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  • 09.09.2015, 15:41h           111      Teilen:   |

Community in der Schmuddelecke

"Menschliche Vielfalt" statt "sexuelle Viefalt"?

Artikelbild
Bildungsplangegner unterscheiden bewusst nicht zwischen sexueller Orientierung und sexuellen Praktiken (Bild: flickr / Demo für alle / cc by 2.0)

Die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren lehnt einen Vorschlag des CSD Deutschland e.V. zur Entschärfung der Bildungsplan-Debatte strikt ab. Wir dokumentieren ihren Offenen Brief.

Von Georg Roth, Reinhard Klenke, Sigmar Fischer, Markus Schupp und Klaus-Dieter Begemann

Der Dachverband der CSDs in Deutschland (CSD Deutschland e.V.) möchte aus der Schmuddelecke heraus, in die er und die gesamte schwule Community von "besorgten Eltern" und konservativ-bürgerlichen Gruppen gerückt wurde. Der CSD Deutschland schlägt daher vor, den Begriff "sexuelle Vielfalt" durch "menschliche Vielfalt" zu ersetzen.

Die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS e.V.) lehnt diesen Vorschlag angesichts der Geschichte der "Generation Stonewall" und der LSBT-Bürgerrechtsbewegung ab. Wir plädieren dafür, uns offensiv mit unseren Gegnern auseinanderzusetzen und unseren LGBT Pride zu bewahren, der Motor unserer Kämpfe für Emanzipation und Selbstbestimmung, Akzeptanz und Bürgerrechte war und bleibt.

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Geschichtsverdrossenheit in der Community.

Als Dachverband steht CSD Deutschland e.V. bereits mit dem Namen in der Tradition der Proteste gegen die staatliche und gesellschaftliche Unterdrückung von uns "Perversen". Schwule wurden aufgrund ihrer Sexualität mit dem Paragraf 175 strafrechtlich verfolgt. Lesben wurde ihre selbstbestimmte Sexualität abgesprochen, sodass viele nur in heterosexuellen Beziehungen gesellschaftliches Überleben erreichen konnten.

Lesben und Schwule wurden bis 1992 pathologisiert, weil gleichgeschlechtliche Liebe und gleichgeschlechtlicher Sex als psychisch krankhaft galten. Trans* und Inter* sowie Menschen mit Fetischen sind hiervon bis heute betroffen. Sollte "sexuelle Vielfalt" durch "menschliche Vielfalt" ersetzt werden, wird die Sexualität von Lesben und Schwulen wieder ins Private zurückgedrängt.

Ficken war gestern?

Holger Edmaier, Peter Steinhoff und Marc-Pierre Hoeft sagen, dass der Begriff "menschliche Vielfalt" den Kern menschlicher Existenz berücksichtigt: Partnerschaft, Liebe, Sexualität, Beziehung und Emotion. Sie sagen dazu: "er menschelt". Wir fragen uns ernsthaft, ob der Sex von Lesben, Schwulen und Bisexuellen mit der Umschreibung "er menschelt" verniedlicht werden muss, um endlich gesellschaftsfähig zu werden?

Sexualität(en) sind politisch.

Wenn der Dachverband der CSDs in Deutschland zu sexueller Vielfalt schweigt, um die Konfrontation mit "besorgten Eltern" und anderen zu vermeiden, wo bleibt dann das Selbstbewusstsein und die Selbstbestimmtheit der Aufstände vom 28. Juni 1969 in der Christopher Street in New York? Wie politisch wollen CSDs noch sein, wenn sie die politische Auseinandersetzung und Konfrontation vermeiden?

Wie steht der CSD Deutschland e.V. dann zu Fetischgruppen, die selbstverständlicher Bestandteil der CSD-Kultur sind? Sollen diese künftig auch nicht mehr dabei sein, weil sie die Gemüter einiger Menschen erhitzen könnten?

Besorgte CSD-Organisator_innen?

Aktuell wird durch die "besorgten Eltern" der Begriff "Gender" (soziales Geschlecht) mit sexuellen Übergriffen an Kindern gleichgesetzt und absichtlich missverstanden. Ihr Slogan gegen eine aufgeklärte Sexualpädagogik lautet: "Nein zu Gender! Finger weg von unseren Kindern!"

Früher wurde Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt, um Lesben und Schwule zu diskreditieren. "Schwul" war lange Zeit eine abwertende Bezeichnung, die wir uns zu eigen gemacht und dadurch "umgedreht" haben. "Schwul" wurde dennoch und wird weiterhin gleichzeitig im öffentlichen Sprachgebrauch als Stigma eingesetzt, etwa in der Rede "Schwulen-Seuchen" und "Schwulen-Krebs" zu Beginn der Aids-Krise oder in der Bezeichnung "Schwuchtel" und "voll schwul!" auf Schulhöfen.

Unsere Community hat sich davon nie abhalten lassen, trotzdem auch "schwul" zu bleiben, und nimmt dies als Herausforderung für erfolgreiche Aufklärungsarbeit unter Jugendlichen. Eine Änderung unserer Begriffe wäre eine Steilvorlage für diese reaktionären und konservativ-bürgerlichen Gruppen.

Die "neue Moral", unsere Sexualität in ihrer Vielfalt nicht mehr zu benennen und sich somit an die Sprache der "besorgten Eltern" anzupassen, ist nicht im Sinne des "Stonewall-Aufstandes". Die menschliche Sexualität in ihrer lebendigen Vielfalt bleibt das identitätsstiftende Merkmal unserer Community. Die Umbenennung unserer Vielfaltsbegriffe wird daran nichts oder nur wenig ändern.

Links zum Thema:
» Das Papier des CSD Deutschland e.V. als PDF
Mehr zum Thema:
» Verband für schwule Senioren gegründet (01.07.2015)
Extra-Umfrage: Welchen Begriff sollten wir in der Diskussion um Bildungspläne verwenden? (Ergebnis)

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Tags: csd deutschland, sexuelle vielfalt, menschliche vielfalt, biss, bundesinteressenvertretung schwuler senioren
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Reaktionen zu ""Menschliche Vielfalt" statt "sexuelle Viefalt"?"


 111 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
09.09.2015
15:50:28
Via Handy


(-8, 16 Votes)

Von FranZiska
Aus Berlin (Baden-Württemberg)
Mitglied seit 21.10.2014


Bin ich leider gegensätzlicher Meinung. Ich finde den Vorschlag gut und richtig. So wird deutlich gemacht, dass es eben nicht um sexuelle praktiken geht, wie uns die besorgtem bürger weis machen wollen. Denn es geht um die frage, wie wir leben wollen. Mit einem mann, einer frau, mit kindern? Das sind aspekte, die vor sexueller vielfalt stehen. Ich kanns verstehen, wenn die alten sagen: kein schritt zurück. Aber wäre es ein rückschritt, wenn wir jetzt von menschlichet statt sexueller vielfalt sprechen? Für die öffentliche debatte wäre es sinnvoll, das "schmuddelige" dort heraus zu nehmen, was da unterschwellig mitwirkt.


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#2
09.09.2015
16:02:55


(-11, 15 Votes)

Von Jeeens


"wird die Sexualität von Lesben und Schwulen wieder ins Private zurückgedrängt"

... wo sie, ebenso wie die Sexualität von Heten, ja auch hingehört?!

In anderen Fällen wird doch argumentiert, die Sexualität sei Privatsache und niemand habe da reinzureden. Warum also alles öffentlich machen?


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#3
09.09.2015
16:06:05


(+10, 14 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012


Leute die Sex "schmuddelig" finden, sind einfach geistig und seelisch zurückgeblieben. Solchen Leuten darf man nicht die politische Bühne überlassen, sondern sollte ihnen bestenfalls mit "Achtung, Mitgefühl und Takt" begegnen.


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#4
09.09.2015
16:07:59


(+13, 15 Votes)

Von Anthrazit
Aus Alfter (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.08.2015
Antwort zu Kommentar #1 von FranZiska


Ich bin schwul. Das bin ich nicht weil ich gern rosa Plüschtapeten an der Wand habe, sondern wegen meiner Sexualität.

Es ist daran nichts "schmuddelig".

Ganz besonders ist es absolute Scheiße ausgerechnet denen auch nur einen Millimeter entgegenzukommen deren einziges gebetsmühlenartiges Thema der gottgefällige Heterofick ohne Kondom oder Pille zwecks Zeugung deutscher Kinder ist.

Es wäre kein Rückschritt "sexuelle Vielfalt" durch "menschliche Vielfalt" zu ersetzen. Es wäre die Kapitulation.

Nebenbei bemerkt, dieser allgemeine Trend hin zu einem asexuellen, marketingkompatiblen glattgeschniegelten Teflon-Schwulen .. der ist Scheiße.

Bissig bleiben, BISS!


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#5
09.09.2015
16:12:57


(+2, 10 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012
Antwort zu Kommentar #2 von Jeeens


Weil du halt auch Null begriffen hast!

Sexualität <> "Schmuddelige Rumfickereien"

Sexualität ist ein wesentlicher Bestandteil menschlicher Identät. Sie prägt unser alltägliches Menschsein. Privatsache sind sexuelle Akte. Sexualität hingegen kann gar nicht Privatsache sein, es sei denn man lebt ein menschenunwürdiges Leben im Verborgenen. Seine Sexualität zu leben bedeutet nämlich solche Dinge wie gemeinsam mit dem Partner ein Hotelzimmer buchen, händchenhaltend am Rhein flanieren oder einen Ehering tragen. Diese Dinge sind selbstverständlich nicht privat und bei Heteros ist das auch jedem sofort und ohne nachzudenken klar.

Aber hey, so einen absolut klaren, eindeutigen und für jeden mit einem halben Affenhirn sofort evidenten Unterschied Typen wie dir zu erklären, ist ohnehin nichts weiter als Perlen vor die Sau.


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#6
09.09.2015
16:32:02


(+8, 10 Votes)

Von ursus


vielleicht kann man das auch diskutieren, ohne persönlich beleidigend zu werden. nur mal so als konstruktive anmerkung. eine scharfe inhaltliche zurückweisung ist etwas anderes als ein angriff gegen die person selbst.


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#7
09.09.2015
16:38:02


(+9, 11 Votes)

Von Clementine
Antwort zu Kommentar #5 von HonestAbe


Ich sag dazu immer kurz und knackig: was ich im Bett mache ist privat, aber nicht mit wem.


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#8
09.09.2015
16:44:57


(+8, 12 Votes)

Von Rosa Soli


Der Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung treibt manch seltsame Blüte. Manchmal reicht er bis zur Selbstverleugnung!

Je länger es dauert, bis die vermeintliche Gleichstellung durch Öffnung der Ehe erreicht ist, desto mehr sind einige Aktivist_innen bereit, ihre Anpassungsleistung zu erhöhen und Wischiwaschi zu veranstalten. Bloß nicht anecken, wir wollen doch alle bloß ein Eigenheim und Kinder! Den schmutzigen Rest erledigen wir diskret über das Internet, damit es keiner mitkriegt. Schrankschwesterntum 2.0

Daumen hoch für die schwulen Senioren!


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#9
09.09.2015
16:49:52


(-2, 10 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012
Antwort zu Kommentar #6 von ursus


Bei einigen Typen hier völlig vergebene Liebesmüh und außerdem meine Sache wie ich mit denen umgehe, danke!


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#10
09.09.2015
16:53:30


(+5, 9 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012
Antwort zu Kommentar #7 von Clementine


Haha, das triffts!


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