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  • 08.09.2015, 17:41h           35      Teilen:   |

Ein Mythos?

Forscher: Es gibt keinen Gaydar

Artikelbild
Wer ist homo, wer ist hetero? Ohne sozialen Kontext ist der sogenannte Gaydar laut den Forschern nur ein Lotteriespiel (Bild: flickr / GGAADD / cc by 2.0)

Können wir anhand von neutralen Bildern Menschen ansehen, welche sexuelle Orientierung sie haben? Nein, sagen amerikanische Wissenschaftler – und warnen davor, dass der Gaydar-Mythos Klischees zementieren könne.

Ein Team von Wissenschaftlern der University of Wisconsin in Madison hat in einem Forschungspapier erklärt, dass der viel zitierte Gaydar nicht existiere. In dem im "Journal of Sex Research" veröffentlichten Aufsatz argumentieren die Forscher sogar, dass es gefährlich sei, weiter am Konzept des Gaydars festzuhalten, da es sich um eine schädliche Form der Stereotypisierung handle.

Bisher waren mehrere Wissenschaftler zum Schluss gekommen, dass es den Gaydar wirklich gibt: US-kanadische Forscher wollten etwa herausgefunden haben, dass fruchtbare Frauen an Bildern am besten erkennen konnten, ob ein Mann schwul oder hetero ist (queer.de berichtete). Niederländische Forscher erklärten, dass Schwule und Lesben einen besseren Gaydar als Heteros hätten, weil sie mehr auf ihre Umwelt achteten (queer.de berichtete).

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Irreführende Fotos

Die Forscher aus Wisconsin haben nun mehrere dieser Untersuchungen unter die Lupe genommen, insbesondere eine US-Studie aus dem Jahr 2008, nach der Menschen Homo- und Heterosexuelle richtig zuordnen konnten, nachdem sie nur für den Bruchteil einer Sekunde ein Bild dieser Personen gesehen haben (queer.de berichtete).

Damals seien Fehler in der Versuchsanordnung gemacht worden, behaupten nun die Forscher um den Psychologen Dr. William Cox. So seien die Bilder von Schwulen und Lesben in dieser Studie von besserer Qualität gewesen als die von Heterosexuellen. So seien die Ergebnisse verfälscht worden.

Zudem sei problematisch, dass die gleiche Anzahl von Homo- und Heterosexuellen gezeigt wurde, obwohl der Anteil von Homosexuellen nur bei rund fünf Prozent liege. Cox erklärt das Problem so: "Stellen Sie sich vor, 100 Prozent der schwulen Männer tragen die ganze Zeit rosa Hemden, aber nur zehn Prozent der Heteros. Auch wenn alle Schwule rosa Hemden tragen, sind es in absoluten Zahlen immer noch doppelt so viele Heterosexuelle." In diesem extremen Beispiel wäre der Gaydar also – sollte man rosa Hemden mit Homosexuellen verbinden – in zwei von drei Fällen falsch.

Forscher: Wer an den Gaydar glaubt, glaubt an Klischees

In einem eigenen Versuch stellten Cox und die anderen Wissenschaftler drei Gruppen von Probanden verschiedene Erklärungen des Gaydars vor: Einer Gruppe wurde erzählt, der Gaydar existiere wirklich, einer anderen, der Gaydar sei nur ein Klischee. Gegenüber einer dritten wurde der Gaydar nicht definiert.

Ergebnis: Die Gruppe, die den Gaydar für echt hielt, benutzte viel häufiger Klischees als die anderen Gruppen, etwa: Der Schwule mag Shopping, er ist modebewusst, er mag keinen Sport. "Wenn man Leuten erzählt, dass sie einen Gaydar haben, dann legitimiert das diese Form von Stereotypisierung", so Cox. Mit derartigen Klischees würden Vorurteile geschürt und Diskriminierung bis hin zur Aggression wahrscheinlicher gemacht.

Im Forschungspapier zogen die Autoren daher die Schlussfolgerung, dass man eher die Ähnlichkeiten als die Unterschiede der Gruppen hervorheben solle. (dk)

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Tags: gaydar, studie, usa, wisconsin
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Reaktionen zu "Forscher: Es gibt keinen Gaydar"


 35 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
08.09.2015
17:47:12


(+5, 7 Votes)

Von AliCologne
Aus Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 17.09.2013


Tja, dann hat mein Gaydar trotzdem fast zu 98% recht. Klischees hin oder her.


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#2
08.09.2015
18:05:10


(+4, 6 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013


Ich weiss nicht, was die Forscher ständig mit ihren "neutralen Bildern" haben.
Lebensnah ist sowas nicht, denn mein Gaydar, so möchte ich behaupten, funktioniert nur bei einem tatsächlichen Kontakt und dann ist er doch recht zuverlässig, weil viel mehr Sinneseindrücke verarbeitet werden.
Insofern haben die Forscher doch irgendwie recht, denn mit ihren "neutralen Bildern" erschaffen sie erst die Grundlage, um mit Klischees zu arbeiten. Erwiesen scheint mir da bloß, daß Gaydar in solchen Versuchsaufbauten nicht funktioniert und die Forscher selbst in Klischees denken.


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#3
08.09.2015
18:17:56


(-5, 11 Votes)

Von n dnddhd
Antwort zu Kommentar #1 von AliCologne


Pure Einbildung, Ali. Das glaubt dir hier keiner.


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#4
08.09.2015
18:25:29


(+7, 9 Votes)

Von AliCologne
Aus Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 17.09.2013
Antwort zu Kommentar #3 von n dnddhd


Ach das ist schon OK. Glaube ist die hässliche Schwester von Wissen.


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#5
08.09.2015
18:40:22


(+4, 8 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013
Antwort zu Kommentar #3 von n dnddhd


"Das glaubt dir hier keiner."

Gewagte Aussage und schnell widerlegt, denn ich glaube ihm das.


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#6
08.09.2015
18:49:41


(+5, 7 Votes)

Von no_name_01
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Mein Gaydar funktioniert tadellos! Dabei bezieh ich mich nie auf Mode, sondern wie mein Gegenüber sich in meiner Gegenwart gibt...dabei reicht schon ein kurzer Blick ins Gesicht (das Gesicht liefert schier unendliche Expressionen), dann ein Blick auf die Gestikulation und voilà! Es gibt nicht umsonst den Begriff Körpersprache/Bodylanguage


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#7
08.09.2015
20:18:01


(+7, 7 Votes)

Von Jadughar
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.04.2011


Da kann ich nur von mir selbst auf andere schließen. Als Schwuler schaue ich meistens in die Gesichter von Männern, die mir gefallen. In die Gesichter von Frauen schaue ich nur sehr wenig hin, oder die Frauen werden von mir kaum beachtet. So habe ich durchaus ein Verhalten, was andere bei genauer Beobachtung erkennen können. Da ich in einen für mich attraktiven Mann länger in die Augen schaue, so kann jener Mann, der meinen Blick erwidert, erkennen, daß ich ihm gegenüber Interesse zeige. Umgekehrt wird der erwiderte Blick von mir von meinen Gegenüber wahrscheinlich ebenso interpretiert.


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#8
08.09.2015
20:31:36
Via Handy


(+7, 7 Votes)

Von daVinci6667
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Tatsächlich halte ich es fast für unmöglich anhand von Bildern herauszufinden wer schwul ist. Hat man jemanden vor sich und kann ihn beobachten ist das viel einfacher. Mein Mann behauptet seine Gaydar funktioniere zu 80%, bei mir stimmts mit Sicherheit in zwei von drei Fällen.

Möglicherweise fällt dies uns älteren Semestern einfacher da wir noch ohne soziale Medien aufgewachsen sind. Heute läd Mann sich eine entsprechende App runter und schaut wer in der Nöhe gerade was sucht. Das macht meiner Meinung nach den Gaydar jedoch längst nicht überflüssig. Schön doof wenn der Traumtyp 10 Meter entfernt gerade eine andere Gayapp nutzt!

Wollte ich in jungen Jahren sofort mit Sicherheit wissen was Sache ist und nicht plump fragen, habe ich einfach frech und deutlich auf seinen Schritt geschaut. Braucht etwas Mut aber funktioniert. Merkt er nichts oder glaubt er an eine hängen gebliebene Brotkrume oder an einen Fleck an der Hose ist er hetero. Guckt er auf meinen Schritt zurück oder lächelt freundlich ist er schwul!


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#9
08.09.2015
21:03:47


(+6, 8 Votes)

Von TheDad
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Antwort zu Kommentar #5 von Harry1972


Ich auch..

Im Übrigem basiert das Gaydar auf Non-Verbaler Kommunikation..

Die fällt bei "neutralen Fotos" schon per se flach..


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#10
08.09.2015
22:15:06


(+4, 8 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von Jadughar


Jop, das ist wohl die einfachste Methode, guckt er mich an oder nicht, guckt er anderen Frauen hinterher oder Typen, schon sollte die Sache klar sein.
Dass die meisten Heteros andere Schwule um sich herum nicht erkennen liegt einfach daran dass sie Männer einfach nicht beachten.


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