen Fernsehen, die Soap "Coronation Street" (ITV Granada) bot etwa zwischen 1998 und 2014 eine Transsexuelle (gespielt von Julie Hesmondhalgh, Henrys Schwester in "Cucumber"), die in späteren Folgen vor allem als Frau wahrgenommen wurde. In der hevorragenden Serie "Hit & Miss" (Sky Atlantic, 2012) spielte Chloë Sevigny eine transsexuelle Auftragskillerin.

2012 gab der populäre Schauspieler Sean Bean in einer Folge der BBC-Episoden-Serie "Accused" einen Transvestiten, der des Mordes beschuldigt wird. Dafür bekam er einen International Emmy.

Youtube | Viel zu unbekannt: Trailer zu "Hit & Miss"
Links zum Thema:
» BBC-Seite zu "Boy meets Girl"
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Tags: bbc, comedy, sitcom, transsexuelle, boy meets girl, rebecca root
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Reaktionen zu "Neue Trans-Comedy der BBC"


 12 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
06.09.2015
11:16:44


(+5, 5 Votes)

Von Sebi


Wenn man sich mal anguckt, was es im britischen, amerikanischen und französischen Fernsehen (und auch in vielen anderen Staaten von den Niederlanden bis zu den skandinavischen Ländern) alles an Filmen und Serien mit GLBT-Themen gibt...

Und wieviele GLBT-Charaktere es auch in anderen Filmen und Serien gibt... Und wie selbstverständlich das alles ist...

Da kann man als Deutscher, Österreicher und Schweizer nur neidisch werden.

Wieso gibt es da im deutschen Fernsehen so wenig? Und die wenigen Sachen, die kommen, werden entweder im Nachtprogramm versteckt und/oder sie laufen auf kleinen Spartensendern.

Wir wollen ja keine Überpräsenz. Wir wollen nur einen Anteil, der wenigstens ansatzweise dem tatsächlichen Anteil in der Gesellschaft entspricht. Das ist ja wohl nicht zu viel verlangt...


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#2
06.09.2015
12:07:56
Via Handy


(+4, 4 Votes)

Von Felix


Da die Medien mit ihrer Auswahl und Darstellung der Realität enormen Einfluss auf die öffentliche Meinung haben, haben sie auch eine große Verantwortung.

Es wird Zeit, dass auch in Deutschland die Darstellung von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen dem Umfang und der Vielfalt entspricht, wie es in der Realität der Fall ist.

Das ist die Aufgabe der Medien. Und das ist auch ihre Pflicht.


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#3
06.09.2015
12:21:25


(+3, 5 Votes)

Von Heiner
Antwort zu Kommentar #2 von Felix


Speziell in Bezug auf die öffentlich-rechtlichen Sender darf man auch nicht vergessen, dass das nicht nur deren Programmauftrag entspricht, sondern dass sich aus diesem Programmauftrag auch erst das Recht für den Gebühreneinzug ableitet.

Wenn ein signifikanter Teil der Bürger weitestgehend totgeschwiegen wird, muss schon die Frage erlaubt sein, mit welchem Recht LGBTI dann noch zur Zahlung der Rundfunkgebühren verpflichtet werden können.

Ich bin froh, dass es nicht nur die Privatsender gibt und zahle gerne für gutes Fernsehen und Radio. Aber dazu gehört für mich auch, dass LGBTI auch angemessen repräsentiert werden. Sowohl bezüglich des Umfangs als auch der Art der Darstellung.


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#4
06.09.2015
12:24:53


(-2, 2 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Sebi


Diese Woche im WDR-Fernsehen:

Link zu www1.wdr.de

Wie bezeichnend!


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#5
06.09.2015
12:37:03


(+3, 5 Votes)

Von Carsten AC


Wenn das mit unserer Unterrepräsentation in den deutschen Medien so weiter geht, muss ich davon ausgehen, dass das kein Zufall mehr ist, sondern dass da eine Strategie und volle Absicht hinter steckt.

Unsichtbar machen ist eine der fünf Herrschaftstechniken / Unterdrückungsmechanismen.

Siehe:
Link:
de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf_Herrschaftstechnik
en


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#6
06.09.2015
14:40:41


(+3, 3 Votes)

Von Tobi Cologne


Sieht sehr vielversprechend aus.


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#7
06.09.2015
15:25:03


(-1, 5 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #5 von Carsten AC


Die Unterrepräsentation ist ja nicht neu sondern seit bald 70 Jahren so, der Unterschied ist dass es erst heute so erkannt und benannt wird.

Aber mal das gesamt Programm betrachtet:
Was waren die letzten innovativen, anspruchsvollen, frechen, guten, neuen TV Produktionen oder Serien aus deutschsprachiger Produktion?

Man traut sich nichts, alles was sehenswert ist wurde aus dem Ausland zugekauft, Einschaltquoten sinken und jüngere ziehen sich immer mehr über Netflix und Co.

Dass dabei dann auch Schwule auf der Strecke bleiben verwundert nicht wirklich.


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#8
06.09.2015
22:29:59


(+3, 3 Votes)

Von Kaktus


Wo gerade von "LGBT-Charakteren im deutschen Fernsehen" die Rede ist:

Ich glaube, auf queer.de wurde noch nicht darauf hingewiesen, dass auf VOX seit vergangenen Mittwoch die erste Staffel der (amerikanischen) Anwalts-Krimiserie 'How To Get Away With Murder' gesendet wird, in der einer der Protagonisten ein schwuler Jura-Student ist... dessen Sexszenen beim US-Publikum seinerzeit für ziemlichen Wirbel gesorgt haben.

Die ersten vier Episoden von letzter Woche kann man noch auf voxnow nachholen, wobei besonders die 4. relevant ist (die Serie selbst ist mMn aber nur Mittelmaß).


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#9
06.09.2015
23:54:21


(+3, 5 Votes)

Von bildungsauftrag


mal so als beispiel:

von einer langjährigen soap-opera-autorin, die u. a. wesentlich für das erste langjährige schwule paar im us-tagesprogramm verantwortlich zeichnete.

man vergleiche das mit den ton angebenden schreiberlingen bei ard und zdf.

Link:
twitter.com/PFossil/status/640573752762363904


sie schreibt jetzt ganz neu für diese seit über 40 jahren laufende tägliche serie:

Youtube-Video:


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#10
07.09.2015
12:04:12


(+1, 3 Votes)
 
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